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     dc:title="Landreise von Muro nach &#x014C;saka."
     dc:creator="v. Siebold, Philipp Franz"
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     dc:description="Philipp Franz v. Siebold. Nippon. Geographische Forschungen und Reisen. Reise nach dem Hofe des Sj&#244;gun im Jahre 1826. Landreise von Muro nach &#x014C;saka."
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     dc:source="Philipp Franz v. Siebold: Nippon. Archiv zur Beschreibung von Japan und dessen Neben- und Schutzl&#228;ndern Jezo mit den s&#252;dlichen Kurilen, Sachalin, Korea und den Liukiu-Inseln. W&#252;rzburg und Leipzig: Verlag der K.u.K. Hofbuchhandlung v. Leo Woerl 1897 (2. Aufl.)"
     dc:coverage="Japan, Edo, Osaka, 1826"
     dc:rights="Copyright &#169; 2002-2004 ff. Oliver Rost, Stefan Unterstein -- All rights reserved. GNU Free Documentation License."
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<cmd name="title"><arg>Landreise<cmd name="\"/>von Muro nach <ent:Omacr/>saka</arg></cmd>
<cmd name="author"><arg><cmd name="textsc"><arg>Philipp Franz v. Siebold</arg></cmd></arg></cmd>
<cmd name="date"><arg>1823<ent:ndash/>1830 in Japan / <ent:sup2/>1897 &CMD.dlq;Nippon&CMD.drq;</arg></cmd>
<cmd name="maketitle"/>

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<cmd name="centerline"><arg><cmd name="textbf"><arg>Das vollständige Kapitel I.2.5 aus &CMD.dlq;Nippon&CMD.drq;</arg></cmd></arg></cmd>

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    <cmd name="emph"><arg>Nippon. Abteilung I. Geographische Forschungen und Reisen. (<ent:hellip/>)
    2) Reise nach dem Hofe des Sj<ent:omacr/>gun im Jahre 1826. (<ent:hellip/>) 5) Landreise von Muro nach <ent:Omacr/>saka.</arg></cmd>
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    In:
    <cmd name="newline"/>
    <cmd name="textsc"><arg>Philipp Franz v. Siebold</arg></cmd> (1796<ent:ndash/>1866<ent:thinsp/>;
    Herausgegeben von seinen Söhnen): <cmd name="textit"><arg>Nippon.</arg></cmd>
    Archiv zur Beschreibung von Japan
    und dessen Neben- und Schutzländern Jezo
    mit den südlichen Kurilen, Sachalin, Korea und den Liukiu-Inseln.
    <ent:ndash/>
    Würzburg und Leipzig<ent:thinsp/>: Verlag der K.u.K. Hof&GER.nolig;buchhandlung v. Leo Woerl
    1897 (2. Auf&GER.nolig;l.; 2 Bde.)
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<cmd name="subsection"><arg>Landreise von Muro nach <ent:Omacr/>saka</arg></cmd>

<cmd name="subsubsection"><arg>9. März</arg></cmd> 

<x>Um 8 Uhr morgens verließen wir Muro<ent:thinsp/>; dicht hinter dem Städtchen erhebt
sich ein Berg, über den ein schmaler, stufenweise in die Felsen eingehauener
Weg führt. Dieser Steig war stellenweise so steil und ungebahnt, daß es unseren
kräftigen Trägern nur mit der größten Anstrengung gelang, unsere Sänften und
das Gepäck auf den Gipfel hinaufzuschaffen. Wir bewunderten dabei die Gewandtheit
und Ausdauer dieser Leute und noch mehr die Sicherheit, womit die Packpferde
und Packochsen die Felsentreppen hinaufstiegen. Es bewährte sich hier wieder
die eigentümliche, sehr zweckmäßige Huf&GER.nolig;bekleidung dieser Lasttiere, nämlich die
aus Reisstroh geflochtenen Schuhe derselben. Auch den Trägern kamen ihre
Strohschuhe gut zu statten. Gegen 9 Uhr hatten wir den Gipfel des Berges
erklommen, der sich circa 800' über die Meeresfläche erhebt. Hier befindet sich
eine Herberge, wo unser Gefolge ausruhte, und wir eine herrliche Aussicht
genossen. Zur Linken hatten wir die See von Harima und rechts sahen wir auf
eine ausgebreitete Ebene hinab, weithin von einer doppelten Bergkette begrenzt,
die sich in südöstlicher Richtung nach dem Hochgebirge der Landschaften Dazima
und Inaba hinzog und von einem breiten Flusse durchströmt wurde, der aus einem
am östlichen Abhange des Berges beim Dorfe Kangosan sichtbaren See, einem
Sammelplatze der Gebirgswässer, einigen Zufluß erhielt. Dergleichen Seen und
Teiche findet man überall, wo sich das Terrain für den Reisbau eignet. Sie sind
unversiegbare, gleichsam der Natur abgewonnene Quellen für die unentbehrlichste
<cmd name="beginpage" args="{147}"><arg type="xml"><xhtml:a href="SieboldN124.xml#pg146">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg147">147</xhtml:a><xhtml:a href="#pg148">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Volksnahrung. Der Unterhalt derselben geschieht auf Kosten der
Gemeinde, in deren Flur sie liegen. Sie stehen unter der strengen Aufsicht des
Bürgermeisters, und die Schleusen dürfen nur mit seiner Erlaubnis geöffnet
werden. Durch diese Vorsorge für die Landwirtschaft wird möglichst dem Mißwachs
des Reises vorgebeugt.</x>

<x>Ein jäher Felsenweg, gleich mühsam für unsere Träger und Lasttiere, führt in das
Thal hinab. Meine Träger hatten übrigens keine schwere Last<ent:thinsp/>; denn wo nur etwas
zu untersuchen oder zu finden war, ging ich zu Fuße, und in meinem Tragsessel
blieben nur einige Instrumente und Bücher zurück. Die Vegetation des
Bergabhanges war sehr kümmerlich<ent:thinsp/>; einzelne Tannenbäume (Pinus Massoniana),
Wachholdersträuche (Juniperus rigida), ferner Eurya japonica, Azaleen, Ilex
crenata, niedrige Bambusstauden (Philostachys bambusoides) und Rosen (Rosa
multiflora) erheben sich aus der dürren, mit großen Felssteinen und
Glimmerschieferblöcken bedeckten Grasfläche. An feuchten Felsenwänden blühte
die azurblaue Ajuga decumbens und längs den Wegen der heimische Löwenzahn und
Lamium amplexicaule und hier und da eine verwilderte Pflaume (Prunus Mume),
diese Erstlinge der Frühlingsflora, welche wir bereits früher im südlichen
Teile von Japan in Blüte sahen.</x>

<x>Am unteren Teile des Bergabhanges hatte der bewunderungswürdige Fleiß des
japanischen Landmannes den felsigen Boden in fruchtbare Getreide- und
Gemüsefelder umgeschaffen. Auf schmalen Beeten, durch tiefe Furchen voneinander
getrennt, standen hier Gerste und Weizen, Rübsamen (Brassica orientalis) und
andere Kohlarten (Brassica chinensis, Brassica takana, Brassica kjona), Senf (Sinapis
japonica), Taubenbohnen (Vicia faba minor), Erbsen (Pisum sativum), Rettiche
(Raphanus sativus, var. jap.) und Zwiebeln, in einen Fuß voneinander
abstehenden Zeilen gesät und gepflanzt. Kein Unkraut, kein Steinchen ist
sichtbar. Auf&GER.nolig;fallend sind die vielen kleinen Lehmhütten, welche mit Stroh
bedeckt über runde Gruben errichtet sind, worin der Dünger auf&GER.nolig;bewahrt wird.
Solche Behälter, sowohl bedeckte wie unbedeckte, sind allenthalben auf den
Feldern angebracht, und der Landmann bewahrt darin sein Hauptdüngemittel,
nämlich die Fäkalien, die er von seinem eigenen Hause oder den nächstliegenden
Ortschaften herbeiführt. Er bedient sich dabei entweder eigentümlicher
Trageimer oder weitspundiger Fäßchen, welche von Ochsen und Pferden getragen
werden. Die meisten Nutzpflanzen werden in Zeilen angebaut, wodurch die
Bearbeitung und Düngung sehr erleichtert wird. Der flüssige Dünger wird in den
Trageimern auf das Feld gebracht und mittels eines langgestielten hölzernen
Schöpflöffels, den Zeilen entlang, an den Wurzeln der Gewächse ausgegossen. Man
benutzt auch Pferde- und Rindviehmist, den man aber nicht, wie bei uns, aufs
Feld bringt und ausstreut, sondern erst zu Hause mit Stroh, Laub und andern
Abfällen verfaulen läßt. Diesen alten Dünger, Ikoi genannt, benutzt man beim
Aussäen von Gerste und Weizen<ent:thinsp/>; man streut ihn entweder in die mit dem
Handpfluge gemachten Furchen, worein man das Getreide sät, oder man vermengt
mit ihm die Saat selbst beim Aussäen. Einer so praktischen Düngung auf nassem
und trockenem Wege hat man das üppige Wachstum von Gemüse und Getreide zu
verdanken. Beim Reisbau wendet man wohl ausschließlich die Gründüngung an. Die
meisten Reisfelder werden zuvor zum Getreide- und Gemüsebau benutzt, sind also
schon gehörig gedüngt. Alle die Getreide- und Gemüsefelder, welche wir jetzt
terrassenförmig von einer Höhe von 300<ent:ndash/>400' in das Thal herabsteigend sehen
konnten, werden wir im Juli mit Reis bepflanzt finden. Die Gründüngung läßt
sich im Juni, wo die Regenzeit beginnt und das Unkraut längs den Wegen und Dämmen
üppig <cmd name="beginpage" args="{148}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg147">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg148">148</xhtml:a><xhtml:a href="#pg149">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> gewachsen ist, auch sehr leicht anwenden. Die abgedämmten
Felder füllen sich allmählich mittels der einfachen zweckmäßigen Wasserleitung
an, und das Unkraut, das man von allen Seiten zusammenträgt, wird durch Ochsen
oder Pferde in den morastig gewordenen Boden hineingetreten.</x>

<x>Der Ende Juni gepflanzte Reis wird im Oktober geerntet, und da man die Reisfelder
zur Zeit der Ernte austrocknen läßt, so kann man dieselben auch bald darauf
bepflügen, zu Ackerland umschaffen und aufs neue bestellen.</x>

<x>So kommt es denn, daß man nur höchst selten Brachäcker liegen sieht<ent:thinsp/>; es hat ein
ununterbrochener Fruchtwechsel statt, und oft kommt schon eine neue Pflanzung
zwischen den Zeilen der alten zum Vorschein, bevor diese geernet wird. Eine
solche gartenbauähnliche Landwirtschaft ist nur bei der Zeilenkultur und der
bezeichneten Düngungsart und in einem Lande möglich, das so dicht bevölkert
ist, und wo die Ländereien so sehr zerstückelt sind.</x>

<x>Wir durchzogen die Dörfer Maba, Kongosan, Urabe, Kotsi, arme aber reinliche
Ortschaften. Am Eingange einer derselben war auf einem Anschlagebrette der
Befehl des Landesfürsten bekannt gemacht, daß hierher keine Bettler kommen
dürften, da diese Ortschaften zu arm seien. Es wohnen hier viele sogenannte
Jetas, welche sich ausschließlich mit der Bereitung des Leders beschäftigen.
Diese Leute, welche eine eigene, die niedrigste allgemein verabscheute Kaste
bilden, leben gewöhnlich in abgesonderten Straßen ohne jegliche bürgerliche
Gemeinschaft mit den übrigen Dorf&GER.nolig;bewohnern, deren Wohnungen sie nicht einmal
betreten dürfen. Über ihre Herkunft und Abstammung herrscht Dunkel<ent:thinsp/>; sie
verliert sich bis in die älteste Zeit. Wahrscheinlich waren es begnadigte
Gefangene aus den früheren Kriegen mit dem benachbarten Korea, welche nach
Japan gebracht wurden, und zu diesen gesellten sich andere ehrlose und
obdachlose Menschen.</x>

<x>Eine andere verstoßene und noch mehr verkommene Kaste ist in Japan die der Hinin
oder vulgo Kojiki, welche ohne eigene Wohnung als Bettler an der Landstraße
lagern und die Vorübergehenden um Almosen anflehen, wobei sie ihre Gebrechen
und Krankheiten auf eine Abscheu erregende Weise zur Schau tragen.</x>

<x>Wenn man die Haut- und Haarfarbe und andere körperliche Verschiedenheiten dieser
durch eigene Schuld oder aus Vorurteil aus der menschlichen Gesellschaft
verbannten, verkümmerten und verwilderten Menschen betrachtet, welche oft durch
Elend und Entbehrungen jeglicher Art auf eine tiefere Stufe herabgesunken sind,
als das sich in freier Natur im vollen Lebensgenusse befindliche Tier<ent:thinsp/>; wenn man
die klimatischen Einflüsse und andere auf das organische Leben einwirkende
Potenzen betrachtet, die solche auf&GER.nolig;fallende Verschiedenheiten oft in kurzer
Zeit hervorgebracht haben<ent:thinsp/>; alsdann gelangt man zu Ergebnissen, welche die
unendliche Verschiedenheit der Volksstämme auf dem natürlichen Wege langer
Wanderungen, unter mannigfaltigen klimatischen und tellurischen Einwirkungen,
durch Lebensweise und eigentümliche Gewohnheiten erklären lassen. So erinnert
uns bei einigen dieser Hinin die dunkle Hautfarbe, die oft ins rötliche und
kupferfarbige spielt, und das braune, verschossene stellenweise braunrötliche
Haar und die groben Gesichtszüge an die Urbewohner des nördlichen Teils der
neuen Welt, während uns bei andern die wenig entwickelten Muskeln der Arme und
Beine, überhaupt das verkümmerte Aussehen und der geistlose Gesichtsausdruck
anscheinend Stammverwandte von Neuholländern und den Bewohnern von
Vandiemensland erkennen lassen, diesen beiden von allen Stämmen der Erde auf
der <cmd name="beginpage" args="{149}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg148">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg149">149</xhtml:a><xhtml:a href="#pg150">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> niedrigsten Kulturstufe stehenden Völkern. Solche Metamorphosen
des menschlichen Geschlechts unter dem gebildetsten Volke von Asien, welche
sozusagen unter unseren Augen sich abspielen, verdienen eine besondere
Beachtung des Ethnographen. Auf den Menschenfreund macht ein solches Beispiel
des Rückganges der Menschheit auf dem Wege der Gesittung einen schmerzlichen
Eindruck. Und wie wird es ihm erst zu Mute, wenn er bei einer Hitze von 85<ent:ndash/>90<ent:deg/>
Fahrh. eine verschmachtende Mutter mit dem Säugling an der erschlafften Brust
und ihren andern unmündigen Kindern auf einer Strohmatte hingestreckt liegen
sieht und dabei erfährt, daß diese unglücklichen Kreaturen im Winter unter den
Fußböden der Tempelhallen oder andern ihnen zugänglichen Gebäuden mit
langhaarigen, verwilderten Straßenhunden zusammenzuleben gezwungen sind, um
sich gegen die Kälte zu schützen.<cmd name="fntextref" args="{1}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark1" href="#FNtext1">(1)</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Auf den niedrigen Saatfeldern sahen wir weiße Reiher, die aufgescheucht sich auf
Bäumen niederließen. Es schien die Art zu sein, welche die Japaner <ent:Omacr/>-sagi, d.<ent:thinsp/>i.
großen Reiher, im Gegensatz zu dem Kosira-sagi, d.<ent:thinsp/>i. kleiner weißer Reiher,
nennen, und welchen Temminck Ardea egrettoides benannt hat. Dieser Reiher hält
die Mitte zwischen Ardea alba und A. Garzetta, welche sich beide, jedoch
ersterer sehr selten, in Japan finden. Er hat keine Haube, aber sowohl am
unteren Teile des Halses wie auch am Rücken die hochgeschätzten,
borstenähnlichen Federn, die bei ausgewachsenen Exemplaren oft 5'' länger
als die Flügel sind. Es gewähren die schneeweißen Reiher einen zauberhaften
Anblick<ent:thinsp/>; kein Wunder, daß ihre Erscheinung den Landleuten eine gewisse
Ehrfurcht einflößt und sie, wie die Kraniche und andere Reihervögel, als Glück
bescherende Wesen betrachten läßt. Beim Dorfe Maba überreichte ein Offizier dem
Gesandten einen länglichen Papierstreifen, worauf der Name des Fürsten von
Tatsuno, Wakasaka Awasino Kami, dessen Gebiet wir nun durchzogen, geschrieben
war und begrüßte die Gesandtschaft in dessen Namen. Überall von Dorf zu Dorf
kamen uns Leute mit Bambusbesen entgegen, begrüßten uns und gingen dann dem
Zuge voraus. Es ist hier Brauch, den Weg oder die Straße, welche fürstliche
oder vornehme Personen durchziehen, kurz vorher zu kehren, so daß sie gleichsam
auf frischer Bahn einherschreiten. Bereits früher haben wir bemerkt, daß der
niederländische Gesandte auf seinem Zuge nach dem Hofe des Sj<ent:omacr/>guns mit einer
ähnlichen Etikette behandelt wird. Ohnehin waren die Wege schon reinlich, und
unter dem Landvolke herrschte bewunderungswürdige Ordnung und Zucht. Wo wir ein
Dorf zu Fuße oder in unserem Norimon sitzend passierten, sahen wir die Leute
niederknieen und mit den Fingerspitzen den Boden berühren.</x>

<x>Wir näherten uns allmählich dem breiten Bette des Flusses, den wir bereits bei dem
Herabsteigen in das Thal gesehen hatten. Es war der linke Arm eines und
desselben Flusses, der aber hier Sosjo gawa von dem in der Nähe liegenden
Städtchen Sosjo heißt. Es ist bekannt, daß hier die Flüsse von Ort zu Ort ihren
Namen ändern, was eine natürliche Folge der Beschränktheit der geographischen
Kenntnisse der seit Jahrhunderten an den Boden ihrer Vorväter gefesselten
Einwohner ist. Auf den neuen japanischen Karten ist dieser Fluß schon mit einem
mehr allgemeinen Namen bezeichnet und heißt Ihibo gawa und zwar daher, weil er
eine große Strecke, beinahe die Hälfte seines Laufes, den westlichen und
östlichen Bezirk Ihibo durchströmt. Er entspringt in den Hochgebirgen des
Bezirkes Jabu im Fürstentume Tatsima, der sich dem Bezirke Sisawa, dem
nördlichsten von der <cmd name="beginpage" args="{150}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg149">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg150">150</xhtml:a><xhtml:a href="#pg151">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Provinz Harima, anschließt. Auf einer
Specialkarte von Harima und Tatsima ist diese Grenzgebirgskette mit den Namen
der hervorragendsten Berggipfel bezeichnet, wovon der T<ent:omacr/>tani t<ent:omacr/>ge und Tokura
t<ent:omacr/>ge dem Ursprunge des Ihibo am nächsten liegen. Auf dem nördlichen Hange
dieser Gebirgskette, die sich nach unserer Schätzung mehr als 6000' über die
Meeresfläche erheben mag, entspringt der zweiarmige Takedagawa, der größte Fluß
von Tatsima. Der Ihibo, der von Osten und Westen her etwa fünf bedeutende
Gebirgsflüsse aufnimmt, breitet sich zur Regenzeit aus und ist an seiner
Mündung zwischen Abosi und Sjohama schiff&GER.nolig;bar. Daselbst befindet sich auch eine
Fähre.</x>

<x>Wir zogen am Fuße eines mit Tannen bewachsenen Hügels längs des mit Gerölle
bedeckten breiten Bettes des Flusses nach dem auf dem rechten Ufer desselben
gelegenen Flecken Sjosjo, wo wir Mittag hielten und die gute Bedienung und
Reinlichkeit in der Herberge nicht genug bewundern konnten. Nach 12 Uhr brachen
wir auf und setzten mit kleinen Fahrzeugen über den dicht unter dem Dorfe
liegenden Sjosjo gawa. Man konnte von hier aus das Schloß des Fürsten Tatsuno
liegen sehen, welches jenseits der großen Landstraße Sanjo-d<ent:omacr/> gleichfalls auf
dem rechten Ufer dieses Flusses liegt. Über einen Arm, der sich zur Linken des
Hauptstroms hinzieht, führt eine niedere hölzerne Brücke, auf beiden Seiten mit
einer Brustwehr von mit Sand gefüllten Strohsäcken versehen. Wir befanden uns
nun auf der großen Landstraße und genossen eine herrliche Aussicht. Der gut
unterhaltene Weg, der sich neben grünen Saat- und Gemüsefeldern durch
Tannenwäldchen und zwischen Weilern und Dörfern hinzog, glich den Spaziergängen
in unseren heimatlichen Parkanlagen. Es schien, als ob der Weg absichtlich so
angelegt worden wäre, daß bei jeder Wendung desselben der Reisende durch eine
neue Aussicht überrascht würde. Die Japaner halten außerordentlich viel auf
einen schönen Ausblick, und bei Anlegung ihrer Villen sind sie darauf bedacht,
die umliegende Landschaft mit den Gärten derselben zu einem Bilde zu vereinigen
und zu einem harmonischen Ganzen zu verschmelzen. Hier sucht man durch hohe
Cypressen, dort durch Bambusgebüsch oder einen künstlich aufgeworfenen Hügel,
mit Azaleen und Zwergtannen bepflanzt, das Störende in der Landschaft zu
verdecken, hingegen einen malerisch gelegenen Berg, einen Tempel oder einen von
Quellwasser überströmten Felsen in desto hellerem Lichte erscheinen zu lassen.
Die aus China eingewanderten buddhistischen Priester und Mönche waren ihre
Lehrmeister, und deren über das ganze Reich verbreiteten Klöster mit ihren oft
zauberisch schönen Tempelhainen ihre Vorbilder. Hunderte der prächtigsten
Zierpflanzen kamen in frühester Zeit unter dem Geleite des Gottesdienstes vom
himmlischen Reiche herüber und schmücken jetzt, mit der japanischen Flora
verschmolzen, die Gärten und Parkanlagen. In dieser reizenden Gegend hörte ich
zum erstenmale wieder den lang entbehrten Gesang einer Lerche (Alauda
japonica), welche im Verbande süßer Erinnerungen meiner auf dem Lande
zugebrachten Jugend meine fröhliche Stimmung noch mehr erhöhte. Diese Lerche
ist in Japan allgemein verbreitet. Auf den ersten Blick scheint sie der
Berglerche (Alauda arborea) zu gleichen<ent:thinsp/>; sie ist jedoch etwas größer als diese,
hat einen stärkeren Schnabel und längeren Schwanz und einen unverkennbaren
Farbenunterschied. Sie nähert sich mehr unserer Feldlerche (Alauda arvensis),
ist jedoch kleiner und hat mehr Weiß am Schwanze. Ihre Lebensweise und ihr
Gesang läßt keinen Zweifel übrig, daß sie in Japan unsere einheimische
Feldlerche vertritt. In Japan giebt es übrigens noch mehr Lerchenarten. Man unterscheidet
fünf derselben<ent:thinsp/>: 

<env name="enumerate">
	<grp name="item" bg=" " eg=" ">Kuki-hibari (Alauda japonica), <cmd name="beginpage" args="{151}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg150">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg151">151</xhtml:a><xhtml:a href="#pg152">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></grp>
	<grp name="item" bg=" " eg=" ">Kaku-hibari (Alauda alpestris<ent:thinsp/>?),</grp>
	<grp name="item" bg=" " eg=" ">Hiakrei-hibari (Alauda tatariea<ent:thinsp/>?),</grp>
	<grp name="item" bg=" " eg=" ">Ki-hibari, d.<ent:thinsp/>i. gelbe Lerche und</grp>
	<grp name="item" bg=" " eg=" ">Tahibari, d.<ent:thinsp/>i. Feldlerche.</grp>
</env>

Es ist übrigens nicht zu
bezweifeln, daß diese von japanischen Naturforschern bezeichneten Arten
größtenteils mit denen, welche von den russischen Reisenden im östlichen
Sibirien und in Kamtschatka beobachtet worden sind, übereinstimmen. Tahibari
wird aber wahrscheinlich der Anthus pratensis sein, welchen man im Frühjahr
häufig in Reisfeldern (Ta) antrifft.</x>

<x>Beim Dorfe Aso setzten wir über einen jetzt kleinen, an verschiedenen Stellen
durchwatbaren Fluß gleichen Namens, kamen durch die Dörfer Kamaja, Ikaruga,
Jamata und Awosi, durchwateten einige untiefen Bäche und erreichten endlich,
nachdem wir das mit Gerölle bedeckte seichte Bett des rechten Armes des Flusses
Itsi gawa, der die Stadt Himesi gleichsam in seine beiden Arme schließt,
überschritten, die Vorstadt. Schon aus der Ferne kündigt sich die Stadt durch
das weißblinkende Schloß, die Residenz des Fürsten von Harima, an. Wir
durchzogen in tiefer Stille die nach und nach städtisch werdenden Straßen und
kamen nach einer Viertelstunde an das große Thor des zur Festung gehörigen
Stadtteils. Die Straßen waren auf beiden Seiten voller Kauf&GER.nolig;läden, in welchen,
gut geordnet, bei offenen Thüren und Fenstern die Kramwaren zur Schau lagen.
Die Einwohner waren an ihren Thüren versammelt und die Nebenstraßen mit
Strohseilen abgesperrt. Auf den Ruf Stani-Stani<ent:thinsp/>! (Duckt euch nieder<ent:thinsp/>!), der von
den unseren Norimonos vorangehenden Soldaten des Fürsten, welche uns
entgegengekommen waren, erhoben wurde, bückte sich alles zu Boden. Es herrschte
eine lobenswerte Ordnung, und die Strenge des Gesetzes zügelte die aufs höchste
gespannte Neugierde des Volkes. Wir hatten bloß einige Straßen zu durchziehen,
um unser Gasthaus zu erreichen, welches innerhalb des zur Festung gehörigen
Stadtteils liegt. Meinen Schülern Kosai und Sjogen gab ich Auftrag, sich in der
Stadt nach Naturalien umzusehen. Ihre Ausbeute war übrigens unbedeutend und
beschränkte sich auf einen fossilen Knochen, den man Riukots (Drachengebein)
nannte und welcher bloß ein Rückenwirbel des fossilen Hirsches ist, wovon wir
in Jedo die Abbildung eines ziemlich vollständigen Skelettes erhielten, welches
beim Graben eines Kanales gefunden worden war. Ferner brachten sie eine
schneeweiße kleine Finkenart, die man als eine große Seltenheit anbot und dafür
einen außerordentlich hohen Preis verlangte, der mich aber vom Ankaufe dieses
an sich merkwürdigen Vogels abhielt. Auch brachte man mir einige im Auge der
Japaner seltene Gewächse, eine Nandina domestica, wo die Blättchen des
gefiederten Blattes statt eirund zugespitzt sind, die also eine verkrüppelte
Spielart ist, ferner blühende Pflaumen in mannigfaltigen Abarten mit weißen,
rosenfarbigen, hochroten, einfachen und doppelten Blüten<ent:thinsp/>; mehrere Arten und
Varietäten von Kirschen (Cerasus donarium n. sp.).<cmd name="fntextref" args="{2}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark2" href="#FNtext2">(2)</xhtml:a></arg></cmd> Auch einen noch
blattlosen, mit gelben Blüten bedeckten Zweig eines Jasmins, den ich bereits
früher unter dem Namen Jasminum praecox beschrieben habe, legte man mir vor.<cmd name="fntextref" args="{3}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark3" href="#FNtext3">(3)</xhtml:a></arg></cmd> 
Das war das Merkwürdigste aus der Frühlingsflora, was sich eben in den
Hausgärtchen vorfand. Besonders willkommen waren mir einige Bücher und ein Plan
der Stadt, welchen mir <cmd name="beginpage" args="{152}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg151">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg152">152</xhtml:a><xhtml:a href="#pg153">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> meine Schüler gekauft hatten<ent:thinsp/>; darunter
befand sich ein historisch-geographisches Buch Harima Meisjo<ent:thinsp/><cmd name="fntextref" args="{4}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark4" href="#FNtext4">(4)</xhtml:a></arg></cmd>, worin die
merkwürdigsten Gegenden und Orte des Fürstentums Harima beschrieben sind. Die
Stadt Himesi liegt im Bezirke Inami des Fürstentums Harima am Flusse Itsigawa,
der sich oberhalb der Stadt in zwei Arme teilt und gleichsam eine Insel bildet,
unter 34<ent:deg/> 60' 30'' nördl. Br. und 1<ent:deg/> 1' 3'' westlich von Miako (Kioto)
nach den Beobachtungen der Hofastronomen zu Jedo. Das Schloß und der dasselbe
umgebende mit einem Wall und einem Wassergraben versehene Teil der Stadt wurde
im 9. Jahre von Tensei (1581) von dem berühmten Taikosama (Tojotomi Hidejosi)
erbaut, der zur Zeit der damaligen Bürgerkriege daselbst sein Hof&GER.nolig;lager hatte.
Der das Schloß umgebende Stadtteil ist sehr regelmäßig angelegt<ent:thinsp/>; sämtliche
Straßen laufen in gerader Linie von Süden nach Norden und kreuzen sich mit
gleichfalls geradlinig angelegten Straßen. Den befestigten Teil der japanischen
Städte nennt man Utsi-guruwa (innerhalb des Walles). Er wird sowohl von Bürgern
als auch von Soldaten bewohnt und ist gewöhnlich mit Wall und Graben umgeben.
Von diesem Teile ist wieder durch befestigte Thore, Wälle und Gräben der Teil
der Anlagen getrennt, welcher das Schloß selbst umgiebt und ausschließlich von
den Offizieren, Beamten und anderen Bediensteten des Fürsten bewohnt wird.
Dieser Teil ist mit hohen cyklopischen Mauern und tiefen Wassergräben umgeben.
Das Schloß selbst heißt Siro und wird nach seinen mehr oder weniger ausgebreiteten
Werken in folgende für sich abgeschlossene Befestigungen geteilt<ent:thinsp/>: Honmaru
(Hauptkastell), Nimaru (zweites Kastell), Sanmaru (drittes Kastell). Das Schloß
von Himesi liegt am Nordwestende der befestigten Stadt und lehnt sich an einen
Hügel (Otokojama).</x>

<x>Die Provinz Harima ist der Sitz des regierenden Fürsten Sakai Utano Kami, der ein
jährliches Einkommen von 150.000 Koku bezieht, was ungefähr 1<ent:frac12/> Million Gulden
ausmacht. Der Fürst war zur Zeit in Jedo, wohin er alle zwei Jahre im fünften
Monate reist, um am Hofe des Sj<ent:omacr/>gun seine Aufwartung zu machen und seinen
Tribut zu leisten. Im Staatsalmanach, der jährlich erscheint, ist die Zeit, zu
welcher jeder der Vasallen des Sj<ent:omacr/>guns in Jedo seine Aufwartung zu machen hat,
genau bestimmt. Auch sind darin die Geschenke, welche derselbe zu überbringen
hat, und ebenso die Gegengeschenke, welche derselbe erhält, genau beschrieben.
Diese Geschenke, die man auch Tribut nennen könnte, sind von verhältnismäßig
geringem Werte, ebenso die Gegengeschenke. So bestehen z.<ent:thinsp/>B. die Geschenke
dieses Fürsten in 20 Gebinden Seidenwatte und 20 Stücken einer Silbermünze, Mai
genannt, welche 43 Monme wiegt. Als Gegengeschenk erhält der Fürst ein Pferd
und einen Edelfalken. Im Staatsalmanach ist ebenfalls die Entfernung der
fürstlichen Residenzen von Jedo angegeben und wird von Himetsi bis Jedo auf 157
Ri berechnet. Diese Entfernung haben wir also noch zurückzulegen.</x>

<x>Die Provinz Harima, welche in japanisch-chinesischer Abkürzung Bansju genannt wird,
gehört zu dem sechsten Kreise, dem Sanj<ent:omacr/>-d<ent:omacr/>, d.<ent:thinsp/>i. Bergseitenweg. Das Land ist
sehr fruchtbar<ent:thinsp/>; man schätzt das Areal der Reisfelder auf 21,236 
Quadrat-Tsj<ent:omacr/>.<cmd name="fntextref" args="{5}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark5" href="#FNtext5">(5)</xhtml:a></arg></cmd> 
Von dem Ertrage derselben beziehen der in Himesi regierende Fürst und noch
zehn andere Fürsten ihre Einkünfte. <cmd name="beginpage" args="{153}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg152">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg153">153</xhtml:a><xhtml:a href="#pg154">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>



<cmd name="subsubsection"><arg>10. März</arg></cmd> 

<x>Erst gegen 9 Uhr brachen wir auf<ent:thinsp/>; in der Nacht war etliche Zoll Schnee
gefallen, und die Temperatur betrug gegen 8 Uhr nur 40<ent:deg/> Fahrh. Die Witterung
war äußerst ungünstig, weil es noch immer schneite und zugleich taute, wodurch
unseren Trägern der Weg sehr erschwert wurde. Wir durchzogen die Stadt und die
Vorstadt, setzten in Kähnen über den Fluß Itsigawa und kamen nach mühsamer
Reise in Sone an, wo wir Mittag hielten. Nachmittags setzten wir unsere früher
verabredete Pilgerschaft nach den berühmten Tempeln fort und kamen an die
Tempel Sonenomatsu, Isinohoden und Takosako<ent:thinsp/>; der erste ist berühmt durch die
Sage, daß Gott Tenzin eigenhändig einige Tannenbäume dort gepflanzt, der zweite
durch die Legende, daß ein ungeheuerer Stein plötzlich dort erschien, und der
dritte Tempel durch einen noch lebenden in Form unserer Linden ausgebreiteten
Tannenbaum, welcher mit seinen Ästen einen etwa 28<ent:ndash/>30' im Durchmesser
betragenden Raum bedeckte. Wir wurden von den Priestern äußerst freundlich
empfangen und mit ausgezeichneter Achtung behandelt. Unser Oberhaupt besuchte
die beiden letzten Tempel nicht und entzog sich sogar einem kleinen Sakemahle,
das hier ein Ringkämpfer oder Sum<ent:omacr/> den Holländern zu geben pflegt. Er war vor
drei Monaten nach Nagasaki gekommen und hatte uns auf Dezima eingeladen;
inzwischen war sein Haus mit dem gesamten Mobiliar durch eine Feuersbrunst
zerstört worden, und wir fanden an Stelle des wohlhabenden nun einen armen
Freund, nur einige ärmliche Hütten da errichtet, wo nach seiner Beschreibung früher
seine stattliche Wohnung sich befand. Und doch hatte er die Tafel, soweit es
ihm möglich war, bestellt. Man konnte aus allen Gerätschaften abnehmen, daß sie
mit vieler Mühe zusammengebracht worden waren. Ich trank mit ihm auf besseres
Glück. Übrigens war er ungeachtet des erlittenen Verlustes munter, und ich
versprach, ihm am Abende in unserer Herberge ein kleines Geschenk auszusuchen.
Es ist mir unbegreif&GER.nolig;lich, wie ein Gesandter einer hier mit so vieler Achtung
behandelten Nation aus ganz unbegründeten Vorurteilen sich so unfreundlich
benehmen kann. Ich wurde in solchen Fällen oft vom tiefsten Schamgefühl
ergriffen und suchte die Ehre unserer Gesandtschaft durch Erteilung großer
Spenden aufrecht zu erhalten, als Vertreter einer Nation, deren Regierung mit
ernstem Willen bestrebt ist, diesen Asiaten ein Gedächtnisblatt europäischer
Generosität bei jeder Gelegenheit vor Augen zu legen<ent:thinsp/>; doch, wie soll bei
unserem Gesandten Generosität walten<ent:thinsp/>! &CMD.dlq;Illi aes triplex circa pectus erat.&CMD.drq;</x>

<x>Von hier aus ging ich einige Stunden zu Fuße bis zum Dorfe Takasaka-no matsi. Der
Weg führte durch Felder, die später mit Reis bepflanzt werden, mit tiefen
Furchen, schmalen Beeten und abteilenden Zeilen. An einem Pfahle fand ich
wieder einen Anschlag, der wörtlich also lautete<ent:thinsp/>: &CMD.dlq;Man darf hier keine Vögel
und andere Tiere jagen, da der Bezirk für den Landesherrn zur Falkenjagd auf
Kraniche bestimmt ist&CMD.drq;. In der Nähe sah ich einen Friedhof, wo die Toten
verbrannt werden.</x>

<x>Ich suchte mit einbrechender Nacht meine Sänfte auf und kam nach 9 Uhr zu Kakogawa
an, wo wir übernachteten. Es besuchte mich noch ein Arzt, dessen Sohn an meiner
Privatschule zu Narutaki Unterricht genießt, Namens Takeda Sj<ent:omacr/>tatsu, dem ich
den Auftrag gab, die seltensten Pflanzen dieser Gegend für mich zu sammeln. Ich
beschenkte ihn mit einer Lanzette. Er hielt später sein Versprechen.</x>



<cmd name="subsubsection"><arg>11. März</arg></cmd> 

<x>Wir verließen um 6 Uhr Kakogawa, vom schönsten Wetter begünstigt. Vor
uns sahen wir eine ausgebreitete Ebene, fast ganz mit Reise bepflanzt<ent:thinsp/>: nur
einige Felder waren mit anderen Getreidearten, als Weizen, Gerste u.<ent:thinsp/>dgl.
bestellt. Die Landleute ziehen von ihren Reisfeldern eine doppelte Ernte, die
sie durch <cmd name="beginpage" args="{154}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg153">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg154">154</xhtml:a><xhtml:a href="#pg155">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> äußerst zweckmäßiges Düngen erzielen<ent:thinsp/>; man läßt hier Stroh
mit Erdschichten in konischen Komposthaufen verfaulen. Viele Dörfer und Weiler,
einzeln stehende Wäldchen und Büsche unterbrechen die weitausgedehnte Ebene, in
deren Hintergrund die blauen Berge der Landschaft Kisiu auf Nippon, die
Landschaft Awa auf Sikoku und die Insel Awasi hervortreten. Wir ruhen im Dorfe
Nisitani. Von hier weiterziehend bemerkte ich mehrere Seen, die zur Bewässerung
der Reisfelder mit Kunst der Natur abgewonnen worden waren, umrahmt von
anmutigen Tannenwäldchen. Kurz darauf genossen wir beim Dorfe Tsutsijama eine
überraschende Aussicht auf das Meer. Wir begegneten vielen Bettlern und Mönchen
von der Mont<ent:omacr/>- oder Ikkosjusekte. Die Priester der ersteren, die von
Kobo-Dai-Si gegründet wurde, haben strenge Regeln zu beobachten, während die
der letzteren Fische essen und sogar heiraten dürfen.</x>

<x>Gegen 2 Uhr kamen wir nach Akasi, einem ziemlich großen Städtchen, dem Sitze eines
Fürsten, Matsudaira Sakiöje-no-ske<ent:thinsp/>; im übrigen ein unbedeutender Ort, wo wenig
Ordnung und Zucht herrscht. Wir reisen längs des Strandes fort und haben SSW.
das Eiland Awasi vor uns. Die Straße zwischen dieser Insel und Nippon ist eine
japanische Ri (circa 4 Kilometer) breit<ent:thinsp/>; das Fahrwasser scheint tief genug zu
sein, und wir sahen die japanischen Barken dort nach allen Seiten hin kreuzen.
Herrliche Aussicht auf die See genossen wir beim Dorfe Maikonohama, in dessen
Nähe ich mit meinem Seekompaß einige Beobachtungen anstellte. In einem
Tannenhaine stand ein Bild des Gottes Dsizoo, auf&GER.nolig;fallend durch einen
Strahlenkranz um das Haupt. Auf halbem Wege von Akasi nach Hi<ent:omacr/>go stießen wir
auf eine Restauration, berühmt durch die Nudeln, die dort aus Buchweizen
zubereitet werden. Alles labte sich an Speise und Trank. Man nennt den Ort
Itsinotani. Ich war den ganzen Tag scharf gegangen und begab mich nun in meinen
Norimon. Die Nacht brach ein, und erst gegen 8<ent:frac12/> Uhr kamen wir in unserem
Gasthofe zu Hi<ent:omacr/>go an, wo sich sogleich nach meiner Ankunft der Arzt des
Landesherrn bei mir melden ließ<ent:thinsp/>; er hatte einige Naturalien für mich zum
Geschenke mitgebracht. Mit ihm kamen noch einige andere Ärzte und eine große
Anzahl Kranker, die mich bis Mitternacht umlagerten. Der Arzt des Landesherrn
war ein sehr freundlicher Herr und durch meinen Freund Kosai mit meinen
gebräuchlichsten Arzeneien bereits bekannt. Unter den Kranken fanden sich
wieder einige sehr schlimme von inveterierter Syphilis. Ich erteilte ihm eine
kurze Erläuterung über die verschiedenen Formen dieser in Japan so tief
eingewurzelten Krankheit und den zweckmäßigen Gebrauch der Merkurial-Mittel,
die man hier oft ganz falsch, mehr zur Verschlimmerung als zur Heilung dieser
Krankheit anwendet.</x>

<x>Ich erhielt vier sehr zahme Kraniche und eingesalzene Sepieneier, welche hier als
Leckerbissen gelten. Über Hi<ent:omacr/>go konnte ich wegen meines zu kurzen Aufenthaltes
wenig zuverlässige Nachrichten einziehen<ent:thinsp/>; ich ersuchte daher diesen neuen
Anhänger um schriftliche Auf&GER.nolig;klärung über einige politische und geographische
Punkte, die ich ihm angab.</x>



<cmd name="subsubsection"><arg>12. März</arg></cmd> 

<x>Um 8 Uhr morgens auf&GER.nolig;brechend, gehen wir zu Fuß durch die Stadt, die
außerordentlich volkreich zu sein scheint. Das Volk verrät wenig Bildung, so
daß unsere Führer häufig zu ihren Stöcken greifen müssen. Die Straßen sind mit
ganz gewöhnlichen Kramläden besetzt, und die Wohnungen haben ein ärmliches
Aussehen. Dicht bei Hi<ent:omacr/>go passierten wir ein langes Dorf, berüchtigt durch Zahnärzte
und Quacksalber, die Köpfe mit ausgezogenen Zähnen nebst anderen Charlatanerien
vor ihren Fenstern ausgestellt hatten. Der in der Nähe befindliche
Begräbnisplatz des berühmten <cmd name="beginpage" args="{155}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg154">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg155">155</xhtml:a><xhtml:a href="#pg156">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Kriegers Kutsunoki Masasige, des
Schutzpatrons gegen Zahnschmerzen, zieht die Zahnleidenden an. Die Gruft dieses
Helden, die in der Mitte eines schattigen Haines liegt, ziert ein aus Granit
gefertigtes Monument, über welchem ein kleines Gebäude in Form eines Tempels
sich erhebt, vorne mit einem Gitter versehen, an dem viele kleine Votivbilder
aufgehängt sind. Auch bemerkte ich auf kleinen von Cypressenholz verfertigten
Präsentierschüsseln einige abgeschnittene gut frisierte Zöpfe mit dem Namen des
Amputierten. Damit hat es folgende Bewandtnis. Kutsunoki Masasige ist auch
Patron der Seeleute, weswegen diese bei Sturm oder Schiff&GER.nolig;bruch das Gelübde
thun, dem vergötterten Helden ihr Liebstes, ihren Zopf, zu opfern. Wir
besuchten hierauf den Tempel Ikuta Mijozin in einem anmutigen Haine, durch den
eine Allee von Kirschbäumen und Armeniacen führt, zwischen welchen in
gleichmäßigen Abständen Laternen von Stein aufgestellt sind. Die Sint<ent:omacr/>tempel
tragen durchgehends das Gepräge der Einfachheit<ent:thinsp/>; ihr Hauptzweck ist, das
Andenken der Helden, Großen und um das allgemeine Wohl verdienten Männer zu
bewahren<ent:thinsp/>; in der Art und Weise dieser Verehrung prägt sich der vaterländische
primitive Gottesdienst aus, der um so lebhafter über der Grabstätte
vergötterter Ahnen auf&GER.nolig;blüht, je tiefer die Verdienste derselben in die Herzen
der Eingeborenen eingegraben sind, und noch jetzt warme Teilnahme für ihre
Schicksale und alles auf sie Bezügliche hervorrufen. Daher bilden Waffen,
Gemälde, Gedichte, alte Tannenbäume, kurz alles, was von solchen Männern
stammt, die Zierde und den Gegenstand der Bewunderung und Verehrung in solchen
Tempeln, während bei den Buddhisten lange Reihen unförmlicher Götter und
unzählige andere Gegenstände, aufgestellt zur Versinnlichung des
Übersinnlichen, die Tempel des indischen Gottesdienstes mit grellabstechenden
Farben schmücken. Ich bemerkte, daß, je näher man der Residenz des Mikados
kommt, die Tempel des später aus China gekommenen Buddhadienstes seltener
werden. Aus den oben angeführten, im Sint<ent:omacr/>kultus wurzelnden Gründen wird auch
hier in Ikuta Mijozin das Pferd der Helden, in Lebensgröße in Holz geschnitzt,
auf&GER.nolig;bewahrt. Nebst der großen Mia (Sint<ent:omacr/>-Tempel) finden sich noch verschiedene
kleinere, jede einem beliebten Halbgotte geweiht, welchem man in verschiedenen
Angelegenheiten anruft, verehrt und beschenkt.</x>

<x>So fand ich hier einen sogenannten Fusibaum, Dolichos polystachyos, an dessen
sämtlichen Zweigen Papierchen angebunden waren. Diese Bändchen von Papier
bindet man rund um einen beliebigen Baum, und zwar absichtlich mit der linken
Hand, um sich durch dieses mühsame Werk beim Gotte größere Verdienste zu
erwerben. Auch sollen die Mädchen zur Erflehung eines glücklichen Ehestandes
solche Papierbändchen an Fusizweige binden, wo dann die Blumensprossen durch
kürzere oder längere Blüte ihr Schicksal verkünden. Wir setzten unsere Reise
zwischen der Küste und dem Gebirge <ent:Omacr/>kamojama fort, wo sich eine herrliche
Aussicht auf den Golf von <ent:Omacr/>saka darbietet. Ich zählte über hundert Fahrzeuge,
die bald hier bald dort kreuzten oder vor Anker lagen. Dieser Golf scheint
überall einen guten Ankerplatz selbst für europäische Schiffe zu haben<ent:thinsp/>; doch
ist Vorsicht nötig, da häufig, besonders auf der Höhe von <ent:Omacr/>saka, Untiefen
vorkommen sollen. Der Weg führte über viele jetzt ausgetrocknete Flüsse, deren
Bett derart durch aufgehäuftes Gerölle angefüllt und erhöht ist, daß man auf
beiden Seiten durch aufgeworfene Dämme dieselben künstlich regulieren mußte.
Man benützt dazu aus Bambus geflochtene und mit Steinen angefüllte Säcke. Man
sagte mir auch, daß bei starkem Regenwetter, namentlich im Juni und <cmd name="beginpage" args="{156}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg155">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg156">156</xhtml:a><xhtml:a href="#pg157">&gt;</xhtml:a></arg></cmd>
Juli, diese Bergströme sehr anschwellen. Außer diesen kommen in der Landschaft
ungewöhnlich viele Wasserleitungen vor, unter andern beim Dorfe Mitoro ein
Bach, der eine Viertelstunde weit in hölzernem Bette über die Reisfelder
geleitet und durch Wassermühlen weitergetrieben wird. Hundertjähriger Fleiß
wußte hier trotz der Macht der vom steilen Gebirge herabstürzenden Gewässer am
Fuße derselben ausgebreitete Reisfelder vor Überschwemmungen zu wahren, und
zugleich bei eintretender Trockenheit für Bewässerung zu sorgen. Diese so
vollendete Kultur im ganzen Reiche ist der sicherste Beweis eines langen
Aufenthaltes des japanischen Volksstammes in diesem Archipel.</x>

<x>Gutta cavat lapidem non vi sed saepe cadendo.</x>

<x>Wir ruhten und erfrischten uns zu Sumijosi, wo wir auch eine günstige Gelegenheit
zur Observation der Sonnenhöhe fanden. In Kitsimura erhielten wir die
Nachricht, daß hier die Tochter eines Würdenträgers des kaiserlichen Hofstaates
vorbeireisen werde. Kurz darauf kam sie in einer Sänfte, vor der man mehrere Insignien
und Nagamotsi trug, und welcher einige Frauen zu Fuße und einige im Kago
getragen folgten. Nach 2 Uhr erreichten wir Nisinomia, wo wir Mittag hielten
und übernachteten. Abends kam unvermutet mein Schüler, der Leibarzt des ersten
Ratsherrn von <ent:Omacr/>saka. Ich glaubte, derselbe sein längst zu Jedo angekommen.</x>



<cmd name="subsubsection"><arg>13. März</arg></cmd> 

<x>Wir reisen von Nisinomia um 8 Uhr bei unfreundlicher Witterung ab. Unter
Schneegestöber und eisigem Nordwinde durchziehen wir die sehr flache Landschaft
und gelangen an die Stadt Amatzusaku, die Residenz des Landesherrn Madsudaira
Totomino Kami<ent:thinsp/>; daselbst befindet sich ein Kastell mit einem breiten Graben, der
mit der See in Verbindung steht, die durch einen breiten Kanal (70 kl. Schritte
breit) darin einmündet. Wir passieren die über denselben führende Brücke,
kommen um 11 Uhr nach Kansaki, wo wir über den ziemlich breiten Fluß
Kansakigawa mit Fahrzeugen setzen, ruhen zu Sjuzo, gehen über den Fluß
Sjuzogawa, und kommen 2<ent:frac34/> Uhr an die Vorstädte von <ent:Omacr/>saka, die bloß durch die
belebteren Straßen und die ununterbrochene Thätigkeit der Einwohner in ihren
Beschäftigungen und Gewerben sich von den seither besuchten Städten
unterscheiden. Wir bedauerten, daß das trübe Wetter uns eine freie Aussicht auf
die Stadt versagte, die, in einer ausgebreiteten Ebene liegend, sich am
südlichen Horizont in einen Dunstkreis gehüllt verlor. Häufige Gemüsefelder und
Blumengärten entfalteten sich vor unserem Blicke, bis in nebeliger Ferne
hervorragende Dächer, Gipfel hoher Tannenbäume und endlich die Türme des
Kastells diese große Handelsstadt ankündeten. In den Vorstädten bemerkten wir
hauptsächlich die Geschäftsräume von Viktualienhändlern, Schreinern,
Kupferschmieden, Sakebrauern und einigen unbedeutenden Kauf&GER.nolig;leuten. Nach 25
Minuten kamen wir über eine große hölzerne Brücke, Naniwabasi (108 Ken lang),
die über den Fluß Jodogawa führt. Hier werden die Straßen breiter und
ansehnlicher.</x>



<cmd name="subsection*"><arg>Anmerkungen</arg></cmd>

<x/> <!-- for indentation of next/1st paragraph -->

<x><cmd name="indent"/><cmd name="fnmarkref" args="{1}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext1" href="#FNmark1">(1)</xhtml:a></arg></cmd>
Das Armenwesen ist jetzt in Japan musterhaft geregelt. Anmerkung zur 2.
Auf&GER.nolig;lage.</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{2}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext2" href="#FNmark2">(2)</xhtml:a></arg></cmd>
Ich gab der Pflanze diesen Namen, da sie häufig in den Tempelgärten angepflanzt
wird, und mit ihren prächtigen rosenähnlich gefüllten Blüten die Altäre
verziert werden. Später hat diese der um die Hortikultur und Botanik so
hochverdiente Lindley unter dem Namen Prunus Pseudocerasus beschrieben.</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{3}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext3" href="#FNmark3">(3)</xhtml:a></arg></cmd>
Diese Jasminart, welche später Fortune aus dem nördlichen Japan mit nach
England brachte, ist gleichfalls von Lindley als Jasminum quadrangulare
beschrieben worden.</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{4}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext4" href="#FNmark4">(4)</xhtml:a></arg></cmd>
Catalogus librorum et manuscriptorum Japonicorum Nr. 44.</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{5}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext5" href="#FNmark5">(5)</xhtml:a></arg></cmd>
Ein Tsj<ent:omacr/> ist genau 99,1736 Ar, also circa 1 Hektar.</x>


</x><!-- document -->

<xhtml:hr style="visibility:hidden;height:20px;"/><!-- spacer -->

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<cmd name="centerline"><arg><cmd name="textsf"><arg>Copyleft <xhtml:a id="GNUfdl">&#169;</xhtml:a>|<xhtml:a id="CCncsa">&#169;</xhtml:a> 2004 ff. <xhtml:a href="javascript:mailVOID();" id="ORid">Oliver Rost</xhtml:a>, Dortmund; <xhtml:a href="javascript:mailVOID()" id="SUid">Stefan Unterstein</xhtml:a>, München</arg></cmd></arg></cmd>
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