<?xml version="1.0" encoding="iso-8859-1" standalone="no"?>
<?xml-stylesheet type="text/css" href="wa-TeXML.css" title="Local TeXML/CSS2-Stylesheet"?>

<!DOCTYPE TeXML PUBLIC "-//StUs//DTD TeXML//EN" "http://www.unterstein.net/ML/TeXML.dtd"
          [
        <!ENTITY % ID.dtdefined "IGNORE"> <!-- IE5+-Parser reads DTD: prevent double-def -->
        <!ATTLIST cmd id ID #IMPLIED>     <!-- Moz1-Parser does not read DTD: re-def IDs -->
        <!ATTLIST env id ID #IMPLIED>
        <!ATTLIST x   id ID #IMPLIED>

        <!ENTITY CMD.slq     "<cmd name='slq' args='  '/>">  <!-- generic single quote  -->
        <!ENTITY CMD.srq     "<cmd name='srq'/>">            <!-- generic single quote  -->
        <!ENTITY CMD.srqsp   "<cmd name='srq' args='\ '/>">  <!-- generic single quote + space -->
        <!ENTITY CMD.dlq     "<cmd name='dlq' args='  '/>">  <!-- generic double quotes -->
        <!ENTITY CMD.drq     "<cmd name='drq'/>">            <!-- generic double quotes -->
        <!ENTITY CMD.drqsp   "<cmd name='drq' args='\ '/>">  <!-- generic double quotes + space -->

        <!ENTITY CMD.ccolon  "<cmd name='textbf'><arg>::</arg></cmd>">

        <!ENTITY GER.shy     "<act on='&quot;&#x002D;' as='&#x00AD;'/>">  <!-- german.sty: "- soft hyphen  -->
        <!ENTITY GER.nolig   "<act on='&quot;&#x007C;' as='&#x00AD;'/>">  <!-- german.sty: "| no ligature + small space + soft hyphen  -->
        <!ENTITY GER.nohy    "<act on='&quot;&quot;' as=''/>">            <!-- german.sty: "" word breakable w/o hyphen  -->
        <!ENTITY GER.hhy     "<act on='&quot;&#x007E;' as='&#x002D;'/>">  <!-- german.sty: "~ dash, but no breakpoint, "hard hyphen"  -->
        <!ENTITY GER.hy      "<act on='&quot;&#x003D;' as='&#x002D;'/>">  <!-- german.sty: "= dash w/ breakpoint/able after"word"  -->
        <!ENTITY GER.ff      "<act on='&quot;ff' as='ff'/>">              <!-- german.sty: "ff ff-f -->
          ]>


<TeXML xmlns="http://www.unterstein.net/ML/TeXML"
       xmlns:xhtml="http://www.w3.org/1999/xhtml"
       xml:lang="de" xhtml:onload="mailINIT('ORid SUid'); iniTeXML();"
	   xmlns:ent="urn:entitags:entity-as-empty-element-tag"
       >
       <xhtml:title>wa &#183; Siebold: Aufenthalt zu Jedo (1826)</xhtml:title>

<TeX><![CDATA[
%%
%% Dies ist ein Teil-Dokument von SieboldNippon.TeX
%% im LaTeX/TeXML-Format ( http://www.unterstein.net/TeXML.html )
%%
]]></TeX>

<rdf:RDF xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#"
         xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">
 <rdf:Description rdf:about="http://www.unterstein.net/Toyoashihara-no-Chiaki-Nagaioaki-no-Mitsuho-no-Kuni/SieboldN128.xml"
     dc:title="Aufenthalt zu Jedo (1826)"
     dc:creator="v. Siebold, Philipp Franz"
     dc:contributor="Rost, Oliver; Unterstein, Stefan"
     dc:publisher="Rost, Oliver; Unterstein, Stefan"
     dc:subject="Siebold, Nippon, Japan, Jedo, Edo, Tokyo"
     dc:description="Philipp Franz v. Siebold. Nippon. Geographische Forschungen und Reisen. Reise nach dem Hofe des Sj&#244;gun im Jahre 1826. Aufenthalt zu Jedo."
     dc:date="2002-10-07"
     dc:type="Book"
     dc:format="text/xml"
     dc:identifier="http://www.unterstein.net/Toyoashihara-no-Chiaki-Nagaioaki-no-Mitsuho-no-Kuni/SieboldN128.xml"
     dc:language="de"
     dc:relation="..."
     dc:source="Philipp Franz v. Siebold: Nippon. Archiv zur Beschreibung von Japan und dessen Neben- und Schutzl&#228;ndern Jezo mit den s&#252;dlichen Kurilen, Sachalin, Korea und den Liukiu-Inseln. W&#252;rzburg und Leipzig: Verlag der K.u.K. Hofbuchhandlung v. Leo Woerl 1897 (2. Aufl.)"
     dc:coverage="Japan, Edo, 1826"
     dc:rights="Copyright &#169; 2002-2004 ff. Oliver Rost, Stefan Unterstein -- All rights reserved. GNU Free Documentation License."
     />
</rdf:RDF>


<x type="xml">

<cmd name="title"><arg>Aufenthalt zu Jedo<cmd name="\"/>&#183;<cmd name="\"/>1826</arg></cmd>
<cmd name="author"><arg><cmd name="textsc"><arg>Philipp Franz v. Siebold</arg></cmd></arg></cmd>
<cmd name="date"><arg>1823<ent:ndash/>1830 in Japan / <cmd name="textsuperscript"><arg>2</arg></cmd>1897 &CMD.dlq;Nippon&CMD.drq;</arg></cmd>
<cmd name="maketitle"/>

<env name="center">
    <xhtml:img src="PFvSiebold2.jpg" alt="v.Siebold; Kreidezeichnung von Joseph Schmeller, Weimar am 16. Mai 1835" title="Kreidezeichnung von Joseph Schmeller, Weimar am 16. Mai 1835" width="200" height="240"/>
</env>

<cmd name="centerline"><arg><cmd name="textbf"><arg>Das vollständige Kapitel I.2.8 aus &CMD.dlq;Nippon&CMD.drq;</arg></cmd></arg></cmd>

<env name="quote">
    <cmd name="emph"><arg>Nippon. Abteilung I. Geographische Forschungen und Reisen. (<cmd name="dots" args="\"/>)
    2) Reise nach dem Hofe des Sj<ent:omacr/>gun im Jahre 1826. (<cmd name="dots" args="\"/>) 8) Aufenthalt zu Jedo.</arg></cmd>
    <cmd name="newline"/>
    In:
    <cmd name="newline"/>
    <cmd name="textsc"><arg>Philipp Franz v. Siebold</arg></cmd> (1796<ent:ndash/>1866<ent:thinsp/>;
    Herausgegeben von seinen Söhnen): <cmd name="textit"><arg>Nippon.</arg></cmd>
    Archiv zur Beschreibung von Japan
    und dessen Neben- und Schutzländern Jezo
    mit den südlichen Kurilen, Sachalin, Korea und den Liukiu-Inseln.
    <ent:ndash/>
    Würzburg und Leipzig<ent:thinsp/>: Verlag der K.u.K. Hof&GER.nolig;buchhandlung v. Leo Woerl
    1897 (2. Auf&GER.nolig;l.; 2 Bde.)
</env>

<env name="footnotesize">
    <cmd name="hrule"/>
    <cmd name="smallskip"/>
    <cmd name="centerline"><arg><cmd name="textsf"><arg>&lt;<xhtml:a href="index.html">index</xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a href="#impressum" title="GNU Free Documentation License">copyleft</xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a href="#impressum" title="Contact Contributors">email</xhtml:a>&gt;</arg></cmd></arg></cmd>
    <cmd name="smallskip"/>
    <cmd name="hrule"/>
</env>

<cmd name="tableofcontents" id="toc" />

</x>

<xhtml:hr style="visibility:hidden;height:20px;"/>




<x wrap="doc">    <!--  pseudo <env name="document">...</env>  -->

<cmd name="subsection"><arg>Aufenthalt zu Jedo</arg></cmd>

<TeX>\renewcommand\abstractname{\textui{Übersicht}}</TeX>
<xhtml:style type="text/css"><![CDATA[ env[name="abstract"]:before {content: "Übersicht";} ]]></xhtml:style>

<env name="abstract"><TeX>\renewcommand{\baselinestretch}{1.1}\small</TeX>
<env name="itshape"><cmd name="noindent"/>
    Besuch des Oberbanjoosten bei dem Gesandten. Besuche des Prinzen
    von Nakatsu<ent:thinsp/>; sein Urteil über europäischen Tanz. <ent:ndash/> Familienleben japanischer
    Großen. <ent:ndash/> Japanische Ärzte. <ent:ndash/> Mogami Tokunäi. <ent:ndash/> Verwendung der Hunde an der
    Küste von Sachalin. <ent:ndash/> Sanitätsnotizen für die Seefahrer. <ent:ndash/> Über die
    Gebräuche der Ainos. <ent:ndash/> Besuche von Hofärzten. <ent:ndash/> Besuch vom Fürsten von
    Nakatsu. <ent:ndash/> Vortrag über die Anatomie des Auges. <ent:ndash/> Erdbeben. <ent:ndash/> Besuch des
    Hof-Nadelstechers. <ent:ndash/> Plan zur Einführung der Impfung. <ent:ndash/> Audienz beim Sj<ent:omacr/>gun.
    Ceremonien derselben. <ent:ndash/> Beschreibung des Schlosses. <ent:ndash/> Jedo. <ent:ndash/> Volksfeste. <ent:ndash/>
    Löschanstalten. <ent:ndash/> Luxus und Armut in Jedo.
</env>
</env>

<cmd name="subsubsection"><arg>11. April</arg></cmd>
<x> Bald nach unserer Ankunft wurde der Gesandte des
Oberbanjoosten, der uns auf der Reise begleitet hatte, mit zwei anderen
Oberbanjoosten und einem Rentbeamten im Namen des Gouverneurs von Nagasaki,
welcher in Jedo residiert, bewillkommt. Dieselben wurden feierlich empfangen
und mit Liqueuren und Konfitüren bewirtet. Dies ist sogenanntes Kapitel. Die
Leibärzte des Sj<ent:omacr/>gun und andere Verehrer der Niederländer, welche uns bis
Sinagawa entgegengekommen waren, ließen sich melden, wurden aber hier vom
Oberbanjoosten nicht zugelassen und konnten nur ihre Karten abgeben. Es waren
Katsuragawa Hoken, welcher scherzweise Wilhelmus <cmd name="beginpage" args="{183}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg182">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg183">183</xhtml:a><xhtml:a href="#pg184">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Botanikus genannt
wird<ent:thinsp/>; ferner ein Offizier des Fürsten Nakatsu, genannt Pieter van der St<ent:omacr/>lp,
sodann Kamia Gennai, Offizier des Fürsten Okudaira Tairano Taiju und Frederik
van Gulpen, ein Kaufmann, schließlich der Arzt Otsuki Gentoku. Die meisten
sprachen und verstanden holländisch. Auch erhielten wir den Besuch des in Jedo
residierenden Dolmetschers Saisiro, welcher von seiner Frau begleitet war. Dem
Gesandten wurde gemeldet, daß der Gouverneur und die Fremden-Kommissäre von
der Ankunft der Gesandtschaft Kenntnis erhalten hätten und hierzu Glück
wünschen ließen. Auch der Prinz von Nakatsu sagte sich für den Abend an, und
wir richteten daher alles zu seinem Empfange auf europäische Weise her. Er
hatte sich hauptsächlich aus dem Grunde, um die Holländer, deren Freund er
seit 30 Jahren ist, einmal persönlich näher kennen zu lernen, in den
Ruhestand versetzen lassen<ent:thinsp/>; denn anders kann ein Landesfürst mit uns in keine
nähere Beziehung treten. Wir brachten den Abend äußerst vergnügt in ganz
ungeniertem Tone mit diesem Freunde zu. Der Leibtrabant Peter van der Holp,
Herr van Gülpen, kaiserlicher Zuckerbäcker, ein Günstling des Fürsten, und
Keit, der Kammerdiener, spielten jeder auf das vortreff&GER.nolig;lichste seine Rolle, und
ich konnte mich nicht enthalten, in französischer Sprache unserm Gesandten
zuzuflüstern, daß dies das originellste Lustspiel sei, das ich je in meinem
Leben gesehen. Man denke sich diese Japaner, allem Holländischen mit Leib und
Seele zugethan, sich wechselseitig bald unter sich, bald mit uns in gebrochenem
Holländisch unterhaltend, das kräftige Lachen des gemästeten Leibtrabanten,
die zuvorkommenden, mit gespannter Aufmerksamkeit geführten Dialoge des
ausgetrockneten, ganz kahl geschorenen, zahnlosen van Gulpen mit dem durch
Neugierde zur Freundlichkeit gestimmten Ernste des Fürsten in eine
interessante Gruppe verschmolzen, uns selbst in steifem, einer hundertjährigen
Mode entlehnten Kostüm zur Seite sitzend, indes der Kammerdiener, ein
äußerst geschickter und in der holländischen Sprache sehr gewandter Mann,
über seinen Herrn den Mentor spielte <ent:ndash/> mußte nicht diese ganze Scenerie eine
höchst komische Wirkung ausüben? Hierauf besuchte der Fürst uns auch in
unserem Zimmer, welches wir durch Instrumente, Bücher u. dgl. gleichsam als
ein Museum der europäischen Wissenschaften zum Empfange dieses Gönners
eingerichtet hatten.</x>

<x>Vorzüglich war es mein Pianoforte, das dem Prinzen äußerst gefiel, sowie
auch Chronometer, Mikroskope und andere Instrumente. Durchgehends war der Prinz
mit allem bereits bekannt und überraschte uns durch Vorzeigen verschiedener
Uhren, unter welchen eine Uhr uns erfreute, deren Zifferblatt nach dem
Dezimalsystem angelegt und mit Metallkompensation versehen war und dazu noch
ein Thermometer u. dgl. enthielt. Er ließ die vorgesetzten Speisen und
Getränke sich treff&GER.nolig;lich munden und verließ uns erst spät in der Nacht.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>12. April</arg></cmd>
<x> Den Tag über wurden die Geschenke ausgepackt, und es entstand
bald eine Diskussion mit dem Oberbanjoosten wegen der höheren Preise, welche
wir für die übrig gebliebenen Geschenke ansetzen wollten. Es ist nämlich
üblich, daß man von den Manufakturen mehr, als für die Geschenke gebraucht
wird, mit sich nimmt, um dasjenige, was unterwegs verloren oder verdorben
würde, zu ersetzen. Diese dürfen zwar veräußert werden, aber nur an einen
der beiden Gouverneure von Nagasaki, der in Jedo residiert, was seinen guten
Grund haben mag. Außer diesen sogenannten Restantgütern bringen die
Mitglieder der Gesandtschaft noch viele, aber wenig Raum einnehmende
Handelswaren mit nach Jedo, und die Dolmetscher sowie die anderen <cmd name="beginpage" args="{184}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg183">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg184">184</xhtml:a><xhtml:a href="#pg185">&gt;</xhtml:a></arg></cmd>
japanischen Begleiter thun das Gleiche. Bezüglich des Verkaufs dieser
Gegenstände hat es stets Streitigkeiten gegeben, und bereits im Jahre 1818
wurde deshalb dem Gesandten bei seiner Ankunft in Jedo eine Ordre des
Gouverneurs von Nagasaki überreicht, worin ihm bedeutet wurde, eine
schriftliche Angabe von den Gegenständen, welche die Herren der Gesandtschaft
zu verkaufen wünschten, einzureichen.</x>

<x>Wir erhielten am Morgen ein großes Geschenk von dem Landesherrn von
Satzuma, bestehend in Stoffen, lebenden Vögeln, Pflanzen, nach japanischem
Geschmacke alles auf die schönste Weise geordnet. Am Abend kommt der Fürst
Nakatsu ganz inkognito zu uns und bleibt bis nach Mitternacht. Wir boten alles
auf, ihn zu unterhalten, und unter Musik, Gesang und Tanz belustigten wir uns
recht herzlich. Einzig in seiner Art war sein Urteil über den europäischen
Tanz, den er mit folgenden Worten mit dem japanischen verglich<ent:thinsp/>: &CMD.dlq;Die
Holländer&CMD.drq;, sagte er, &CMD.dlq;tanzen wirklich mit den Füßen, die Japaner dagegen
mit den Händen&CMD.drq;.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>13. April</arg></cmd>
<x> Viele Besuche von japanischen Fremden und Doktoren<ent:thinsp/>; ich erhalte
viele getrocknete Gewächse, vorzüglich von den ausgezeichnet gebildeten
Männern Katsuragawa oder Botanicus und Wudagawa Joan. Meine Freunde, die
Leibärzte des Sj<ent:omacr/>guns, machten mir heute einige interessante Mitteilungen
über die Rangstellung der Doktoren, über die Einteilung nach den besonderen
Zweigen ihrer Kunst und über die Verhältnisse derselben im allgemeinen. Man
unterscheidet Ärzte am Hofe des Sj<ent:omacr/>guns, Ärzte der Landesfürsten und
solche, welche in den Städten praktizieren. Der erste Rang am Hofe des
Sj<ent:omacr/>guns ist mit dem Titel H<ent:omacr/>in bezeichnet<ent:thinsp/>; diesen kann nur ein Arzt für
innerliche Krankheiten führen. Der zweite Rang, den auch ein Wundarzt erhalten
kann, ist der von H<ent:omacr/>gen<ent:thinsp/>; der dritte Hokkj<ent:omacr/>. Dieser zerfällt in zwei Klassen,
nämlich solche, welche in die Gemächer des Sj<ent:omacr/>guns kommen, und solche,
welche nur im Vorzimmer sich auf&GER.nolig;halten dürfen. Erstere heißen Oku ega oder
Oku isja, letztere Omote ega oder Omote isja (oku = innere, omote = äußere,
ega = studierter und isja = Arzt). Die angesehensten unter diesen werden
Onschiotsi jaku genannt. Die Ärzte der Landesfürsten bekleiden entweder den
Rang eines Hof&GER.nolig;beamten oder sie verschaffen sich den Titel H<ent:omacr/>gen oder Hokkj<ent:omacr/>.
Die Einteilung in Oku und Omote isja besteht auch am Hofe der Landesfürsten.
Ärzte von Fürsten, auch ausgezeichnete Stadtärzte, welchen die Ehre zu teil
ward, dem Sj<ent:omacr/>gun vorgestellt zu werden, führen den Titel On mimije isja, d.<ent:thinsp/>h.
sie sind hof&GER.nolig;fähig, wörtlich vor das höchste Antlitz gelangte Ärzte. Alle
übrigen praktizierenden Ärzte haben keinen Rang am Hof, doch erhalten
verdienstvolle Männer unter ihnen oft den Titel Hokkj<ent:omacr/>, den sie jedoch in der
Residenz nicht führen dürfen. Nach den verschiedenen Fächern der Praxis
unterscheidet man:</x>


<env name="enumerate">
    <grp name="item" bg="" eg="">
        Innerliche Ärzte, H<ent:omacr/>n d<ent:omacr/>, auch Nai kwa. </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        Wundärzte, Gen kwa. </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        Kräuterkundige (speziell für Arzneipflanzen), Honz<ent:omacr/>ka. </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        Frauenärzte, Fuzin kwa, zu denen auch die Geburtshelfer (San kwa) gehören. </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        Kinderärzte, Sh<ent:omacr/>ni kwa, und Kinderpockenärzte, H<ent:omacr/>s<ent:omacr/>ka. </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        Augenärzte, Gan kwa oder Me isja. </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        Mundärzte (Zahnärzte), K<ent:omacr/>tsju kaw. </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        Beinbruchärzte, Sei kotsu ka oder Hone tsugi isja. <cmd name="beginpage" args="{185}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg184">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg185">185</xhtml:a><xhtml:a href="#pg186">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        Nadelstecher, Sin si oder Hari isja. </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        Moxabrenner, Kiusi (jap. Tesasi) und </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        Muskelkneter, Ama tori oder D<ent:omacr/> in. </grp>
</env>


<x>Man unterscheidet solche, welche die Muskeln mit den Händen, und solche,
welche sie mit den Füßen bearbeiten.</x>

<x>Ärzte höheren Ranges tragen dasselbe Kostüm wie alle vornehmen Japaner,
und die Leibärzte des Sj<ent:omacr/>guns und der Fürsten auf ihrer Staatskleidung das
Wappen ihrer Herren und zwei Säbel, wie sie Offizieren und überhaupt dem Adel
zukommen. Innerliche und Frauenärzte haben den Kopf kahl geschoren, Chirurgen
und ihre übrigen Kollegen jedoch ungeschoren und tragen das Haar von allen
Seiten nach dem Wirbel hin gekämmt, zusammengebunden und in ein der
Nationalfrisur ähnliches, nach oben gekehrtes Zöpfchen endigend. Die Tonsur
erklärten meine Freunde als ein Erfordernis der Reinlichkeit für Ärzte, die
mit vornehmen Herren und Damen in Berührung kommen. Es ist ganz die Tonsur der
Buddhapriester, mit welchen die Heilkünstler vom benachbarten Festlande
übergesiedelt sind, und die Frisur der äußerlichen Ärzte ganz die der
Chinesen und Koreaner, zu Zeiten der Chin-Dynastie (555<ent:ndash/>584 n. Chr.), wo
bekanntlich Kunst und Wissenschaft unter dem Geleite des Buddhadienstes in
Japan eingezogen sind.</x>

<x>Ich finde, daß man viel zu viel Umstände mit den Oberbanjoosten macht und
die Gesandtschaft ihre Würde diesen Herren gegenüber nicht genügend zu
wahren versteht.</x>

<x>Heute entstand in der Stadt eine Feuersbrunst, und es wurde mir bei dieser
Gelegenheit erzählt, daß man das Jahr als ein glückliches bezeichnet, wo nur
drei Straßen (Quadrat Tsj<ent:omacr/> = 3 Hektar) abbrennen.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>14. April</arg></cmd>
<x> Nehmen Observation für Länge mit Chronometer, können jedoch,
da die Sonne bereits zu hoch steht, mit dem künstlichen Horizont und unserem
Sextant keine Mittagshöhe mehr nehmen. Beschließen daher, mittags
Observationen zur Berechnung der Breite anzustellen. Nachmittags viele Besuche
von Japanern. Eine Deputation des Landesherrn von Satzuma. Einige vornehme
Kranke. Die Geschenke für den Sj<ent:omacr/>gun und den Erbprinzen sowie für die
Reichsräte werden abgeschickt.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>15. April</arg></cmd>
<x> Abends feierlicher Besuch vom Landesherrn von Nakatsu und
Satzuma, bekommen hübsche Geschenke. Die Fürsten bringen den größten Teil
des Abends bei uns zu, sich mit Musik, Gesang, Büchern, Instrumenten u. dgl.
unterhaltend. Der alte Fürst ersucht mich, daß ich ihn unter meine Schüler
in der Natur- und Heilwissenschaft aufnehmen und ihm eine kurzgefaßte
Behandlungsweise der gefährlichsten japanischen Krankheiten bearbeiten
möchte. Er bringt einen Vogel mit, den ich sogleich, seinem Wunsche
entsprechend, ausbalge und aufsetze, was dem Greise viel Vergnügen bereitete.
Ich biete den Fürsten ein ansehnliches Geschenk an, welches sie mit Dank
annehmen. Der alte Fürst giebt mir hierauf seinen eigenen Fächer, den er
einst vom Mikado zum Geschenke erhalten. Die beiden Fürsten hatten mich schon
früher konsultiert und befanden sich gegenwärtig besser. Die Beifrauen des
alten Herrn, unter welchen sich die Mutter der Gemahlin des Sj<ent:omacr/>guns befand,
waren auch mitgekommen, und wir bieten unsere Überreste europäischer
Galanterie auf, sie gut zu unterhalten. Ich hatte die Ehre, von einer der
vornehmsten dieser Frauen konsultiert zu werden wegen einer Verhärtung an der
rechten Brust, wobei man Anstand nahm, sie entblößt untersuchen zu lassen.
Doch ich erklärte, daß ich als Arzt wohl <cmd name="beginpage" args="{186}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg185">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg186">186</xhtml:a><xhtml:a href="#pg187">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> die Genehmigung
beanspruchen müßte, die Untersuchung auf europäische Weise vorzunehmen. Es
war ein liebenswürdiger Familienzirkel japanischer Großen, der uns diese
Klasse der Bevölkerung im günstigsten Licht darstellt. Sittsamkeit, Anstand
und Würde, Herzensgüte, Aufrichtigkeit, eine rationelle Bildung ohne die
geringsten Spuren von Stolz sprachen sich in dem greisen rüstigen Fürsten, in
den Kindern und Frauen gleichmäßig aus <ent:ndash/> kurz Charakterzüge, die alle
Achtung eines gebildeten Europäers verdienen.</x>

<x>Es stellt sich der Opperbanjoost vor, welcher die Obliegenheit hat, die
Gesandtschaft am Tage der Audienz zu begleiten. Von einem anderen Opperbanjoost
wurde gemeldet, daß die für den Sj<ent:omacr/>gun und Erbprinzen bestimmten Geschenke
bei Hofe abgeliefert worden seien. Es wurde für diese Bemühung von ihm eine
Bezahlung von 5 Itsibu liquidiert. Ferner wurden heute mit dem Gouverneur von
Nagasaki Verhandlungen geführt über die Quantität Kupfer, welche für dieses
Jahr uns zur Ausfuhr bewilligt werde. Es finden hierüber Vorträge beim
Staatsrat statt.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>16. April</arg></cmd>
<x> Dies candidissimo sane calculo notandus<ent:thinsp/>! Japonensis quidam
nomine Mogami Tokunai, per biduum cum nostram quaesivisset societatem, se
Mathesi ceterisque huic annexis scientiis exhibuit nobis eruditissimum.
Expositis diveris matheseos Chinensis-Japonicae ac Europaea problematibus,
nobis sub sanctissimo sigillo silentii mappas, quibus oceanus Jetzonensis et
insula Krafto delineat continebantur per tempus aliquod ad usum praebuit <ent:ndash/>
thesaurum sane pretiosissimum. Ich füge hier noch einige Notizen bei, die uns
dieser Mogami Tokunai mitteilte. Nach seiner Berechnung gehen etwa 29
japanische Meilen (105 russische Werste) auf einen Breite-Grad. Auf der Insel
Kurafto (Sachalin) werden die Fahrzeuge von Hunden fortgezogen, und so bereiste
jene unser Freund, von 7 Hunden gezogen. Von Zeit zu Zeit wirft man denselben
Futter aus dem Kahne zu, sie aufzumuntern, doch bei einem Sturme kann man sie
nicht zum Ziehen bewegen.</x>

<x>Die Straße zwischen der Küste der Tatarei und Kurafto friert im
japanischen zwölften und zweiten Monat zu. Die Ainos laufen Schlittschuhe.</x>

<x>Nach dem Auftauen findet man in der See häufig den Schiffen gefährliche
Eisberge, oft von einer Größe von 20 Quadrat-Tsjoo mit einem Tiefgang von 1
Tsjoo und 1<ent:ndash/>2 Ken über die See, bei einem Sturme aber noch weit höher
emporragend.</x>

<x>Die hier im Winter herrschende Kälte ist äußerst nachteilig für die
Japaner. Während des Aufenthaltes unseres alten Freundes auf Sachalin im Jahre
1809 (im zweiten Monat des vierten Jahres von Bunkwa) sind von 105 Menschen 53
den Einwirkungen der Kälte erlegen. Die Erscheinungen waren eigentümlicher
Art, da bei den Patienten, welche man zur Erwärmung dem Feuer näherte, der
Leib aufschwoll, und sie starben. Auch auf dem Meere ist das Klima sehr
ungesund, und die Schiffsleute leiden häufig an Fiebern und Diarrhoe. Unser
Mathematikus blieb sehr gesund<ent:thinsp/>; er aß außerordentlich viel Seetang (Fucus
saccharinus), dessen kühlenden Einflüssen er sein Wohlsein zuschreibt,
während seine Kameraden erhitzenden Reis und Sake genossen. Die schmalste
Stelle des Kanals ist etwa 3<ent:ndash/>5 japanische Meilen breit und sehr seicht, die See
still. Die Tataren, hier Sandaner genannt, kommen häufig nach Sachalin, von
den Japanern Karafuto genannt, wo sie Pelzwerke eintauschen. Die Küste von
Sachalin bei diesem Kanal ist äußerst morastig. Auf dieser Insel ißt man
eine Erde, Tetarrotoi genannt, eine Art Porzellanerde.</x>

<x>Die <cmd name="beginpage" args="{187}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg186">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg187">187</xhtml:a><xhtml:a href="#pg188">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Ainos haben einen Himmel, wo ihr Gott thront<ent:thinsp/>: Kotan kara
kamoi <ent:ndash/> d.<ent:thinsp/>i. Wohnort schaffender Gott. Den Gott der Hölle nennen sie Nitsne
Kamoi. Die bekannten Kämpfe, die unter der Familie bei Todesfällen vorkommen,
finden nur dann statt, wenn ein Glied der Freundschaft gewaltsamen Todes
stirbt. Sie bringen sich alsdann wechselseitig Wunden am Kopfe bei, die jedoch
unbedeutend sind. Wird ein Freund durch natürlichen Tod dahingerafft, so
teilen sie einander weinend den Todesfall mit. Verliert die Frau eines Ainos
ihren Gatten, dann flieht sie ins Gebirge, wo sie in tiefer Trauer die ersten
Tage unter Fasten zubringt. Mit Gewalt wird sie von der Familie zurückgeholt,
die allein zu der trauernden Witwe kommen darf. Begiebt sich ein anderer Mann
zu derselben, dann muß er eine Strafe bezahlen.</x>

<x>Es wird von dem Oberdolmetscher berichtet, daß die Kupfertaxe für dieses
Jahr auf 9000 Pikol und für das folgende auf 8000 Pikol festgesetzt sei. Diese
Bewilligung sollte aber keineswegs für die Zukunft als Norm dienen, sondern es
müßte jährlich seitens der Niederländer ein erneutes Gesuch eingereicht
werden. Aus obigem geht hervor, unter welchen erschwerenden, um nicht zu sagen
erniedrigenden Bedingungen die Holländer zum Handelsverkehr zugelassen werden.
Abends hatten wir einige Doktoren des Sj<ent:omacr/>guns zum Essen eingeladen.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>17. April</arg></cmd>
<x> Bringen den Abend mit dem Hofarzte Katzuragawa vulgo Botanikus
und Gentaku, dem Leibarzte eines Landesfürsten, zu, zwei großen Freunden der
Niederländer und der europäischen Wissenschaften.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>18. April</arg></cmd>
<x> Erhalten Besuch vom Hofastronomen Globius (unter Globius ist
gemeint Takahasi Sakusajemon), der ebenfalls ein hoher Gönner der
europäischen Wissenschaft ist.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>19. April</arg></cmd>
<x> Besuch vom Doktor Botanikus, er äußert sich, daß die
Stimmung für meine Absicht, länger in Jedo zu bleiben, günstig sei. Der
Fürst von Nakatsu kommt am Abend zu uns.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>20. April</arg></cmd>
<x> Ich hatte auf heute Vorlesung über die Anatomie des Auges und
die gebräuchlichsten am Auge vorkommenden Operationen anberaumt. Die Hofärzte
wohnen mit Beifall denselben bei. Die Operationen machte ich an einem Schweine,
welches mir die Ärzte zum Geschenke angeboten hatten. Schweinefleisch ist eine
seltene Speise in Jedo. Am Abend hatten wir ein Erdebeben, welches sich nachts
3 Uhr und bei Anbruch des Morgens wiederholte und zwar in ziemlich langen, etwa
20 Sekunden anhaltenden Erdstößen. Erdbeben in Jedo sind ziemlich häufig,
zehn- bis zwölfmal im Jahre, doch nie so stark, daß Häuser dadurch
einstürzten.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>21. April</arg></cmd>
<x> Ich bringe bereits mehrere Morgen mit unserem alten Freunde
Mogami Tokunai mit Bearbeitung der Jezo-Sprache zu. Unsere Audienz beim Sj<ent:omacr/>gun
wird verschoben, weil ein Sohn desselben plötzlich gestorben ist. Besuche vom
Hof-Nadelstecher Isisaka Sotets und anderen Ärzten und Bekannten.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>22. April</arg></cmd>
<x> Erhalte vom Oberbanjoosten mehrere seltene Gewächse<ent:thinsp/>; die
Begünstigungen dieses Mannes für unsere Untersuchungen sind außerordentlich.
Ich genieße alle Freiheit und kann ziemlich öffentlich, auch in
wissenschaftlichen Gegenständen, deren Bearbeitung früher strenge verboten
war, thätig sein und so ungestört mit unserem alten Freunde die Bearbeitung
der Jezo-Sprache, Geographie u. dgl. m. fortsetzen. Auch mache ich dem
Opperbanjoost und dem Unterbanjoost ein ansehnliches Geschenk, aus Glas- und
Porzellanwaren bestehend. <cmd name="beginpage" args="{188}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg187">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg188">188</xhtml:a><xhtml:a href="#pg189">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<cmd name="subsubsection"><arg>23. April</arg></cmd>
<x> Die Hofärzte bringen den ganzen Tag bei mir zu<ent:thinsp/>; sie eröffnen
mir, doch vorerst noch im geheimen, ihren Wunsch, daß ich einige Zeit in Jedo
bleiben möchte, und legten einen Plan vor, wie dieses auf eine passende Weise
beim Sj<ent:omacr/>gun durchzusetzen wäre. Ich wurde heute ersucht, eine Auf&GER.nolig;klärung
über die Kinderblattern und die Impfung zu geben, wobei ich die Gelegenheit
benutzte, einen Plan zur Einführung dieser großen Wohlthat in Japan
vorzutragen. Ich erklärte mich auf Befehl des Sj<ent:omacr/>guns bereit, die Lymphe von
Batavia selbst zu holen und hier die Impfung einzuführen.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>24. April</arg></cmd>
<x> Viele Besuche am Abende von den Hofastronomen, von Freunden und
Bekannten.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>25. April</arg></cmd>
<x> Empfange Besuche von Leibärzten des Sj<ent:omacr/>guns, unter andern von
dem Augenarzte desselben. Ich zeige Werke über Augenheilkunde nebst den
betreffenden Instrumenten vor. Mache einige Versuche mit Belladonna zur
Erweiterung der Pupille, welche auf&GER.nolig;fallende Erscheinung großen Beifall erregt.
Der Hof&GER.nolig;botaniker Suigen läßt mich mehrere Rollen Pflanzenabbildungen sehen,
sowie auch eine Sammlung graphischer Darstellungen der meisten japanischen und
chinesischen Fische und herrlicher Crustaceen. Beifrauen des Landesherrn von
Satzuma konsultieren mich.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>26. April</arg></cmd>
<x> Mit großem Beifall aller anwesenden Hofärzte hatte ich heute
die Operation einer Hasenscharte an einem neugeborenen Kinde, und die
Vaccination an drei Kindern vorgenommen, diese jedoch mit altem Stoffe, nur um
die Art und Weise des Vaccinierens zu zeigen. Ihre Stimmung für mein längeres
Hierbleiben ist sehr günstig.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>27. April</arg></cmd>
<x> Vacciniere wieder zwei Kinder. Abends Besuch vom Fürsten von
Nakatsu.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>28. April</arg></cmd>
<x> Man brachte mir heute ein Otterfell, Rako genannt (Lutra
marina, Mustela lutris Linn), wohl die von Oken angeführte Varietät Pusa
orientalis, Oken p. 986, von der Insel Rakosima bei Etrop. Man verlangt 70
Kobang dafür<ent:thinsp/>; diese Otterart soll bis 6 Fuß lang werden. Das obenerwähnte
Fell war 4 <ent:frac12/> Fuß lang.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>29. April</arg></cmd>
<x> Die Hof-Astronomen kamen wieder zu Besuche.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>30. April</arg></cmd>
<x> Ich mache dem Opperhoofd offiziell bekannt, daß die Doktoren
des Sj<ent:omacr/>guns beschlossen haben, für meinen längeren Aufenthalt zu Jedo bei
Hofe ein Gesuch einzureichen. Sie bringen den ganzen Tag wieder bei mir zu.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>1. Mai</arg></cmd>
<x> Ziehen morgens 6 Uhr zur Audienz<ent:thinsp/>; die drei Mitglieder der
Gesandtschaft in Norimonos und die japanische Begleitung zu Fuße. Die
Entfernung des Schlosses von dem niederländischen Hotel beträgt nur 2
Straßen (Tsjo). Kommen über eine breite Brücke durch ein großes massives
Thor in die erste Abteilung des befestigten Schlosses. Der Zug bewegt sich
längs den Palästen verschiedener Fürsten bis zu einer zweiten Brücke, wo
wir unsere Norimonos verlassen und zu Fuße fortschreiten müssen. Jenseits der
Brücke kommen wir an ein großes Thor, innerhalb dessen sich die Wache der
sogenannten Hundertgarden befindet<ent:thinsp/>; hier läßt man uns ausruhen. Es wird uns
hier sehr schlechter Thee angeboten, und die ganze Einrichtung dieses Lokals,
wo man uns auf Holzbänken, die mit chinesischem rotem Filz bedeckt waren, zum
Sitzen einlud, machte auf uns keinen großartigen Eindruck. Es fand sich hier
der Gouverneur von Nagasaki, die zwei Fremden-Kommissäre und der <cmd name="beginpage" args="{189}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg188">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg189">189</xhtml:a><xhtml:a href="#pg190">&gt;</xhtml:a></arg></cmd>
Kommandant der Wache ein, welche uns bewillkommneten. Von hier aus hielten wir
unsern Einzug in das große Schloßthor, wohin ein mit breiten Steintreppen
versehener Weg führt. Das Thor selbst ist mit reichen Schnitzereien versehen
und erinnert im Stile an die buddhistischen Tempel. Beim Eintritt in das Palais
wurden wir von Opperbanjoosten und den Hof&GER.nolig;lakaien in Empfang genommen, letztere
haben sämtlich kahlgeschorene Köpfe und schwarze, dem Kostüm der Mönche
gleichende Kleidung. Man führte uns in einen Saal, der als Antichambre dient,
wo wir nach belieben stehen, gehen oder sitzen konnten. Hier kamen verschiedene
Mitglieder des hohen Adels, uns zu begrüßen<ent:thinsp/>; es gilt dies nicht als eine
offizielle Handlung, sondern dient bloß zur Befriedigung ihrer Neugierde.</x>

<x>Unter diesen Herren war der Fürst von Jetsizen, ein Verwandter des
Sj<ent:omacr/>guns<ent:thinsp/>; Ji Kamonno Kami, Fürst von Omi<ent:thinsp/>; der Fürst von Karatsu, ein
früherer Gouverneur von Nagasaki, mit dem Fürsten von Hirado. Auch befanden
sich unter den Neugierigen, wie man sagte, Söhne und Verwandte des Sj<ent:omacr/>guns,
u.a. Hitotsubasi, Tajasu. Ferner besichtigten uns verschiedene Würdenträger
und Kammerherren. Einige unter ihnen baten uns, holländische Wörter und
Sprüche auf ihre Fächer oder auf Papier zu schreiben, welchem Wunsche wir
auch entsprachen.</x>

<x>Hier wurden wir auch schließlich von dem Gouverneur und den
Frem&GER.shy;den&GER.hy;Kommissären aufgesucht, und das Vorstellungsceremoniell entwickelte
sich in folgender Weise<ent:thinsp/>: Der Gesandte wird ersucht, sich nach dem Audienzsaal zu
begeben, &CMD.dlq;um das Kompliment einzuüben&CMD.drq;. Der Gesandte, von einem Hof&GER.nolig;beamten
begleitet, macht sich auf den Weg<ent:thinsp/>; uns wird stillschweigend gestattet, ihm auf
einigen Abstand zu folgen. Wir schreiten nach rechts durch eine lange
galerieähnliche Passage, welche mit Holz gedielt ist, darauf durch einen mit
Matten belegten Saal, sodann gelangen wir an einen großen Saal, welcher auf
den vier Seiten mit einer hölzernen Galerie umgeben ist. An der zweiten Ecke
derselben bleiben die Opperbanjoosten und die beiden Mitglieder des
Gesandtschaftspersonals zurück<ent:thinsp/>; der Gesandte geht noch etwas weiter vorwärts
rechts um eine Ecke, wo er ebenfalls stehen bleibt. Er hat nun den großen
Audienzsaal, angeblich von 1000 Matten Quadratinhalt, vor sich. Hier erscheinen
der Gouverneur und die zwei Fremden-Kommissäre, machen eine steife Verbeugung,
nehmen den Gesandten noch etwa zwanzig Schritte weiter mit sich die Galerie
entlang, wo sich der Gouverneur, das Gesicht saaleinwärts gerichtet, auf den
Matten niederläßt, der Gesandte aber auf den hölzernen Fußboden der Galerie
auf japanische Weise niederknieen muß. Nach einer Pause folgt der Gesandte nun
dem Gouverneur weitere zehn Schritte vorwärts, wo er sich an einem Pfeiler vor
einem kleinen Saale befand, wohin drei mit Matten belegte Stufen führten.<cmd name="fntextref" args="{1}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark1" href="#FNtext1">(1)</xhtml:a></arg></cmd>
Alles Holzwerk war künstlich geschnitzt und vergoldet. Man hatte den Ausblick
auf einen abgeschlossenen <cmd name="beginpage" args="{190}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg189">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg190">190</xhtml:a><xhtml:a href="#pg191">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Platz, und links von diesem waren die
Geschenke auf Tafeln oder den eigentümlichen, aus weißem Hinoki, sog.
Sonnenbaumholze, verfertigten, Tragbahren ähnlichen Präsentiertellern
geschmackvoll geordnet. Hier mußte der Gesandte zwei- und dreimal sein
Kompliment machen, und zwar nach japanischer Sitte auf den Knieen liegend und
tief sein Haupt verbeugend und zwischen jedem Kompliment sich wieder
aufrichtend. Nach dem dritten Komplimente schritten zwei schöne Jünglinge von
auf&GER.nolig;fallend weißer Gesichtsfarbe bis auf die dritte, mit Matten belegte Stufe
herab<ent:thinsp/>; es waren zwei Söhne des Sj<ent:omacr/>guns. Jetzt mußte der Gesandte noch eine
Weile stehen bleiben und sich von allen Seiten anschauen lassen. Die Hauptprobe
der Audienz war zu Ende, der Governeur leitete ihn eine Strecke zurück, worauf
die Hof&GER.nolig;bedienten ihn wieder bis zum Antichambre geleiteten. Nach einer kurzen
Pause wurde das Zeichen zur Audienz des Gesandten gegeben<ent:thinsp/>; der Gouverneur und
einige Kammerherren geleiteten ihn, die beiden Opperbanjooste und Dolmetscher
folgten, und wir schlichen im geheimen hinterher <ent:ndash/> sehr ehrenvoll für den
Gesandten und seine beiden Begleiter. An der zweiten Ecke des Saales blieben
die zwei Opperbanjoosten zurück, die Dolmetscher folgten bis zur dritten Ecke,
wo der Gesandte einen Augenblick stehen blieb und von den Fürsten und andern
Reichsgroßen gemustert wurde. Gleich darauf vernahm man ein leises Zischen<ent:thinsp/>: es
war das Signal des Herannahens der allerhöchsten Person. Jeder beeilte sich,
den ihm gebührenden Platz einzunehmen. Nun holte der Gouverneur den Gesandten
und führte ihn bis an den ersten Pfeiler des kleinen Audienzsaals, wo der
Oberdolmetscher sich auf der Galerie zu Boden warf, der Gesandte jedoch noch
stehen blieb. Darauf brachte der Gouverneur, der sich mit den beiden
Frem&GER.shy;den&GER.hy;Kommissären gleichfalls auf dem Holzboden der Galerie niedergelassen
hatte, den Gesandten bis an den Audienzplatz, der einige Schritte weiter nach
vorne auf der Galerie vor den drei Stufen war, welche mit Matten belegt waren.
Der Gesandte warf sich hier auf die Kniee, tiefgebeugt konnte er nur die
vergoldeten Holzschnitzereien vor sich sehen und von dem Sj<ent:omacr/>gun sah er nicht
einmal den Schatten. Mit einem Male ertönte der Ruf eines Herolds<ent:thinsp/>: &CMD.dlq;Hollanda
capitan!&CMD.drqsp; <ent:ndash/> der Gouverneur zupfte den in tiefer Prosternation liegenden am
Mantel <ent:ndash/> die Audienz war vorüber.</x>

<x>Der Gesandte erhob sich vom Fußboden und begab sich unter vielen und
vielseitigen Komplimenten nach dem ersten Zimmer zurück, wo der Gouverneur und
die Frem&GER.shy;den&GER.hy;Kommissäre ihm ihre Glückwünsche zu der ihm zu teil gewordenen
allerhöchsten Audienz aussprachen. Hier fanden sich wieder mehrere Fürsten
und andere hohe Persönlichkeiten ein, unter welchen sich auch der jüngste
Bruder des Erbprinzen befand, ein sehr artiger Knabe von 10<ent:ndash/>11 Jahren, welcher
bat, ihm einige holländische Wörter auf Papier niederzuschreiben, was der
Sekretär sofort erfüllte. Nachdem diese letzte Besichtigung überstanden war,
durfte sich der Gesandte mit seinem Gefolge zurückziehen. Die Ceremonie war
beendigt, und wir konnten noch von Glück sagen, daß die von Engelbert
Kaempfer beschriebene, von Tanzen und Singen begleitete Privatvorstellung der
Niederländer vor dem hinter durchsichtigen Bambusmatten versteckten Hofe
inzwischen abgeschafft worden war. Das Portrait des Sj<ent:omacr/>guns und seiner
Gemahlin sind wir in der Lage, nach japanischen Quellen unter Fig. 19 und 20 zu
geben.</x>

<x>Gegen 12 Uhr verließen wir das Palais des Sj<ent:omacr/>gun und begaben uns nach dem
des Erbprinzen, welches eine halbe Stunde von jenem entfernt ist, jedoch noch
im innersten Teil des Schlosses liegt. Ein breiter Weg führt dahin, links von
einer <cmd name="beginpage" args="{191}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg190">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg191">191</xhtml:a><xhtml:a href="#pg192">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> hohen cyklopischen Mauer, rechts von einem breiten
Wassergraben begrenzt. Wir kamen über eine breite Brücke und an einer
ansehnlichen Wache vorbei<ent:thinsp/>; hierauf nochmals über eine sehr hoch gelegene
Brücke, von wo man eine außerordentlich schöne Aussicht auf die Stadt, die
Umgegend und bis auf die Bai von Jedo hinaus hat. Im Palais des Erbprinzen
wurden wir von den kahlgeschorenen Hof&GER.nolig;bedienten in einen Saal geführt, wo der
Gouverneur von Nagasaki und die mehrmals erwähnten Fremden-Kommissäre uns
empfingen. Nachdem wir eine Weile geruht hatten, teilweise zum Zwecke, von der
anwesenden Hofgesellschaft genau besichtigt zu werden, wurde der Gesandte,
ähnlich wie bei der Hauptaudienz, aufgefordert, den Platz in Augenschein zu
nehmen, wo er sein Kompliment zu machen habe. Kurz nachdem er zurückgekommen,
wurde er zur Audienz gerufen, zu welcher er von einem Hof&GER.nolig;bedienten und einem
Dolmetscher begleitet wurde. Auch hier mußte sich das niederländische
&CMD.dlq;Opperhooft-Gezandt aan den Hof des Kaisers&CMD.drq;, wie der offizielle Titel
lautet, auf den Holzboden der Galerie niederlassen und ein tiefes Kompliment
vor zwei Staatsräten machen, welche in Vertretung des Erbprinzen in steifer
Haltung in einiger Entfernung auf den Matten saßen. Zur Rechten auf den Matten
hatten sich die Fremden-Kommissäre niedergelassen. Nachdem wir einige Schritte
rückwärts bis an die Thüre gemacht hatten, die zum Antichambre führte,
kehrte der Gesandte in diesen Saal zurück, wo ihn der Gouverneur und die
Fremden-Kommissäre wiederum ihre Glückwünsche zur ehrenvollen Audienz
darbrachten. Nachdem wir noch eine Zeit lang der Neugierde des Hofstaats und
anderer vornehmen Leute, worunter auch Mitglieder der Familie des Sj<ent:omacr/>guns
gewesen sein sollen, ausgestellt waren, durften wir abtreten und wurden von den
obenerwähnten glattrasierten priesterähnlichen Bedienten zur Pforte geleitet.
Diese Hof&GER.nolig;kreaturen machten auf mich einen sehr ungünstigen Eindruck<ent:thinsp/>; auf ihren
bleichen Gesichtern vereinigten sich die Züge gebieterischer Frechheit mit
kriechender Höf&GER.nolig;lichkeit zu einem charakteristischen Bonzenkopfe, den die durch
ihre Isoliertheit auf&GER.nolig;fallend großen Ohren, der unruhige Blick und die
krampfartigen Zuckungen der Lachmuskeln noch abstoßender machten. Während der
wenigen Tage, die ich nun in dem durch jahrhundertjährige Kultur gebildeten
Kreise der höheren japanischen Gesellschaft in Japan zugebracht habe, kann ich
mich der Bemerkung nicht enthalten, daß man seitens der Holländer sich
gegenüber Personen ganz untergeordneter Stellung, wie Dolmetschern,
Banjoosten, sogenannten Dienern von Landesherren, den Hospites oder Gastwirten
und namentlich diesen Pseudopfaffen zuviel Umstände macht und sich mit ihnen
auf einen zu familiären Fuß stellt. Dieser Fehler läßt sich aber dadurch
leicht erklären, daß die sonst mit uns in Berührung kommenden höheren
Beamten und Vornehmen durch ihre Zurückhaltung wenig Sympathie einflößen.
Zwischen diesen beiden, weit voneinander stehenden Kreisen des geselligen
Lebens, welche wir auf der Reise und in der Hauptstadt kennen lernen, liegt
aber ein dritter sehr angenehmer, unterhaltender und instruktiver Kreis, jener
der Doktoren und Hofgelehrten.</x>

<x>Nach diesen beiden Audienzen hatten wir noch weitere dreizehn zu bestehen,
was für einen einzigen Tag eine Aufgabe ist, die ihres gleichen wohl kaum in
der diplomatischen Welt sich finden dürfte. Zuerst zogen wir aus dem inneren
Schlosse in die zweite Ringmauer hinab, wo sich die Paläste der fünf ersten
Reichsräte befinden. Hier hatte sich auf dem ziemlich geräumigen
Schloßplatze eine außerordentliche Menge von Neugierigen versammelt, nicht
gerade das gemeine Volk aus der Stadt, welchem der Zutritt zu diesem Teile des
Schlosses verboten ist, <cmd name="beginpage" args="{192}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg191">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg192">192</xhtml:a><xhtml:a href="#pg193">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> &lt;Fig. 19. <cmd name="emph"><arg>Porträt der Gemahlin des
Sj<ent:omacr/>gun.</arg></cmd> Fig. 20. <cmd name="emph"><arg>Portrait des Sj<ent:omacr/>gun.</arg></cmd>&gt; <cmd name="beginpage" args="{193}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg192">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg193">193</xhtml:a><xhtml:a href="#pg194">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> sondern es war meistens
das Gefolge der Landesfürsten und anderer Reichsgroßen, welche gleichfalls
heute Audienz beim Sj<ent:omacr/>gun und dem Erbprinzen hatten, und welches außerhalb
des Schloßthores zurückbleiben mußte. Das Palais des zweiten Reichsrats lag
uns am nächsten<ent:thinsp/>; wir begaben uns dahin zu Fuße in unseren goldgestickten
Pantoffeln, welche wir angelegt hatten, um beim Eintritt in die mit Matten
belegten Zimmer unsere Fußbekleidung schnell nach japanischer Sitte ablegen
und in reinlichen Sammetstrümpfen einherschreiten zu können. Gewöhnlich
führen in diesen Wohnungen drei oder mehrere Stufen zuerst in eine Art Halle,
vorne mit fein poliertem, manchmal lackiertem Fußboden und hinten mit Matten
belegt, auf denen die Dienst habenden Offiziere und geringere Beamte des
Fürsten sich knieend niedergelassen haben<ent:thinsp/>; sämtliche sind in Festgewänder
gekleidet. Im Hintergrunde sieht man Lanzen, Bogen und Pfeilköcher
trophäenartig aufgestellt, während die langen Säbel auf eigentümlichen
Gestellen erhöht, gruppiert sind. Aus dieser Halle führen breite Gänge,
welche ebenfalls mit Holz gedielt sind, nach den inneren Räumlichkeiten. Man
führte uns unter der Begleitung einiger Hausoffiziere in einen großen
durchaus mit Matten bedeckten Saal, wo auf den bereits früher beschriebenen
Präsentiertellern die Geschenke aufgestellt waren. Während wir uns an dieser
Stelle auf den Matten niederließen, traten drei Bediente, jeder ein
Rauchgerät mit beiden Händen erhoben tragend, in gemessenen langsamen
Schritten in den Saal herein und stellten dieselben in feierlicher Weise vor
uns hin. Sie zogen sich zurück und brachten bald darauf in gleich feierlicher
Haltung auf eigentümlichen Präsentiertellern jedem der Gäste eine weiße
Tasse, in welcher fein gemahlener Thee, in heißem Wasser aufgelöst, enthalten
war. Jetzt erschienen zwei Sekretäre des Reichsrats, lassen sich dicht vor uns
nieder und entschuldigen ihre Herren, welche sich noch bei Hofe befänden, und
wünschen Glück zur stattgehabten Audienz beim Sj<ent:omacr/>gun. Der Gesandte macht
ihnen ein tiefes (leider zu tiefes) Kompliment, erkundigt sich nach dem
Befinden Sr. Excellenz und bat sie im Namen seiner Herren und Meister (nämlich
der Ostindischen, damals nicht mehr bestehenden Compagnie<ent:thinsp/>!) die hier
aufgestellten Geschenke annehmen zu wollen. Inzwischen wurde auch jedem von uns
Zuckergebäck auf lackierten kleinen Täfelchen vorgesetzt, und die Sekretäre
baten uns, davon zu genießen. Wir kosteten den aus pulverisiertem Thee
zubereiteten Festtrank und versüßten den herben Geschmack desselben mit den
rotgefärbten Zuckerwaren, welche die Form von Blumen und allerlei Figuren
hatten. Nach einem wechselseitigen Komplimenten-Paroxysmus, wobei der
Dolmetscher hin und wieder einige Worte übersetzte, und wir uns der hohen
Gnade der Herren empfahlen, zogen sich die beiden Stellvertreter des mächtigen
Reichsrats zurück. Wir blieben sitzen, gleichsam ein lebendes Bild aus der
Zeit der alten Ostindischen Compagnie. Vor uns befand sich eine lange Wand,
welche aus Schiebthüren gebildet war, deren Rahmen an der Stelle des bei uns
üblichen Glases mit dünnem Papier beklebt waren. In dieses dünne Papier
waren kleine Öffnungen geschnitten, durch welche wir verschiedene Teile der
uns beäugelnden neugierigen Damen des Palastes beobachten konnten. Man sah
abwechselnd die Augen durchschauen, manchmal gelang es, einen kleinen Mund,
einen Teil des Kopfputzes und die grellen Farben der Toilette zu erkennen. So
ließen wir uns denn auch unsere sonst peinliche Lage gefallen und blieben, so
lange es gewünscht wurde, mit untergeschlagenen Beinen ruhig auf der Matte
sitzen. Alles, was von unseren Toilettegegenständen sich hergeben ließ, wie
Stöcke, Hüte, Uhren, Ringe, Busennadeln, besonders des Gesandten Degen und
Spazierstock <cmd name="beginpage" args="{194}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg193">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg194">194</xhtml:a><xhtml:a href="#pg195">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> &lt;Fig. 21. <cmd name="emph"><arg>Kostüme des Adels am Hofe des
Sj<ent:omacr/>gun.</arg></cmd>&gt; <cmd name="beginpage" args="{195}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg194">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg195">195</xhtml:a><xhtml:a href="#pg196">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> mit dem großen goldenen Knopfe, wurden wir höf&GER.nolig;lichst
ersucht abzugeben. Diese Gegenstände wurden hinter den Coulissen eingehend
besichtigt. Ich gab meine Kleinodien ab mit dem Ovidischen Seufzer<ent:thinsp/>: Parve, nec
invideo, sine me etc. So spielten wir eine Zeitlang Patience, und ich versuchte
in der Phantasie mir aus den sichtbar werdenden, vergoldeten Lippen,
geschminkten Wangen, schwarzlackierten Zähnen und den niedlichen Händchen ein
Bild dieser interessanten Damenwelt zu entwerfen, welche ihrerseits, wenn auch
verstohlen, uns genau in Augenschein nehmen konnte.</x>

<x>Unsere Seltenheiten wurden uns dankend mit der Bemerkung zurückgebracht,
daß die Hüte von denen der alten Holländer verschieden seien und mehr
Ähnlichkeit mit denen der Russen hätten, wie die Damen sich aus der Abbildung
der russischen Gesandtschaft überzeugt hätten<ent:thinsp/>; auch sei unser Haarputz ganz
anders. Daß unsere drei exotischen Köpfe den Damen aufgefallen waren, ist
nicht zu verwundern. Wir waren auch in unserem Typus ganz von einander
verschieden. Unser Gesandter, ein alter in Indien ausgetrockneter Schweizer mit
ganz kurz abgeschnittenen grauen Haaren, Herr Sekretär Bürger, ein schwarzer
Lockenkopf von echt kleinasiatischer Rasse, und der Schreiber dieses, ein alter
Würzburger Studiosus, mochten wohl einen fremdartigen Eindruck auf die
Schönen gemacht haben. Es wurde ein japanisches Schreibzeug mit Tinte und
Pinsel gebracht, und wir wurden gebeten, auf Fächer und Papier einige
holländische Sinnsprüche zu schreiben, eine Leistung, mit welcher der
Gesandte den Sekretär beauftragte, und wobei ich auf besonderes Verlangen
gleichfalls einige Autographen hinzufügte.</x>

<x>Nach japanischer Sitte ist es bei solchen Gelegenheiten den Besuchenden
gestattet, das ihnen vorgesetzte Zuckerwerk, mit sich nach Hause zu nehmen.
Gewöhnlich wickeln die Gäste diese Süßigkeiten in das weiche Papier, auf
dem sie vorgesetzt werden, ein, und lassen sie in ihre weiten taschenähnlichen
Ärmel gleiten, wobei sie eine große Gewandtheit entwickeln. Bei unseren
feierlichen Visiten wurde dieses Zuckergebäck von einem unserer Begleiter, in
Gemäßheit des Kapitels dem Sohne des Hospes, in großes Foliopapier
eingepackt. Für jeden Herrn wurde ein besonderes Paket mit sogenannten
Kompliment-Bindfäden, farbigen und vergoldeten Fäden, zusammengebunden und
weggetragen, worauf auch die obenerwähnten Bedienten wieder erschienen und
Tabak- und Tischgeräte in derselben feierlichen Weise, wie beim Auftragen,
abräumten.</x>

<x>Nun erschienen noch einmal die beiden Sekretäre, und unter gegenseitigen
tiefen Komplimenten, wobei sich die Gesandtschaft dem hohen Gastherrn empfiehlt
und für die Bewirtung dankt, erheben sich endlich die Mitglieder und setzen
mit einiger Anstrengung ihre vom langen Knieen eingeschlafenen Beine in
Bewegung. So entfernt man sich aus dem einen Palais und begiebt sich in das
nächste, wo ein ähnlicher Empfang stattfindet. Die eigentümlichen
Ceremonial-Kostüme, welche am Hofe des Sj<ent:omacr/>gun getragen werden, sind unter
Fig. 21 abgebildet.</x>

<x>Der Verlauf von etwa einem Dutzend Visiten, welche man nach diesem
Ceremoniell zu machen hatte, wollen wir nicht umständlich erzählen, da sich
im allgemeinen derselbe Vorgang wiederholte. Nirgends fanden wir den Herrn zu
Hause, machten überall den Sekretären tiefe Komplimente, hockten überall auf
der Folterbank, neugierigen Blicken augesetzt, mußten immer wieder Tabak
rauchen, Thee trinken, Zuckersachen essen, Denksprüche aufschreiben, unsere
Raritäten besichtigen lassen etc. Endlich kamen wir um 9 Uhr abends, nachdem
wir fünfzehn Stunden lang in einem <cmd name="beginpage" args="{196}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg195">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg196">196</xhtml:a><xhtml:a href="#pg197">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> &lt;Fig. 22. <cmd name="emph"><arg>Ansicht von der
Brücke Jetai auf den Hafen und die Stadt Jedo.</arg></cmd>&gt; <cmd name="beginpage" args="{197}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg196">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg197">197</xhtml:a><xhtml:a href="#pg198">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> ungewohnten
Kostüm herumgezogen waren, unter beständigen Verbeugungen auf den Fersen mit
untergeschlagenen Beinen auf dem Boden hatten sitzen müssen, mit heftigen
Kopfschmerzen und verdorbenem Magen in unserer Herberge an <ent:ndash/> unsere elende
Gesandtschaftswohnung verdient keinen anderen Namen. Todmüde wie wir waren,
mußten wir doch noch ein paar Bediente der Fremdenkommissäre empfangen,
welche im Namen ihrer Herren uns zum Erfolge unserer Audienzen Glück
wünschten und dem Gesandten eine kleine Erfrischung, nämlich eine große
Kiste mit Eiern und zwei Riesen-Seefische überreichten.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>2. Mai</arg></cmd>
<x> Auf gleiche Weise wie gestern ziehen wir heute um 9 Uhr nach dem
Schlosse, um einem der Gouverneure von Jedo und den von den Holländern
Tempelherren genannten hohen Würdenträgern (welche in Wirklichkeit nur die
Chefs des Departements für geistliche Angelegenheiten sind) unsere Visite
abzustatten. Die Herren waren angeblich nicht zu Hause, doch bemerkten wir,
daß der zuerst erwähnte Gouverneur nicht nur mit seiner Familie im
Nebenzimmer inkognito sich auf&GER.nolig;hielt, sondern mit den Seinigen zu uns herauskam,
um uns in der Nähe zu besichtigen. Er unterhielt sich sogar mit uns, doch
mußte sein Inkognito auf das strengste beobachtet werden. Unsere Siebensachen
machten wie gestern hinter den Coulissen die Runde, und hinter den feinen
Bambusjalousien konnte man noch deutlicher als bei den Reichsräten die
weiblichen Gestalten beobachten. Zur Abwechslung wurden uns auch einige warme
Schüsseln vorgesetzt, und wir statt mit Thee mit Sake und Liqueur bewirtet.
Bei den &CMD.dlq;Tempelherren&CMD.drqsp; wurden wir in einem Saale empfangen, von welchem man
auf den Gerichtshof blicken konnte. Dieser bestand aus einem mit Steinen
belegten Vorplatz, wohin die Angeklagten gebracht und in knieender Haltung
verhört werden. Auch hier vertraten die Sekretäre die Stelle ihrer Herren,
nahmen die Geschenke in Empfang und spielten die vorgeschriebene Rolle bei
unserer Begrüßung. Mehrere dieser Amtswohnungen befanden sich in dem
äußeren Teile der Schloßanlagen, welcher dem gemeinen Volk zugänglich ist.
Hier entstand nun manchmal ein außerordentliches Gedränge, und unsere
Begleiter sowie die ihnen zugeteilten städtischen Offiziere mußten öfters
Gewalt anwenden, um unseren Sänften die Bahn zu öffnen. Ich hatte so heftige
Kopfschmerzen, daß ich mich nicht mehr aufrecht erhalten konnte und noch den
größten Teil des folgenden Tages im Bette zubringen mußte. Am Abende erhielt
ich ein botanisches Werk, um es für den Sj<ent:omacr/>gun zu übersetzen<ent:thinsp/>; es war eine
dänische Ausgabe des Weimann.<cmd name="fntextref" args="{2}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark2" href="#FNtext2">(2)</xhtml:a></arg></cmd></x>

<cmd name="subsubsection"><arg>3. Mai</arg></cmd>
<x> Wir erhielten Besuche verschiedener Doktoren des Sj<ent:omacr/>guns und
Offiziere der Landesfürsten. Ungehindert wurden auch ihre Frauen und Töchter
zugelassen, welche sich stets mit einem kleinen Geschenke, einer niedlichen
Handarbeit oder dgl. einführten. Auch der Herr Hospes mit seiner Familie,
welche mit jedem Tage größer zu werden schien, kam, uns Glück zu
wünschen und lud uns ein, den Abend in seiner Familie zuzubringen. Ich muß
heute wirklich mir selbst Vorwürfe <cmd name="beginpage" args="{198}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg197">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg198">198</xhtml:a><xhtml:a href="#pg199">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> machen, daß ich über unsere
gesellschaftlichen Beziehungen mit den Japanern der unteren Klassen wie z.<ent:thinsp/>B.
unseren Gastwirten mich so streng geäußert habe. Der gute Mann und seine
Familie thaten, man muß es anerkennen, wirklich ihr Bestes, um uns die stillen
Abende in unserer Einsamkeit so angenehm wie möglich zu gestalten. Es ist
eigentümlich, wie man sich an alles gewöhnen kann. So wurde für uns junge
Leute der Umgang mit dieser liebenswürdigen Familie ein wirkliches Bedürfnis.
Wir sehnten uns schon förmlich, wenn die Abendglocke läutete, nach der
Heimkehr des alten Hirten, nämlich unseres Hospes, mit seiner bunten Herde.
Während dieser Zeit, wurde unser Gesandter immer verdrießlicher und schrieb
des Abends an einer Philippika gegen die uns auf Dezima umgebenden Japaner und
die dort herrschenden Mißbräuche. Er scheint die Absicht zu haben, dieses
Schreiben im geheimen in die Hände des Gouverneurs von Nagasaki, welcher in
Jedo residiert, gelangen zu lassen.<cmd name="fntextref" args="{3}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark3" href="#FNtext3">(3)</xhtml:a></arg></cmd></x>

<cmd name="subsubsection"><arg>4. Mai</arg></cmd>
<x> Haben Abschiedsaudienz beim Sj<ent:omacr/>gun und Erbprinzen. Gegen 9 Uhr
begaben wir uns in ähnlichen Aufzuge wie bei der ersten Audienz, jedoch in
schwarzen Kostümen, nach dem Schlosse, wo wir wieder bei der Wache der
Hundertgarden ausruhten und von dem Gouverneur und den beiden
Fremdenkommissären begrüßt wurden. Um 11 Uhr wurden wir nach dem Palaste des
Sj<ent:omacr/>guns durch dieselben Opperbanjoosten geleitet wie bei der ersten Audienz
und im Vorzimmer wiederum eine Zeitlang zur Schau ausgestellt, wobei uns einige
Fürsten, verschiedene Reichsgroße und Hof&GER.nolig;beamte, sogar auch einige Verwandte
des Sj<ent:omacr/>guns besichtigten. Hier fand wieder die übliche Begrüßung durch den
Gouverneur und die mehrfach genannten Fremdenkommissäre statt. Der Gesandte
wurde auch von ihnen vorschriftsmäßig aufgefordert, mitzukommen, um wieder
eine Generalprobe seines Kompliments an Ort und Stelle abzulegen, was bald
vorüber war. Unterdessen hatten wir die Hof&GER.nolig;bedienten ersucht, unseren
Gesandten zur Audienz begleiten zu dürfen, indem wir es schimpf&GER.nolig;lich fanden,
allein zurückzubleiben<ent:thinsp/>; dieses wurde auch nach Rücksprache mit dem Gouverneur
und den Großen erlaubt, doch nur insofern, daß wir, während der Gesandte
seine Reverenz vor dem Sj<ent:omacr/>gun machte, am Eingange des Saales stehen bleiben
müßten, noch immer schimpf&GER.nolig;lich genug. Nach einer kurzen Pause wurde ihm
bedeutet, sich zur Audienz zu begeben<ent:thinsp/>; diese nahm in einem nicht weit von
unserem Wartezimmer befindlichen Saale ihren Verlauf, wo auch wiederum auf dem
Holzboden der Gallerie der Gesandte vor den Reichsräten, welche sich auf den
Matten niedergelassen hatten, auf den Knieen, wie vor dem Sj<ent:omacr/>gun, eine tiefe
Verbeugung machen mußte. Hierauf nahmen der Gouverneur und die
Fremdenkommissäre aus den Händen der Reichsräte einen schriftlichen Befehl
folgenden Inhalts entgegen, mit dem sie sich dem Gesandten näherten, denselben
Artikel für Artikel vorlasen und durch den Oberdolmetscher übersetzen
ließen.</x>

<env name="quotation">

    <x>&CMD.dlq;Nachdem die Holländer von alters her die Freiheit genießen, einmal im
    Jahre nach Nagasaki zu kommen und dort Handel zu treiben, sollt Ihr, wie
    bereits früher befohlen worden, keine Gemeinschaft mit Portugiesen halten, und
    sollten wir aus fremden Ländern erfahren, daß Ihr mit denselben Beziehungen
    unterhaltet, so wird Euch die Fahrt nach Japan verboten werden.</x>

    <x>Ihr dürft an Bord Eurer Schiffe keine Portugiesen aufnehmen.</x>

    <x>Wenn Ihr ferner in Japan Handel treiben wollt, so sollt Ihr uns durch Eure
    Schiffe Nachricht geben von allem, was Ihr erfahren solltet über etwaige
    Absichten <cmd name="beginpage" args="{199}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg198">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg199">199</xhtml:a><xhtml:a href="#pg200">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> oder Unternehmungen der Portugiesen gegen Japan. Wir
    erwarten auch, von Euch zu vernehmen, ob die Portugiesen irgendwelche Plätze
    oder Länder besetzen oder zur Annahme der christlichen Sekte bekehren. Alles,
    was Ihr in dieser Hinsicht vernehmen solltet, müßt Ihr an die Stadtvögte von
    Nagasaki bekannt geben. Solltet Ihr hören, daß die Chinesen mit den
    Portugiesen im Einverständnis handeln oder dieselben auf ihren Schiffen
    überführen, müßt Ihr die Stadtvögte von Nagasaki davon in Kenntnis
    setzen.</x>

    <x>Ihr dürft keine chinesischen Dschonken, welche nach Japan fahren,
    wegnehmen, und in allen Ländern, welche Ihr mit Euren Schiffen besucht, dürft
    Ihr, falls dort Portugiesen sind, keine Gemeinschaft mit denselben halten und,
    falls es Länder giebt, wo Ihr diese Nation antreffen solltet, so müßt Ihr
    schriftlich den Namen dieser Länder oder Plätze durch den Kapitän, der
    jährlich nach Japan kommt, an den Stadtvogt von Nagasaki einreichen lassen.
    Den Liukiuanern, welche Unterthanen von Japan sind, dürft Ihr keine Schiffe
    oder Boote wegnehmen.&CMD.drq;</x>

</env> <!-- quotation -->

<x>Das tief zu Boden gebeugte Haupt etwas zur Seite der Reichsräte gewendet,
erhebend, antwortete hierauf der Opperhooft-Gesandte<ent:thinsp/>: &CMD.dlq;Ich habe die Befehle
verstanden und werde dieselben den Herren und Meistern zu Batavia bekannt
geben.&CMD.drqsp; Diese Antwort melden die Kommissäre den Reichsräten, worauf der
Gesandte wieder diesen ein tiefes Kompliment macht. Die Kommissäre kommen
zurück mit der Antwort, der Gesandte könne sich entfernen.<cmd name="fntextref" args="{4}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark4" href="#FNtext4">(4)</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Nach diesem Akte begiebt sich der Gesandte nach einer Außengallerie, wo ihm
auf drei großen Tragbahren Geschenke, nämlich auf jeder sogenannte
&CMD.dlq;Keizerlyke Cabaayen&CMD.drq;, <cmd name="beginpage" args="{200}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg199">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg200">200</xhtml:a><xhtml:a href="#pg201">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> seidene mit Seidenwatte gefütterte
Schlafröcke, überreicht werden. Nach dem Empfange derselben geht der Gesandte
auf den bei der Audienz eingenommenen Platz zurück und macht ein tiefes
Kompliment. Hierauf wendet er sich wieder zur Gallerie, wo man ihm zwei
Tragbahren mit zwanzig solcher Röcke im Namen des Erbprinzen übergiebt,
wofür er in ähnlicher Weise wie zuvor durch eine tiefe Verbeugung zu danken
hat.</x>

<x>Nun erscheinen wieder die Kommissäre und überbringen ihm von den
Reichsräten die Erlaubnis zur Abreise von Jedo, welche der Gesandte mit einer
abermaligen tiefen Verbeugung entgegennimmt und nun von dem Oberaufseher der
kahlrasierten Bedienten unter wiederholten Glückwünschen nach dem Wartesaale
geleitet wird. Hier erscheinen nun noch einmal der Gouverneur und die beiden
Fremdenkommissäre und sprechen ihre Glückwünsche zum Ablaufe der Audienz
aus. Wir bleiben noch einige Minuten zur Befriedigung der Neugierde der sich
einfindenden hohen Herrschaften zurück und begaben uns hierauf unter
Begleitung eines Hof&GER.nolig;bedienten nach dem Palais des Erbprinzen.</x>

<x>Der Weg war derselbe wie bei der ersten Audienz. Wir warteten im Antichambre
nur kurze Zeit, wurden, wie üblich, vom Gouverneur und den Kommissären
begrüßt und von der zahlreich anwesenden vornehmen Gesellschaft besichtigt.
Der Gesandte mußte wieder vor den hier anwesenden Reichsräten, wie im Palais
des Sj<ent:omacr/>guns, seine tiefen Verbeugungen machen. Unter der Voraussetzung jedoch,
daß er jetzt genügende Übung in den vorschriftsmäßigen Ehrenerweisungen
hätte, wurde ihm die sonst übliche Probe erlassen, was eine Erleichterung des
Ceremoniells war. Wir, nämlich Herr Bürger und ich, waren jedesmal unter den
vornehmen Japanern dem Gesandten verstohlen nachgefolgt und konnten daher den
Hergang bei diesen Audienzen um so besser beobachten, da wir keine tiefe
Verbeugung zu machen hatten. Diesmal waren unsere Audienzen bei Hofe bald
abgelaufen, und wir kamen schon um 1 Uhr nachmittags in unsere Wohnung
zurück.</x>

<x>Nach Tische wurden die Abgeordneten von den siebzehn hohen Staatsdienern, an
welche namens unserer Herren und Meister, nämlich der Ostindischen Compagnie,
Geschenke überreicht worden waren, als Überbringer der Gegengeschenke
angemeldet. Diese Delegationen, meistens aus zwei Personen bestehend, wurden
einzeln empfangen<ent:thinsp/>; sie überreichten die Geschenke nebst einem Verzeichnisse,
auf dem der Name des Gebers stand, und wurden mit Konfitüren und Liqueur
bewirtet. Jeder derselben erhielt beim Abschiede einen Topf Konfitüren, zwei
lange irdene kölnische Pfeifen und ein Päckchen Rauchtabak als Geschenk. Bei
diesen Empfängen, welche sich siebzehnmal hintereinander in derselben Weise
wiederholten, mußte sich der Gesandte genau dem japanischen Ceremoniell fügen
und auf den Matten knieend die Delegierten mit Verbeugungen begrüßen. Die
überbrachten Geschenke bestanden aus der vorgeschriebenen Anzahl seidener
Schlafröcke, die einem alten Herkommen gemäß der Gesandte sich selbst
aneignen darf. Es werden diese Geschenke zu den sogenannten Emolumenten des
Gesandten gerechnet. Einige dieser Schlafröcke erhielten allerdings auch die
Dolmetscher, die Herren des Gefolges und die auf Dezima zurückgebliebenen
treuen Diener der Compagnie. Auch war es Gepflogenheit (Kapitel), den
Vertreterinnen des schönen Geschlechts, die mit der Sorge für das Hauswesen
der Niederländer auf Dezima betraut sind, einige dieser Hofschlafröcke zum
Geschenke mitzubringen, wobei sich jedoch diesmal der Gesandte, der bekanntlich
ein abgesagter Feind des Kapitels war, nicht sehr freigiebig zeigte.
<cmd name="beginpage" args="{201}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg200">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg201">201</xhtml:a><xhtml:a href="#pg202">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Gelegentlich der Audienz hatten wir nur Gelegenheit, einen kleinen Teil der
Stadt, des äußeren und inneren Schlosses und des Palastes des Sj<ent:omacr/>gun und des
Kronprinzen zu sehen<ent:thinsp/>; übrigens kann ich doch mit Hülfe guter Pläne und
infolge mündlicher Mitteilungen einiges Zuverlässige angeben. Die Pläne
erstrecken sich bloß auf die äußeren Teile des Schlosses<ent:thinsp/>; die innere
Einrichtung wird selbst für die vornehmsten Japaner geheim gehalten. Es
bestehen wohl die genauesten Pläne vom innern Schlosse und dem Palaste des
Sj<ent:omacr/>gun selbst, doch wohl nur in den Händen des Fürsten von Mito, der als
Vize-Sj<ent:omacr/>gun, Befehlshaber des Schlosses ist. Es glückte mir durch Bestechung
eines Bedienten des Schloßvogtes einen guten Riß vom Palaste des Sj<ent:omacr/>gun zu
erhalten<ent:thinsp/>; aber einen Plan der inneren Festungswerke zu bekommen, war mir,
unmöglich und wird es wohl für alle Zeit bleiben. Um ein Bild des Schlosses
zu geben, müssen wir uns erst überhaupt mit der Bauart der Stadt Jedo bekannt
machen.</x>

<x>Man teilt Jedo, wie alle Haupt- und Residenzstädte des Landes, in a) die
eigentliche Stadt, b) die Vorstadt, c) das Schloß.</x>

<x>Die eigentliche Stadt ist von der Vorstadt durch einen Wall mit Graben
abgeschieden und durch große Thore (Mon) und Brücken (Hasi) wieder verbunden.
Diesen außerhalb der Thore gelegenen Teil der Stadt, die Vorstadt nämlich,
nennt man Soto, den innerhalb der Thore Utsi, jedesmal den Namen des Thores
beifügend, z.<ent:thinsp/>B. Asakusa gomon Soto, Susigai gomon Utsi usw. Die Vorstädte
sind bei weitem ausgedehnter als die Hauptstadt selbst<ent:thinsp/>; es befinden sich
daselbst viele und große Paläste der Fürsten, Tempel und Magazine, und sie
enden unmerklich in Ländereien, meist Reis- und Gemüsefelder.</x>

<x>Man rechnet den Umfang der Vorstädte, und da diese rings die eigentliche
Stadt umgeben, also den größten Umfang von Jedo ausmachen, auf 9 Ri.<cmd name="fntextref" args="{5}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark5" href="#FNtext5">(5)</xhtml:a></arg></cmd> Da
die Stadt selbst samt dem Schlosse als eine Festung betrachtet wird, so sind
auch die Wälle, Gräben und Thore gut unterhalten. Ein jedes Thor ist stets
von den Truppen des bei einem etwaigen Brande befehligenden Fürsten besetzt;
diejenigen Thore aber, deren metallene Giebel und Türme aus Nachlässigkeit
bei einem Brande zerstört werden, bleiben zur Schande der dort das Commando
führenden Fürsten eine Zeit lang unaufgebaut (z.<ent:thinsp/>B. Koisigawa gomon und Torano
gomon im Jahre 1826). Eigentlich sind für jedes Thor der Stadt und des
Schlosses (man zählt 36 Thore, wovon jedoch sechs, nämlich die des inneren
Schlosses, auf öffentlichen Plänen nicht verzeichnet werden) zwei Fürsten
zur Wache bestimmt<ent:thinsp/>; diese wechseln alle 15 Tage ab, jedoch bei
außerordentlichen Vorfällen, wie bei Brand, Aufruhr etc., haben beide mit der
ganzen ihnen untergebenen Mannschaft zu erscheinen. Außer diesen Wachen
bestehen noch einige Kasernen und Geräte für eine besondere Feuerwehr, Ziu
nin hikesi genannt.</x>

<x>Als Anfang der eigentlichen Stadt wird die Brücke Nihonbasi, d.<ent:thinsp/>i. Brücke
des Japanischen Reiches, angenommen, von der aus auch die Entfernung der
übrigen Örter von der Residenzstadt Jedo berechnet wird. Die erwähnte
Brücke führt über einen Kanal, welcher mit dem großen Flusse Sumidagawa in
Verbindung steht.</x>

<x>Das Schloß selbst, On siro, wird wieder eingeteilt in das äußere (Maruno
utsi) und in das innere, und dieses wieder in den Palast, den der Sj<ent:omacr/>gun
bewohnt, welcher Go hon maru heißt, und in jenen Teil, den der Erbprinz inne
hat, welcher Nisi maru genannt wird. <cmd name="beginpage" args="{202}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg201">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg202">202</xhtml:a><xhtml:a href="#pg203">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Ein mit hoher schiefauslaufender Mauer und einem Graben versehener Wall
scheidet das äußere Schloß von der Stadt und das innere vom äußeren. Der
Zugang wird durch mächtige aus Quadersteinen gebaute Thore mit starken
eisenbeschlagenen Thüren gesperrt. Im Maruno utsi wohnen in gut unterhaltenen
geräumigen, doch nicht durch ihr Äußeres ansehnlichen Palästen die
Landesfürsten, und zwar die der Klasse Fudäi, und zunächst dem inneren
Schlosse die nächsten Verwandten und unmittelbaren Vasallen des Sj<ent:omacr/>gun.</x>

<x>Man rechnet den Umfang des inneren Schlosses, wo der Palast des Sj<ent:omacr/>gun und
der des Erbprinzen, beide an einer erhabenen Stelle mit hohen Mauern und
großen Thoren versehen, stehen, auf eine Ri, den des äußeren Schlosses auf
zwei, und den der inneren Stadt auf vier Ri.</x>

<x>Der innere Teil des Schlosses, der vom Sj<ent:omacr/>gun bewohnt wird und von dem
Stifter der jetzt regierenden Linie Jjejasu im Jahre 1606 erbaut wurde, ist
nach der europäischen Befestigungskunst vom Anfange des 17. Jahrhunderts
angelegt, und zwar wahrscheinlich mit Hülfe des damals am Hofe des Sj<ent:omacr/>gun
anwesenden Engländers Adamsz, welcher früher als Steuermann des
holländischen Schiffes de Liefde 1600 an der Südost-Küste von Japan
Schiff&GER.nolig;bruch gelitten hatte. Auf den Bäumen am Schloßwalle zu Jedo halten sich
häufig weiße Reiher und in den Gräben Cormorane auf, welche in den
fischreichen Schloßgräben Nahrung suchen<ent:thinsp/>; auch sieht man hier hunderte von
wilden Enten und Wasserhühnern. Im Nordwesten des Schloßgrabens ist das
seichte Wasser vollständig mit Lotosblumen (Nelumbium speciosum) bedeckt,
deren Wurzeln eine beliebte Speise bilden. Ein niederländischer Gesandter
hatte diese weißen Reiher, welche ich als Ardea alba minor erkannt habe, für
weiße Raben gehalten!</x>

<x>Der Palast des Sj<ent:omacr/>gun, zu dem eine massive steinerne Treppe führt,
entspricht kaum dem Geschmacke der europäischen Baukunst. Man findet keine
übereinander liegenden Stockwerke, sondern wir erblicken bloß weitläufige
einstöckige Gebäude, zu welchen ein massives, nach Art der Buddhatempel
erbautes Portal führt, das in einem abgeschlossenen Hofe liegt<ent:thinsp/>; von diesem
breiten Eingang führen geräumige Gänge nach einfachen unmöblierten
Sälen.</x>

<x>Die Säle, welche die Niederländer bei ihrer Audienz besuchen, sind an
einem andern Orte genau beschrieben.<cmd name="fntextref" args="{6}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark6" href="#FNtext6">(6)</xhtml:a></arg></cmd> Ich will nur noch anführen, daß
dieser ziemlich ausgedehnte Palast, 124 Ken (1 Ken = ca. 1,80 Meter) lang und
82 breit, nicht nur die Wohnung des Sj<ent:omacr/>gun, sondern auch ein Versammlungsplatz
anderer am Hofe dienstthuender Großen ist, die samt ihren Bedienten wieder
besonders angewiesene Wohnungen haben.</x>

<x>Kehren wir nun aus dem Palast des Sj<ent:omacr/>gun zurück und werfen noch einen
flüchtigen Blick auf die Stadt Jedo selbst!</x>

<x>Als Residenz des mächtigen Sj<ent:omacr/>gun, dessen despotische Regierungsform allen
Großen des Reiches gebietet, einen beständigen Hof für ihre Familien
daselbst zu halten und selbst einige Zeit mit einem ansehnlichen Gefolge dort
zu wohnen, hat die Stadt eine außerordentliche Größe und Bevölkerung
erhalten. Man rechnet allein die bürgerlichen Einwohner, also ohne den Hof und
ohne das Militär des Sj<ent:omacr/>gun und der Fürsten, auf 1<ent:thinsp/>310<ent:thinsp/>000, und daher die
Gesamtbevölkerung wenigstens auf 1<ent:thinsp/>500<ent:thinsp/>000 Menschen. <cmd name="beginpage" args="{203}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg202">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg203">203</xhtml:a><xhtml:a href="#pg204">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> In der Stadt
zählt man 873 Straßen, 15 Brücken, 13 Fähren, 20 Kanäle, 163 Anhöhen
(Saka), 13 freie Plätze, 8 Landzungen und 4 Lustparks. Der vornehmste Fluß
ist der Sumidagawa, außerdem noch der Nakagawa, und der kleine Jedo gawa,
welcher sich in die Nordkanäle der Stadt Jedo und von da in den Sumidagawa
ergießt und endlich mit dem am Südost-Ende der Stadt fließenden Furugawa
sich vereint. Die Paläste der Großen sind sehr zahlreich, weil jeder
Landesfürst drei, mancher auch sieben und eine noch höhere Anzahl hat.
Mehrere dieser Paläste sind sehr ausgedehnt, besonders die der Fürsten von
Kaga, Owari, Kii, Mito u.a. Große Magazine für Reis, Holz usw. nehmen
bedeutende Strecken ein. Auch findet man viele und sehr große Tempel, unter
andern den T<ent:omacr/>jeïsan, den Sodjozi, den Gogokuzi, den berühmten Tempel von
Asakusa-kwanwon etc. An der Mündung des großen Flußes Sumidagawa, welcher
unter dem Namen Todagawa von Osten kommt und die Stadt von Norden nach Süden
durchströmt, befindet sich ein großer Palast des Sj<ent:omacr/>gun, Hamagoten genannt,
wohin bei einem etwaigen Brande im Schlosse der Sj<ent:omacr/>gun mit seiner Familie
flüchtet. Unter mehreren großen öffentlichen Gebäuden verdienen bemerkt zu
werden, die obenerwähnten zehn Kasernen für die Feuerwehr und für die
Löschgeräte, die alte und neue Münze, die beiden großen Schaubühnen, viele
kleine Schauspielhäuser, Reitbahnen u. dgl. Die vorzüglichsten
Vergnügungsorte sind außer den sehr besuchten Schaubühnen der Tempel
Asakusa-kwanwon, wo man unter dem Scheine von Andacht den vielseitigen
Vergnügungen beiwohnt, welche nur immer Gewinnsucht an einem Orte vereinigen
kann. Die Brücke Rj<ent:omacr/>goku (die zwei Länder, Musasi und Simosa, vereinigt,
daher der Name), wo täglich Markt, Tanz, Gauklerkünste und andere Possen, und
im Sommer prächtige, oft sehr kostbare Feuerwerke stattfinden<ent:thinsp/>; der
Sumidagawa-Fluß selbst, auf welchem vom nördlichen bis südlichen Stadtende,
namentlich an heißen Sommertagen, unzählige Lustfahrzeuge kreuzen und
mannigfaltige Scenen der Belustigungen dem auf der Brücke sich drängenden
gemeinen Volke dargeboten sind. Ja nicht zu vergessen ist die wegen ihrer
Üppigkeit durch das ganze Reich berühmte Straße der öffentlichen Häuser,
Sinjosiwara und andere, als Fusimimats, Ki<ent:omacr/>mats, Akejumats usw., wo allein
mehr als 5000 durch öffentliche Zettel bekannt gemachte Schönheiten, gegen 80
Theehäuser, eine große Anzahl Gaukler und Gauklerinnen, Samsenspieler und
Samsenspielerinnen u. dgl. zu finden sind.</x>

<x>Diese Vergnügungen dauern mit Ausnahme der Lustfahrten auf dem Sumidagawa
das ganze Jahr hindurch. Es werden aber auch zu bestimmten Zeiten anberaumte
allgemeine Volksfeste gefeiert, die das Fest Sanw<ent:omacr/> (d.<ent:thinsp/>i. Fest des Beikönigs),
und das Fest Kandamij<ent:omacr/>zin, die jährlich abwechselnd, das eine im sechsten,
das andere im neunten Monat abgehalten werden. Dabei finden öffentliche
Aufzüge und Tänze statt, und der Zug darf selbst in das Schloß kommen, wo er
oft die Aufmerksamkeit der Großen auf sich zieht. Die bürgerlichen
Einrichtungen der Hauptstadt gleichen im allgemeinen ganz denen der übrigen
Städte. Die Stadt ist in Tsj<ent:omacr/> oder Quartiere abgeteilt. Jede solche kleine
Abteilung hat eine für sich bestehende Verwaltung unter solidarischer
Haftbarkeit der Bürger. Dieses System begünstigt wohl am meisten die
Aufrechterhaltung der Ordnung in dieser so unermeßlich großen Stadt.</x>

<x>Die ältesten der Straßenvorsteher, Tsj<ent:omacr/>-tosijori genannt, bilden eine
besondere Behörde, und diese vereinigen sich unter dem Befehle zweier
Statthalter, Matsibugj<ent:omacr/>. Alle finanziellen Angelegenheiten leiten die Odaikuan
und Gokansj<ent:omacr/>bugj<ent:omacr/>. Außer <cmd name="beginpage" args="{204}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg203">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg204">204</xhtml:a><xhtml:a href="#pg205">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> den beiden Statthaltern und diesen
besteht ein besonderer Gerichtshof unter dem Vorsitze der fünf Zisjabugj<ent:omacr/>
(eigentlich Direktoren der geistlichen Angelegenheiten). Diese schlichten alle
bürgerlichen und gottesdienstlichen Angelegenheiten und üben auch die
Strafrechtspflege für ihre Jurisdiktionen, daher in ihren Palästen eigene
Vorsäle sind, um Missethäter und andere zur Verantwortung geladene Personen
zu verhören. Diese Zisjabugj<ent:omacr/> sind von Adel, haben einen hohen Rang, und aus
ihnen werden gewöhnlich die Staatsräte gewählt.</x>

<x>Eine besondere Aufmerksamkeit verdienen in dieser großen Stadt die
Anstalten bei Bränden, welche hier ziemlich häufig und wohl mehr durch
absichtliche Stiftung als durch Zufall vorkommen. Die durchgehends hölzernen
Häuser, die engen Straßen, die zusammengedrängte Menschenmasse, Not und
Elend begünstigen die Feuersbrünste unendlich, und es brennen oft Strecken
von einer Quadrat-Tsj<ent:omacr/> (cirka ein Hektar) ab. &lt;Fig. 23. <cmd name="emph"><arg>Höherer Offizier
in Feuerwehrausrüstung.</arg></cmd>&gt; Deshalb sind ausgebreitete Löschanstalten und die
obenerwähnten Kasernen eingerichtet. Eigentümlich sind die Maßregeln zur
Flucht bei Hof&GER.nolig;haltungen großer Fürsten, die beim Andrange der Menschenmenge
nur zu Pferde geschehen kann, welche zu diesem Zwecke in den Palästen der
Großen jeden Augenblick bereit stehen. Den Frauen der Fürsten sollen ihre
Begleiter manchmal mit bloßem Schwerte erbarmungslos den Durchgang durch die
dichtgedrängte Volksmasse erzwingen. Jeder Bürger, oft sogar der Sj<ent:omacr/>gun,
erscheint an dem ihm angewiesenen Platze, und eine eigene Kleidung mit leicht
in die Augen fallenden Insignien läßt jeden Befehlshaber und Vornehmen genau
unterscheiden. (Siehe Figur 23, höherer Offizier in Feuerwehrausrüstung.)
<cmd name="beginpage" args="{205}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg204">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg205">205</xhtml:a><xhtml:a href="#pg206">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Öffentliche Anschläge machen jedes Jahr die Feuerordnungen aufs
neue bekannt und geben die vorzüglichsten Insignien zu erkennen.
Feuersbrünste finden in Jedo durchgehends häufiger als in anderen Städten
statt. Natürlicherweise ist man dadurch auch mehr an dies unglückliche
Ereignis gewohnt, und ein ausbrechender Brand macht an den nur etwas ferne
gelegenen Straßen nicht mehr Aufsehen als bei uns ein Gewitter, und man
besteigt die absichtlich auf jedem Hausgiebel angebrachten Altane, um zu sehen,
wo es brennt, und wohin der Wind den Brand wendet. Die kommandierten Personen
gehen an ihren angewiesenen Posten, und die Familien schlafen sorglos die Nacht
hindurch, bis das näherkommende Feuer sie zu ernsteren Vorsichtsmaßregeln
antreibt. Brennt einem Bürger sein Haus ab, so wird das ebensowenig zu Herzen
genommen, als wenn uns der Sturmwind einen fruchttragenden Baum entwurzelt.</x>

<x>In einer so stark bevölkerten Stadt sieht man natürlich die Extreme des
höchsten Luxus und der bittersten Armut. Für die Tafel der Fürsten werden
aus einem Maß Reis nur einige Körner, und zwar die größten und feinsten
ausgesucht, nach wiederholtem Waschen neuerdings gemustert und, da man von
einem Topfe gekochten Reis nur das Mittelste nimmt, wird mehr als der
zwanzigste Teil verschwendet. Ebenso werden Fische, Gemüse und andere
Nahrungsmittel, sowie Getränke bei den Hof&GER.nolig;haltungen vergeudet. Dagegen lebt
die ärmste Klasse der Bettler nicht einmal in menschlichen Wohnungen, sondern
muß bei der Winterkälte ein jammervolles Dasein fristen. Eine größere Armut
als gerade in Jedo und ein größerer Luxus findet sich nirgends im Reiche. Die
Nahrungsmittel stehen in einem sehr hohen Preise, wohl fünfmal höher als in
andern Hauptstädten der Provinzen des Reiches.</x>

<x>Der große Bedarf an Viktualien steht im Verhältnis zu der ungemein starken
Bevölkerung und dem großen Aufwande der daselbst hof&GER.nolig;haltenden Fürsten. Zwar
läßt jeder Fürst die vorzüglichsten Lebensmittel aus seinem Lande kommen,
indessen ist man hauptsächlich auf den zur See und auf dem Sumidagawa
eingeführten Reis, sowie auf den Fischfang angewiesen, und es wird sogar
behauptet, daß eine kaum wochenlange Unterbrechung der Zufuhr zur See nach dem
Hafen von Jedo einen bedeutenden Druck auf die Höfe der Großen ausüben und
eine Hungersnot unter der armen Volksklasse zur Folge haben würde, ein
Umstand, der in politischer Hinsicht von der größten Wichtigkeit zu sein
scheint. Mit der Bevölkerung und Teuerung der Lebensmittel steht auch die
Industrie und die durch dieselbe bedingten Erwerbszweige im Einklang, und so
wurde Jedo auch die Stätte von Kunst und Gewerbe. Weniger günstig ist es hier
für die Wissenschaften bestellt, obgleich man nicht verkennen kann, daß die
europäischen Wissenschaften hier ein bleibendes Asyl gefunden haben. Auch wird
die Akademie der chinesischen Wissenschaften für eine der besten im Reiche
gehalten. Die despotische, auf ewigem Kriegsfuße stehende Regierung des
Sj<ent:omacr/>gun und die Zerstreuungen und Ausschweifungen der großen Stadt sind
ernsten Studien und wissenschaftlichen Bestrebungen nicht förderlich.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>5. Mai</arg></cmd>
<x> Bekommen einen Besuch vom alten Fürsten von Satzuma. Ferner
erscheinen die Astronomen und Doktoren des Sj<ent:omacr/>gun offiziell bei der
Gesandtschaft, um einige wissenschaftliche Fragen vorzulegen<ent:thinsp/>; denn bisher waren
dieselben nicht im amtlichen Auftrage erschienen. Auch eine Art Chef der
kahlköpfigen Hof&GER.nolig;bedienten stellte mit einer zahlreichen Gesellschaft sich ein.
Bezüglich des Ceremoniells beim Ausgang des Gesandten zu offiziellen Visiten
in Jedo, möchte ich hier erwähnen, daß ihm, in Nachahmung der bei
japanischen Würdenträgern üblichen Abzeichen, folgendes
<cmd name="beginpage" args="{206}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg205">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg206">206</xhtml:a><xhtml:a href="#pg207">&gt;</xhtml:a></arg></cmd>
nachgetragen wird<ent:thinsp/>: Ein Riesensonnenschirm, sein Degen, Stock, zwei kolossale
viereckige Koffer, sogenannte Hassan bako. Es folgen ihm zwei Ober- und
Unterlakaien, die Dolmetscher, der Hospes oder sein Filius, der Ober- und
Unterbanjoost, so daß der Aufzug ziemlich bedeutende Dimensionen annimmt, aber
gegen den Pomp der einheimischen Fürsten, welche mit hunderten von
Mannschaften, prachtvollen Waffen, Paradepferden einherziehen, sich ziemlich
unbedeutend ausnimmt.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>6. Mai</arg></cmd>
<x> Besuche von Doktoren des Sj<ent:omacr/>gun und der Landesherren. Ich erhielt
günstige Nachrichten über meine Aussichten zu einem längeren Aufenthalte zu
Jedo.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>7. Mai</arg></cmd>
<x> Abends Besuche vom Landesherrn von Nakatsu. Geschenk von
Gerätschaften zur Falkenjagd. Besuch vom Astronomen Globius, Takahasi
Sakusajemon, der mir herrliche Karten über Jedo und Sachalin vorzeigte<ent:thinsp/>; die
Straße Sangar heißt Tsugar. Die Straße zwischen Sachalin und der Ausmündung
des Amurflusses heißt Mamijanoseto. Bekomme das Versprechen<ent:thinsp/><cmd name="fntextref" args="{7}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark7" href="#FNtext7">(7)</xhtml:a></arg></cmd>, durch ihn
alle geographischen Arbeiten über diesen Archipel zu erhalten, desgleichen das
Journal eines Japaners Mamia Rinz<ent:omacr/> über seine Reise nach Santang und eine
Beschreibung von Sachalin. Viele Astronomen kommen heute offiziell zum
Besuche.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>8. Mai</arg></cmd>
<x> Viele der Hofärzte fanden sich zum Besuche ein. Ich höre, daß
die chinesischen Ärzte gegen meinen längeren Aufenthalt in Jedo
intriguieren.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>Vom 9. bis 14. Mai</arg></cmd>
<x> Außerordentlich viele Besuche von Freunden und
Bekannten.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>15. Mai</arg></cmd>
<x> Ich gebe eine Abschieds-Partie zu Ehren der Hofärzte. Globius
(Takahasi Sakusajemon) kommt, mir die schönsten Karten von Japan zeigend, und
verspricht mir, dieselben zu besorgen<ent:thinsp/>; hat auch später Wort gehalten.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>16. Mai</arg></cmd>
<x> Erhalte ein Schreiben von den Hofärzten, woraus ich ersehe, daß
der Sj<ent:omacr/>gun ihr Gesuch betreffs meines längeren Aufenthaltes zu Jedo
abgeschlagen hat.</x>

<cmd name="subsubsection"><arg>17. Mai</arg></cmd>
<x> Es wird endlich auf Morgen unsere Abreise von Jedo anberaumt.</x>



<cmd name="subsection*"><arg>Anmerkungen</arg></cmd>

<x/> <!-- for indentation of next/1st paragraph -->

<x><cmd name="indent"/><cmd name="fnmarkref" args="{1}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext1" href="#FNmark1">(1)</xhtml:a></arg></cmd> Wenn es auch nicht ausdrücklich im Journal angeführt ist, so dürfen
wir doch annehmen, daß auf dieser Estrade sich der Platz befand, wo der
Sj<ent:omacr/>gun die Huldigung entgegennahm. Nach der japanischen, am Hofe des Sj<ent:omacr/>guns
üblichen Etikette wird derselbe nicht auf einem Throne, sondern auf einem
Kissen oder Polster mit untergeschlagenen Beinen sitzend die Audienz erteilt
haben, und da er wahrscheinlich auch sich in geraumer Entfernung von dem auf
den Knieen liegenden, tief gebeugten Gesandten befand und womöglich der obere
Teil seiner Figur durch eine fast undurchsichtige Bambusjalousie bedeckt war,
ist es begreif&GER.nolig;lich, daß der Gesandte und sein Gefolge ihn gar nicht
erblickten, und daher auch in dem Journal von der persönlichen Erscheinung
desselben gar nicht gesprochen wird. Anmerkung zur 2. Auf&GER.nolig;lage.</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{2}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext2" href="#FNmark2">(2)</xhtml:a></arg></cmd> Mit dieser Arbeit hatte es eine eigene Bewandtnis<ent:thinsp/>; um einen Vorwand zu
finden, Siebold noch länger in Jedo zu behalten, hatten seine Freunde, die
Leibärzte, eine Eingabe an die Regierung gemacht, sie möchte ihn um eine
größere botanische Arbeit ersuchen und zwar um die Übersetzung des
obengenannten Werkes. Der Gesandte wurde amtlich ersucht, Siebold mit dieser
Absicht zu beauftragen, was er auch durch ein Schreiben, welches noch erhalten
ist, in Ausführung brachte. Leider wurde dieser Plan durch eine in den nächst
darauf folgenden Tagen zwischen dem Gesandten und der Regierung ausgebrochene
Differenz über handelspolitische Angelegenheiten vereitelt, und Siebold mußte
zu seiner großen Enttäuschung mit der Gesandtschaft nach Nagasaki
zurückkehren. Bemerkung zur II. Auf&GER.nolig;lage.</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{3}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext3" href="#FNmark3">(3)</xhtml:a></arg></cmd> Dieses Vorhaben hat der Gesandte auch später ausgeführt, was
Veranlassung gab, die obenerwähnten Pläne bezüglich Siebolds Aufenthalt in
Jedo zu zerstören.</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{4}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext4" href="#FNmark4">(4)</xhtml:a></arg></cmd> Das oben beschriebene Ceremoniell am Hofe des Sj<ent:omacr/>guns wird nicht
ermangeln, auf den Leser den Eindruck zu machen, als ob absichtlich dem
Vertreter der niederländischen Nation eine erniedrigende Rolle zugedacht
worden wäre. Es darf aber als Milderungsgrund hier erwähnt werden, daß die
vorgeschriebenen Verbeugungen auf den Knieen die in Japan üblichen
Ehrenbezeugungen eines Untergebenen gegen einen höher Gestellten waren. Auf
dieselbe Weise wurden die japanischen Fürsten und höchsten Würdenträger vom
Sj<ent:omacr/>gun empfangen, und der Sj<ent:omacr/>gun selbst mußte, wenn er sich dem Mikado
vorstellte, auf gleiche Weise mit gebeugten Knieen und tief gesenktem Haupte
seinem Souverän die schuldige Ehrerbietung erweisen<ent:thinsp/>; was aber im Ceremoniell
allerdings selbst nach japanischer Etikette für den holländischen Vertreter
beleidigend war, war der Umstand, daß er nicht einmal auf den Matten seine
Reverenz machen durfte, sondern auf gleicher Stufe mit den Beamten niedrigeren
Ranges auf dem Bretterboden der Gallerie niederknieen mußte.<cmd name="\"/>
Doch auch hier gingen die Japaner von ihrem Standpunkte aus logisch vor;
denn der niederländische Opperhooftgesandte gab sich ja nicht als den
Vertreter seiner Nation aus, er war ja nicht ein diplomatisch accreditierter
Gesandter oder Botschafter, sondern der Agent einer Handelsgesellschaft, welche
Geschenke, in andern Worten Abgaben zu überbringen hatte. Was die Sache noch
eigentümlicher macht, ist der Umstand, daß er im Namen der
niederländisch-indischen Handelscompagnie auftritt, welche zur Zeit gar nicht
mehr existierte, wie auch oben im Journale erwähnt ist. Die
niederländisch-ostindische Handelsgesellschaft war schon längst aufgelöst
worden und zwar im Frieden von Versailles zwischen England und Holland am 20.
Mai 1784, während ihre Besitzungen 1795 als National&GER.shy;eigentum erklärt worden
waren. Wahrscheinlich hatte die holländische Regierung, welche nun den
japanischen Handel als Staatsmonopol betrieb, von diesem Umstande der Regierung
des Sj<ent:omacr/>guns gar keine oder eine sehr unvollständige Mitteilung gemacht,
vermutlich aus Besorgnis, die Handelsprivilegien zu verlieren, und so mußte
der holländische Vertreter unter dem offiziellen Titel eines Kapitäns, wie er
durch den Herold genannt wird, die Rolle eines Vertreters der
niederländisch-indischen Compagnie weiter spielen und sogar die Erklärung
abgeben, daß er die Befehle, die ihm bei der Abschiedsaudienz erteilt werden,
an seine Herren und Meister, die gar nicht mehr existierten, übermitteln
würde. Note zur 2. Auf&GER.nolig;lage.</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{5}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext5" href="#FNmark5">(5)</xhtml:a></arg></cmd> 1 Ri beinahe 4 Kilometer.</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{6}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext6" href="#FNmark6">(6)</xhtml:a></arg></cmd> Siehe Skizze der Gesandtschaftsreise als Handleitung des zeitlichen
Gesandten in der I. Auf&GER.nolig;lage des Nippon.</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{7}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext7" href="#FNmark7">(7)</xhtml:a></arg></cmd> Diese Angelegenheit gab später Veranlassung zu der gegen Siebold
eingeleiteten Untersuchung und Haft auf Dezima und Bestrafung des obengenannten
Hofastronomen. Die Karten, welche unter großen Schwierigkeiten von Siebold der
Wissenschaft erhalten wurden, sind zum größten Teile in seinem Atlas der
Land- und Seekarten von Japan herausgegeben worden. Anm. z. 2. Auf&GER.nolig;l.</x>


</x><!-- document -->

<xhtml:hr style="visibility:hidden;height:20px;"/><!-- spacer -->

<x type="xml" id="impressum">
    <xhtml:script type="text/javascript" src="../ML/TeXML.js"/>
    <xhtml:script type="text/javascript" src="../site/mail.js"/>
<env name="footnotesize">
<cmd name="hrule"/>
<cmd name="smallskip"/>
<cmd name="centerline"><arg><cmd name="textsf"><arg> &lt;<xhtml:a id="claim"> </xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a id="tform"> </xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a href="index.html">index</xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a id="oview"> </xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a id="admin"> </xhtml:a>&gt; </arg></cmd></arg></cmd>
<cmd name="smallskip"/>
<cmd name="hrule"/>
<cmd name="bigskip"/>
<cmd name="centerline"><arg><cmd name="textsf"><arg><xhtml:span id="rvbar">* * *</xhtml:span></arg></cmd></arg></cmd>
<cmd name="smallskip"/>
<cmd name="centerline"><arg><cmd name="textsf"><arg>Copyleft <xhtml:a id="GNUfdl">&#169;</xhtml:a>|<xhtml:a id="CCncsa">&#169;</xhtml:a> 2004 ff. <xhtml:a href="javascript:mailVOID();" id="ORid">Oliver Rost</xhtml:a>, Dortmund; <xhtml:a href="javascript:mailVOID()" id="SUid">Stefan Unterstein</xhtml:a>, München</arg></cmd></arg></cmd>
</env>
</x>

</TeXML>
