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     dc:title="Beschreibung der Faktoreien der Niederl&#228;nder in Japan. Hirado (Firato) und Dezima."
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     dc:date="2002-10-13"
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     dc:source="Philipp Franz v. Siebold: Nippon. Archiv zur Beschreibung von Japan und dessen Neben- und Schutzl&#228;ndern Jezo mit den s&#252;dlichen Kurilen, Sachalin, Korea und den Liukiu-Inseln. W&#252;rzburg und Leipzig: Verlag der K.u.K. Hofbuchhandlung v. Leo Woerl 1897 (2. Aufl.)"
     dc:coverage="Japan, Hirado, Deshima, 1823-1830"
     dc:rights="Copyright &#169; 2002-2004 ff. Oliver Rost, Stefan Unterstein -- All rights reserved. GNU Free Documentation License."
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<cmd name="title"><arg>Beschreibung der Faktoreien der Niederländer in Japan</arg></cmd>
<cmd name="author"><arg><cmd name="textsc"><arg>Philipp Franz v. Siebold</arg></cmd></arg></cmd>
<cmd name="date"><arg>1823<ent:ndash/>1830 in Japan / <cmd name="textsuperscript"><arg>2</arg></cmd>1897 &CMD.dlq;Nippon&CMD.drq;</arg></cmd>
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<cmd name="centerline"><arg><cmd name="textbf"><arg>Das vollständige Kapitel I.6 aus &CMD.dlq;Nippon&CMD.drq;</arg></cmd></arg></cmd>

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    <cmd name="emph"><arg>Nippon. Abteilung I. Geographische Forschungen und Reisen. (<cmd name="dots" args="\"/>)
    6) Beschreibung der Faktoreien der Niederländer in Japan. Hirado (Firato) und Dezima.</arg></cmd>
    <cmd name="newline"/>
    In:
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    <cmd name="textsc"><arg>Philipp Franz v. Siebold</arg></cmd> (1796<ent:ndash/>1866<ent:thinsp/>;
    Herausgegeben von seinen Söhnen): <cmd name="textit"><arg>Nippon.</arg></cmd>
    Archiv zur Beschreibung von Japan
    und dessen Neben- und Schutzländern Jezo
    mit den südlichen Kurilen, Sachalin, Korea und den Liukiu-Inseln.
    <ent:ndash/>
    Würzburg und Leipzig<ent:thinsp/>: Verlag der K.u.K. Hof&GER.nolig;buchhandlung v. Leo Woerl
    1897 (2. Auf&GER.nolig;l.; 2 Bde.)
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    <cmd name="centerline"><arg><cmd name="textsf"><arg>&lt;<xhtml:a href="index.html">index</xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a href="#impressum" title="GNU Free Documentation License">copyleft</xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a href="#impressum" title="Contact Contributors">email</xhtml:a>&gt;</arg></cmd></arg></cmd>
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<cmd name="section"><arg>Beschreibung der Faktoreien der Niederländer in Japan</arg></cmd>

<cmd name="subsection" id="ssec-1"><arg>Hirado (Firato) und Dezima</arg></cmd>


<x>Die erste Faktorei, welche die Niederländer in Japan errichtet haben, befand
sich auf der Insel Hirado, unweit der Stadt und dem Schlosse dieses
Namens.<cmd name="fntextref" args="{1}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark1" href="#FNtext1">(1)</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Jakob Quaekernaeck und Melchior Zandvoort hatten, nachdem sie im Jahre 1600
an der japanischen Küste gelandet, während ihrer Zurückhaltung in Japan bei dem
Herrn von Hirado gute Aufnahme gefunden und waren durch die thätige
Unterstützung dieses Fürsten, der ihnen auf seine Kosten selbst ein Fahrzeug
bauen und ausrüsten ließ, in den Stand gesetzt worden nach Patane
zurückzukehren. Diese beiden Niederländer überbrachten ihren Landsleuten die
Nachricht von der günstigen Gelegenheit, mit Japan in Handelsverbindung zu
treten, und waren so die Veranlassung, daß die Schiffe De roode Leeuw met de
pylen und De Griffioen, auf Befehl des Admirals W. Verhoeven (1609) von Johor
nach Japan abgefertigt, zu Hirado vor Anker gingen, und daß also der erste
Handelsverkehr der Niederländer mit Japan gerade hier sich anknüpfte. Abraham
van den Broeck und Jacques Puijck wurden infolge der unternommenen Gesandtschaft
an den Hof des Sj<ent:omacr/>gun Ijejasu und dessen Sohnes Hidetada (1609) die Begründer
des niederländischen Handels in Japan, und die auf Hirado (1611) errichtete
Faktorei hatte Jacques Specx zum ersten Vorsteher.</x>

<x>Von hier aus betrieben die Niederländer mit Genehmigung des Sj<ent:omacr/>gun unter dem
Schutze des Landesherrn von Hirado den Handel. Bereits längst vor ihrer Ankunft
hatte die schreckliche Christenverfolgung ihren Anfang genommen, und die
Stellung der Spanier und Portugiesen im Lande war schon sehr erschüttert.</x>

<x>Umstände, <cmd name="beginpage" args="{246}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg245">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg246">246</xhtml:a><xhtml:a href="#pg247">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> welche, so nachteilig sie auch auf neuankommende
Fremdlinge zurückwirken mußten, die Aufnahme und den Handel der Niederländer
gerade jetzt begünstigten. Doch war es nur für kurze Zeit. Bald begegnete man
ihnen mit ähnlichen Vorsichtsmaßregeln wie den übrigen verrufenen Ausländern.
Ihre Freiheit wurde von Nagasaki aus, dem Sitze der Statthalter des Sj<ent:omacr/>gun,
allmählich beschränkt, ja selbst ihr Handelskredit durch die Kunstgriffe ihrer
Feinde geschmälert. Diese <ent:ndash/> die Spanier und Portugiesen wurden endlich aus
einem Lande, das sie freiwillig nicht verlassen wollten, gewaltsam vertrieben,
nachdem sie mit unglaublicher Beharrlichkeit Mißhandlungen und Qualen jeder Art
ertragen hatten.</x>

<x>Mit der Verbannung dieser Ruhestörer sah man aber die Ruhe und Sicherheit des
Staates nicht verbürgt. Auch die Niederländer waren, wenngleich von einer
vorteilhafteren Seite, als Christen bekannt geworden, und auch ihnen war das
Verhängnis bestimmt, das ihre Widersacher getroffen hatte. Im günstigsten Falle
war ihnen, wenn man sie nicht zur Aufgabe ihres Handels bewegen konnte, in
Nagasaki, der strenge bewachten Reichshandelsstadt, der Aufenthalt zu Dezima,
das soeben von den Portugiesen geräumte Staatsgefängnis, zugedacht. Aber weit
lieber hätte man es gesehen, wenn auch die Niederländer, die letzten Fremdlinge
im Lande, das Reich verlassen hätten. Allein die Handelsvorteile, von welchen
man berechnen konnte, daß sie mit jedem Jahre anwachsen würden, und der Triumph
der Niederländer über ihre abgesagten Feinde, die Portugiesen, deren letztes
Streben zur Wiedereröffnung ihres Handels mit Japan durch das am 5. August 1640
an der makao'schen Gesandtschaft so schrecklich vollzogene Todesurteil vereitelt
worden war, ermutigte erstere zur Beharrlichkeit und Ausdauer. Ihre Geduld wurde
aber auf eine harte Probe gestellt, als am 9. November 1640 der Befehl des
Sj<ent:omacr/>gun erschien, &CMD.dlq;die Wohnungen der niederländischen Faktorei zu Hirado, auf
deren Giebel die christliche Jahreszahl stand, unverzüglich dem Grunde gleich
abzubrechen&CMD.drq;. Nur der Entschlossenheit des François Caron, welcher als
Oberhaupt der Faktorei noch an demselben Tage mit dem Einreißen der Wohnungen
beginnen ließ, hatten diesmal die Niederländer ihre fernere Duldung auf Japan zu
danken<ent:thinsp/>; denn die geringste Widersetzung würde den Japanern ein erwünschter
Beweggrund gewesen sein, die Fremdlinge gänzlich aus ihrem Lande zu verbannen.
Zum Abbruche der niederländischen Faktorei auf Hirado war somit das Signal
gegeben, und der günstige Ablauf dieses Vorfalles ließ die holländischen
Kauf&GER.nolig;leute sich mit der Hoffnung schmeicheln, ihren Handel in Japan nicht nur
ferner fortsetzen, sondern ihre Faktorei nach Nagasaki verlegen zu können, wohin
sie sich längst schon versetzt wünschten. Ein ausgebreiteter Alleinhandel
eröffnete ihnen dort die schönsten Aussichten, und wenn je die Niederländer sich
unter den Willen eines Gewaltherrschers schmiegten und sich den Winken seiner
Günstlinge und Höf&GER.nolig;linge fügten, wenn sie je sich freiwillig unter ein hartes
Joch beugten, dann war es in Japan in dieser für sie und ihr Vaterland
kritischen Periode. Handelsinteresse war dabei die Haupttriebfeder <ent:ndash/> doch
unverkennbar auch das Bestreben, dem Vertrauen und Handelskredit ihrer Nation in
einem Lande ein Denkmal zu gründen, wo das Vertrauen in den Europäern so tief
gesunken war.</x>

<x>Während früher die niederländischen Abgesandten mit fürstlichem Gepränge nach
dem Hofe zogen, sehen wir jetzt Maximilian le Maire anspruchslos und demütig am
Hofe des Sj<ent:omacr/>gun erscheinen, wo ihm nach Überreichung der Geschenke, welche
jährlich die niederländisch-ostindische Compagnie darzubringen pflegte, am
<cmd name="beginpage" args="{247}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg246">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg247">247</xhtml:a><xhtml:a href="#pg248">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> 11. Mai 1641 durch die Reichsräte eröffnet wurde<ent:thinsp/>: &CMD.dlq;Daß von nun an
die niederländischen Schiffe ausschließlich in den Hafen von Nagasaki einlaufen,
und somit die Faktorei von Hirado dahin auf&GER.nolig;brechen sollte&CMD.drq;. Es wurde beigefügt<ent:thinsp/>:
&CMD.dlq;Der Sj<ent:omacr/>gun wolle nirgendwo anders im Lande als zu Nagasaki noch Ausländer
dulden<ent:thinsp/>; hier könnten die Niederländer wie früher ihren Handel treiben. So wenig
auch Japan mit dem Handel des Auslandes gedient sei, so würde jedoch den
Holländern aus Berücksichtigung des vom Sj<ent:omacr/>gun Ijejasu erteilten Handelspasses
vergönnt, hier den Handel fortzusetzen.&CMD.drq;</x>

<x>Bald hierauf verließen die Niederländer ihre alte Niederlassung auf Hirado,
wo sie 32 Jahre lang ansässig gewesen waren.</x>

<x>Die Insel Hirado liegt an der NW.-Seite von Kiusiu, nur einige Ri von der
Küste der Landschaft Hizen entfernt, nach Angabe der Japaner zwischen 33<ent:deg/> 10'
und 33<ent:deg/> 25' n. Breite, und die Stadt Hirado unter 33<ent:deg/> 20' n. Breite und 6<ent:deg/> 13'
Länge westlich von Kioto. Ihre günstige Lage <ent:ndash/> gerade im Mittelpunkte der
lebhaften Küstenfahrt von Nagasaki nach der großen Handelsstadt <ent:Omacr/>saka <ent:ndash/> und die
größere Freiheit, welche Ausländer unter dem Schutze des Fürsten von Hirado
genossen, waren Ursache, daß bereits früher Portugiesen und chinesische
Kauf&GER.nolig;leute nach dem Hafen von Hirado hinzogen.</x>

<x>&CMD.dlq;Fyrando (Hirado)&CMD.drqsp; sagt H. von Linschoten, &CMD.dlq;ist eine große, längliche
Insel, die sich als ein sehr hohes Land ONO. und WSW. erstreckt. Von der
Ostseite gesehen, zeichnet sie sich durch einen großen hohen Hügel <ent:ndash/> felsigen
spitzen Berg <ent:ndash/> mitten auf einer vorspringenden Landspitze aus. Segelt man längs
der Ostküste dieser Insel hin, dann bemerkt man eine Öffnung, welche gleich
einem Flusse landeinwärts zieht. Hat man diese etwa eine Meile hinter sich, so
öffnet sich eine kleine Bucht <ent:ndash/> eine Bai, Cochyn (Kutsi) genannt, in die man
bis auf 12 Faden (Tiefe) einläuft und da vor Anker legt<ent:thinsp/>; gewährt sie auch keinen
Schutz gegen Südwinde, so geht hier doch keine hohle See. Man läßt sich von da
gewöhnlich durch Barken in den Hafen bugsieren, der aber der großen Strömung
wegen sehr gefahrvoll einzulaufen ist. Will man unter Segel in den Hafen
gelangen, dann muß es mit beinahe hohem Wasser geschehen<ent:thinsp/>; denn man hat an der
Mündung des Hafens den Wind sehr scharf, und bei eintretender Ebbe muß das
fallende Wasser die Einfahrt unterstützen. Zu diesem Ende segle man, wie schon
erwähnt, die Ostküste von Hirado entlang und an der Bai von Kutsi vorüber bis
zur ersten Landspitze, wo nördlich zwei kleine Klippen hervorstehen. Diesen
Klippen suche man zu nahen, um so desto besser in den Hafen einzulaufen. Man
sieht darauf rechts, Hirado zur Seite, ein hohes Inselchen, voll von Bäumen, zum
Vorschein kommen, auf dessen W.-Spitze man alsbald gerade seinen Lauf richten
und so lange darauf anhalten muß, bis dasselbe ganz sichtbar zur Linken
vorliegt, worauf sogleich von innen das Ende eines bewohnten Ortes hervortritt.
Sobald man die Häuser entdeckt, muß man gut beim Winde halten. Dem Inselchen
gerade gegenüber, nämlich links an der Südseite, läuft eine kleine Landzunge
aus, welche sich von einem hohen Hügel der Insel Hirado seeeinwärts erstreckt.
An dieser Landspitze zieht eine Bank hin. Man muß sich daher dem erwähnten Ecke
oder Ende des Dorfes so nahe als möglich halten, um außer dem Strome zu bleiben.
Nach gelungener Durchfahrt kommt man in ruhiges Gewässer, wo man bei ungünstigem
Winde vor Anker gehen und dann durch Barken sich vollends in den Hafen bugsieren
lassen kann. Der Eingang ist WSW.&CMD.drq;</x>

<x>Bei unseren alten Seeleuten führte <cmd name="beginpage" args="{248}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg247">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg248">248</xhtml:a><xhtml:a href="#pg249">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> dieser Hafen die Namen Cochyn,
Coetche, Cutzin, Coehynoch u. dgl., Benennungen, die sich in dem Worte Kutsi,
d.<ent:thinsp/>i. Mündung, und Kutsi-no-tsu, Hafen von Kutsi, wiederfinden. Dieser Hafen,
etwa eine Stunde von der Stadt Hirado entfernt, liegt nach Johann van Twist
unter 33<ent:deg/> 20', und nach John Saris unter 33<ent:deg/> 30' n. Breite, bei 2<ent:deg/> 50' östlicher
Abweichung. Hier befand sich jene erste Faktorei der Niederländer.</x>

<x>Vom Flecken und der niederländischen Faktorei Hirado selbst <ent:ndash/> einem Orte,
von wo aus das Auf&GER.nolig;blühen der Niederländischen Vereinigten Compagnie ungemein
begünstigt wurde, der aber im Laufe der Zeit wieder ganz in Vergessenheit
geriet, teilt uns Hendrick Hagenaer aus seiner ersten Reise nach Japan im Jahre
1634 folgende Beschreibung mit<ent:thinsp/>: &CMD.dlq;Der Flecken Firando liegt im Hintergrunde
einer Bai, wo die Natur einen geräumigen, beinahe runden Kolk gebildet hat, der
durch einen engen Hals in die Bai mündet, so daß weder Strömung und Wind, noch
hohle See und die jährlich hier herrschenden Taifune oder Orkane den Schiffen
bedeutenden Schaden zufügen können. Bei Ebbe jedoch liegt dieser Kolk meistens
trocken. Der Hafen vor der Behausung der Niederländer ist enge und beim
Einlaufen gefährlich, wie dieses bereits mehrere unserer Schiffe erfahren haben.
Japanischen Barken und Fahrzeugen dient dieser Ort wohl zu einer guten Rhede,
doch für Compagnie-Schiffe ist er nicht geräumig genug, und sein Ankergrund zu
weich, so daß diese häufig Gefahr laufen. Die Rhede ist zu beiden Seiten mit
Häusern besetzt, welche einen Flecken ausmachen. Hier steht auch eine Wohnung
des Landesherrn, wo dieser zeitweilig seinen Aufenthalt nimmt. Die Häuser sind
durchgehends schlecht und mit dünnen übereinandergefügten Schindeln gedeckt. Es
wohnen nur wenige vermögende Kauf&GER.nolig;leute da. Das Logis der Compagnie nimmt einen
großen Raum ein, ist aber nur aus Holz gezimmert. Es hat vier große Zimmer, fünf
Nebengemächer nebst einer Badstube, Küche, Speisekammer u. dgl., ist aber alt
und baufällig. Der Flecken bestand vor Zeiten bloß aus Wohnungen von Fischern
und gemeinen Leuten und hatte nicht viel zu bedeuten. Jetzt aber, wo Kauf&GER.nolig;leute
aus anderen Städten Japans sich häufig hier einfinden und viel verzehren, werden
täglich neue Häuser gebaut. Es bezieht daher der Herr von Firando eine große
Grundsteuer und andere Vorteile mehr. Eine Straße, deren gegenwärtig 36
bestehen, bringt nun mehr auf, als früher der ganze Flecken&CMD.drqsp; usw.</x>

<x>Wenn man diese Beschreibungen unserer früheren niederländischen Reisenden mit
der auf Fig. 26 mitgeteilten Ansicht des Hafens samt dem Flecken und der
Faktorei der Niederländer zu Hirado vergleicht, dann werden die oft dunkeln
Stellen jener alten Schriftsteller deutlicher hervortreten, und übereinstimmend
mit der Abbildung selbst, uns einen für die Geschichte des niederländischen
Handels so merkwürdigen Ort wieder erkennen lassen.</x>

<x>In der Abbildung sehen wir zur Rechten die Gebäude der niederländischen
Faktorei, sowie sie wahrscheinlich kurz vor dem Abbruche unter François Caron
(1640) bestanden. Die Stelle, wo man jetzt noch deren Überreste findet, wird
Saki-kata genannt. Die auf der Landspitze gegenüberstehenden Gebäude waren
Magazine und Wohnungen der Kauf&GER.nolig;leute und bilden jetzt das Dorf Hino-ura. Vor dem
Hafen, dessen Eingang durch eine weit in die See ragende Landzunge Nanrj<ent:omacr/>-saki
zur Rechten und durch die Landspitze Hino-ura zur Linken gebildet wird, sieht
man die von Linschoten beschriebenen zwei Klippen und das hohe baumreiche
Inselchen. <cmd name="beginpage" args="{249}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg248">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg249">249</xhtml:a><xhtml:a href="#pg250">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> &lt;Fig. 26. <cmd name="emph"><arg>Ansicht von Hirado, der ersten
niederländischen Faktorei.</arg></cmd>&gt; <cmd name="beginpage" args="{250}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg249">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg250">250</xhtml:a><xhtml:a href="#pg251">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Erstere führen bei den Japanern die
Namen Otatsuke und Kotatsuke, und letzteres wird Awo-zasaki genannt. Die zwei
Klippen bezeichnen wirklich als untrügliche Merkmale die Hafenmündung und das
grüne Inselchen den rechten Weg dahin.</x>

<x>Diese Ansicht ist nach einem Ölgemälde aufgenommen, welches früher noch auf
Hirado verfertigt und von der Familie eines ehemaligen Lieferanten daselbst nach
Nagasaki gebracht worden ist.</x>




<cmd name="subsection" args="[Plan von Dezima, Faktorei \dots]" id="ssec-2"><arg>Plan von Dezima, Faktorei des niederländischen Handels im Reiche Japan</arg></cmd>


<x><grp><TeX>\catcode`\~=11\relax</TeX><xhtml:a href="http://flcsvr.rc.kyushu-u.ac.jp/~michel/serv/eujap/voc/dejima/1828.html">(S. Fig. 1 u. 2.)</xhtml:a></grp></x>

<x>Auf Befehl und Kosten des Sj<ent:omacr/>gun Ije-mitsu wurde in den Jahren 1635<ent:ndash/>1636 für
die Portugiesen, die sich trotz der harten Verfolgung, welche in den ersten
Jahrzehnten des siebzehnten Jahrhunderts über sie erging, in Japan zu halten
strebten, dicht vor der Stadt Nagasaki ein eigener Wohnplatz angelegt <ent:ndash/> ein
Inselchen, durch Aufschutt am Strande hervorgerufen, welches seiner Lage nach
den Namen Dezima <ent:ndash/> Vorinsel <ent:ndash/> erhielt, hinsichtlich seiner Bauart und
Abgeschlossenheit aber und seines Zweckes wegen eher den Namen eines
Staatsgefängnisses verdient. Von hier aus betrieben die Portugiesen einige Jahre
lang ihren Handel, der ungeachtet der Einschränkungen und Verfolgungen durch die
Lage des Inselchens so nahe bei Nagasaki und durch die gute Einrichtung der
Magazine sehr begünstigt wurde, so daß gleichsam aus dem Schutte ihrer Freiheit
ihr Handel von neuem auf&GER.nolig;blühte.</x>

<x>Dieses entging nicht dem Blicke der Niederländer, und dieselben hatten nicht
so bald die günstige Wendung der portugiesischen Handelsverhältnisse ersehen,
als auch bei ihnen der Wunsch rege wurde, ihre Faktorei von Hirado nach Nagasaki
bei der ersten günstigen Gelegenheit zu verlegen.</x>

<x>Die Reichsverbannung, welche zu Ende des Jahres 1639 über die Portugiesen
verhängt wurde, öffnete den Niederländern die schönsten Aussichten zu einer
Niederlassung in Nagasaki <ent:ndash/> wohl gar auf Dezima. Schienen auch ernste
Unannehmlichkeiten zwischen den Niederländern und der japanischen Regierung die
Auf&GER.nolig;hebung der Faktorei zu Firato herbeigeführt zu haben, den niederländischen
Kauf&GER.nolig;leuten war es um so angenehmer, nach einer Stadt versetzt zu werden, die für
den ausländischen Handel so vorteilhaft gelegen war, und bereitwilliger noch
wurde von Seiten der japanischen Regierung den allein im Lande zurückbleibenden
Ausländern Dezima geöffnet.</x>

<x>So sehen wir im Jahre 1641 unter dem Oberhaupte Maximilian le Maire unsere
Niederländer, ganz mit ihrem Schicksale einverstanden, von Hirado nach Nagasaki
auf&GER.nolig;brechen und Dezima, diese vermeintliche Goldgrube ihrer Feinde, beziehen.</x>

<x>Der Verkehr mit Japan, von Nagasaki aus betrieben, versprach für den
niederländischen Handel in Ostindien große Vorteile, und diese Rücksicht sowie
der ungewöhnliche Gewinn, welche der Compagnie und deren Dienern in den ersten
Jahren des Aufenthaltes daselbst zuströmte, lassen es entschuldigen, wenn sonst
freiheitliebende Männer ihre Freiheit hier aufopferten.</x>

<x>Dezima, im Süden der Stadt Nagasaki am nordöstlichen Strande der Bai gelegen,
hat die Form des entfalteten Blattes von einem japanischen Fächer. Man erzählt,
daß <cmd name="beginpage" args="{251}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg250">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg251">251</xhtml:a><xhtml:a href="#pg252">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> der Sj<ent:omacr/>gun, als man ihn um die Form fragte, die er dem
aufzuwerfenden Inselchen gegeben wünschte, seinen Fächer überreicht habe, um als
Vorbild zu dem Staatsgefängnisse der Portugiesen zu dienen. Durch Abtragung
eines in der Nähe gelegenen Hügels ist dieses Inselchen errichtet und durch eine
Mauer aus Basaltsteinen gegen den Anprall der Wogen geschützt worden. Bei hohem
Wasser erhebt es sich noch etwa 6 Fuß über die Meeresfläche und ist an der
Südseite 624, an der Nordseite 516 rheinländische Fuß lang und in der Mitte 216
Fuß breit. Gegen S. und W. schaut es in die Bai, gegen N. und O. liegt es, durch
einen schmalen Kanal geschieden, gegenüber der Stadt Nagasaki, mit der es durch
eine kleine steinerne Brücke und ein mit einer Wache besetztes Thor (Landpoort)
(a) in Verbindung steht. Ein zweites Thor an der Westseite (Waterpoort) (b) wird
zum Verkehr mit den vor Anker liegenden Schiffen geöffnet. Auf diesem kleinen
Raume sind die aus Holz gebauten Wohnungen der niederländischen Beamten, die
Magazine und einige andere Nebengebäude zusammengedrängt, durch eine mäßig
breite Straße geschieden, welche nebst dem freien Platze bei dem Flaggenstocke,
dem botanischen Garten und dem Küchengarten den einzigen Spaziergang für die
hier eingeschlossenen, streng bewachten Ausländer bietet. Die Wohnung des
Oberhauptes (d) enthält einige geräumige, nach europäischer Weise erbaute Säle,
welche im Jahre 1823 auf Kosten der niederländischen Regierung sehr
geschmackvoll eingerichtet wurden. Auf dem erwähnten Plane erhebt sich, prangend
mit der niederländischen Flagge, der Flaggenstock und zeigt den einsegelnden
Schiffen der Niederländer den einsamen Aufenthalt ihrer Landsleute. Sein
beliebtes Farbenspiel verkündet den Einwohnern von Nagasaki jedesmal unsere
niederländischen Nationalfeste und hilft die ihrigen auf gleiche Weise
verherrlichen. Der Flaggenstock liegt unter 32<ent:deg/> 45' Breite und 129<ent:deg/> 51' der
Länge östlich von Greenwich.</x>

<x>Unter den vielen, die naturhistorischen Wissenschaften befördernden Anstalten
der niederländisch-ostindischen Regierung mag hier wohl des botanischen Gartens
erwähnt werden, den ich auf Befehl derselben in den Jahren 1823<ent:ndash/>1824 dort
angelegt habe.<cmd name="fntextref" args="{2}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark2" href="#FNtext2">(2)</xhtml:a></arg></cmd> Im Jahre 1829 waren darin bereits an tausend der japanischen
Flora angehörende seltenere Gewächse angepflanzt. Die Namen der um die
Pflanzenkunde dieses Landes so verdienten Naturforscher E. Kaempfer und C.<ent:thinsp/>P.
Thunberg sind dort durch ein Denkmal geehrt, das die Aufschrift trägt<ent:thinsp/>:</x>


<env name="center">
    <cmd name="textbf"><arg>E. KAEMPFER, C.<ent:thinsp/>P. THUNBERG</arg></cmd><cmd name="\"/>
    ECCE<ent:thinsp/>! VIRENT VESTRAE HIC PLANTAE FLORENTQUE QUOTANNIS<cmd name="\"/>
    CULTORUM MEMORES SERTA FERUNTQUE PIA.
</env>


<x>In dem vorliegenden Plane, <grp><TeX>\catcode`\~=11\relax</TeX><xhtml:a href="http://flcsvr.rc.kyushu-u.ac.jp/~michel/serv/eujap/voc/dejima/1828.html">Fig. 2</xhtml:a></grp>, ist Dezima so gegeben, wie es zu Anfang
des Jahres 1828 war. Ein heftiger Orkan am 18. und 19. September desselben
Jahres hat durch den Einsturz einiger Wohnungen Veränderungen hervorgerufen,
wodurch einige Wohnungen der Beamten eine bedeutende Verbesserung und durch
Versetzung eines großen Packhauses in den botanischen Garten eine freiere
Aussicht erhalten haben.</x>



<cmd name="subsection*"><arg>Anmerkungen</arg></cmd>

<x/> <!-- for indentation of next/1st paragraph -->

<x><cmd name="indent"/><cmd name="fnmarkref" args="{1}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext1" href="#FNmark1">(1)</xhtml:a></arg></cmd> In der ersten Auf&GER.nolig;lage des Nippon wurde diese Insel unter dem Namen Firato
nach der früheren Schreibart der Niederländer beschrieben.</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{2}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext2" href="#FNmark2">(2)</xhtml:a></arg></cmd> Die Wohnung v. Siebolds war bei (f), daneben breitet sich der botanische
Garten aus. Note zur 2. Auf&GER.nolig;lage.</x>



</x><!-- document -->

<xhtml:hr style="visibility:hidden;height:20px;"/><!-- spacer -->

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<cmd name="centerline"><arg><cmd name="textsf"><arg>Copyleft <xhtml:a id="GNUfdl">&#169;</xhtml:a>|<xhtml:a id="CCncsa">&#169;</xhtml:a> 2004 ff. <xhtml:a href="javascript:mailVOID();" id="ORid">Oliver Rost</xhtml:a>, Dortmund; <xhtml:a href="javascript:mailVOID()" id="SUid">Stefan Unterstein</xhtml:a>, München</arg></cmd></arg></cmd>
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