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    dc:title="Er&#246;rterung des Schiefstehens der Augen bei den Japanern und einigen andern V&#246;lkerschaften"
    dc:creator="v. Siebold, Philipp Franz"
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    dc:date="2002-10-07"
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    dc:source="Philipp Franz v. Siebold: Nippon. Archiv zur Beschreibung von Japan und dessen Neben- und Schutzl&#228;ndern Jezo mit den s&#252;dlichen Kurilen, Sachalin, Korea und den Liukiu-Inseln. W&#252;rzburg und Leipzig: Verlag der K.u.K. Hofbuchhandlung v. Leo Woerl 1897 (2. Aufl.)"
    dc:coverage="Japan, Deshima, 1823-1830"
    dc:rights="Copyright &#169; 2002-2004 ff. Oliver Rost, Stefan Unterstein -- All rights reserved. GNU Free Documentation License."
    />
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<cmd name="title"><arg>Erörterung<cmd name="\"/>des Schiefstehens der Augen<cmd name="\"/>bei den Japanern</arg></cmd>
<cmd name="author"><arg><cmd name="textsc"><arg>Philipp Franz v. Siebold</arg></cmd></arg></cmd>
<cmd name="date"><arg>1823<ent:ndash/>1830 in Japan / <cmd name="textsuperscript"><arg>2</arg></cmd>1897 &CMD.dlq;Nippon&CMD.drq;</arg></cmd>
<cmd name="maketitle"/>

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    <xhtml:img src="PFvSiebold2.jpg" alt="v.Siebold; Kreidezeichnung von Joseph Schmeller, Weimar am 16. Mai 1835" title="Kreidezeichnung von Joseph Schmeller, Weimar am 16. Mai 1835" width="200" height="240"/>
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<cmd name="centerline"><arg><cmd name="textbf"><arg>Das vollständige Kapitel II.2 aus &CMD.dlq;Nippon&CMD.drq;</arg></cmd></arg></cmd>

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    <cmd name="emph"><arg>Nippon. Abteilung II. Volk und Staat. (<cmd name="dots" args="\"/>)
    2. Erörterung des Schiefstehens der Augen bei den Japanern und einigen andern Völkerschaften.</arg></cmd>
    <cmd name="newline"/>
    In:
    <cmd name="newline"/>
    <cmd name="textsc"><arg>Philipp Franz v. Siebold</arg></cmd> (1796<ent:ndash/>1866<ent:thinsp/>;
    Herausgegeben von seinen Söhnen): <cmd name="textit"><arg>Nippon.</arg></cmd>
    Archiv zur Beschreibung von Japan
    und dessen Neben- und Schutzländern Jezo
    mit den südlichen Kurilen, Sachalin, Korea und den Liukiu-Inseln.
    <ent:ndash/>
    Würzburg und Leipzig<ent:thinsp/>: Verlag der K.u.K. Hof&GER.nolig;buchhandlung v. Leo Woerl
    1897 (2. Auf&GER.nolig;l.; 2 Bde.)
</env>

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    <cmd name="smallskip"/>
    <cmd name="centerline"><arg><cmd name="textsf"><arg>&lt;<xhtml:a href="index.html">index</xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a href="#impressum" title="GNU Free Documentation License">copyleft</xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a href="#impressum" title="Contact Contributors">email</xhtml:a>&gt;</arg></cmd></arg></cmd>
    <cmd name="smallskip"/>
    <cmd name="hrule"/>
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<cmd name="section" args="[Erörterung des Schiefstehens der Augen \dots]"><arg>Erörterung des Schiefstehens der Augen bei den Japanern und einigen andern Völkerschaften</arg></cmd>

<x>Das Schiefstehen der Augen, welches man als ein bezeichnendes Merkmal in den
Gesichtszügen der chinesischen Rasse aufgestellt hat, ist eigentlich nur ein
Schiefstehen der Augenlider, ein Herabsinken derselben gegen die Nase. Es ist
nicht zufällig<ent:thinsp/><cmd name="fntextref" args="{1}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark1" href="#FNtext1">(1)</xhtml:a></arg></cmd>,
nicht gekünstelt<ent:thinsp/><cmd name="fntextref" args="{2}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark2" href="#FNtext2">(2)</xhtml:a></arg></cmd>,
sondern eine im Bau der Schädel- und Gesichtsknochen dieses Volksschlages
gegründete, eigentümliche Bildung der äußeren Teile der Augen. &lt;Fig. 28, Nr.
1<ent:ndash/>6. <cmd name="emph"><arg>Vergleichende Tabelle der Augen bei den
verschiedenen Rassen.</arg></cmd>&gt;</x>

<x>Dieses scheinbare Schiefstehen der Augen, welches häufig zugleich mit einer
auf&GER.nolig;fallenden Kleinheit der Augenöffnung selbst vorkommt, beruht auf dem eigenen
Bau des Stirnbeines und der Gesichtsknochen und auf einer daraus unmittelbar
hervorgehenden Bildung der Augenlider.</x>

<x>Am Stirnbeine (os frontis) verliert sich bei diesen Völkern der
Augenbrauenbogen (arcus supraciliaris) als ein weniger hervorstehender, aber
breiterer Wulst in die Nasenfortsätze (processus nasalis ossis frontis), welche
unterhalb der platten Glabella breiter und länger erscheinen, als sie bei der
kaukasischen Rasse gefunden werden, und bei den Einschnitten (incisura nasalis)
zur Aufnahme der Nasenbeine noch tiefer zurücksinken. Auch der Nasenfortsatz des
Oberkiefers (processus nasalis ossium maxillarium superiorum) ist mehr
eingesunken, und es wird so die eingedrückte, platte Form der eben dadurch auch
verkürzten Nase begründet. <cmd name="beginpage" args="{300}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg299">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg300">300</xhtml:a><xhtml:a href="#pg301">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Die Jochbeine (ossa zygomatica) treten durch die breiteren und längeren
Wangenfortsätze (processus zygomaticus) des Oberkiefers stärker hervor und
werden an der äußeren Wand der Augenhöhlenfläche (superficies orbitalis ossis
zygomatici) gegen den Stirnfortsatz hin (processus frontalis ossis zygomatici)
dicker<ent:thinsp/>; der Wangenfortsatz des Stirnbeins (processus malaris ossis frontis)
verläuft flacher, und bei seiner Verbindung mit dem Stirnfortsatze des
Wangenbeines weiter vom Nasenstachel (spina nasalis) entfernt, bildet er mit
diesem einen weniger spitzen Winkel, wodurch das breite, platte Angesicht dieser
Völker entsteht.</x>

<x>Die Augenlider (palpebrae) sind Falten der Haut des Gesichtes. Über breite,
platte Schädel und Gesichtsknochen gezogen, ist diese Haut bei weitem fähiger
für &lt;Fig. 29. <cmd name="emph"><arg>Abbildung Komakis, eines japanischen Jünglings.</arg></cmd> Fig. 30.
<cmd name="emph"><arg>Abbildung Simoris, eines japanischen Mädchens.</arg></cmd>&gt; Ausdehnung als bei der
entgegengesetzten Schädelbildung der kaukasischen Rasse, bei der sich namentlich
um die Augenhöhlen merkliche Erhabenheiten und Vertiefungen mit der Gesichtshaut
bekleidet finden. Durch die eingedrückte Nasenwurzel wird zwischen den beiden
Augen Haut überflüssig<ent:thinsp/>; durch die hervorstehenden Wangenknochen wird sie wieder
in Anspruch genommen, und während dort Erschlaffung, entsteht hier eine
Spannung, wodurch sich die Haut der oberen Augenlider zu einer Falte bildet,
welche sich am inneren Augenwinkel über das untere Augenlid schlägt und um so
tiefer herabzieht, je dehnbarer die Haut durch die Eindrückung der Nasenwurzel
geworden, und je straffer die Ausdehnung ist, welche durch das
<cmd name="beginpage" args="{301}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg300">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg301">301</xhtml:a><xhtml:a href="#pg302">&gt;</xhtml:a></arg></cmd>
Hervortreten der Wangenknochen verursacht wird. Daher kommt diese Faltenbildung
bei jungen Individuen häufiger vor und zeigt sich bei Fetten deutlicher als bei
Mageren.</x>

<x>Dieser Überfluß an Haut bedingt auch die Größe der Augenöffnung. Je mehr jene
Faltenbildung und Spannung durch Knochenbau, Alter, Fett oder andere Umstände
begünstigt wird, um so kleiner wird die Augenöffnung, und ich bemerkte einen
Fall, wo mehr als ein Drittel des Augenknorpels (Tarsus) am inneren Augenwinkel
bedeckt und die Haut so straff darüber gespannt war, daß kaum eine nur wenig
Linien weite Öffnung der Augenlider stattfinden konnte. &lt;Fig. 31. <cmd name="emph"><arg>Abbildung
eines japanischen Knaben.</arg></cmd> Fig. 32. <cmd name="emph"><arg>Abbildung eines kleinen japanischen
Mädchens.</arg></cmd>&gt;</x>

<x>Im gewöhnlichen Falle sind bei jungen Individuen die inneren Augenwinkel so
weit durch die erwähnte Hautfalte bedeckt, daß man die Valvula semilunaris und
Caruncula lacrimalis kaum sehen kann, und da dadurch der Thränensee (lacus
lacrimalis) gleichsam mit einem Damme umgeben wird, geschieht es häufig, daß
sich beim Weinen die Thränen durch die Nase ergießen.</x>

<x>Die Hautfalte, welche sich bei den inneren Augenwinkeln in einer schiefen
Richtung vom oberen Augenlide über das untere herabzieht, ist es nun, welche das
scheinbare Schiefstehen der Augen selbst verursacht, und eine solche
Augenbildung kann bei allen Völkern vorkommen, in deren Schädelbau die erwähnten
ursächlichen Momente liegen. In geringerem Grade bemerkt man diese Hautfalte bei
unseren Kindern. Sehr ausgebildet fand ich sie bei Javanen, Makassaren, Eskimos,
bei Botokuden und einigen andern außereuropäischen Völkern.</x>

<x>Bei den Japanern und Chinesen, auch bei Koreanern und Cochinchinesen findet
sich jedoch noch eine merkwürdige Eigentümlichkeit in den äußeren Teilen der
<cmd name="beginpage" args="{302}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg301">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg302">302</xhtml:a><xhtml:a href="#pg303">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Augen, indem nämlich der obere Augenknorpel beim Aufschlagen der
Augen so weit unter die überhängende Haut des oberen Augenlides zurücktritt, daß
selbst die Augenwimpern bis zur Hälfte davon bedeckt sind. Die Linie, welche die
Haut des Augenlides gegen die inneren Augenwinkel hin beschreibt, wird dadurch
schärfer bezeichnet, und die schiefe Bildung der Augenlider tritt unter den
ebenfalls schief gegen die Schläfe hin zugeschorenen Augenbrauen noch deutlicher
hervor.</x>

<x>Dies ist meine Ansicht von den seither als schief, schmal und geschlitzt
beschriebenen Augen dieses Volksschlages. Zu näherer Beleuchtung mögen die
Abbildungen einiger Augen in Fig. 28 und eine Reihe Portraits dienen.</x>



<cmd name="subsection"><arg>Erklärung der Abbildungen</arg></cmd>

<x>In Fig. 28, Nr. 1 ist das Auge eines jungen Japaners dargestellt und dessen
Bau durch die in Nr. 6 gegebene Skizze nachgewiesen<ent:thinsp/>: a, b, c zeigen die
Hautfalte des oberen Augenlides, wie sie sich am inneren Augenwinkel (bei c)
über das untere Augenlid herabzieht. &lt;Fig. 33. <cmd name="emph"><arg>Portrait von
Ko-Tsching-Dschang, einem chinesischen Litteraten.</arg></cmd>&gt; Der Augenknorpel d zieht
sich bei b unter die erwähnte Hautfalte zurück und wird bei e und f so weit von
ihr bedeckt, daß man die Caruncula lacrimalis kaum sehen sehen kann. Bei dem
Auge eines Chinesen (Nr. 3) bemerken wir ein ähnliches Verlaufen der Hautfalte,
der Augenknorpel und die Caruncula lacrimalis sind aber weniger von ihr bedeckt.
Sehr bezeichnend ist diese Augenbildung an dem oberen Augenlide eines jungen
Koreaners (Nr. 2). Sein breites, plattes, volles Gesicht begünstigt sie
ungemein, und wir sehen den oberen Augenknorpel von der straff gespannten Spalte
am inneren und am äußeren Augenwinkel bedeckt. Zum Vergleiche der chinesischen
Rasse mit der ihr verwandten malaischen ist in Nr. 4 das Auge eines jungen
Buginisen von Celebes und in Nr. 5 das eines Ureinwohners von Borneo, eines
jungen Dajak beigesetzt. An dem ziemlich großen offenen Auge, welches der
östlichen, rein malaischen Rasse eigen ist, läßt sich schon eine deutliche Spur
der mehrerwähnten Falte des oberen Augenlides erkennen, und bei dem diese
Bildung begünstigenden Schädelbau des Dajak finden wir sie noch deutlicher
ausgebildet.</x>

<x>Fig. 29. Komaki, ein japanischer Jüngling.</x>

<x>Fig. 30. Simori, ein japanisches Mädchen von etwa achtzehn Jahren.</x>

<x>Fig. 31. Ein japanischer Knabe von zwölf Jahren.
<cmd name="beginpage" args="{303}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg302">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg303">303</xhtml:a><xhtml:a href="SieboldN23.xml#pg304">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Fig. 32. Ein japanisches Mädchen von gleichem Alter wie der Knabe. Beide
Bildnisse tragen sehr bezeichnende Merkmale der erwähnten Augenbildung.</x>

<x>Fig. 33. In dem sprechend getroffenen Bildnisse meines chinesischen Freundes
Ko-Tsching-Dschang hat der Zeichner den groben Bau der Gesichtsknochen und die
scharf markierten Züge, welche die mehrnördlichen Bewohner von China
charakterisieren, treu aufgefaßt, und dies Bildnis kann als ein Muster des
chinesischen Volksschlages aufgestellt werden.</x>




<cmd name="subsection*"><arg>Anmerkungen</arg></cmd>

<x/> <!-- for indentation of next/1st paragraph -->

<x><cmd name="indent"/><cmd name="fnmarkref" args="{1}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext1" href="#FNmark1">(1)</xhtml:a></arg></cmd>
Keine krankhafte Veränderung, wie Symblepharon, blepharoptosis u. dgl.</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{2}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext2" href="#FNmark2">(2)</xhtml:a></arg></cmd>
Keine Verlängerung der Augenlider durch Zerren und Ziehen bewirkt, wie uns
Buffon nach Gentil erzählt, noch andere absichtliche Entstellungen, wie unser
würdiger Blumenbach geglaubt zu haben scheint. Histoire naturelle, Tom. VI, pag.
120, cinquième édition. <ent:ndash/> J.<ent:thinsp/>F. Blumenbachii,
de generis humani varietate nativa. Göttingae 1711, pag. 48.</x>



</x><!-- document -->

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<cmd name="centerline"><arg><cmd name="textsf"><arg> &lt;<xhtml:a id="claim"> </xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a id="tform"> </xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a href="index.html">index</xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a id="oview"> </xhtml:a>&gt; &CMD.ccolon; &lt;<xhtml:a id="admin"> </xhtml:a>&gt; </arg></cmd></arg></cmd>
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<cmd name="centerline"><arg><cmd name="textsf"><arg>Copyleft <xhtml:a id="GNUfdl">&#169;</xhtml:a>|<xhtml:a id="CCncsa">&#169;</xhtml:a> 2004 ff. <xhtml:a href="javascript:mailVOID();" id="ORid">Oliver Rost</xhtml:a>, Dortmund; <xhtml:a href="javascript:mailVOID()" id="SUid">Stefan Unterstein</xhtml:a>, München</arg></cmd></arg></cmd>
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