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     dc:title="Einleitung zur Reise nach Jedo im Jahre 1826"
     dc:creator="v. Siebold, Philipp Franz"
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     dc:description="Philipp Franz v. Siebold. Nippon. Geographische Forschungen und Reisen. Reise nach dem Hofe des Sj&#244;gun im Jahre 1826. Einleitung zur Reise nach Jedo im Jahre 1826."
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     dc:source="Philipp Franz v. Siebold: Nippon. Archiv zur Beschreibung von Japan und dessen Neben- und Schutzl&#228;ndern Jezo mit den s&#252;dlichen Kurilen, Sachalin, Korea und den Liukiu-Inseln. W&#252;rzburg und Leipzig: Verlag der K.u.K. Hofbuchhandlung v. Leo Woerl 1897 (2. Aufl.)"
     dc:coverage="Japan, Edo, 1826"
     dc:rights="Copyright &#169; 2002-2004 ff. Oliver Rost, Stefan Unterstein -- All rights reserved. GNU Free Documentation License."
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<cmd name="title"><arg>Einleitung<cmd name="\"/>zur<cmd name="\"/>Reise nach Jedo<cmd name="\"/>im Jahre 1826</arg></cmd>
<cmd name="author"><arg><cmd name="textsc"><arg>Philipp Franz v. Siebold</arg></cmd></arg></cmd>
<cmd name="date"><arg>1823<ent:ndash/>1830 in Japan / <cmd name="textsuperscript"><arg>2</arg></cmd>1897 &CMD.dlq;Nippon&CMD.drq;</arg></cmd>
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    <xhtml:img src="PFvSiebold2.jpg" alt="v.Siebold; Kreidezeichnung von Joseph Schmeller, Weimar am 16. Mai 1835" title="Kreidezeichnung von Joseph Schmeller, Weimar am 16. Mai 1835" width="200" height="240"/>
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<cmd name="centerline"><arg><cmd name="textbf"><arg>Das vollständige Kapitel I.2.1 aus &CMD.dlq;Nippon&CMD.drq;</arg></cmd></arg></cmd>

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    <cmd name="emph"><arg>Nippon. Abteilung I. Geographische Forschungen und Reisen. (<cmd name="dots" args="\"/>)
    2) Reise nach dem Hofe des Sj<ent:omacr/>gun im Jahre 1826. 1) Einleitung zur Reise nach Jedo im Jahre 1826.</arg></cmd>
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    In:
    <cmd name="newline"/>
    <cmd name="textsc"><arg>Philipp Franz v. Siebold</arg></cmd> (1796<ent:ndash/>1866<ent:thinsp/>;
    Herausgegeben von seinen Söhnen): <cmd name="textit"><arg>Nippon.</arg></cmd>
    Archiv zur Beschreibung von Japan
    und dessen Neben- und Schutzländern Jezo
    mit den südlichen Kurilen, Sachalin, Korea und den Liukiu-Inseln.
    <ent:ndash/>
    Würzburg und Leipzig<ent:thinsp/>: Verlag der K.u.K. Hof&GER.nolig;buchhandlung v. Leo Woerl
    1897 (2. Auf&GER.nolig;l.; 2 Bde.)
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<cmd name="subsection"><arg>Einleitung zur Reise nach Jedo im Jahre 1826</arg></cmd>


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<TeX>\renewcommand\abstractname{\textui{Übersicht}}</TeX>
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<env name="abstract"><TeX>\renewcommand{\baselinestretch}{1.1}\small</TeX>
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    Vorbereitung zur Reise. <ent:ndash/> Plan zu einer Verlängerung des Aufenthaltes zu Jedo.
    <ent:ndash/> Begünstigung von seiten der Niederländisch-Indischen Regierung. <ent:ndash/> Gutes
    Verständnis mit Japanern, ungünstige Stimmung des Gesandten. <ent:ndash/> Personal der
    niederländischen Gesandtschaft. <ent:ndash/> Schilderung der japanischen Dolmetscher und
    anderer Begleiter. <ent:ndash/> Bediente. <ent:ndash/> Ausrüstung mit Reisegerätschaften und
    Instrumenten. <ent:ndash/> Vorrechte der niederländischen Gesandten. <ent:ndash/> Unpassender
    Gebrauch japanischer Insignien für einen europäischen Gesandten. <ent:ndash/> Art der
    Reisebeförderung<ent:thinsp/>; Beschreibung der Sänften, Reisekoffer, Packpferde und
    Packochsen, Sänften und Lastträger. <ent:ndash/> Chausseen und Poststraßen. <ent:ndash/>
    Meilenzeiger, Meilen. <ent:ndash/> Reisebücher, Wegweiser. <ent:ndash/> Postwesen, Taxordnung für
    Träger und Pferde. <ent:ndash/> Brief- und Eilposten. <ent:ndash/> Feuer- und Raketensignale. <ent:ndash/>
    Gasthöfe und Herbergen. <ent:ndash/> Bäder. <ent:ndash/> Theehäuser usw. <ent:ndash/> Grenzwachen. <ent:ndash/> Brücken.
    <ent:ndash/> Schi&GER.ff;ahrt und Schi&GER.ff;ahrtskunde, Schiff&GER.nolig;bau, Schiffswerften, Seehäfen. <ent:ndash/>
    Flußschiffahrt. <ent:ndash/> Kanäle. <ent:ndash/> Dämme.
</env>
</env>





<x> Von der Reise nach Jedo, welche auf das Jahr 1826 anberaumt war, ließen sich
bei meiner Sendung nach Japan interessante Ergebnisse für die
Naturwissenschaften wie für die Länder- und Völkerkunde erwarten<ent:thinsp/>; um so mehr, da
mir ein mehr als zweijähriger Aufenthalt auf Dezima Zeit und Gelegenheit zu all
den Vorbereitungen geboten hatte, die zur Lösung einer solchen Aufgabe nötig
waren. Es galt aus der bevorstehenden Reise jeden nur möglichen Vorteil zu
ziehen, und mein ganzes Streben ging nun dahin, mich im voraus mit allem, was
das Interesse eines Reisenden in Anspruch nimmt, bekannt zu machen. </x>

<x> Von der Geographie des Landes, von der Sprache der Einwohner, von ihren
Sitten und Gebräuchen hatte ich mir Kenntnis durch den Umgang mit Gebildeten
Japanern verschafft. Wenn auch meine eigenen Exkursionen vorerst nur über einen
kleinen Teil von Kiusiu <ent:ndash/> über die Umgegend von Nagasaki sich erstreckten, so
machten mich doch mit den Naturerzeugnissen der entferntesten Provinzen kundige
Ärzte bekannt, die, um meinen Unterricht in den Natur- und Heilwissenschaften zu
genießen, aus allen Gegenden des Reiches herbeikamen und ihren Lehrer mit
Naturalien und mit Abbildungen naturhistorischer Gegenstände und Büchern
beschenkten. Meine Schüler beeiferten sich, Sammlungen von lebenden und
getrockneten Pflanzen, Tiere und Mineralien aus allen Teilen des Reiches
herbeizuschaffen, und Hunderte von Kranken, die der Ruf des neu angekommenen
Arztes nach Nagasaki lockte, suchten sich durch Überreichung seltener oder in
ihren Augen merkwürdiger Naturerzeugnisse der thätigen Hülfe desselben zu
versichern. </x>

<x> Zum Sammeln der Seetiere bot der Hafen von Nagasaki eine Gelegenheit, wie
man sie kaum besser wünschen kann. Was sich nur immer an Fischen, Krabben u.
dgl. auf den Fischmärkten vorfand, wurde Gegenstand meiner Beobachtung und der
Untersuchung <cmd name="beginpage" args="{49}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg48">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg49">49</xhtml:a><xhtml:a href="#pg50">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> meiner wißbegierigen Schüler. Auch einige Jäger hatte
ich in Dienst genommen, um Vögel und Säugetiere für mich zu erlegen, und andere
Leute wurden zum Aufsuchen der Insekten abgerichtet. Auf Dezima legte ich einen
botanischen Garten an, der infolge meiner vielseitigen Verbindungen bald an
tausend Arten japanischer und chinesischer Gewächse zählte. So kam ich zur
Kenntnis der Fauna und der Flora der japanischen Inseln, und selbst von Jezo und
den Kurilen erhielt ich durch einen vornehmen Japaner, den ich von einer
gefährlichen Krankheit geheilt hatte, eine bedeutende Sammlung naturhistorischer
und ethnographischer Gegenstände. </x>

<x> Die über das Land und dessen Erzeugnisse erlangten Kenntnisse, sowie meine
Erfahrungen über den Kulturzustand des Volkes, über Handel und Gewerbe, Staats-
und bürgerliche Einrichtungen usw. nach allen Seiten zu erweitern, war jetzt der
Hauptzweck der bevorstehenden Reise nach Jedo. Da jedoch die Beschränkungen auf
derselben meinen Forschungen nicht die Ausdehnung und Freiheit versprachen, die
ich in ihrem Interesse wünschen mußte, so faßte ich den Plan, nach Ablauf
unserer Gesandtschaft noch einige Zeit, und zwar auf Staatskosten in Jedo zu
bleiben, unter dem Vorwande, den kaiserlichen Ärzten Unterricht in der Natur-
und Heilkunde zu erteilen, um dann unter günstigeren Verhältnissen später das
Innere des Reiches zu bereisen. Der Einfluß des Statthalters von Nagasaki und
einiger hoher Gönner in Jedo, sowie der günstige Ruf, der mir als Arzt und
Naturforscher vorausgegangen, ließen mich um so zuverlässiger erwarten, die
Regierung in Jedo werde auf diesen Plan eingehen, als die Vorteile, die den
Japanern daraus zuflossen, von zu hoher Wichtigkeit für sie selbst waren. </x>

<x> Die Niederländisch-Indische Regierung, der ich dieses Vorhaben mitteilte,
willigte nicht nur ein und erteilte mir Verhaltungsbefehle, worin die
Gegenstände meiner besonderen Forschungen näher bezeichnet waren, sondern
ermächtigte selbst den Vorsteher der Faktorei und Gesandten Joh. Willem de
Sturler, die Kosten meines etwaigen Aufenthaltes in Jedo und meiner weiteren
Reisen aus der Indischen Kasse zu bestreiten. Auch ersuchte sie den Gesandten,
mich in diesem Plane sowohl als in meinen wissenschaftlichen Unternehmungen
überhaupt durch seinen Einfluß kräftig zu unterstützen. </x>

<x> Einer ähnlichen großmütigen Entschließung der Niederländisch&GER.hy;Indischen
Regierung hatte ich die Bewilligung meines Gesuches um einen Gehülfen und einen
Zeichner zu verdanken. Die Herren Heinrich Bürger und Karl Hubert de Villeneuve
wurden nach Japan gesendet. Herrn Bürger, früher Apotheker bei unsern
Hospitälern auf Java, übertrug ich nun die Fächer der Physik, Chemie und
Mineralogie, die er mit besonderer Vorliebe betrieb, während Herr de Villeneuve,
der zugleich als Beamter bei der Faktorei angestellt war, sich mit Zeichnen
beschäftigte. Beide Herren haben sich im Verlaufe meiner Forschungen rühmlichst
bewährt. </x>

<x> Die niederländischen Schiffe <ent:ndash/> es dürfen jährlich, wie bekannt, nur zwei
zum Handel kommen <ent:ndash/> waren im Dezember 1825 mit ihrer Rückladung nach Batavia
abgegangen, und Dezima und seinen Bewohnern die eintönige Ruhe wiedergegeben,
die zur Handelszeit, gewöhnlich von August bis Dezember, noch durch mancherlei
Arbeiten und Geschäfte unterbrochen wird, als wir mit den Anstalten zu unserer
Hofreise begannen. Die Verhältnisse, unter denen diese Reise gemacht wird, sind
eigentümlicher Art. Einerseits werden die Niederländer als Fremdlinge beschränkt
und stehen unter einer Aufsicht, die ängstlich jeden Schritt bewacht<ent:thinsp/>;
andererseits aber <cmd name="beginpage" args="{50}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg49">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg50">50</xhtml:a><xhtml:a href="#pg51">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> hängt auch vieles von unserem Benehmen, besonders
von dem Einverständnisse mit unsern Führern ab. Manches ließe sich zu unserem
Vorteile ändern und auch die unserer Freiheit gesetzten Schranken könnten
überwunden werden, wenn auch nicht auf offiziellem Wege, doch unter der Hand <ent:ndash/>
an der &CMD.dlq;Binnenkant&CMD.drq;, wie es unsere japanische Dolmetscher im Gegensatz von
&CMD.dlq;Buitenkant&CMD.drqsp; nennen. </x>

<x> Mit unsern japanischen Reisegefährten war ich gut bekannt und mit einigen
selbst befreundet<ent:thinsp/>; kleine Gefälligkeiten, die ich ihnen gerade jetzt, wo sie
sich auch zur Reise zu rüsten hatten, erwies, machten sie noch
entgegenkommender, und ich täuschte mich nicht, wenn ich mir von ihrer
Dienstwilligkeit vieles für die bevorstehende Reise versprach. Auch mit dem
Kuinin, dem Führer der Mission, der bereits im August von Jedo nach Nagasaki
gekommen war, suchten mich meine japanischen Freunde bekannt zu machen, und als
sie ihn bei mir einführten, bot ich alles auf, auch sein Interesse für meine
Person und mein wissenschaftliches Unternehmen zu erwecken. Von seiten der
Japaner also, unter deren Geleite wir die Reise machten, fand ich Anlaß, mir das
Beste zu versprechen <ent:ndash/> Erweiterung der beschränkten Verhältnisse, Gelegenheiten
zu naturhistorischen und anderweitigen Forschungen und, soviel sie vermochten,
selbst eine hülfreiche Hand. </x>

<x> Nicht so waren die Erwartungen, die ich mir von seiten unsers Gesandten, des
Colonels de Sturler machen konnte<ent:thinsp/>; denn, ich muß es mit Wehmut gestehen, gerade
der Mann, der auf Java so warmen Anteil an meiner Mission genommen und sie mit
so viel Eifer unterstützt hatte, zeigte sich jetzt, in Japan selbst, nicht bloß
gleichgültig oder kalt gegen alles, was mein Unternehmen betraf, sondern suchte
es geradezu durch eine Kette von Hindernissen zu lähmen oder doch zu erschweren.
Ob die Ursache dieser ungünstigen Stimmung in den Anordnungen unserer Regierung
zu suchen war, die meinen Wirkungskreis erweiternd und mir mehr Selbständigkeit
in meinen wissenschaftlichen Forschungen gebend, vielleicht seinem Interesse zu
nahe traten, wenn nicht seine eigenen Pläne durchkreuzten, oder ob Kränklichkeit
und Mißmut über den minder günstigen Ausschlag seiner zur Verbesserung des
Handels gemachten Vorschläge diese Veränderung hervorrief, vermag ich nicht zu
entscheiden. Wie dem auch sei<ent:thinsp/>: es bleibt ihm dennoch das Verdienst unbenommen,
welches er zuerst um meine Sendung und Ausrüstung zu einer Untersuchung Japans
hatte, und dieses erkenne ich hier mit Dankbarkeit an. Hätte Herr de Sturler das
schöne Ziel seiner eigenen Bestimmung, die Absichten, welche die Regierung damit
verband, unverrückt im Auge behalten und mit Ausdauer verfolgt, so würde sein
Aufenthalt in Japan, seine Mission an den Hof zu Jedo, wie auch seine übrigen
Schritte zur Förderung des Handels und Erlangung größerer Freiheiten, mit dem
Erfolge gekrönt worden sein, den sie unstreitig verdienten<ent:thinsp/>; sie hätten in der
Geschichte des niederländischen Handels mit diesem Lande eine glänzende Epoche
gebildet. </x>

<x> Aus dem Vorausgegangenen haben wir ersehen, daß das Personal der Hofreise
unsererseits nur aus drei Mitgliedern bestand, aus dem Vorsteher der Faktorei
als Gesandten, aus einem Sekretär und dem Arzte. Es wäre sehr zu wünschen
gewesen, daß mich sowohl Herr Bürger als de Villeneuve hätten begleiten dürfen<ent:thinsp/>;
aber für diesmal war es unmöglich<ent:thinsp/>; und nur mit vielen Umständen brachte ich es
noch dahin, daß es Herrn Bürger gestattet wurde, die Reise unter dem Titel eines
Sekretärs mitzumachen. Über den Personenstand der japanischen Begleiter erlaube
ich mir nun noch einige Bemerkungen einfließen zu lassen. Wenn die Umrisse,
worin ich meinen <cmd name="beginpage" args="{51}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg50">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg51">51</xhtml:a><xhtml:a href="#pg52">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Lesern die Dolmetscher vorstelle, welche im Verlaufe
unserer Reise unter verschiedenen Verhältnissen auftreten werden, nicht
sonderlich viel Einnehmendes an sich tragen, so will ich im voraus bemerken, daß
man Leute einer Klasse, die seit Generationen im Umgang mit Europäern manches
Gute, aber bei weitem mehr Schlechtes übernommen haben, nicht mit den
eigentlichen Japanern verwechseln darf, wie diese, außerhalb des Verkehrs mit
Fremden, ihrer Landesart gemäß erzogen und gebildet dastehen <ent:ndash/> ein Unterschied,
den wir immer ins Auge fassen müssen, wenn von Dolmetschern und solchen
Japanern, die mit uns auf Dezima verkehren, die Rede ist. </x>

<x> Als Oberdolmetscher, welcher ein Hauptrolle auf dieser Reise spielt, die
Kasse führt und gemeinschaftlich mit dem Kuinin die politischen und
diplomatischen Angelegenheiten betreibt, folgte uns Sujenaga Sinsajemon, ein
hoher Fünfziger, von guter Erziehung und einiger wissenschaftlicher Bildung. Er
war sehr erfahren in den Handelsgeschäften mit den Niederländern, mehr noch in
den damit verbundenen Mißbräuchen, gewandt im japanischen Geschäftsgange, klug,
ja selbst pfiffig, dabei höf&GER.nolig;lich bis zur Schmeichelei, hatte elegante Formen und
war äußerlich nett<ent:thinsp/>; übrigens sparsam ohne karg zu sein und eitel ohne Anmaßung.
Sinsajemon hatte die Dolmetscherbahn, wie die meisten seiner Kollegen auf
Dezima, als Knabe betreten, sich an ausländische Sitten gewöhnt und sprach und
schrieb ein gutes Dolmetscherholländisch. Zur Zeit der russischen Gesandtschaft
unter von Resanoff und von Krusenstern 1804<ent:ndash/>1805, und besonders bei dem
Vorfalle mit Lord Pellew 1809, hatte er seiner Regierung gute Dienste geleistet,
stand daher bei den Statthaltern von Nagasaki in Ansehen und lebte in recht
guten häuslichen Verhältnissen. Er war von kleiner Gestalt und hager, hatte eine
etwas gebogene Nase, ungewöhnlich große Augen und ein spitzes Kinn. Seine scharf
gezeichneten Gesichtszüge traten um so auf&GER.nolig;fallender hervor, da sich auch bei dem
ernstesten Gespräch sein Mund zu jenem Lächeln verzog, wodurch sich gewöhnlich
erkünstelte Freundlichkeit äußert. Seine gelbliche Gesichtsfarbe spielte ins
Erdfahle, und der geschorne Scheitel war zur glänzenden Glatze geworden, auf der
das nach oben gerichtete Zöpfchen dünn und steifgesalbt ruhte. </x>

<x> Der Unterdolmetscher hieß Iwase Jasiro. Er war ein angehender Sechziger und
glich in Gestalt und Manieren viel unserm Sinsajemon. Eine stark gebogene Nase,
kleine, mit schlaffen Lidern bedeckte Augen, ein langes Kinn, der Mund gleichsam
durch eine Lähmung des linken Lachmuskels zu einem beständigen Lachen verzerrt,
große Ohren und eine Anschwellung des Kehlkopfes machen die charakteristischen
Züge seiner Gesichtsbildung aus. Er kannte seinen Dienst, hatte viel Diensteifer
und hielt streng am alten Herkommen. Er war kriechend höf&GER.nolig;lich, dabei schlau bis
zur List, die er hinter der Maske der Redlichkeit verbarg, machte die tiefsten
Bücklinge und beschleunigte seinen Schritt im Dienst- und Komplimenteneifer bis
zum Trabe. </x>

<x> Iwase Jasitsiro, sein Sohn, hatte viel Ähnlichkeit mit dem Vater, nur daß
dieser schwach aus Krankheit und Alter und jener ein abgelebter Jüngling war. Er
war übrigens, wie man sagt, ein guter Mensch, der seinem Vater im
Komplimentenmachen wenig nachgab und auf alles mit dem Jaworte &CMD.dlq;He&CMD.drqsp;
beantwortete. Er wußte zu leben und war kein Verächter des weiblichen
Geschlechts, in dessen Gesellschaft er immer noch launige Einfälle hatte. Gegen
uns zeigte er sich sehr dienstfertig und ließ sich im täglichen Leben gut
verwenden. Er reiste diesmal auf seines Vaters Kosten, um dessen
Handelsgeschäfte zu besorgen. <cmd name="beginpage" args="{52}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg51">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg52">52</xhtml:a><xhtml:a href="#pg53">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> </x>

<x> Als Privatdolmetscher des Gesandten begleitete uns ein gewisser Nomura
Hatsutaro, unstreitig einer der talentvollsten und geschicktesten unter den
damals mit uns in Berührung stehenden Japanern. Er besaß gründliche Kenntnisse
in seiner Muttersprache, wie auch im Chinesischen und Holländischen, kannte sein
Land, dessen Verfassung, Sitten und Gebräuche und war sehr gesprächig und
munter. Sein Vater war Oberdolmetscher, aber außer Dienst<ent:thinsp/>; und da der Sohn, so
lang der Vater lebt und vom Staate Besoldung bezieht, unentgeltlich dienen muß,
so hatte Hatsutaro ein geringes Einkommen, wiewohl er dessen um so mehr
bedurfte, da er ein ziemlich lockerer Geselle war. Kredit hatte er wenig,
Schulden viel<ent:thinsp/>; kleine Handelsspekulationen mit einzelnen niederländischen
Beamten verschafften ihm noch einige Existenzmittel. Er selbst kannte den Wert
des Geldes nicht, und für Geld that er doch alles. Mit seiner Anstellung bei uns
war er sehr zufrieden und ließ sich zu allem gebrauchen, wenn er nur seinen
Vorteil dabei sah. Er war von großer, hagerer Statur, blatternarbig, hatte ein
breites, rundes Gesicht, eingedrückte Nase, ein krankhaft verkürztes Kinn und
großen Mund mit aufgeworfener Oberlippe, wobei die hervorstehenden Zähne die
Häßlichkeit seiner Gesichtsbildung vollendeten. </x>

<x> Die angesehenste Person des japanischen Geleites ist der Kuinin, auch Goban
sjo si genannt, und auf Dezima unter dem Namen Opperbanjoost bekannt. Unter
seinem Befehle stehen drei Offiziere niedern Ranges, nämlich ein Funaban oder
Schiffswächter, so genannt, weil er, wenn die holländischen Schiffe in der Bai
von Nagasaki vor Anker liegen, die Wache hat, und zwei Tsjo si, d.<ent:thinsp/>h.
Straßenmeister, welche eigentlich die Dienste unserer Polizeidiener versehen.
Letztere sind den Bewohnern Dezimas unter dem Namen Banjoosten bekannt, während
dort für die genannten Schiffswächter der Titel Onderbanjoost gebräuchlich ist.
Der Statthalter von Nagasaki hat gewöhnlich zehn Kuinin, meistens
Polizeioffiziere aus Jedo, in seinem Dienste und läßt die amtlichen Geschäfte
durch sie versehen. Sie werden nicht vom Staate bezahlt, und die Besoldung, die
sie von ihrer Behörde beziehen, ist ganz gering, um so reichlicher aber sind die
Nebeneinkünfte, die sie <ent:ndash/> per fas et nefas <ent:ndash/> genießen. Während der Handelszeit
versehen sie abwechselnd den Dienst auf Dezima<ent:thinsp/>; und da sie in wichtigen
Angelegenheiten die Person des Statthalters vertreten, so haben sie viel Einfluß
auf unsere persönliche Freiheit sowie auf den Handel. Über die Ein- und Ausfuhr
haben sie gleiche Vollmacht wie unsere Obermautbeamten und somit den Schlüssel
zum Schleichhandel in Händen, den sie denn auch, im Einverständnis mit dem
Sekretär des Statthalters und den sogenannten Herren Oberbürgermeistern (Matsi
tosi jori), nicht wenig begünstigen. Ein solcher Beamter des Statthalters war
der Kuinin, der uns auf dieser Reise folgte. Seine Behörde erteilt ihm strenge
Verhaltungsbefehle, für deren Vollziehung verantwortlich, er ein Tagebuch führen
und bei der Zurückkunft seinem Vorgesetzten vorlegen muß. Auch die übrigen uns
begleitenden Offiziere sowie die Dolmetscher sind verpflichtet, Tagebücher zur
gegenseitigen Kontrolle anzulegen. Sie führen daher, als Muster und um ja im
alten Geleise zu bleiben, die Journale von früheren Hofreisen mit sich, die, in
zweifelhaften Fällen zu Rate gezogen, Aufschluß geben. </x>

<x> Unsern Kuinin <ent:ndash/> sein Name war Kawasaki Gens<ent:omacr/> <ent:ndash/> lernten wir als einen
einsichtsvollen, wackern Mann kennen, und die untergeordneten Offiziere benahmen
sich nach seinem Beispiele. Außer den genannten Dolmetschern und Offizieren
folgten uns vier Schreiber (Hísja), zwei Troßmeister (Saisjo), ein Aufseher der
Träger, sieben <cmd name="beginpage" args="{53}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg52">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg53">53</xhtml:a><xhtml:a href="#pg54">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Bediente und zwei Köche in unserm Dienste und
einunddreißig Bediente und ein Koch im Dienste der japanischen Beamten<ent:thinsp/>: also
zusammen ein Geleit von 57 Japanern. </x>

<x> Unsere Bedienten waren treue und zuverlässige Leute. Sie hatten von Jugend
auf auf Dezima gedient, und die älteren von ihnen, die mehrmals unter früheren
Vorstehern diese Reise mitgemacht hatten, besaßen einen bewunderungswürdigen
Takt im Reisen und waren mit allem, was den Dienst und das Ceremoniell angeht,
sehr bekannt<ent:thinsp/>; auch sprachen und schrieben sie ein verständliches Holländisch.
</x>

<x> Zum Beistande bei meinen Untersuchungen nahm ich noch einige Personen mit,
an deren Spitze ich Ko Riosai anführe, den ich seit zwei Jahren unter meine
eifrigsten Schüler zählte. Er war ein junger Arzt aus Awa auf der Insel Sikoku
und befliß sich vorzüglich der Augenheilkunde. Was mich jedoch zu seiner Wahl
bestimmte, waren seine ebenso gründlichen als ausgebreiteten Kenntnisse in der
japanischen Pflanzenkunde, seine Gewandtheit in der chinesischen und
holländischen Sprache und seine Anhänglichkeit und Treue. Er leistete mir große
Dienste, und ich habe ihm viele und wichtige Mitteilungen zu verdanken. Als
Maler folgte mir Tojoske, ein sehr geschickter Künstler aus Nagasaki, der
besonders im Pflanzenzeichnen eine ungemeine Fertigkeit besaß und auch in
Porträt- und Landschaftsmalerei angefangen hatte, der europäischen Weise zu
folgen. Hunderte seiner Zeichnungen sprechen in meinem Werke für seine
Verdienste. Zum Pflanzentrocknen, zum Bereiten der Tierfelle u. dgl. benützte
ich Benoske und Komaki, zwei meiner Diener, die ich zu dergleichen Arbeiten
ausgebildet hatte. Außer diesen Leuten folgte mir noch ein Gärtner und drei
meiner Schüler <ent:ndash/> die Ärzte Kesaku, Sj<ent:omacr/>gen und Keitaro, welche, da sie keine
Erlaubnis erhalten konnten, mich als Gehülfen zu begleiten, unter dem Namen von
Bedienten der erwähnten Dolmetscher die Reise mitmachten. Sie waren arm, und ich
unterstützte sie nach Maßgabe ihrer Dienste. Gern hätte ich einige Jäger
mitgenommen, da ich deren mehrere in der Gegend von Nagasaki im geheimen im
Dienst hatte<ent:thinsp/>; aber Jagen und Schießen ist uns auf der Reise streng verboten.
</x>

<x> Was nun unsere Ausrüstung zur Reise angeht, waren wir mit allem, was zu den
Bequemlichkeiten und Bedürfnissen des häuslichen und geselligen Lebens gehört,
reichlich versehen. Unser Gesandter ließ moderne Möbel, prachtvolle
Tafelservice, Silber und Krystallgläser mitnehmen<ent:thinsp/>; und auch wir, Herr Bürger und
ich, waren mit Luxusartikeln und vorzüglich solchen Gegenständen, die sich zu
Geschenken eigneten, versehen und gut für unsere Zwecke ausgerüstet. Außer einem
Barometer und Torricellischen Glasröhren zu Höhenmessungen, Hygrometer und
Thermometer führten wir einen Chronometer von Hatton und Harrig, London, einen
Sextant, ebenfalls in London verfertigt und mit einem Nonius versehen, worauf
man 15 Sekunden ablesen konnte, einen künstlichen Horizont und Bussolen u. dgl.,
wie auch einen elektrischen und galvanischen Apparat und mehrere
zusammengesetzte Mikroskope mit uns, letztere nebst einem kleinen Fortepiano
bloß in der Absicht, japanische Gelehrte und Anhänger europäischer Künste und
Wissenschaften damit bekannt zu machen. Dazu kam noch eine gut eingerichtete,
tragbare Apotheke und die gebräuchlichsten chirurgischen Instrumente. </x>

<x> Bei einem so gebildeten Volke wie die Japaner, bei denen man so viel auf
Förmlichkeit und äußern Glanz sieht, ist es unstreitig notwendig, daß eine
Gesandtschaft mit Würde und europäischer Pracht auftrete und so nicht allein
ihre Nation repräsentiere, sondern auch deren Sittenverfeinerung und
Fortschritte vergegenwärtige, um so mehr, wenn außer ihrer Nation keiner andern
der Zutritt im Reiche gestattet <cmd name="beginpage" args="{54}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg53">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg54">54</xhtml:a><xhtml:a href="#pg55">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> ist. Aber gerade das Zusammentreffen
zweier zivilisierter Nationen, die einander mehr aus politischem als
kommerziellem Interesse entgegenkommen, macht bei dem auf&GER.nolig;fallenden Gegensatze
ihrer Sitten und Gebräuche die Stellung und jeden Schritt des Abgeordneten um so
bedenklicher. Seine Handlungen, sobald sie auf Volkstümlichkeit und
Nationalcharakter Bezug haben, kann er nicht vorsichtig genug erwägen, nicht
klug genug gestalten, ehe sie einer öffentlichen Kritik ausgesetzt werden. </x>

<x> Ehe ich die Gesandtschaft von Dezima scheiden lasse, scheint es mir nötig,
einige allgemeine Betrachtungen über die verschiedenen Arten in Japan zu reisen,
über Straßen und Brückenbau, Gasthöfe, Bedienung, Reisegeräte, Insignien usw.
vorauszuschicken, um meine Leser mit Gegenständen bekannt zu machen, deren im
Verlauf der Reise häufig Erwähnung geschieht. </x>

<x> Wohl in keinem asiatischen Lande ist das Reisen so an der Tagesordnung wie
in Japan. Die fortwährenden Züge der Landesfürsten aus ihren Provinzen nach Jedo
und zurück, der lebhafte Binnenhandel, zu dessen Stapelplatz <ent:Omacr/>saka aus allen
Landschaften des Reiches Käufer und Verkäufer strömen, und endlich noch die
religiösen Wallfahrten, die so ungemein im Schwunge sind<ent:thinsp/>: alles das verursacht
ein Leben und Treiben in diesem abgeschlossenen Inselreiche, als ob es dadurch
sich zu entschädigen suchte für seine sonstige Ruhe und Isoliertheit. Indessen
hat wohl nichts soviel zur Erleichterung des Reisens in Japan beigetragen als
gerade jene politische Einrichtung, welche die Landesfürsten verpflichtet, die
eine Hälfte des Jahres in Jedo, die andere in ihrer Provinz zuzubringen. Da ihre
Ankunft in der Hauptstadt, ihre erste Aufwartung sowie ihre Abschiedsaudienz bei
Hofe und selbst die Abreise für jeden so genau festgesetzt sind, daß sie einen
eigenen Artikel im Staatsalmanach abgeben, so mußten alle die Einrichtungen ins
Leben treten, die jetzt dem Reisenden eine Sicherheit und Bequemlichkeit
verschaffen, wie man sie in andern asiatischen Ländern wohl vergebens suchen
dürfte. </x>

<x> Was die Züge dieser Großen angeht, werden wir auf unserer Reise Gelegenheit
haben, mehrere näher kennen zu lernen. Unser Zug gleicht im allgemeinen denen
der Landesfürsten<ent:thinsp/>; wie denn auch unsere Gesandten gleiche Auszeichnungen und
Vorrechte mit ihnen genießen. Nur ist der Gebrauch sonderbar, den sie davon
machen<ent:thinsp/>; sei es, weil sie nicht gern die einmal bestehenden alten Gebräuche
abschaffen wollen, oder sich einbilden, allgemein bekannte Auszeichnungen
verschafften ihnen mehr Ehre beim Volke als etwaige europäische, deren Bedeutung
dem gemeinen Haufen fremd ist. Kurz, unser Zug wird eine Nachahmung der
fürstlichen Aufzüge, wenngleich die dortigen Insignien fürstlicher Würde <ent:ndash/>
Piken, Bögen, Pfeile, Schießgewehre, ein Harnischkoffer, Feldhut und Handpferd
mit kostbarem Sattel und Zeug <ent:ndash/> uns abgehen. Die niederländischen Gesandten
greifen zwar zu einem Ersatze und lassen sich einen großen Sonnenschirm in
Sammetfutterale, einen Stahldegen, ein spanisches Rohr mit goldenem Knopfe, zwei
kostbar gestickte Pantoffeln und einen Schreibschrank nebst einer Theemaschine
und einigen andern Reisegerätschaften feierlich nachtragen<ent:thinsp/>; ob aber dieses
entsprechende Abzeichen für den Gesandten einer europäischen Nation sind,
darüber mag der Leser selbst urteilen. </x>

<x> Die Sänften und Träger spielen in Japan dieselbe Rolle wie Kutschen und
Pferde bei uns, deren Stelle sie denn auch, da das Terrain keine andere
Einrichtung zuläßt, ganz vertreten. Nur in einigen ebenen Landstrichen bedient
man sich zum Fortschaffen der Lasten plumper Wägen, übrigens werden alle
Frachten durch Träger, <cmd name="beginpage" args="{55}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg54">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg55">55</xhtml:a><xhtml:a href="#pg56">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> &lt;Fig. 3. <cmd name="emph"><arg>Tragsessel und Reisegepäck.</arg></cmd>&gt;
<cmd name="beginpage" args="{56}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg55">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg56">56</xhtml:a><xhtml:a href="#pg57">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Lastpferde oder Lastochsen verführt. Der Sänften giebt es mehrere
Arten, die nach Rang und Stand unterschieden werden. Obenan stehen die
sogenannten Norimonos, d.<ent:thinsp/>h. wörtlich Fahrzeuge. Sie vertreten die Stelle unserer
Staatswagen und bloß der Adel, Staatsbeamte, Priester, Ärzte und vornehme Damen
dürfen sich, altem Herkommen gemäß, ihrer bedienen. Die Abbildung einer solchen
Staatssänfte befindet sich auf Fig. 3 a und b. Sie ist ein viereckiges, aus
Flechtwerk und lackiertem Holze verfertigtes tragbares Häuschen mit einem
lackierten Holzdache, über das ein langer, mehr oder weniger gebogener Tragstock
läuft und durch ein metallnes Beschläg gehalten wird. An der linken Seite, wo
das Dach sich aufschlagen läßt, ist eine Schiebthüre, welche, sowie die Seite
gegenüber, ein Fenster hat, das durch einen mit Papier oder Seide überzogenen
Rahmen geschlossen und von außen durch zierlich aus Bambus verfertigte Jalousien
verhängt werden kann. Ein ähnliches Fenster ist häufig auch nach vorne
angebracht. In diesem Kasten sitzt der Reisende auf dem flachen Boden, auf
untergelegten Polstern, Matten, Bären- oder Tigerfellen, wobei sich der Japaner,
von Jugend auf an das Sitzen mit untergeschlagenen Beinen gewöhnt, ganz
behaglich befindet<ent:thinsp/>; auch unter uns können kleinere Personen sich noch darein
finden, da sie Raum genug zum Ausstrecken ihrer Füße haben<ent:thinsp/>; aber für größere,
die darin tagelang aufrecht sitzen müssen in einer Lage, wobei die
ausgestreckten Beine mit dem Rücken einen rechten Winkel bilden, wird eine
solche Sänfte zur wahren Folterbank. Im Innern sind, wie in unsern Reisewagen,
mehrere Bequemlichkeiten angebracht, worunter eine Tabaksgerätschaft und ein
Speisekästchen, zwei Bedürfnisse, die nach japanischer Sitte nicht fehlen
dürfen. Die Weise, wie die Japaner ihre Sänften tragen, scheint für die
Sicherheit des Reisenden gut berechnet<ent:thinsp/>; denn die Erhebung über den Boden ist so
gering, daß das Ausgleiten oder der Fall eines Trägers nicht leicht Gefahr
bringen kann. Für ein Norimono sind zwei Träger nötig, indes kann ihre Anzahl
nach Umständen bis auf acht vermehrt werden. Von ihrem Gange hängt, wie bei
Reitpferden, die Annehmlichkeit der Bewegung ab. Die plumpen Bauern längs der
Straße durch Kiusiu stießen uns wie ihre steifen Lastpferde, und wir wurden zu
Lande seekrank vom Schaukeln und Stoßen, während die geübten Träger auf der
großen Landstraße von Kioto bis Jedo unsere Norimonos so stet und sanft trugen,
daß man darin lesen, schreiben und schlafen konnte. An den Höfen der Fürsten
sind die Norimonos, besonders die der Frauen, prächtig gearbeitet. Feines
Flechtwerk aus Bambus, schwarz- und goldlackiertes Holzwerk, silberne und
vergoldete Beschläge bilden ihren Schmuck, und die Anzahl der Träger, sei es,
daß sie wirklich tragen oder zur Abwechslung nebenher gehen, bezeichnet den
Rang. </x>

<x> Auf dieselbe Weise gebaut, nur kleiner und weniger kostbar sind die Sänften
zweiten Ranges, die sogenannten Kemon kago. Offiziere und Beamten bedienen sich
ihrer, und die Länge des Tragstockes und seine stärkere oder geringere Biegung
dient als Unterscheidungszeichen ihres Ranges. Man braucht zwei, selten vier
Träger dazu. </x>

<x> Die Kagos sind aus Flechtwerk und leichtem Holze verfertigte Tragsessel, und
die Sjuk'kagos bloße Körbe, aus Bambus, Weiden oder andern biegsamen Holzarten
geflochten und mit Henkeln versehen, durch welche ein einfacher runder Tragstock
gesteckt wird. Der Reisende sitzt frei darin, wie in einer Wagschale, hat wenig
Gemächlichkeit und ist der Witterung ausgesetzt. </x>

<x> Die größeren Reisekoffer Tab. 3 c <ent:ndash/> ihr Name ist Naga motsi d.<ent:thinsp/>h. lange
Behälter <ent:ndash/> sind länglich viereckige, hölzerne, selten aus Flechtwerk
verfertigte Kisten, welche <cmd name="beginpage" args="{57}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg56">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg57">57</xhtml:a><xhtml:a href="#pg58">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> &lt;Fig. 4. <cmd name="emph"><arg>Zug der niederländischen
Gesandtschaft.</arg></cmd>&gt; <cmd name="beginpage" args="{58}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg57">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg58">58</xhtml:a><xhtml:a href="#pg59">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> mittelst eines Gestelles am Boden und eines über
den Deckel laufenden Stockes, der durch eiserne Henkel und mit Stricken
befestigt wird, tragbar gemacht sind. Bei festlichen Aufzügen benützt man
dergleichen kostbar lackiert, mit vergoldeten Beschlägen und dem Wappen des
Eigentümers. Man trägt darin durchgängig die Geschenke und namentlich den
Brautschatz. </x>

<x> Kleinere, länglich viereckige Reisekoffer, die ein Träger paarweis an einem
Stocke auf seinen Schultern trägt, heißen Rj<ent:omacr/> kake, d.<ent:thinsp/>i. Doppelhänger Fig. 3 d.
Sie bestehen aus Flechtwerk und leichtem Holze und sind lackiert. Sorgfältiger
gearbeitet, lackiert und beschlagen sind die Koffer Hasami bako Fig. 3 e, welche
bloß einzeln an einem Stocke vornehmen Beamten und höheren Personen vor- oder
nachgetragen werden. Wir führen sie nicht auf der Reise, aber wohl wenn wir bei
Hofe oder bei dem Statthalter von Nagasaki unsere Aufwartung machen. In den
angeführten Koffern pflegt man hauptsächlich solche Gegenstände unterzubringen,
auf deren Transport man größere Sorgfalt verwendet haben will<ent:thinsp/>; anderes Gepäck,
das eine rauhere Behandlung verträgt, wird in Bambus- oder Weidenkörbe gepackt
Fig. 3 f, die man mit Matten oder einem in Öl oder Lohe getränkten Papiere
(abura kami, sibi kami) umwindet und auf Lastpferde oder Ochsen ladet, woher
auch ihre Benennung Dani, d.<ent:thinsp/>i. Gepäck für Lasttiere. Zum Bergen der gleichfalls
aus geöltem Papiere oder aus Stroh verfertigten Regenmäntel, der Laternen und
anderer leichten Reisegeräte führt man mit dem genannten Papiere überzogene
Bambuskörbe mit sich. Sie heißen Kappa kago, Regenkleiderkörbe, und sind mit
einem Deckel versehen, worauf man gewöhnlich den Strohhut, welchen man gegen
Regen und Sonnenschein braucht, befestigt. </x>

<x> Vornehme Japaner nehmen auf Reisen ein eigenes Gerät mit sich, das aus zwei
an einem Tragstocke befestigten Kästchen besteht und zur Bereitung des beliebten
Theetrankes dient. Es heißt Tcha-bento und verdient seiner Einfachheit und
Zweckmäßigkeit wegen unsere Aufmerksamkeit. Bereits Engelbert Kæmpfer hat uns
eine sehr umständliche Beschreibung davon gegeben. Die Führung des Tcha-bento
ist ein Vorrecht der Standespersonen<ent:thinsp/>; und in dieser Beziehung prunkt es, nebst
dem erwähnten Schranke, im Gefolge des Gesandten. Ein nützlicheres Gerät
begleitet die Sänfte des Arztes <ent:ndash/> seine Reiseapotheke. Was man noch an Gepäck
mitführt, wird entweder in größere, längliche Pakete, in Form der Nagamotsi
verpackt und wie diese von Trägern getragen oder als Dani auf Pferde oder Ochsen
geladen. Auf Pferde, die bloß mit zwei Dani bepackt sind, legt man gewöhnlich
noch Betten und Decken, worauf sich der Reisende, wie auf Polstern und Matten,
setzt und unbekümmert die Leitung des Pferdes einem Knechte überläßt, der es am
Zaume führt. Die zu diesem Dienste gesattelten Pferde heißen Kara-siri, leere
Rücken. Unsere Bedienten folgen uns meistens auf diese Weise<ent:thinsp/>; übrigens pflegen
Krämer und überhaupt Geschäftsleute mit Gepäck auf solchen Pferden zu reisen.
Noch eine besondere Art, zu Pferde zu reisen, will ich, ihrer Eigentümlichkeit
wegen, nicht übergehen. Ein Pferd trägt nämlich, gleich unsern Eseln, zwei
Körbe, in deren jedem eine Person sitzt, während eine dritte auf dem Sattel
Platz nimmt und das Pferd lenkt. Eine solche Reisegesellschaft nennt man
Sampokosin. Es sind meistens Landleute, welche so ihre Pilgerfahrten machen.
</x>

<x> Pferde und Ochsen sind die einzigen Lasttiere, deren man sich in Ermanglung
des Fuhrwesens für den lebhaften Binnenhandel bedient. Auf den Heerstraßen nimmt
man zum Lasttragen bloß Hengste und Stiere<ent:thinsp/>; zum landwirtschaftlichen Gebrauche,
<cmd name="beginpage" args="{59}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg58">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg59">59</xhtml:a><xhtml:a href="#pg60">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> zum Pflügen, Holz- und Getreidetragen aber auch Kühe und Stuten. Der
Tragsattel besteht aus zwei Sattelbögen, die durch einige Latten verbunden sind.
Für Ochsen werden diese Sattelgerippe aus Eichen- oder Buchenholz roh
verfertigt<ent:thinsp/>; für Pferde aber rot angestrichen und mit Messing beschlagen. Diese
Sättel ruhen auf zwei mit Haaren ausgestopften Polstern von Binsenmatten und
werden bei Pferden durch einen Brustriemen, Bauchgurt und Schwanzriemen, bei
Ochsen durch Strohseile, welche als Bauchgurt, Brust- und Hinterriemen dienen,
befestigt<ent:thinsp/>; jedoch so locker, daß der beladene Sattel mehr durch das
Gleichgewicht der Last und den steten Gang des Tieres als durch Riemen und
Stricke gehalten wird. Daß durch diese Einrichtung weniger Reibung statthat und
die Lasttiere zwangloser gehen, unterliegt keinem Zweifel. Die Pferde haben
Halfter und Trense, die Ochsen ein Strohseil mehrmals um den Hals gewunden und
einen Ring durch die Nase, der durch einen zu beiden Seiten über die Wangen
laufenden Strick mit dem Halsband in Verbindung steht. Am Nasenringe, der aus
einer Ranke des Dolichos hirsutus geflochten, ist das Leitseil befestigt. Das
Geschirr wird überdies, wie bei unsern Fuhrmannspferden, mit Schellen und
klirrenden Metallplatten behangen, die Last aber mit Stricken, die durch die
Latten des Sattels laufen, festgeschnürt. Die Führer thun das so geschickt, daß
auf einen Zug die ganze Ladung losgeht, was beim Stürzen schwerbeladener Tiere
seinen Vorteil haben mag. </x>

<x> Der Gebrauch der Hufeisen besteht in Japan nicht. Man bekleidet die Hufe der
Pferde und Ochsen mit Schuhen von Reisstroh, die überall längs den Straßen neben
ähnlichen Socken für Reisende zum Kauf hängen. Für ein Terrain wie das von
Japan, wo oft nur schmale Stege und selbst Treppen über die Gebirge führen, ist
diese Huf&GER.nolig;bekleidung nicht unzweckmäßig<ent:thinsp/>; vor Ausgleiten gesichert, erklimmen die
Lasttiere damit die steilsten Höhen, und schonen dabei auf scharfem Gestein die
Hufe. Pferde und Ochsen leitet ein Führer an der Trense oder am Nasenringe,
wobei er sie durch Zuruf, selten mit Schlägen antreibt. </x>

<x> Der Träger haben wir bereits an einigen Stellen erwähnt und sie als Last-
und Sänftenträger kennen gelernt. Ihre Abhärtung, Ausdauer und Gewandtheit,
sowie auf der andern Seite ihre Mäßigkeit verdienen Bewunderung und Lob. Zum
Lasttragen geben sich kräftige Männer aus der geringeren Volksklasse her<ent:thinsp/>; zum
Tragen der Sänften gehört aber schon ziemlich Übung, ein leichter Gang und eine
kräftige Brust, da diese Leute an manchen Tagen 10<ent:ndash/>15 Ri (circa 40<ent:ndash/>60
Kilometer) zurücklegen müssen, während der Lastträger mit jeder Station
wechselt. Sie traben auf ebenen Wegen in kleinen abgemessenen Schritten fort,
deren sie gewöhnlich hundert in einer Minute machen. Der gemeine Lastträger
kleidet sich sehr dürftig. Er trägt an den Füßen meistens Strohschuhe (Sori) und
eine Art Gamaschen (Kjasu) von Baumwollenzeug, Stroh oder Baumbast, und führt
einen langen Stock, worauf er beim Ausruhen die Last absetzt. Die Sänftenträger
frommer Personen sind gleichförmig gekleidet<ent:thinsp/>; sie tragen Strohschuhe, Gamaschen,
Strohhüte und ein Oberkleid von schwarzem oder dunkelblauem Baumwollenstoff<ent:thinsp/>; um
die Hüfte eine farbige Binde, unter die sie das Hinterteil des Kleides
aufschürzen. Auf Brust, Rücken und Ärmeln führen sie das Wappen ihres Herrn. Es
ist auf&GER.nolig;fallend, daß die sonst so abgehärteten Japaner sich so empfindlich gegen
Nässe zeigen, daß man auch bei dem wärmsten Sommerregen ganze Züge in
Regenmäntel von geöltem Papiere oder Stroh gehüllt sieht. Hin und wieder mochte
es Bedürfnis sein<ent:thinsp/>; nun aber ist es zu einer so allgemeinen Sitte geworden, daß
<cmd name="beginpage" args="{60}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg59">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg60">60</xhtml:a><xhtml:a href="#pg61">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> man es für unschicklich aufnehmen würde, wenn ein vornehmer Herr sein
Gefolge auch bei einem unbedeutenden Regenschauer ohne die geölten Mäntel gehen
ließe. </x>

<x> Chausseen und Nebenstraßen wurden durch den lebhaften Handelsverkehr der
Provinzen unter sich und durch die Wechselzüge der Großen nach Jedo und zurück
schon in früher Zeit hervorgerufen, während die Reiseart mit Lasttieren und
Trägern eine Reihe zweckmäßiger Einrichtungen nötig machte. Bereits im Jahre 250
unserer Zeitrechnung erwähnen die japanischen Jahrbücher der Anlegung von
Poststraßen in den Landschaften des Reiches. Es war jene Periode, wo die Heldin
Jingu ihre Völker gegen Sinra führte. In den Jahren Wado (708<ent:ndash/>714), wo mehrere
Veränderungen in der Einteilung des Reiches stattfanden, wurde die Straße durch
Sinano und Mino angelegt, die gegenwärtig den Namen Kisodsi führt. Seitdem
wurden die Landschaften der drei großen Inseln zur besseren Verbindung durch
zahlreiche Wege und Straßen nach allen Richtungen durchschnitten. Da die Wege
bloß für Fußgänger und Lasttiere, also nicht für schwere Fracht- und Postwägen
dienen müssen, wie bei uns, so hat man bei ihrer Anlegung mit weit weniger
Schwierigkeiten zu kämpfen, und auch der Unterhalt ist nicht so kostspielig. Der
Boden wird geebnet, einige Zoll hoch mit kleinen Steinen, Geschiebe oder Kies
belegt, dann festgestampft und dem Fußgänger durch Bestreuen mit Sand zuträglich
gemacht. In Gebirgen, wo an steilen Abhängen sich keine Straße anbringen läßt,
hilft man ich mit Treppen, deren Stufen niedrig aber breit sind, so daß
Lasttiere und Träger mit voller Sicherheit auf- und absteigen. Die Straßen, in
der Regel breit, sind, wo das Terrain es erlaubt, zu beiden Seiten mit
schattenreichen Bäumen, als Tannen, Cypressen, Thujen u. dgl., besetzt, auch
nach Erfordernis mit Wassergräben, Dämmen und Wasserleitungen versehen. Sie
werden auf Kosten der Landesfürsten, durch deren Gebiet sie führen, unterhalten
und stehen unter der Aufsicht der Rentmeister (<ent:Omacr/>daikwan) und der Ortsvorsteher
(S<ent:omacr/>ja). Wegen des häufigen Zusammentreffens großer Züge hat man ordnungshalber
die Regel angenommen, daß jeder sich auf die linke Wegseite hält und den andern
rechts passieren läßt, was man auch auf großen Brücken beobachtet. </x>

<x> Die japanischen Meilenzeiger bestehen meistens aus zwei zu beiden Seiten des
Weges aufgeworfenen Hügelchen, worauf eine Tanne oder orientalische Celtis
gepflanzt ist. Man heißt sie Itsi-ri dsuka, das ist Hügelchen einer Meile.
Kleinere Abstände werden nach Straßen (Matsi oder Tsj<ent:omacr/>) auf Steinen angegeben,
wie auch die Markscheiden und Wegweiser. </x>

<x> Die japanische Meile (Ri oder Li) besteht aus 36 Straßen<ent:thinsp/>; 28,20 Ri gehen,
nach Angabe der Hofastronomen zu Jedo, auf einen Äquatorgrad. Die japanischen
Ri, die man nicht mit den chinesischen und koreanischen verwechseln darf, sind
also etwas größer als die französischen lieues de poste von 2000 Toisen (28,54
auf einen Grad).<cmd name="fntextref" args="{1}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark1" href="#FNtext1">(1)</xhtml:a></arg></cmd> In einigen Landschaften hat man noch die alten Meilen zu 50
Straßen, deren wir einige auf unserer Reise zurücklegen werden. Sonderbar ist
der Gebrauch, daß Strecken, welche von der als unrein ausgestoßenen Klasse Jeta
bewohnt werden, auch wenn sie stundenlang sind, nicht zur Entfernung eines Ortes
vom andern gezählt werden, aber auch nicht für den Transport in Berechnung
kommen. Die Ortsentfernungen <cmd name="beginpage" args="{61}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg60">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg61">61</xhtml:a><xhtml:a href="#pg62">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> auf der großen Insel Nippon werden
sämtlich von der großen Brücke in Jedo, der sogenannten Nipponbasi, an
gerechnet. </x>

<x> Ein notwendiger Reisebedarf sind in Japan die verschiedenartigen Wegkarten
und die Reisebücher. Man bedient sich ihrer weit häufiger und allgemeiner als in
Europa. Sie sind zweckmäßig abgefaßt sowohl für Land- als Seereisen und
enthalten nebst den Reisekarten und Meilenweisern eine gedrängte Übersicht der
für einen japanischen Reisenden wissenswürdigsten Punkte, als<ent:thinsp/>: Angaben des
Reisebedarfs, Pferde- und Trägertaxen, Formeln der Pässe, die Namen der
berühmtesten Berge und Wallfahrtsorte, Regeln der Wetterkunde, Tabellen der Ebbe
und Flut, chronologische Übersichtstafeln u. dgl.; selbst ein Abriß der
gebräuchlichsten Maßstäbe und sogar eine aus aufstellbaren Papierstreifen
verfertigte Sonnenuhr ist darin angebracht. </x>

<x> Wir wenden uns nun zu einem andern Gegenstande, der gleichfalls unsere
Aufmerksamkeit verdient, nämlich zu dem Postwesen und den Grenzwachen. Die
Geschichte erwähnt die Einführung beider Anstalten unter der Regierung des
Mikado K<ent:omacr/>toku im Jahre 646 unserer Zeitrechnung, gleichzeitig mit anderen
wichtigen Staatseinrichtungen. Sämtliche Landschaften des Reiches erhielten
damals eigene Provinzialbeamte, und die Notwendigkeit einer engeren Verbindung
mit der Hauptstadt scheint den Anlaß zur Errichtung regelmäßiger Poststationen
gegeben zu haben. Gegenwärtig befinden sich längs den besuchtesten Straßen durch
das ganze Reich Posthäuser, die zum Einstellen und Wechseln der Lasttiere und
Träger eingerichtet und durchgängig mit einer geräumigen Halle versehen sind.
Sie heißen Jeki-ten, Poststationen, oder auch Muma-dsuki, Pferdestationen. Da
der Unterhalt der Menschen und Pferde, deren ein einziger Zug eines Großen oft
Hunderte erfordert, für einen einzigen Unternehmer zu schwierig ist, so wird das
Lasttragen und Unterhalten der Lasttiere ein Erwerbszweig des ganzen Ortes, wo
sich das Posthaus befindet, und das letztere ist bloß das Lokal, wo unter
amtlicher Aufsicht und mit Sicherheit und Pünktlichkeit dem Reisenden die nötige
Hülfe verschafft und der Verkehr durchs Land geleitet wird. </x>

<x> Wie das Gewicht der Lasten, so finden wir auch den Preis für Lasttiere und
Träger nach einer obrigkeitlichen Taxordnung mit Rücksicht auf örtliche Umstände
festgesetzt. Die volle Last (Itsi-da) eines Packpferdes (Koma) wird zu 36
Kuanme, das Gepäck für ein schwer bepacktes Reitpferd (Norikake) zu 10<ent:ndash/>18, für
ein Karasiri oder leicht bepacktes Reitpferd zu 3<ent:ndash/>6, und die Last für einen
Träger (Ninzoku) zu 5 Kuanme angenommen, wobei der Frachtlohn (Datsin) sich nach
dem Verhältnisse richtet, daß ein Lastträger die Hälfte und ein Karasiri zwei
Drittel des für ein Lastpferd angesetzten Normalpreises kostet. Das Gewicht
Kuanme beträgt 1750 g, oder 7 <ent:frac12/> alte niederl. Pfund, oder 6 <ent:frac14/> jap. Kin<ent:thinsp/>; letzteres
ist bei den Niederländern unter dem Namen Katje bekannt. Da die Taxe nach dem
Terrain angeschlagen wird und in gebirgigen Strecken, wie auch in der Nähe der
Hauptstädte sich bedeutend steigert, so läßt sich für die Meile kein allgemein
fester Preis annehmen. Nach einem japanischen Reisebuche neuester Zeit werden
von Nagasaki bis Jagami <ent:ndash/> eine Entfernung von 3 Ri <ent:ndash/> 166 Mon, von da 4 Ri
weiter bis Isahaja 206, und für 1 Ri von Todoroki bis Dajiro 41 Mon für ein
Lastpferd bezahlt. Die Gesamtausgabe für die 57 Ri von Nagasaki bis Kokura wird
auf 2 Tail 3 Monme 39 Mon angegeben. Der niederländischen Gesandtschaft im Jahre
1826 berechnete man für ein Pferd nebst Führer von Nagasaki bis Kokura 3 Tail 2
Pun (fl. 6,4 Cent), von Hiogo bis <ent:Omacr/>saka 4 Monme 3 Pun 7 Rin (fl. 0.86) und von
Kioto bis Jedo 8 Tail 6 Monme 6 Pun (fl. 17.12). <cmd name="beginpage" args="{62}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg61">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg62">62</xhtml:a><xhtml:a href="#pg63">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Die Entfernung der
beiden letztgenannten Städte beträgt 125 Ri, wonach sich für 1 Ri oder
französische lieue de poste im Durchschnitt gegen 13 Cent oder 9 Kr. rh. als der
Preis für die Miete eines Lastpferdes mit einem Führer ergiebt. Aus der
Vergleichung eines Reisetaschenbuches von 1752 mit einem von 1804 geht hervor,
daß in den genannten früheren Jahren der Frachtlohn von Station zu Station um 22
Mon tiefer stand. </x>

<x> Die Brief- und Eilposten haben ihren Centralpunkt in <ent:Omacr/>saka, als der ersten
Handelsstadt des Reiches, von wo aus sie namentlich nach den beiden Hauptstädten
Kioto und Jedo, nach den Residenzen der Landesfürsten, und endlich nach
Nagasaki, als dem Handelsplatz für Fremde, lebhaft verkehren. Sie gehen
regelmäßig den 7., 17. und 27. jedes Monats von <ent:Omacr/>saka nach Nagasaki und den 8.,
18. und 28. nach Kioto und Jedo. Nach Kioto findet sich bei der geringen
Entfernung außerdem auch täglich Gelegenheit. Nach Nagasaki gehen diese Posten
in sieben Tagen, und zwar zu See in einem kleinen, gutsegelnden und mit vielen
Ruderern besetzten Fahrzeuge bis Simonoseki und Kokura, von wo aus die Briefe
durch Läufer bis an den Ort ihrer Bestimmung gebracht werden. Der Läufer trägt
das mit Wachstuch überzogene Briefpäckchen an einem Stocke befestigt und läuft
laut rufend die nächste Station an, wo es einem andern übergeben und ohne
niedergelegt zu werden weitergebracht wird. Bei wichtigen Papieren werden aus
Vorsorge für Unfälle zwei solcher Boten genommen. Ihr japanischer Name ist
Hikijaku vom chinesischen Hikeo, d.<ent:thinsp/>i. geflügelte Füße. Außer diesen regelmäßigen
Posten können jederzeit Eilposten abgefertigt werden, deren Kosten nach
Verhältnis der Jahreszeit und Witterung verschieden sind. Von <ent:Omacr/>saka bis Nagasaki
zahlt man 100 bis 200 Gulden. Die Handelsgeschäfte in <ent:Omacr/>saka und namentlich der
Handel mit Reis und getrockneten Fischen, welcher ganz so wie unser
Effektenhandel betrieben wird, sind es, was die Eilposten vorzüglich
beschäftigt. </x>

<x> Hier wären noch jene Einrichtungen zu erwähnen, welche, nach Art der
Telegraphen, zur schnellen Verbreitung einer wichtigen Nachricht dienen. Es sind
die Feuerherde (H<ent:omacr/> kwa dai), welche sich auf den höchsten Bergen im ganzen
Reiche befinden und auf denen bei Ereignissen von höchster Wichtigkeit für den
Staat, wie Landung einer fremden Macht, Feuersignale gegeben werden. Bei weniger
wichtigen Vorfällen bedient man sich der Raketen, welche in der chinesischen und
japanischen Kriegskunst seit ältester Zeit bekannt sind. </x>

<x> In den Ortschaften, wo sich Posthäuser befinden, sind Gasthöfe und Herbergen
mit verschiedenen Einrichtungen zur Bequemlichkeit und zum Vergnügen der
Reisenden. Die Wirtshäuser ersten Ranges sind die Tatsi oder nach allgemeinerem
Ausdrucke Honjin. Fürsten und andere vornehme Reisende kehren darin ein, während
Leute geringeren Standes die Jadojas oder Nachtherbergen aufsuchen. Auf der
Reise werden wir beide näher kennen lernen. Unsere Gesandtschaft bezieht die
Honjin<ent:thinsp/>; sind diese aber besetzt, so übernachtet sie auf Kiusiu in buddhistischen
Tempeln und längs des Tokaido in Jadojas. </x>

<x> Bäder, und zwar sehr heiße, sind ein allgemeines Bedürfnis<ent:thinsp/>; die Reisenden,
besonders die Träger, bedienen sich ihrer täglich. In jedem Wirtshause befinden
sich Badestuben für vornehme und geringe Gäste, und meistens sind noch
öffentliche Badehäuser in der Nähe. Die Theehäuser (Tchaja) und die Bordelle
(Zjor<ent:omacr/>-ja) sind bis tief in die Nacht geöffnet, und schöne Zitherspielerinnen
(Gésja) <cmd name="beginpage" args="{63}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg62">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg63">63</xhtml:a><xhtml:a href="#pg64">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> und Freudenmädchen (Zjor<ent:omacr/>), an einigen Orten auch niedliche
Putzhändlerinnen wissen die Reisenden zu unterhalten. </x>

<x> Die Grenzwachen, Seki oder Kwanmon, sind meistens an solchen Punkten
errichtet, wo Straßen aus einer Landschaft in die andere führen. Die drei
Hauptposten der Art, die sogenannten San kwan, waren in früherer Zeit der Paß
Seta oder Asusaka in Omi, Fuha in Mino und Suzuga in Ise, und von der
letztgenannten Grenzwache aus hatte man eine Einteilung des Reiches in ein
östliches und westliches, in Kwant<ent:omacr/> und Kwansaï angenommen. Gegenwärtig gelten
die Paßwachen Hakone, Araï, Fukasimi, Matsudo, Nagagawa und das an der
westlichen Seite des Einganges in die Bai von Jedo liegende Uragawa als die
Schlüssel zur Hauptstadt Jedo. </x>

<x> Das gebirgige Terrain des Landes mit den vielen reißenden Strömen, sodann
auch der Umstand, daß so volkreiche Städte wie Jedo und <ent:Omacr/>saka an den Mündungen
großer Flüße sich ausbreiten und nach allen Richtungen von Kanälen
durchschnitten sind, läßt an sich schon auf eine bedeutende Anzahl großer
Brücken schließen, und es darf uns also nicht auf&GER.nolig;fallen, wenn die Gesamtzahl
großer Brücken durchs ganze Reich auf 239 angegeben wird. <ent:Omacr/>saka allein hat deren
79, Jedo 75. Nach ihrer Bauart lassen sich die Brücken einteilen in<ent:thinsp/>: </x>


<env name="enumerate">
    <grp name="item" bg="" eg="">
        <x wrap="div"> Steinerne (Isi-basi), die meistens in einem einzigen Bogen über schmale
        Flußarme und über Bäche gesprengt sind, jedoch außer Nagasaki, wo die breiteste
        13 Ken (fast 25 Meter) beträgt, selten vorkommen. </x>
        </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        <x wrap="div"> Hölzerne Brücken aus Cedern (Cupressus japonica), Ulmen (Ulmus kejaki) und
        Thujen (Thuja hinoki). Sie ruhen auf hölzernen Pfeilern, die eine steinerne
        Grundlage haben, und führen über die breitesten Flüsse. Die größte ist die zu
        Okasaki, welche 397 Meter lang ist. </x>
        </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        <x wrap="div"> Lauf&GER.nolig;brücken, die gewöhnlich zur Regenzeit über angeschwollene Waldbäche,
        meistens an deren Mündung in die See, geschlagen werden. Säcke, aus Bambus
        geflochten und mit Steinen gefüllt, werden dabei zu Brückenköpfen
        aufgeschichtet, und starke Holzböcke ins Flußbett gesetzt, über die Bretter und
        Baumäste gelegt und mit Sandsäcken beschwert werden. </x>
        </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        <x wrap="div"> Hängebrücken nach indischer Art und natürliche Felsenbrücken finden sich im
        hohen Gebirge einiger Landschaften. Hohe Felsen werden auf dem Wege nach dem
        Krater des Fusiberges auch mittelst eiserner Ketten bestiegen, und in der
        Landschaft Hida hat man die Verbindung zweier Felsen durch ein gespanntes Seil
        bewerkstelligt, an dem sich ein beweglicher Korb befindet. Schlag- oder
        Zugbrücken (Hiki-basi) kommen bloß in Festungswerken vor. In einigen
        Landschaften Nippons befinden sich auch Schiff&GER.nolig;brücken (Funa-basi). Die bei
        Tojama in Jettsiu über den dort an 763 Meter breiten Kantsu gawa besteht aus 52
        Kähnen, die an einer eisernen Kette befestigt und mit Brettern belegt sind.
        Ähnliche sind bei Fukui in Jetsizen und zu Sano in K<ent:omacr/>tsuke. </x>
    </grp>
</env>

<x> Den Anfang des Brückenbaues setzen die japanischen Geschichtsbücher in das
vierzehnte Jahr des Mikado Nintoku (326 unserer Zeitrechnung). Im Jahre 612
erwähnen sie eines Einwanderers aus Haksai, der sich auf den Bau der Brücken
verstand und mehrere Landschaften damit versah. Unter seiner Leitung sollen an
180 größere und kleinere zu stande gekommen sein, worunter die Kake-basi von
Kiso und die Hamanano-basi in T<ent:omacr/>tomi namhaft gemacht werden. Auch dem
buddhistischen Priester Toseo, der gegen Ende des siebenten Jahrhunderts eine
Reise <cmd name="beginpage" args="{64}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg63">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg64">64</xhtml:a><xhtml:a href="#pg65">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> nach China unternommen hatte, wird die Erbauung mehrerer
Brücken, worunter die zu Udsi in der Landschaft Jamasiro, zugeschrieben. </x>

<x> Die Schi&GER.ff;ahrt und Schi&GER.ff;ahrtskunde können in einem Lande, wo der Seehandel
bloß auf die Befahrung der eigenen Küsten beschränkt ist, und zwar durch
Gesetze, die sogar für die Bauart der Schiffe eine allgemeine Regel festsetzen,
nur wenig Fortschritte gemacht haben. Dessenungeachtet finden wir diese
Küstenfahrt auf einer gleichen Stufe der Vollkommenheit wie den inländischen
Handel, den sie, zumal in einem so buchten- und hafenreichen Lande, bei weitem
mehr begünstigt als den Transport zu Lande, der denn auch nur da besteht, wo
keine Verbindung zu Wasser stattfindet. </x>

<x> Bereits in den Sagen der Vorzeit wird der Gebrauch der Schiffe erwähnt. Auch
baute der erste Mikado Zinmu (667 v. Chr.) Kriegsfahrzeuge, womit er seinen
Eroberungszug gegen die Hauptinsel unternahm. Mehr allgemein und in das Leben
des Volkes eingreifend scheint die Schi&GER.ff;ahrt jedoch erst unter dem Mikado Suzin
geworden zu sein, indem dieser 81 v. Chr. einen Befehl ergehen ließ, zur
Erleichterung des Verkehrs der Küstenbewohner durchs ganze Reich Barken zu
bauen. Gegen Ende des zweiten Jahrhunderts war die japanische Flotte bedeutend
genug, zahlreiche Heerhaufen nach der Halbinsel Korea überführen zu können. </x>

<x> Allem Anschein nach waren die früheren japanischen Fahrzeuge eine Nachahmung
der koreanischen, womit die Japaner, nach Angabe ihrer Jahrbücher, 43 v. Chr.
bekannt wurden. Auch die Abbildungen japanischer Schiffe aus früherer Zeit, wie
man sie in Tempeln auf Votivbildern findet, sprechen für diese Ansicht. Es hat
sich übrigens eine eigentümliche Bauart ausgebildet, welche bis auf den heutigen
Tag weniges von der chinesischen und nichts von der europäischen Schiff&GER.nolig;baukunde
übernommen hat, so gute Gelegenheit die Japaner auch seit Jahrhunderten hatten,
beide kennen zu lernen. </x>

<x> Die japanischen Schiffe (Fig. 5) sind von Cedern-, Tannen- und Kampherholz
gebaut, selten werden Fichten, Ulmen oder andere Holzarten dazu genommen. Das
Eigentümliche ihrer Bauart macht ein kaum merklicher Kiel, der Mangel an Rippen,
offene Spiegel und das in einen Schnabel auslaufende Vorderteil aus. Der Mast
ist aus mehreren Stücken zusammengesetzt und führt ein einziges großes Segel,
Nägel und Beschläge sind von Kupfer, und den Rumpf schützt man durch Brennen vor
Würmern, da man die Anwendung des Teers nicht kennt. Das Tauwerk ist von Hanf
oder von den Fasern der Fächerpalme, Chamaerops excelsa, auch häufig von
Reisstroh, während man zu den Segeln Kattun und auf kleineren Schiffen auch bloß
Binsenmatten nimmt. </x>

<x> Die Anker, die von Eisen und vierarmig sind, gleichen den holländischen
Dreggen. Auf leichten Fahrzeugen bedient man sich statt der Anker bloß hölzerner
Haken, die mit einem Steine beschwert werden. Die Kauf&GER.nolig;fahrteischiffe sind 8 bis
18 Ken (cirka 14 bis 32 Meter) lang und verhältnismäßig bis zu 4 Ken breit, und
können an 150 Tonnen Ladung einnehmen. Die vorzüglichsten Schiffswerften sind zu
<ent:Omacr/>saka, Sakai und Hiogo. </x>

<x> Die Küsten sind reich an Seehäfen, worunter Nagasaki, Simonoseki, Hiogo,
Sakai, Jedo, Isinomaki und Aomori <ent:ndash/> die beiden letzten im nördlichen Teile
Nippons, im Bezirke Tsugaru <ent:ndash/> für größere Schiffe die vorzüglichsten sind. Am
meisten besucht wird der Hafen von <ent:Omacr/>saka, in den jedoch seiner Untiefe wegen nur
kleinere <cmd name="beginpage" args="{65}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg64">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg65">65</xhtml:a><xhtml:a href="#pg66">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> &lt;Fig. 5. <cmd name="emph"><arg>Japanische Seeschiffe und Ruderboote.</arg></cmd>&gt;
<cmd name="beginpage" args="{66}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg65">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg66">66</xhtml:a><xhtml:a href="#pg67">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Kauf&GER.nolig;fahrer einlaufen können. In den Seehäfen befinden sich Bureaux
(Ton ja), wo die Geschäfte für Schi&GER.ff;ahrt betrieben, Hafengeld und andere
Abgaben entrichtet, wie auch Frachten und Frachtbriefe besorgt werden. Auch
fehlt es, wenigstens in den bedeutenderen, nicht an Wachthäusern und
Hafenmeistern, die ein wachsames Auge auf die Ein- und Ausfuhr haben. </x>

<x> Von gleich hoher Wichtigkeit für den Handel und Verkehr ist die Schi&GER.ff;ahrt
auf den Flüssen und Landseen. Der Fluß Jodo gawa, der seinen Ursprung aus dem
großen Landsee in Omi nimmt und den Mittelpunkt des Handels, <ent:Omacr/>saka, in
Verbindung bringt mit den Landschaften Omi, Jamasiro, Kawatsi, ja selbst mit
Tanba und Ika, vermittelt im Herzen Nippons den lebhaftesten Handel. So auch der
Sumida gawa und der Naka gawa, die als vielarmige Straßen der Zufuhr für das
volkreiche Jedo dienen, während andere Flüsse, wie der <ent:Omacr/>ï gawa, Seto gawa, Abe
gawa, zwar nicht durch Schi&GER.ff;ahrt, aber doch durch ihren lebhaften Verkehr auf
ihren Fähren ergiebige Erwerbsquellen abgeben. </x>

<x> Die Flußfahrzeuge sind, je nachdem es die Natur des Flusses oder ihre
Bestimmung mit sich bringt, verschieden in ihrer Bauart, stimmen jedoch im
allgemeinen darin überein, daß sie, bei Mangel des Schnabels, einen flachen
Boden haben, mit dem die Seitenwände unter einem rechten Winkel zusammenlaufen.
Sie sind plumper und, mit Ausnahme der Lustfahrzeuge und Jachten, nicht so
zierlich wie die Seefahrzeuge, deren Reinlichkeit man auch an ihnen vermißt. Die
Fahrzeuge werden im allgemeinen eingeteilt in<ent:thinsp/>: </x>



<env name="enumerate">
    <grp name="item" bg="" eg="">
        <x wrap="div"> Kriegsfahrzeuge, Jukusa fune, mit zwei Verdecken und einem Hüttendeck am
        Hinterteil, oder bloß mit einem Verdeck und ohne Hüttendeck. </x>
        </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        <x wrap="div"> Wachschiffe, Ban fune, kleine, auf dem Vorderteile mit einer Hütte
        versehene Barken, die zur Bewachung der Häfen und Baien dienen und mitunter Mi
        okuri genannt werden, und dann solche, welche auf die offene See fahren können
        und von ihrer Ähnlichkeit mit den Walfischfängern, wie diese, Kudsira fune,
        Walfischschiffe heißen. </x>
        </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        <x wrap="div"> Kauf&GER.nolig;fahrteischiffe, Akinai fune. (Fig. 5. 1, 2, 3.) Man unterscheidet sie
        in Nord- und Südfahrzeuge. Die ersteren, auf welchen man nach dem nördlichen
        Japan und nach Jezo Handel treibt, sind größer und mit einem höheren Spiegel
        versehen<ent:thinsp/>; unter den letzteren begreift man die sogenannten Sakai fune, deren
        Verschanzung zur Seite Öffnungen hat, und die Inaka fune, woran diese fehlen.
        Beide Arten sind am Spiegel offen und haben ein Zwischendeck und eine Hütte auf
        dem Verdeck. </x>
        </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        <x wrap="div"> Holzschiffe, Isawa fune, kleine, niedere Fahrzeuge zum Transport des
        Brennholzes und anderer Güter. Sie haben nur einen Raum für die Ladung und eine
        Strohhütte auf dem Verdeck. </x>
        </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        <x wrap="div"> Fischerfahrzeuge, worunter die Walfischfänger (Kudsira fune),
        Thunfischfänger (Katsuwo fune) und die gewöhnlichen Fischerbarken (Tsuri fune)
        (Fig. 5. 4) begriffen werden. Zum Versande lebender Fische hat man noch
        besondere Fahrzeuge nach Art der Isawa fune, worin der mittlere Teil des Raumes
        durch eine vergitterte Öffnung am Boden mit dem Wasser in Verbindung steht. Sie
        heißen Ikisu fune. </x>
        </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        <x wrap="div"> Lustfahrzeuge, Asobi fune, in Baien und auf Flüssen. </x>
        </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        <x wrap="div"> Fahrzeuge auf Landseen und Flüssen, Kawa fune, die sich in Lastschiffe
        (Tsumi fune) und in Fähren (Watasi fune) unterscheiden. <cmd name="beginpage" args="{67}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg66">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg67">67</xhtml:a><xhtml:a href="#pg68">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> </x>
        </grp>
</env>


<x> Schließlich glauben wir noch die Kanäle erwähnen zu müssen, die man teils
für die Schi&GER.ff;ahrt, teils zum Schutze des Landbaues angelegt hat. Unter den
ersteren zeichnet sich der Kanal Ondoseto in der Landschaft Aki aus, der das
jetzige Eiland Kurabasi no sima von der Insel Nippon scheidet und so eine gerade
Straße nach der Handelsstadt Hirosima bildet. Unter den letzteren sind die
eingedeichten Bette zu verstehen, welche reißende Flüsse durch fruchtbare Ebenen
leiten. </x>

<x> Die Gegend um Hiogo, welcher Ort gleichsam der See abgewonnen ist, bietet
dem Reisenden häufig Beispiele dieser Art dar, wo hundertjähriger Fleiß den
Verwüstungen der Bergflüsse Schranken gesetzt hat. </x>

<x> Betrachten wir nun den Reisenden selbst, so finden wir ihn nach dem Zweck
seiner Reise, nach der Art und Weise, wie er reist, und seinem Stande gemäß
ausgerüstet, in allem aber sich streng an seine Landessitte haltend. Gewisse
Vorbereitungen finden bei Reisen unter Leuten höheren wie niederen Standes
statt, und es wird niemand eine Reise antreten, ohne vorher die Tempel seiner
Heimat besucht und sich und die Seinen dem Schutze der Gottheit anempfohlen zu
haben. Bei einem Abschiedsschmause versammelt der Abreisende noch einmal
Verwandte und Freunde um sich und erhält von jedem ein Reisegeschenk, Mijage,
zur Erinnerung an den ehrwürdigen Brauch jener alten Zeit, wo man dem in die
Fremde Ziehenden Produkte der Heimat mitgab, um sie auswärts gegen andere zu
vertauschen<ent:thinsp/>; woher auch noch die heutige Sitte stammt, daß der Reisende mit
passenden Gegengeschenken heimkehrt. </x>

<x> Von der Art zu reisen selbst gilt wohl für kein Land so sehr als für Japan
der Ausspruch, daß, je geringer einer von Geburt und Stand, desto freier und
unabhängiger er auf Reisen sich befindet. Der Vornehme in Japan sieht sich so
streng an Herkommen und Etikette gebunden, daß sein freier Wille gar nicht mehr
in Betracht kommt. Kleidung, Gefolge, Reisegerät, Insignien, Wege, Tagreisen,
Mittagsmahl, Nachtlager, sogar die Ruheplätze und Belustigungsorte sind im
voraus nach Maßgabe seines Standes bestimmt. Die jährlichen Hof- und Heimreisen
der Landesfürsten sind also für diese eben so umständliche als kostspielige
Unternehmungen. Man hat zwar in neuerer Zeit bezüglich des Gefolges
beträchtliche Einschränkungen getroffen<ent:thinsp/>; aber der äußere Prunk wurde, wie ihn
die verjährte Etikette vorschreibt, noch unverändert beibehalten. </x>

<x> Eigentliche Reisekleider tragen nur Fußgänger und Reiter<ent:thinsp/>; alles, was in
Sänften reist, bleibt standesgemäß gekleidet. Die Reisekleidung, N<ent:omacr/>fuk oder
Feldkleid genannt, besteht in einer Hose (Momohiki), Gamaschen (Kjafu), einem
kurzen Oberkleide (Hanten), einem hinten geschlitzten Mantel (Busuki), einem
Strohhut, selten einem lackierten Hut (Kasa) und den mehrerwähnten Strohschuhen
(S<ent:omacr/>ri). Dabei trägt der Reisende aus dem Bürgerstande einen Säbel, der aus dem
Adel- oder Militärstand aber deren zwei von ungleicher Länge. Es ist das
zugleich das allgemeine Abzeichen des Militärs und der Polizeidiener, und es
gehen so bewaffnet die uns begleitenden Banj<ent:omacr/>si und die Soldaten, welche uns in
einigen Landschaften von den Fürsten, deren Gebiet wir durchziehen, als
Ehrenwache beigesellt werden. </x>

<x> Nach diesen allgemeinen Betrachtungen, die dem Leser die Übersicht des
Ganzen wie auch die Würdigung mancher Einzelheiten im Verlaufe der Reise
erleichtern werden, wollen wir wieder nach Dezima zurückkehren, wo wir die
Gesandtschaft reisefertig finden. Das Gepäck wird zum Teil in die Barke geladen,
die es über See <cmd name="beginpage" args="{68}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg67">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg68">68</xhtml:a><xhtml:a href="SieboldN122.xml#pg69">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> nach Simonoseki bringt, zum Teil wird es bereit
gehalten, am nächsten Tage über Land zu folgen. </x>

<x> Einige Offiziere verfügen sich, altem Herkommen gemäß, noch in unsere
Wohnungen, um die Sachen, die wir mitzunehmen gedenken, zu untersuchen, ob sich
etwa verbotene Güter darunter befinden. Es geschieht solches jedoch nur
oberflächlich, und man begnügt sich, ein Siegel darauf zu legen, welches auf der
ersten Station wieder abgenommen wird. </x>

<x> Mit Anbruch des 15. Februars 1826 erwarteten wir die japanischen
Reisegefährten, die uns von Dezima abholen mußten. Herr Bürger und ich konnten
uns Glück wünschen, daß uns, als Deutschen, das seltene Los zu teil ward, ein so
merkwürdiges Land zu bereisen. Wir waren gut vorbereitet und mit Enthusiasmus
für unsere Sache beseelt<ent:thinsp/>; und wenn ich je mit Mut und ernsten Vorsätzen zu einem
Unternehmen mich durchdrungen fühlte, so war es jetzt, wo der anbrechende Tag
mir das Innere eines Landes aufzuschließen versprach, welches mich ein
besonderer Drang unter den von der Heimat entferntesten hatte aufsuchen lassen.
</x>





<cmd name="subsection*"><arg>Anmerkungen</arg></cmd>

<x/> <!-- for indentation of next/1st paragraph -->

<x> <cmd name="fnmarkref" args="{1}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext1" href="#FNmark1">(1)</xhtml:a></arg></cmd>
Von dem kaiserlich japanischen statistischen Bureau wird jetzt die Ri zu
3,9273 Kilometer und die Straße (Tsj<ent:omacr/>) zu 1,0909 Hektometer gerechnet. Anmerkung
zur 2. Auf&GER.nolig;l. </x>




</x><!-- document -->

<xhtml:hr style="visibility:hidden;height:20px;"/><!-- spacer -->

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<cmd name="centerline"><arg><cmd name="textsf"><arg> &lt;<xhtml:a id="claim"> </xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a id="tform"> </xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a href="index.html">index</xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a id="oview"> </xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a id="admin"> </xhtml:a>&gt; </arg></cmd></arg></cmd>
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<cmd name="centerline"><arg><cmd name="textsf"><arg><xhtml:span id="rvbar">* * *</xhtml:span></arg></cmd></arg></cmd>
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<cmd name="centerline"><arg><cmd name="textsf"><arg>Copyleft <xhtml:a id="GNUfdl">&#169;</xhtml:a>|<xhtml:a id="CCncsa">&#169;</xhtml:a> 2004 ff. <xhtml:a href="javascript:mailVOID();" id="ORid">Oliver Rost</xhtml:a>, Dortmund; <xhtml:a href="javascript:mailVOID()" id="SUid">Stefan Unterstein</xhtml:a>, München</arg></cmd></arg></cmd>
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</x>

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