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     dc:title="Von den Waffen, Waffen&#252;bungen und der Kriegskunst"
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     dc:source="Philipp Franz v. Siebold: Nippon. Archiv zur Beschreibung von Japan und dessen Neben- und Schutzl&#228;ndern Jezo mit den s&#252;dlichen Kurilen, Sachalin, Korea und den Liukiu-Inseln. W&#252;rzburg und Leipzig: Verlag der K.u.K. Hofbuchhandlung v. Leo Woerl 1897 (2. Aufl.)"
     dc:coverage="Japan, Deshima, 1823-1830"
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<cmd name="title"><arg>Von den Waffen, Waffenübungen und der Kriegskunst</arg></cmd>
<cmd name="author"><arg><cmd name="textsc"><arg>Philipp Franz v. Siebold</arg></cmd></arg></cmd>
<cmd name="date"><arg>1823<ent:ndash/>1830 in Japan / <cmd name="textsuperscript"><arg>2</arg></cmd>1897 &CMD.dlq;Nippon&CMD.drq;</arg></cmd>
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<cmd name="centerline"><arg><cmd name="textbf"><arg>Das vollständige Kapitel II.3 aus &CMD.dlq;Nippon&CMD.drq;</arg></cmd></arg></cmd>

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    <cmd name="emph"><arg>Nippon. Abteilung II. Volk und Staat. (<cmd name="dots" args="\"/>)
    3. Von den Waffen, Waffenübungen und der Kriegskunst.</arg></cmd>
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    In:
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    <cmd name="textsc"><arg>Philipp Franz v. Siebold</arg></cmd> (1796<ent:ndash/>1866<ent:thinsp/>;
    Herausgegeben von seinen Söhnen): <cmd name="textit"><arg>Nippon.</arg></cmd>
    Archiv zur Beschreibung von Japan
    und dessen Neben- und Schutzländern Jezo
    mit den südlichen Kurilen, Sachalin, Korea und den Liukiu-Inseln.
    <ent:ndash/>
    Würzburg und Leipzig<ent:thinsp/>: Verlag der K.u.K. Hof&GER.nolig;buchhandlung v. Leo Woerl
    1897 (2. Auf&GER.nolig;l.; 2 Bde.)
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<cmd name="section"><arg>Von den Waffen, Waffenübungen und der Kriegskunst</arg></cmd>


<cmd name="subsection" id="ssec-1"><arg>Von den Waffen</arg></cmd>


<x>Die Kenntnis der japanischen Waffen ist gleich wichtig für Altertums- und
Völkerkunde, wie für die Geschichte der Kriegskunst. Denn die Bewohner der
japanischen Inseln haben, abgeschnitten vom Festlande Asien, in ihren Waffen den
Typus jener Stämme, aus denen sie selbst hervorgingen, ein Jahrtausend länger
und in jeder Hinsicht reiner bewahrt, als die Völker auf dem vielbewegten
Schauplatz der alten Welt. Dort begegneten sich im fernsten Altertum rohe und
gebildete Stämme, welche aus den verschiedensten Himmelsgegenden miteinander in
Krieg und Frieden in Berührung kamen und sich gegenseitig mit den Mitteln und
Werkzeugen bekannt machten, welche sie zum Schutze oder zum Angriff erfunden
hatten.</x>

<x>Woher auch die ersten Bewohner dieser Inseln stammen, es waren jedenfalls
Jäger und Fischer, die entweder ihre Waffen mitgebracht hatten oder sie den
heimatlichen Mustern nachbildeten, um in der neuen Heimat sich gegen Feinde,
gleichviel ob reißende Tiere oder Räuber, zu wehren und scheues Wild zu erlegen.
Das Kriegs- und Jagdzeug der ältesten Bevölkerung der japanischen Inseln gehört
ihr somit als Erbe des Stammes, von dem sie ausgegangen, oder als
selbstgeschaffenes Eigentum an.</x>

<x>Waren auch diese Geräte nur wenige und einfache, für die Wissenschaft hat
eine genauere Kenntnis derselben hohes Interesse<ent:thinsp/>; denn es handelt sich um ein
Inselvolk, das abgeschieden zwischen beiden Kontinenten dasteht, und bei dem wir
den Typus aufzufinden hoffen, der uns die Urwaffen der Menschheit, wovon wir in
der alten und neuen Welt Überreste von auffallender Ähnlichkeit gefunden haben,
näher bestimmen hilft. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, werden
dergleichen archäologische Forschungen bedeutsamer, wenn auch ihre Ergebnisse
nicht so reichhaltig ausfallen.</x>

<x>Was wir an Waffen bei den alten Japanern finden, ist alles äußerst einfach.
Eine Lanze, Bogen, Pfeil und Wurfspieß waren die Gewehre<ent:thinsp/>; Helme, panzerartige
Bedeckungen und Schilde die Schutzwaffen. Dem Holz und Bambusrohr wurde ihre
Schnellkraft entliehen, harte Steine oder Bein zu Spitzen des Geschosses
verwertet und das Gefieder von Adlern und andern Vögeln zu dessen Beflügelung.
Messer, Beile und andere schneidende Werkzeuge kamen hinzu, gleichfalls von
Stein. Diese alten steinernen Pfeilspitzen, nach Form und Größe verschieden,
Messer, Beile und dergleichen Überreste, die man noch in alten Gräbern und
Höhlenwohnungen findet und in Gebirgen an jenen Stellen, die in der Vorzeit
bewohnt waren, aus dem Schutte gräbt, sind denjenigen gleich, welche man unter
skandinavischen Altertümern, <cmd name="beginpage" args="{304}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg303">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg304">304</xhtml:a><xhtml:a href="#pg305">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> in den Gräbern der Germanen
vorgefunden, in Sibirien, in Süd- und Nordamerika ausgräbt, und welche noch
heutzutage von den Inselbewohnern des stillen Ozeans und einigen Stämmen auf der
Nordwestküste von Amerika benutzt werden.</x>

<x>Wir werden also im Verlaufe dieser Abhandlung auch auf den japanischen Inseln
entdeckte Urwaffen näher kennen lernen und zur Einsicht gelangen, daß sie
demselben Volke, welches noch jetzt die Hauptbevölkerung dieses Inselmeeres
ausmacht, angehörten. Bei dieser Untersuchung werden uns seine Nachkommen, heute
unstreitig das gebildetste Volk von Asien, durch ihre literarischen Mitteilungen
als Wegweiser dienen und die durch Jahrtausende verwischten Fußspuren ihrer
Voreltern aufsuchen helfen.</x>

<x>Sind einmal die Merkmale, welche die Kriegs- und Jagdgeräte des japanischen
Urvolkes an sich trugen, mit Sicherheit nachgewiesen, so wird das Fremde,
welches hinzukam, seit das Volk aus dem Dunkel der Sagenzeit trat, sich um so
bestimmter und schärfer unterscheiden lassen und dadurch von Japan aus der
Völkerkunde wie der Geschichte der Kriegskunst wichtige Beiträge erwachsen.</x>

<x>Bis zum siebenten Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung haben die
Bewohner der japanischen Inseln den Urtypus ihrer Waffen, gleich jenem ihrer
Religion, ihrer Sitten und Gebräuche, frei von fremden Einflüssen erhalten.
Selbst dann noch, als Zinmu Tenwo seine siegreichen Scharen ins Herz von Jamato
führte und dort mit ihnen festen Fuß faßte (661 v. Chr.), ging, die nächste
Umgebung des Eroberers ausgenommen, von der alten Form der Waffen beim Volke
selbst nur wenig verloren. Neuerungen fanden nur spärlich Eingang. Wir können
dies als sehr wahrscheinlich annehmen. Auch verdankte Zinmu seine Überlegenheit
nicht so sehr etwaigen fremden Waffen, die er einführte, als dem Geiste, womit
er einige Horden der Eingebornen zu beseelen wußte, als er von Kiusiu aus seine
Eroberungen nach Osten und Norden hin begann. Denn jene Voreltern des Eroberers,
die in vorgeschichtlichen Zeiten absichtlich oder zufällig nach Japan gelangten,
konnten nur einzelne wenige Individuen gewesen sein, die auf beschränkten
Fahrzeugen einem unbekannten Meer sich anvertrauten<ent:thinsp/>; sonst würden sie nicht erst
viele Generationen hindurch der Ruhe bedurft haben, um durch eigenen Nachwuchs
zu erstarken und die dortigen Eingebornen um sich zu sammeln, ehe ein später
Enkel von ihnen zur Eroberung des übrigen Landes schreiten konnte. In diesem
Sinne darf daher der Japaner den Ausspruch wagen, daß die Bevölkerung seines
Landes auf dem eigenen Boden noch von keiner fremden Heeresmacht besiegt worden
ist. Nur die Jahrtausende, welche die Mythe Zinmus Voreltern <ent:ndash/> die sogenannten
fünf Generationen der Erdengötter <ent:ndash/> auf dem südwestlichen Ende Japans herrschen
läßt, wollen wir auf einige Jahrhunderte ermäßigen <ent:ndash/> Zeit genug, daß sie sich
mit den früheren Einwohnern zu einem Stamme verschmelzen konnten.</x>

<x>Daß Zinmus Ahnen von einem civilisierteren auswärtigen Volke stammten, geht
mit ziemlicher Zuverlässigkeit aus dem Lauf der Begebenheiten hervor. China oder
die Halbinsel Korea scheint ihr Vaterland gewesen zu sein. Diese Vermutung ist
nicht allein wahrscheinlich, sondern wird selbst ganz annehmbar, wenn wir die
vielfachen Völkerbewegungen auf dem asiatischen Hochlande, die Einfälle
mongolischer Barbaren und die inneren Unruhen, wodurch China bereits zwölf
Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung erschüttert und seine Bewohner leicht zu
Auswanderungen getrieben wurden, in Erwägung ziehen. Schwebt uns doch ganz
derselbe Fall in der Gründung Dschao-siens, des geschichtlich ältesten Staates
der koreanischen Halbinsel <cmd name="beginpage" args="{305}"><arg type="xml"><xhtml:a href="SieboldN22.xml#pg304">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg305">305</xhtml:a><xhtml:a href="#pg306">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> vor, wo gleichfalls ein Auswanderer aus
China, an Kultur überlegen, sich über die ansässigen Stämme zum Oberherrn
aufschwang, zur selben Zeit, als in China auf den Trümmern der Dynastie Schang
sich die der Dscheu erhob. Aufgeklärte Japaner, die diesen Punkt zum Gegenstand
ihrer Forschung machten, teilen selbst die hier ausgesprochene Ansicht.</x>

<x>Daß der Eroberer Jamatos, als fremden Ursprungs, auf seinem Feldzuge auch
fremde Waffen mit sich führte, wenn auch nur als Machtzeichen seiner Ahnen,
halten wir daher nicht nur für möglich, sondern selbst für wahrscheinlich, sie
mögen nun alte Familienstücke, oder solchen nachgebildet gewesen sein. Und in
der That, die Waffen, Kriegszeichen und andere Kleinodien, welche wir auf
Votivbildern und in japanischen Bilderbüchern, worin einzelne Momente aus jenem
Eroberungszuge dargestellt sind, beobachten, deuten auf einen fremden Ursprung
hin. Selbst die Kleidung und Rüstung, worin man den Helden und seine Krieger
auftreten läßt, die Bauart der Fahrzeuge, womit er an den Küsten von Naniwa und
Kii landet, wenngleich auf japanischem Boden gezimmert, tragen ein fremdes
Gepräge, das man beim ersten Blick für altchinesisch oder altkoreanisch erkennen
muß.</x>

<x>Wir sind indessen weit entfernt, dergleichen Darstellungen in allen
Einzelheiten als annehmbar zu verbürgen oder gar unsere Folgerungen bloß darauf
zu gründen. Der japanische Historienmaler mußte in der Einkleidung und
Ausstattung eines Gegenstandes, der, an die Grenzen der vorgeschichtlichen Zeit
streifend, noch halb in Sagen gehüllt ist, seine Zuflucht zu Formen nehmen,
welche seiner Vorstellung über die betreffende Zeit entsprachen. Auf jeden Fall
werden wir nicht ungerecht gegen ihn sein, wenn wir ihn auf gleiche Stufe
historischer Bildung mit unsern alten ehrwürdigen Bibelmalern setzen, welche
Paradies und Hölle mit den geschichtlichen Attributen der Zeit, in der sie
selbst lebten, ausstatteten oder auch mit unsern Historienmalern des 16.
Jahrhunderts, welche ihre deutschen Ritter auf dem Schlachtfelde von Marathon
für die griechische Freiheit kämpfen lassen.</x>

<x>Von der Gründung des Japanischen Reiches bis zum Schlusse unsers zweiten
Jahrhunderts erhielten Waffen und Kriegskunst, wenn auch langsam, mehr und mehr
Ausbildung. Vielfache Kriege mit den Urbewohnern des Nordens der Insel Nippon
und wiederholte Expeditionen gegen einige Stämme auf Kiusiu, die hartnäckig ihre
Unabhängigkeit gegen die Herrscher von Jamato behaupteten, gaben vielfach Anlaß
zur Vervollkommnung der Kriegswaffen. Da warf des Mikado Tsiuaï jugendliche
Gemahlin den Blick auf die Nachbarn jenseits des Meeres, namentlich auf Sinra,
von wo aus der Geist des Widerstandes auf Kiusiu bisher angeregt worden war. Die
feindseligen Nachbarn sollten auf ihrem eigenen Boden gezüchtigt werden. Der
Mikado war selbst auf den kühnen Plan nicht eingegangen, als aber ein jäher Tod
ihn hinweggerissen hatte, übernahm die Gemahlin, gefeiert unter dem Namen Zingo
K<ent:omacr/>go, die Zügel der Regierung, stellte sich an die Spitze eines Heeres und zog,
ihren greisen Feldherrn Takenoutsi zur Seite, gegen Sinra (siehe Fig. 36). Vom
Himmel und Meere begünstigt, erreicht die Flotte die Küsten des asiatischen
Festlandes. Mit einem einzigen Schlage entscheidet die Überlegenheit der
japanischen Tapferkeit das Los der koreanischen Halbinsel. Die Staaten Sinra,
Kaori und Petsi huldigen der Oberhoheit Japans. Das Heer, das bei Beginn des
Winters im Jahre 200 n. Chr. zum erstenmal den Boden des asiatischen Festlandes
betreten, sichert in Monatsfrist die Eroberung durch Besetzung einiger
militärischen Punkte und kehrt mit Beute und Geiseln heim. Der Sohn, den Zingo
kurz <cmd name="beginpage" args="{306}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg305">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg306">306</xhtml:a><xhtml:a href="#pg307">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> nach der Rückkehr auf heimischem Boden gebar, wird neben seiner
Mutter und ihrem erfahrenen Feldherrn noch heute mit göttlichen Ehren verehrt.
Dieser Zug, der eine bedeutende Epoche in der japanischen Geschichte bildet,
entflammte den bereits von Zinmu angefachten kriegerischen Geist der Nation, und
in Sagen und Erzählungen fortlebend, regte er noch in spätesten Zeiten die
Nachkommenschaft zur Nachahmung an.</x>

<x>Die Vorbereitungen zu dem auswärtigen Kriege führten selbstverständlich eine
Vervollkommnung kriegerischer Werkzeuge herbei. Das Zusammentreffen mit einem
Volke, welches auf einer höheren Stufe der Gesittung stand, konnte nicht lange
ohne Rückwirkung auf die Sieger bleiben<ent:thinsp/>; es mußte der Kultur einen bedeutenden
Aufschwung geben, da sie nach Willkür mit dem Eigentum der Besiegten schalten,
das Vorzüglichste sich aneignen konnten. Nun aber hatte auf der koreanischen
Halbinsel, infolge mehrfacher Verbindungen mit China, Landbau, Kunst und
Gewerbefleiß des Reiches der Mitte längst festen Fuß gefaßt, und die Einwohner,
deren Sitten sich dadurch verfeinert, hatten, mit den übrigen Zweigen der
Bildung, auch in Waffen und Kriegswesen den chinesischen Typus angenommen, der
nun wieder mit den koreanischen Trophäen hinüber nach Japan verpflanzt
wurde.</x>

<x>Der jetzt eröffnete Verkehr Japans mit seinen überseeischen Nachbarn wurde
von Jahr zu Jahr lebhafter. Der südliche Teil der Halbinsel blieb lange Japan
zinsbar. Kolonisten, Landbauer, Handwerker, Künstler und später Gelehrte fuhren
hinüber<ent:thinsp/>; Gesandtschaften kamen und gingen, und die Verweigerung des Tributs,
namentlich von seiten Sinras, gab Japan mehrmals Anlaß zu neuen
Expeditionen.</x>

<x>Auch mit China wurden, kurz nach dem ersten koreanischen Feldzuge,
Verbindungen angeknüpft, die in der Folge Japan mit der Kriegskunst des Reiches
der Mitte bekannt machten. Spätere Jahrhunderte zeigten, wie überlegen der
japanische Krieger dem chinesischen ist<ent:thinsp/>; denn dem dreimal stärkeren Feinde hatte
er ruhmvoll die Spitze geboten, als er unter Taiko Hidejosi mit den Waffen in
der Hand zum letztenmal den koreanischen Boden betrat.</x>

<x>Ungeachtet dieses Einflusses, den der Zusammenstoß mit auswärtigen Völkern
auf die Ausbildung der Waffen und der Kriegskunst unserer siegreichen
Inselbewohner hatte, erhielt sich doch an den gewöhnlichen Angriffs- und
Schutzwaffen ein besonderes, eigentümliches Gepräge, das sie bis auf den
heutigen Tag auffallend von denen ihrer Nachbarn unterscheidet. Auch akurate und
solide Herstellung giebt ihnen vor jenen den Vorzug. Die großen Bogen, wovon die
Japaner bei alten chinesischen Geschichtsschreibern den Namen Ta kong tse,
Räuber mit großen Bogen, erhalten, führen sie noch jetzt, und ihre Säbelklingen
werden bei Chinesen und Koreanern hoch geschätzt.</x>

<x>Gegen die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts (1543) lernten die Japaner auch
das europäische Feuergewehr kennen, und die bald darauf ausbrechenden
Bürgerkriege, der Einfall in Korea unter dem gewaltigen Taiko Hidejosi und die
Verfolgung der Christen bewirkten, daß es ziemlich allgemein in Aufnahme kam. Es
ist dabei merkwürdig, daß die früher gebräuchlichen Waffengattungen durch diese
neue, ungleich wirksamere, nicht wie es in Europa der Fall war, verdrängt
wurden. Durch die Gewohnheit liebgewonnen, behaupteten sie sich zugleich mit der
alten Taktik und wurden selbst noch mehr vervollkommnet, während die Feuerwaffe
in Japan noch heutigen Tages ein genaues Nachbild des Luntengewehres ist,
welches die portugiesischen Entdecker dieses Landes eingeführt hatten. Wir
wollen nun die Waffen der Japaner betrachten. <cmd name="beginpage" args="{307}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg306">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg307">307</xhtml:a><xhtml:a href="#pg308">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> &lt;Fig. 34. <cmd name="emph"><arg>Bogen und
Pfeile.</arg></cmd>&gt;</x>





<cmd name="subsection" id="ssec-2"><arg>Angriffswaffen</arg></cmd>


<cmd name="subsubsection" id="sssec-21"><arg>Der Bogen (Jumi)</arg></cmd>




<x>Bogen und Pfeil, Spieß und Lanze sind die ältesten Angriffswaffen der
Japaner. Wie die Chinesen den Ursprung der ersteren in die ersten Zeiten ihrer
Geschichte setzen <ent:ndash/> die Völker Hoangtis sollen sich
derselben bedient haben <ent:ndash/>, so legt auch die Mythe der
Japaner diese Urwaffe der Göttin der Sonne bei, welche sich derselben zur
Bekämpfung des Mondgottes bediente. Auch ihre Enkel, zur <cmd name="beginpage" args="{308}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg307">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg308">308</xhtml:a><xhtml:a href="#pg309">&gt;</xhtml:a></arg></cmd>
Erde gesendet, um die Bewohner der schilfumsäumten Inseln zu unterwerfen, treten
damit auf.</x>

<x>Daß die Urbewohner der japanischen Inseln Bogen und Pfeile führten, geht aus
der ältesten Geschichte hervor. Die wilden Stämme im Innern von Nippon empfingen
Zinmu mit einem Pfeilregen, wobei einer seiner Brüder tödlich verwundet
ward.</x>

<x>Zinmus Nachfolger, der Mikado Suisei (581 v. Chr.), ließ schon Pfeile mit
eisernen Spitzen herstellen. Bereits damals bestanden eigene Zünfte zur
Anfertigung von Bögen, Pfeilen und Pfeilspitzen.<cmd name="fntextref" args="{1}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark1" href="#FNtext1">(1)</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Der japanische Bogen ist, wie gesagt, größer als jener der Bewohner des
benachbarten Festlandes. Ausgezeichnete Helden führten solche von ungewöhnlicher
Länge und Stärke und dazu schwere Pfeile, wie man deren unter andern noch von
dem berühmten Krieger Tametomo (1170) auf&GER.nolig;bewahrt.</x>

<x>Die jetzt gebräuchlichen Bögen haben in ihrer Spannung gewöhnlich die Länge
von zwei Metern. Sie bestehen nicht aus einem einzigen Stücke, wie es bei den
meisten anderen Völkern der Fall ist, sondern aus drei und mehreren Blättern,
die mit vieler Kunst schichtenweise aufeinander gefügt und mit Leim vereinigt
werden. Bambusspäne bilden die Außenseiten und bedecken den dickeren mittleren
Stab, der von Wachsbaum- oder Weidenholz.<cmd name="fntextref" args="{2}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark2" href="#FNtext2">(2)</xhtml:a></arg></cmd> Zum Bogen geformt und glatt
geschabt, wird sodann der Stab sorgfältig mit feinem Hanfsplint umwickelt, mit
einigen Zoll breiten Gebinden von Rotang<ent:thinsp/><cmd name="fntextref" args="{3}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark3" href="#FNtext3">(3)</xhtml:a></arg></cmd> in bestimmten Zwischenräumen
umwunden und zuletzt künstlerisch schwarz und rot lackiert. Die eigentümliche,
geschmackvolle Biegung, welche der Bogen im Spannen annimmt, scheint dadurch,
daß man die Rotanggebinde in gewissen Entfernungen anlegt, bewirkt zu werden<ent:thinsp/>;
denn die freien Stellen biegen sich um so mehr, je weiter die Gebinde von
einander abstehen. Der abgespannte Bogen bildet einen ziemlich regelmäßigen
Abschnitt einer Kreisfläche. Beim Spannen wird er nach der entgegengesetzen
Seite gebogen, so daß er die in Fig. 34 <cmd name="emph"><arg>p</arg></cmd>
gegebene Form annimmt. Abgespannt und losgelassen, schnellt er wieder mit aller
Kraft in seine frühere natürliche Lage zurück<ent:thinsp/>; ein Umstand, auf den ich
besonders aufmerksam mache. Die chinesischen, mongolischen und persischen Bogen
haben diese Eigenschaft mit dem japanischen gemein, nicht so jene der Bewohner
der neuen Welt und Australiens.</x>

<x>Der japanische Soldat, der seinen Bogen wahrhaft systematisch studiert,
berücksichtigt daran zunächst folgende sechs Eigenschaften<ent:thinsp/>: Stärke des Holzes,
Federkraft, Leimung, die Umwicklung mit Hanfsplint, die Rotanggebinde und
endlich die Lackierung. Für die verschiedenen Teile und Stellen dieser Waffe hat
er seine angenommenen Kunstwörter, wovon wir einige nennen wollen. Kata, die
&CMD.dlq;Schultern&CMD.drq;, an den Bogenenden (Juhazu), woran die Sehne mit ihren Schlingen
befestigt wird<ent:thinsp/>; Ju-tsuka, der &CMD.dlq;Bogengriff&CMD.drq;, der sich unterhalb der Mitte
befindet und mit Leder oder Blech belegt ist. Auch die sogenannten Schultern
werden, um der Sehne einen helleren Klang zu geben, bei öffentlichem
Bogenschießen mit Kupfer- und Bleiblättchen gefüttert, die daher Oto kane,
Klangerz, heißen. <cmd name="beginpage" args="{309}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg308">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg309">309</xhtml:a><xhtml:a href="#pg310">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Die Sehne (Tsuru), auf deren Güte ebensoviel wie auf die des Bogens ankommt,
wird aus ausgesuchten langen Stücken Hanfsplints verfertigt und nur einfach
gedreht. Nach den Enden zu ist sie dicker, und die Schlingen zum Anheften werden
mit Streifen feinen Seidenzeuges umwunden. Im Mittelalter pflegte man die Sehne
mit Harz oder Fett zu bestreichen und zu lackieren, und man verfuhr darin sehr
umständlich. Gegenwärtig geschieht es nicht mehr. Man spricht auch von
klingenden Sehnen, womit man in älteren Zeiten bei der Runde im Lager die Stunde
angab, wofür jedoch später hölzerne Klappern eingeführt wurden. Die
ausgestellten Wachen schlugen bei Annäherung feindlicher Patrouillen ihre
Bogensehne an, wie es heißt, zur Warnung, ähnlich unserem &CMD.dlq;Wer da<ent:thinsp/>?&CMD.drq;</x>

<x>Daß der Aberglaube auch Zauberkraft im Klange der Sehnen suchte, wird uns
eben nicht befremden. Man wähnte durch ihn vor bösem Einflusse sich zu wahren
und Zaubersprüche von seiten der Weiber zu entkräften. Wenn der Mikado sich
morgens das Wasser zum Waschen schöpft, so lassen drei seiner Diener (Kuraudo)
ihre Bogensehnen klingen, um etwaigen bösen Einfluß abzuwehren. Also nicht bloß
mit geweihten Glöckchen waffnete der Aberglaube sich gegen den Bösen, er griff
auch zum klingenden Bogen.</x>

<x>Zur Auf&GER.nolig;bewahrung seiner vorrätigen Sehnen führt der Soldat einen eigenen
Sack. In früheren Tagen befestigte man sie zusammengerollt nur an der Scheide
des Dolches. Wir sehen dies an der Rüstung des Helden Takenoutsi auf Fig.
36.</x>




<cmd name="subsubsection" id="sssec-22"><arg>Von den Pfeilen (Ja)</arg></cmd>



<x>Die Erfindung der Pfeile fällt natürlich mit der des Bogens zusammen. In
ethnographischer Hinsicht beschäftigt uns die Frage, ob die Pfeile der frühesten
Bewohner Japans gefiedert waren oder nicht. Einige Stellen aus dem
mythologischen Schriften dieses Volkes sprechen für das erste, indem sie den
vorgeschichtlichen Heroën Pfeile beilegen, die zweiflügelig waren. Es sind dies
die sogenannten Haha baja.</x>

<x>Diejenigen Völker, welche aus Mangel an hartem Schilfrohr oder Bambus ihre
Pfeile von Holz, gewöhnlich von Coniferen, machten, versahen sie mit Gefieder,
um dadurch die denselben abgehenden Eigenschaften eines leichten, hohlen Rohres
zu ersetzen. Die Pfeile aller nördlichen Bewohner vom alten und neuen Kontinent
sind von Holz und daher gefiedert, die der Bewohner der heißen Zonen dagegen von
Rohr und gewöhnlich ungefiedert. Findet man nun Völkerschaften im Süden unserer
gemäßigten Zone, welche ihre aus Rohr geschnittenen Pfeile noch überdies mit
Gefieder versehen, so läßt sich daraus füglich der Schluß ziehen, daß sei ein
solches Machwerk, worin beide Vorteile sich vereinigen, ihrer nördlichen Abkunft
oder dem Verkehre mit nördlichen Stämmen zu verdanken haben. Bei unseren
Japanern wenigstens ist das eine ausgemachte Sache. Sie verfertigen ihre Pfeile
aus einer eigenen Bambusart, ihrem sogenannten Jatake, Pfeilbambus, und
beflügeln sie mit den Schwung- und Schwanzfedern von Falken und anderen Vögeln,
was den Flug derselben nicht nur sehr beschleunigt, sondern sie auch erstaunlich
weit trägt.</x>

<x>Bei den Chinesen und Japanern bilden die Bogen- und Pfeilmacher zwei
verschiedene Handwerke. Es liegt in der Natur der Sache. Pfeile verschießt man,
wie bei uns Pulver und Blei, in Menge, während ein einziger Bogen, oft von
Voreltern <cmd name="beginpage" args="{310}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg309">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg310">310</xhtml:a><xhtml:a href="#pg311">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> ererbt, jahrelang hinreicht. Beide Nationen machen viel
Auf&GER.nolig;hebens von ihren Pfeilgeschossen und unterscheiden mancherlei Arten, je nach
ihrer Art und Gebrauch. Auch für den Pfeil haben Soldat und Jäger eine besondere
Terminologie. Sie nennen den Schaft Jakára, die Spitze Jasáki, das Hinterteil
Jahádsu, die Kerbe, womit er auf der Sehne angesetzt wird, Ja nakano fusi, das
Gefieder Ha und bezeichnen selbst die Gebinde zur Befestigung des Gefieders und
der Spitzen, wie auch die Knoten des Bambusschaftes mit besonderen Namen. Es mag
letzteres nicht ganz ohne Zweck sein, und es wird dem Schützen zur Angabe eines
Maßstabes dienen, wie weit er den Pfeil anzuziehen hat, um eine bestimmte Kraft
hervorzubringen. Der Schaft besteht, wie gesagt, aus einer besonderen Bambusart,
welche sich durch ihren schlanken, senkrechten Wuchs, bei einem festen und doch
leichten Holze, vor anderen dazu eignet. Er wird gewöhnlich über Feuer mit Öl
gebräunt. Hin und wieder trifft man wohl auch bemalte oder mit farbigem Papier
verzierte Pfeile. Der Schaft hat sein bestimmtes Maß und ist in der Regel 0,900
m lang, 0,010 m dick. Am hinteren Ende, das mit einem Knoten auf&GER.nolig;hören muß, ist,
gerade noch unterhalb desselben, die mehr oder weniger tiefe Kerbe
eingeschnitten, die in die Sehne greift (Fig. 34 <cmd name="emph"><arg>b</arg></cmd>). Etwa 0,045 m höher beginnt das Gefieder, zwei
bis drei, höchstens vier Federn, die der Länge nach durchschnitten, angeleimt
und noch überdies mit Hanfsplint umwickelt sind. Das Gebinde wird noch besonders
mit rotem oder schwarzem Lack überzogen, was den Pfeilen ein gefälliges Aussehen
giebt. Mit der Güte, Farbe und Zeichnung des Gefieders, das man von Adlern,
Falken, Kranichen, wohl auch von Enten, Gänsen und selbst Fasanen nimmt, wird
eine wahre Spielerei getrieben. Man zählt an fünfzig verschiedene Arten, deren
jede einen eigenen, bedeutsamen Namen führt und nach charakteristischen
Merkmalen genau klassifiziert ist<ent:thinsp/>; eine Bereicherung an unfruchtbaren
Kenntnissen, die der Japaner den Oberjägern und Schützenmeistern seiner
Reichsgroßen zu verdanken hat, welche dort, zumal an den Höfen, ihrem
beschränkten Thun und Wissen einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben suchen.
Der lange Friede hat das Seine dazu beigetragen.</x>

<x>Wir wenden uns zur Spitze des Pfeiles, an der wir das Material, die Form und
die Art der Befestigung am Schafte zu berücksichtigen haben. Pfeile zur Übung
und Belustigung haben Spitzen von Holz, Horn und Eisen, welche stumpf, oft
selbst platt sind. Die Form wechselt vom pfriemförmigen ins lanzett&GER.hhy;, herz- und
gabelförmige, und der Geschmack an Mannigfaltigkeit hat selbst halbmond&GER.hhy;, kreuz-
und keulenförmige eingeführt. Die breiteren sind häufig mit Blumen durchbrochen.
Die gewöhnlichsten Formen findet man auf Fig. 34 <cmd name="emph"><arg>c, d, g,
h, i, k, l, m</arg></cmd> abgebildet. Was die Anheftung betrifft, so sind sie
meistens mittelst eines langen Stieles in den Schaft eingesetzt oder sie
bedecken kapselähnlich die Spitze des Schaftes. Letzteres ist namentlich mit den
platten, die bei Übungen dienen, der Fall.</x>

<x>Die Chinesen unterscheiden acht Arten von Pfeilen. In Bogen oder in gerader
Linie fliegende, für nahen und fernen Schuß, für die Jagd, wurfspießartige und
endlich gewöhnliche für Bogen und Armbrust. Auch von den japanischen Pfeilen
giebt es zahlreiche Arten. Zu den vornehmsten gehören:</x>

<x><cmd name="paragraph"><arg>Die Hornholzpfeile (Tsunoki ja).</arg></cmd> Der blanke Schaft, mit Schwanzfedern von
großen und kleinen Vögeln gefiedert, ist am unteren Ende gekerbt, am oberen mit
einer Spitze von Hirschhorn versehen. Man schießt damit zur Übung nach einem
Bund Stroh. <cmd name="beginpage" args="{311}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg310">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg311">311</xhtml:a><xhtml:a href="#pg312">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x><cmd name="paragraph"><arg>Der Scheibenpfeil (Mato ja).</arg></cmd> Das Eigentümliche dieses Pfeiles besteht darin,
daß er, um nicht zu verwunden, statt der Spitze einen platten Aufsatz hat, der
Ita tsuki, Stoßblatt, genannt wird. Man bedient sich seiner ausschließlich zum
Scheibenschießen.</x>

<x><cmd name="paragraph"><arg>Schauspielpfeile (Sasi ja).</arg></cmd> Der Schaft leicht gebräunt, das Gefieder von den
zweiten Schwungfedern der Enten, die Spitze von Holz. Er wird zur Erlernung des
Schießens und auf der Bühne gebraucht.</x>

<x><cmd name="paragraph"><arg>Spindelpfeile (Kuri ja).</arg></cmd> Der Schaft von einer sehr geschätzten Bambusart,
welche auf dem heiligen Berge K<ent:omacr/>jasan wächst und daher K<ent:omacr/>jasan take heißt<ent:thinsp/>; das
Gefieder von den ersten Schwungfedern wilder Enten, die Spitze von Holz. Mit
diesen Pfeilen schießt man nach einem sehr fernen Ziele, welches in früheren
Zeiten auf 60 Ken (114 Meter) ausgestellt wurde.</x>

<x><cmd name="paragraph"><arg>Centrumpfeile (Naka ja),</arg></cmd> den vorigen gleich<ent:thinsp/>; nur haben sie eine eiserne,
lanzettförmige Spitze. Fig. 34 <cmd name="emph"><arg>c, d, m, k</arg></cmd>.</x>

<x><cmd name="paragraph"><arg>Lanzenpfeile (Tokari ja).</arg></cmd> Das Gefieder besteht bei diesen aus vier Federn,
gewöhnlich von Falken. Die Spitze ist von Eisen, breitlanzettförmig,
durchbrochen und mit Widerhaken versehen. Fig. 34 <cmd name="emph"><arg>g, h,
i</arg></cmd>. Diese und die beiden vorhergehenden wurden vor Zeiten häufig im
Kriege gebraucht.</x>

<x><cmd name="paragraph"><arg>Rübenförmige Heulpfeile (Kabura ja).</arg></cmd> Unter einer gabelförmigen Spitze
befindet sich ein Knopf von Hirschhorn oder Stechpalmenholz, in Form einer Rübe
(Kabura) oder vielmehr Birne, mit zwei bis drei Öffnungen, welche im Fluge Luft
fangen und einen pfeifenden, heulenden Ton von sich geben. Man bedient sich
ihrer zur Übung und Belustigung, im Kriege zu Signalen. Ganz ähnliche trifft man
bei den Chinesen und Mongolen an. In der alten Geschichte der Hunnen wird ihrer
gedacht. Fig. 46 <cmd name="emph"><arg>d</arg></cmd>.</x>

<x><cmd name="paragraph"><arg>Gabelpfeile (Kari mata).</arg></cmd> Pfeile mit gabelförmigen Spitzen von mancherlei
Form. Man nennt sie Kari mata, Gänsebügel, wahrscheinlich von ihrer Ähnlichkeit
damit. Die Benennung setzt unseren japanischen Waffenbeschreiber in einige
Verlegenheit, da sie mancherlei Auslegungen unterliegt, die wir dahingestellt
lassen wollen. Für den Krieg und die Jagd auf größere Tiere, wozu sie bestimmt
gewesen sein sollen, sind diese Spitzen nicht sehr zweckmäßig. Jetzt bedient man
sich der Gabelpfeile nur noch auf der Vogeljagd und um als Ziel aufgesteckte
Gegenstände, gleich wie bei unserem Vogel- und Sternschießen, abzuschießen. Fig.
34 <cmd name="emph"><arg>l</arg></cmd>.</x>

<x><cmd name="paragraph"><arg>Kolbenpfeile, Zinto,</arg></cmd> d.<ent:thinsp/>i. Kami oder Geisterköpfe, eine Benennung, woraus
unser Japaner selbst nicht klug werden kann. Man schießt damit nach kleinen,
schmalen Gegenständen. Sie haben nur kleine oder gar keine Spitzen, und die
letzteren führen dann den Namen Hikime, Krötenaugen. Fig. 46 <cmd name="emph"><arg>c, f</arg></cmd>. Sie gleichen übrigens ganz den Kolbenpfeilen,
deren man sich in Sibirien zur Zobeljagd bedient.</x>

<x>Unter den vielerlei Formen von Pfeilspitzen wollen wir noch auf eine sehr
gefällige (Fig. 46 <cmd name="emph"><arg>e</arg></cmd>) aufmerksam machen,
welche dem Blatte des Pfeilkrautes (Sagittaria sagittifolia) nachgebildet ist,
und auf eine andere (Fig. 34 <cmd name="emph"><arg>g</arg></cmd>), die deshalb
beachtenswert ist, weil sie der bekannten Framea, dem Wurfspieß der Germanen,
gleicht. Auch wollen wir, der auffallenden Lautähnlichkeit wegen, das Wort
Cateja, womit Isidorus eine gallisches Wurfgeschoß bezeichnet, nicht unberührt
lassen.</x>

<x>Welche Bewandtnis es mit den alten Feuerpfeilen, deren hin und wieder unter
dem Namen Hija gedacht wird, gehabt habe, läßt sich nicht mit hinreichender
Bestimmtheit <cmd name="beginpage" args="{312}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg311">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg312">312</xhtml:a><xhtml:a href="#pg313">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> ermitteln. Man soll diese bei der ersten Expedition
gegen Sinra (200 unsr. Z.) angewandt haben, um die feindlichen Schanzen in Brand
zu stecken. Aber es liegen Gründe vor, diese Angabe in Zweifel zu ziehen.</x>

<x>In den Successionskriegen der Häuser Heike und Gensi (1182) kommen indessen
Feuerpfeile vor, deren Spitze oder hohler Pfeilschaft mit brennbaren Stoffen
versehen war, und die mit Bogen geschossen wurden. Fig. 46 <cmd name="emph"><arg>k, m</arg></cmd>. Nicht verwechselt mit ihnen dürfen die
Feuergeschosse werden, welche 1624<ent:ndash/>43 erfunden und gleichfalls Hi ja genannt
wurden. Diese sind im Grunde nichts anderes als Zündraketen in Pfeilform, Schaft
und Gefieder von hartem Holze oder Eisen<ent:thinsp/>; sie wurden aus Feuerschlünden
geschossen. Daß bei den Feuerpfeilen der frühesten Zeit eine dem Schießpulver
ähnliche Mischung gebraucht wurde, ist denkbar<ent:thinsp/>; Spuren von Pulver und
Feuerwaffen lassen sich wenigstens um die Mitte des 13. Jahrhunderts nachweisen.
Aber unser Feuergewehr kam, wie gesagt, erst im 16. Jahrhundert dort in
Aufnahme.</x>

<x>So weit das Wissenswerteste von den Pfeilen. Ehe wir von diesem Gegenstande
Abschied nehmen, wollen wir noch eines Aberglaubens, der auch bei den Pfeilen
eine Rolle spielt, gedenken. Man glaubt dort an Freipfeile, wie bei uns ehemals
an Freikugeln. Sie gehören den Geistern oder Kamis, deren unsichtbare Hand sie
leitet, und sind daher ungefiedert. Zingo K<ent:omacr/>go soll eine solchen geführt haben.
Schon die Benennung Zindsuno kuburaja, d.<ent:thinsp/>i. von Geistern geleitete, tönende
Pfeile, giebt über ihr Wesen Aufschluß.</x>





<cmd name="subsubsection" id="sssec-23"><arg>Von den Köchern</arg></cmd>



<x>Die Köcher haben eine doppelte Bestimmung. Sie dienen entweder dem Krieger,
Jäger und Scheibenschützen zur Bergung seiner Pfeile oder sie stehen als
Prunkstücke mit Bogen und Pfeilen in den Vorzimmern der Großen und in den Zelten
der Feldherren und gelten dann nebst anderen Waffen als Insignien des Ranges und
der Macht. Sie unterscheiden sich übrigens auch nach Form und Gebrauch mehrfach
und erhalten demgemäß verschiedene Namen. Die vorzüglichsten Köcher sind
folgende:</x>

<x>Der Siko, für Soldaten und Jäger. Er besteht aus einem halbkugelförmigen
Behälter zur Aufnahme der Pfeilspitzen. Ein einfaches Gestell ist stielartig
daran befestigt und oben mit einem Ringe versehen, der die Pfeile zusammenhält.
Der Behälter ist von leichtem Kiriholze (Paulownia imperialis), das Gestell von
Bambus oder Büffelhorn, lackiert und mit Messing beschlagen. Am Ringe befinden
sich gewöhnlich Schnüre zur Befestigung der Pfeile und am Stiel ein Haken, womit
man den Köcher entweder am Gurt oder an einer eigenen Vorrichtung am Harnisch
befestigen kann. Fig. 34 <cmd name="emph"><arg>r</arg></cmd> wird die Form
dieses Köchers anschaulich machen. Es giebt übrigens noch andere, recht
geschmackvolle dieser Art.</x>

<x>Der Utsubo ist eigentlich ein verschließbares Pfeilfutteral und zum Angürten
gemacht. Da dies sehr bequem ist, wird es von Reiterei und Fußvolk vorzugsweise
getragen. Unten an der Seite ist eine mit einem Deckel versehene Öffnung zum
Ein- und Ausnehmen der Pfeile. Es wird lackiert oder mit rohen Tierfellen
bekleidet und trägt gewöhnlich das Wappen von dem Besitzer oder dessen
Oberherrn. Auf Votivbildern und historischen Gemälden sieht man häufig die
japanischen Helden mit solchen Utsubos aus Bärenfellen. Es soll schon in
ältester Zeit in Gebrauch gewesen sein, und es läßt sich auch weit eher für ein
ursprünglich japanisches Machwerk annehmen <cmd name="beginpage" args="{313}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg312">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg313">313</xhtml:a><xhtml:a href="#pg314">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> als die vorausgehenden
Formen, die ohne Zweifel chinesischen Ursprungs sind. Der Köcher, wovon wir die
Abbildung auf Fig. 34 <cmd name="emph"><arg>n</arg></cmd> sehen, befindet sich
im Königlichen Kabinette von Seltenheiten im Haag. Es stammt aus der Sammlung
von J. Cock Blomhoff. Das Wappen darauf ist das von Inaba, wie es die
Kriegsleute dieses fürstlichen Hauses als Auszeichnung tragen. &lt;Fig. 35.
<cmd name="emph"><arg>Bogenschützen.</arg></cmd>&gt;</x>

<x>Die beiden folgenden Köcher, Janagui und Jebira genannt, werden jeder für
sich einzeln oder beide zusammengenommen als ein Geräte gebraucht. Das Janagui
ist eigentlich ein Futteral und das Jebira ein Tragkorb (Fig. 34 <cmd name="emph"><arg>o</arg></cmd>). Jenes ist von Leder oder Papiermaché und
lackiert. An dem Korbe befindet sich ein Gestell von Kupferdraht oder Bambus,
gleichfalls mit lackiertem Leder überzogen und mit Schnüren zum Befestigen
versehen. Bedient man sich des Tragkorbes allein, so wird er mit 24 Pfeilen
gefüllt<ent:thinsp/>; das Futteral dagegen faßt nur 10 Stück, oder, wie der Soldat nach
Schützenbrauch sich ausdrückt, fünf Griff. <cmd name="beginpage" args="{314}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg313">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg314">314</xhtml:a><xhtml:a href="#pg315">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Unser japanischer Schriftsteller spricht noch von einem seidenen Pfeilsack
oder Löcherüberzug (Ja-boro), dessen man sich bediene, um dem Auge des Feindes
die Zahl der Pfeile zu verbergen. Aber es scheint, daß dies Waffenstück, wohl
nur im Frieden gebräuchlich, der Ausrüstung irgend eines Vornehmen angehört.</x>

<x>Die Prunkgestelle für Bogen und Pfeile <ent:ndash/> sie heißen Tet<ent:omacr/>-kake <ent:ndash/> sind von
mannigfacher Form und Arbeit, bald korbähnlich, bald Sesseln und Tafeln
vergleichbar. Sie sind leicht tragbar und durchgehends so eingerichtet, daß sie
zwei Bogen und zwanzig Pfeile fassen, die darin geschmackvoll eingereiht
werden.</x>

<x>Von den beiden Bogen ist der eine ein Jang&GER.hhy;, der andere ein Jinbogen, d.<ent:thinsp/>i.
ein Männchen und ein Weibchen. Der größere oder geringere Grad der Kraft
bestimmt den Geschlechtsunterschied, der auch auf die Pfeile ausgedehnt wird.
Bei diesen müssen die Männchen natürlich schneller und weiter tragen und
schwerer verwunden. Wir wollen mit dem japanischen Krieger uns nicht auf das
vielbetretene Feld der Theorie von Jang und Jin begeben. Sie spielt in allen
Spekulationen der von China instruierten Völker eine wichtige Rolle. Nur scheint
diesmal der japanische Schütze, oder wer sonst diese Theorie hier in Anwendung
brachte, über seiner gelehrten Kombination vergessen zu haben, daß es dem
schönen Geschlechte seiner Nation bei aller Anmut nicht an heroischem Geiste
gebricht, und daß eine der glänzendsten Kriegsthaten der Vorzeit <ent:ndash/> die erste
Expedition nach dem asiatischen Festlande <ent:ndash/> das Werk eines Weibes, der Kaiserin
Zingo K<ent:omacr/>go, war.</x>





<cmd name="subsubsection" id="sssec-24"><arg>Vom mongolischen Bogen</arg></cmd>



<x>Unter den Geschenken, die der König von Kudara im Jahre 246 einem japanischen
Abgeordneten gab, befand sich das erste Muster des mongolischen Bogens, welchen
das alte japanische Geschichtsbuch Nipponki noch einen Tsuno-jumi oder Hornbogen
nennt. Er ward in Japan nachgemacht, und da er kleiner war und leichter zu
handhaben als der einheimische große, nahm man ihn auf Reisen in den Sänften
gerne mit sich und nannte ihn Kago-jumi, Sänftenbogen. Er diente eigentlich bloß
für den Fall der Notwehr, bis die Feuerwaffen auf&GER.nolig;kamen. Man fertigte ihn aus
Bambus und Fischbein, auf ähnliche Weise wie den großen Bogen, und führte ihn
nebst Pfeilen in einem siko-ähnlichen Köcher. (Fig. 34 <cmd name="emph"><arg>q</arg></cmd>) Die besten soll man in der Landschaft Kii
verfertigt haben. Gegenwärtig nennt man den mongolischen Bogen Han-kiu (chin.
Poen-kong), d.<ent:thinsp/>i. Halb-Bogen, im Gegensatz zu dem einheimischen großen, der
Dai-kiu heißt.</x>





<cmd name="subsubsection" id="sssec-25"><arg>Von den Hornbogen (Tsunojumi)</arg></cmd>



<x>So werden jetzt kleine, ehemals aus Büffelhorn, gegenwärtig von Fischbein
verfertigte Bogen genannt. Sie sind zierlich gearbeitet und können, wie die
Abbildung (Fig. 34 <cmd name="emph"><arg>a</arg></cmd>) zeigt, in drei Stücke
zerlegt und mit einigen Dutzend Pfeilen in einem Kästchen auf&GER.nolig;bewahrt werden. Sie
dienen teils als Spielzeug, teils zur Übung im Schießen. Einen vorteilhaften
Gebrauch wissen davon Gaukler zu machen, wenn sie Jahrmärkte und Kirchweihen
beziehen. Sie schlagen nämlich in den Tempelhainen Buden auf, die sie mit
bizarren Dekorationen ausschmücken, ganz wie die Buden italienischer
Polichinelli. Im Vordergrunde dieser Bühnen, wo gewöhnlich einer der sieben
Götter des Reichtums den Vorsitz hat, werden fünf oder sieben kleine weiße
Scheiben aufgestellt, und ein Marktschreier fordert das Volk auf, sich an den
Glückszielen zu versuchen, und bietet, vor einer auf Schußweite angebrachten
Schranke <cmd name="beginpage" args="{315}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg314">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg315">315</xhtml:a><xhtml:a href="#pg316">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> von Bambusstangen, gegen eine kleine Einlage, Bogen und
Pfeile an. Trifft jemand das Centrum einer Scheibe, so schnellt ein Orakel
herauf und begrüßt den Schützen mit einem Sinnspruch oder auch einem Zerrbilde
zur Belustigung der umherstehenden Menge.</x>





<cmd name="subsubsection" id="sssec-26"><arg>Von der Armbrust</arg></cmd>



<x>Unter dem Namen Do oder chinesisch eigentlich Nu finden wir in japanischen
Büchern ein Schießgewehr abgebildet, das ganz unsrer ehemaligen Armbrust gleicht
und durch die einfache Erklärung, daß es ursprünglich aus dem Bogen entstanden
sei, dem man gleichsam einen künstlichen Arm angesetzt, als solche bezeichnet
wird. Das Nu soll bei den Chinesen schon zu Zeiten Hoangtis gebräuchlich gewesen
sein. Nach Japan kam es im Jahre 618 und zwar als Tribut aus Korea.</x>

<x>Es bestehen von dieser Waffe zwei Arten. Die eine, welche hinsichtlich der
Form und Größe ganz mit unserer Armbrust im Mittelalter übereinstimmt, hat einen
Schaft mit kurzem Anschlage, woran ein (stählerner<ent:thinsp/>?) Bogen befestigt ist, der
mittelst eines Spanners gespannt und durch einen Drücker abgeschnellt wird.
Merkwürdiger ist die andere Art, welche in Japan <ent:Omacr/>jumi, großer Bogen, oder auch
Isijumi, Steinbogen, genannt wird, und sie verdient, wenn seit einigen
Jahrhunderten auch keine bestimmten Spuren ihres Gebrauches vorkommen,
einigermaßen unsere Aufmerksamkeit. Es ist eine kolossale, aus drei Bogen
zusammengesetzte Armbrust, welche auf einem besonderen Gestelle ruht, woran ein
Windenbaum zum Spannen der Sehnen angebracht ist. Wie jedoch die Sehnen in
Spannung gehalten und wie sie wieder losgelassen werden, das läßt sich an der
japanischen Abbildung allein, wovon wir eine Kopie in Fig. 46 <cmd name="emph"><arg>s</arg></cmd> geben, nicht genügend erkennen. Aus dem Stricke
mit Haken (<cmd name="emph"><arg>u</arg></cmd>) und dem Schlegel (<cmd name="emph"><arg>t</arg></cmd>), welche beide zur Maschine gehören, läßt sich
jedoch abnehmen, daß jener zum Anziehen und Spannen der Sehnen, dieser zum
Losschlagen derselben diente, was ohne Zweifel mittelst des Keiles geschah, den
wir am unteren Ende des Schaftes bemerken. Mit diesem Wurgeschoß wurden bei
Belagerungen Steine und Pfeile geschossen. Zu seiner Bedienung sollen fünf bis
zehn, ja bei einigen Maschinen selbst hundert Mann nötig gewesen sein. Das
Werkzeug ist eigentlich ein chinesisches und kam, wie es scheint, nur in
Abbildung nach Japan.</x>

<x>Zu den Wurfgeräten mögen noch die Schleudern (Furi dsunbai) gerechnet werden,
die man, wenigstens in älterer Zeit, auch im Kriege brauchte. Gegenwärtig
gehören sie bloß zu den Knabenspielen und sind, um Unglücksfällen vorzubeugen,
meistens verboten. Der den Stein umschlingende Strick ist an einem Stiele von
Holz oder Bambus befestigt.</x>

<x>Auch Schlagkugeln und Wurf&GER.nolig;haken kennt man in Japan, welch letztere in China
noch zur Ergreifung von Flüchtlingen dienen sollen und dort ihrer Gestalt wegen
Lung tschao, Drachenkrallen, genannt werden.</x>





<cmd name="subsubsection" id="sssec-27"><arg>Von den Lanzen, Spießen und anderen Waffen dieser Gattung</arg></cmd>



<x>Die Lanze ist ursprünglich ein verlängerter Stab, entweder von Bambus, in
welchem Falle das obere Ende bloß zugespitzt und in Feuer gehärtet ist, oder von
Holz und in diesem Falle mit einer besonderen Spitze von Knochen versehen. So
wenigstens waren die Lanzen und Wurfspieße unserer alten Japaner. Erst nachdem
ein Volk zu höherer Stufe der Kultur gelangt ist, verfällt es auf den Gedanken,
seine kurzen <cmd name="beginpage" args="{316}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg315">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg316">316</xhtml:a><xhtml:a href="#pg317">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Waffen, die Schwerter, Säbel und Streitäxte, dem langen
Schafte der ersteren anzufügen und gewinnt so jene Waffenarten, die wir mit den
Namen Lanze, Spieß, Speer, Hellebarde bezeichnen.</x>

<x>Die Mythe spricht von einem himmlischen Spieße des Schöpfers der japanischen
Inseln, und bildliche Darstellungen, die ein hohes Altertum verraten, geben
jenem eine Spitze, die dem altertümlichen Schwerte Tsurugi gleicht.</x>

<x>Wenn wir einen Blick auf die Mythen der Völker überhaupt werfen, so finden
wir, daß durchgängig die Wirklichkeit den Stoff zu ihrer Entstehung lieferte<ent:thinsp/>;
daher wird dieselbe für uns bedeutsam bleiben, wenn auch die fabelhafte
Ausschmückung wie ein Luftgebilde zerfließen sollte. Der Dichter, der Veredler
der alten Sagen, der die dunklen Ideen von übernatürlichen Wesen in würdigen
Formen verkörpern soll, muß nach dem greifen, was ihm in der Außenwelt, in
seiner eigenen Nation und Kunst entgegentritt. Hieraus wählt er das Erhabenste,
das Vortreff&GER.nolig;lichste und trägt es in den Kreis vorgeschichtlicher Sagen hinüber.
Wir können daher aus den Formen und Einzelheiten mythologischer Einkleidungen
wieder manchen Schluß auf den Kulturzustand jener Zeiten ziehen, da die Sage
ihre tiefere poetische Ausbildung erhielt. Wenden wir das Gesagte auf die oben
berührte Schöpfungsmythe an, so werden wir daraus abnehmen können, daß Spieße
von edlem Metalle, ähnlich dem himmlischen des Izanagi, bestanden haben mußten
als eine Waffe alter japanischer Fürsten, noch ehe die übrigen Formen dieser
Waffenart durch die Berührung mit dem asiatischen Festlande bekannt und
nachgeahmt wurden.</x>

<x>Die Spieße asiatischen Ursprungs zeichneten sich durch eigentümliche Merkmale
aus. Ihre Metallspitzen waren entweder stumpf und meißelförmig breit, oder
spitzig, schmal und geflammt und dann abwärts mit einem sichelförmigen Quereisen
versehen. Der Schaft war wenigstens sechs Fuß lang und das untere Ende mit
Metall beschlagen.</x>

<x>Seit dem 8. Jahrhundert kam in Japan eine Waffe auf, welche den Vorteil des
Säbels mit dem der Lanze vereinigte, indem ein Säbel auf einen langen Schaft
gesetzt ward (Fig. 37 <cmd name="emph"><arg>o</arg></cmd>). Sie hat daher den
Namen Naginata, langer Säbel, erhalten. Auch diese Waffe soll fremden Ursprungs,
Nachahmung einer auswärtigen sein. Offiziere von Rang pflegten bis gegen das
Jahr 1160 ein Naginata, als tüchtige Waffe zur Rechten ihres Sitzes
aufzupflanzen. Später ließen die Fürsten und Reichsgroßen sie unter den
Insignien hinter ihrer Sänfte hertragen, und in gleicher Eigenschaft folgen sie
nun auch den Sänften vornehmer Frauen und geben bei feierlichen Aufzügen den
Stand ihrer Männer an. Einige sehr schöne Exemplare dieser Waffe befinden sich
in der Kunst- und Rüstkammer zu Dresden.</x>

<x>Zu den in neuerer Zeit in Japan gebräuchlichen Lanzen und Spießen gehören
außer der eben erwähnten noch folgende:</x>

<x>Die Lanze Jari, angeblich als eine Nachahmung der chinesischen (Tsiang) ums
Jahr 1467 eingeführt. Modifikationen derselben sind:</x>


<env name="enumerate">
    <grp name="item" bg="" eg="">
        Die Sujari oder geraden Lanzen, welche blank und ohne Verzierung sind und
        eine einfache, zweischneidige Spitze führen. (Fig. 37 <cmd name="emph"><arg>a</arg></cmd> und <cmd name="emph"><arg>b</arg></cmd>).
        </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        Die Katakama jari, Spieße mit einem sichelförmigen Quereisen, nach einer
        Seite hin. (Fig. 37 <cmd name="emph"><arg>c</arg></cmd>) Die mit doppeltem
        werden, wenn die Sichelfortsätze aufwärts gebogen sind (Fig. 37 <cmd name="emph"><arg>d</arg></cmd>), Magari jari, wenn abwärts, Morokama jari
        genannt. <cmd name="beginpage" args="{317}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg316">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg317">317</xhtml:a><xhtml:a href="#pg318">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> &lt;Fig. 36. <cmd name="emph"><arg>Die Kaiserin Zingo K<ent:omacr/>go und ihr Feldherr
        Takenoutsi.</arg></cmd>&gt; <cmd name="beginpage" args="{318}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg317">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg318">318</xhtml:a><xhtml:a href="#pg319">&gt;</xhtml:a></arg></cmd>
        </grp>
    <grp name="item" bg="" eg="">
        Die Kreuzspieße, an welchen das Quereisen einen rechten Winkel mit der
        Klinge bildet und dem Spieße die Form eines Kreuzes oder chinesischen Zehners
        giebt, wovon sie ihre Benennung Zjumonzi- (schi wen dsü) jari tragen. (Fig. 37
        <cmd name="emph"><arg>c</arg></cmd>).
        </grp>
</env>

<x>Die Spitzen der Jaris sind von Stahl, durchgehends zweischneidig und dabei in
der Art geschliffen, daß sie auch auf beiden Flächen eine scharf zulaufende
Kante bilden. Die Flächen sind poliert, bisweilen auch gefurcht. Etwa zwei Fuß
unter dem Einsatz der Spitze befindet sich gewöhnlich eine Querstange, der
Knebel, und an derselben Stelle oft auch seidene Quasten. &lt;Fig. 37. <cmd name="emph"><arg>Lanzen
und Speere.</arg></cmd>&gt;</x>

<x>Um die Lanzenklingen zu bewahren, zieht man besondere Scheiden und Futterale
darüber, die teils aus leichtem, lackiertem Holze, teils aus Wollentuch,
Tierfellen oder Federn bestehen. Sie kommen unter den mannigfaltigsten,
sonderbarsten Formen vor, die unverändert, wie sie in früherer Zeit festgesetzt
worden, beibehalten und mit der dieser Nation eigenen Genauigkeit beobachtet
werden. Die Jaris führen nach diesen Formen verschiedene Namen, als<ent:thinsp/>: Abb. <cmd name="emph"><arg>f</arg></cmd> Wonomi kuda jari, d.<ent:thinsp/>i. schwanzförmige <cmd name="beginpage" args="{319}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg318">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg319">319</xhtml:a><xhtml:a href="#pg320">&gt;</xhtml:a></arg></cmd>
Walzenlanze<ent:thinsp/>; Abb. <cmd name="emph"><arg>g</arg></cmd> Kagijari, Schlüssellanze<ent:thinsp/>;
Abb. <cmd name="emph"><arg>h</arg></cmd> Kudajari, Walzenlanze<ent:thinsp/>; Abb. <cmd name="emph"><arg>i</arg></cmd> Sjunagaje, zinnoberfarbiger Langschaft<ent:thinsp/>; Abb. <cmd name="emph"><arg>k</arg></cmd> Kumage nagasaja, bärenhaarige Wurfspießscheide<ent:thinsp/>;
Abb. <cmd name="emph"><arg>l</arg></cmd> Tennagesaja, wieselhaarige
Wurfspießscheide<ent:thinsp/>; Abb. <cmd name="emph"><arg>m</arg></cmd> Sirotataki, weißes
Tataki<ent:thinsp/>; Abb. <cmd name="emph"><arg>n</arg></cmd> Abura torigenagaje, Nagaje mit
glänzenden Hahnenfedern. Dies sind die gebräuchlichsten Formen der
Lanzenfutterale, mit welchen man bekannt sein muß, um sie als Insignien der
Fürsten und Reichsgroßen unterscheiden zu können.</x>

<x>Der Schaft der Lanzen ist gewöhnlich von Eichenholz (Quercus glauca),
zuweilen auch vom Holze des japanischen Mispelbaumes (Eriobotrya japonica) oder
der Besenpalme (Chamaerops excelsa). Er ist acht bis zehn Fuß lang und mit Eisen
oder anderem Metalle beschlagen. Auch bei den Lanzen und Spießen bewährt sich
der gute Stahl und die saubere Arbeit, welche an Säbeln und anderen Waffen und
Geräten die Aufmerksamkeit und Bewunderung europäischer Kunstkenner auf sich
gezogen haben. Der Beschlag und die sonstigen Verzierungen des Schaftes haben
ihre besonderen Namen, in deren Anhäufung sich die militärische Kunstsprache in
hundertjähriger Friedenspause erschöpft hat. Für uns wird es genügen, wenn wir
mit folgenden Benennungen bekannt werden<ent:thinsp/>: Saki, die eiserne Lanzenspitze, die
Klinge<ent:thinsp/>; Kutsi gane, der Metallring, worin die Klinge eingelassen ist<ent:thinsp/>; Kagi, die
Querstange oder der Knebel<ent:thinsp/>; Isidsuki, die Zwinge oder der Beschlag am unteren
Ende. Von letzterem kommen vielerlei Formen vor, worunter besonders einige
antike sehr gefällig sind. Auch finden sich etliche mit einem Loche versehen, um
mit einer Schnur oder Riemen befestigt, oder nach dem Wurfe wieder zurückgezogen
werden zu können.</x>

<x>Die Jaris werden von Fußvolk und Reitern geführt. Außer den damit bewaffneten
Soldaten darf niemand im Lande Lanze und Spieß führen, dem sie nicht von Reichs
wegen als Zeichen der Würde und Macht zuerkannt sind<ent:thinsp/>; selbst jene Edelleute vom
Ritterstande (Buke) nicht, welche keine öffentlichen Chargen bekleiden, oder
unter 200 kok (ungefähr 2400 Gulden) Einkünfte haben. Jari und Naginata spielen
als Insignien eine große Rolle. Sie figurieren neben andern Würdenzeichen in den
Vorsälen der Großen und werden dem Inhaber bei seinem Ausgange nachgetragen und
zwar den Reichsfürsten, hohen Staatsbeamten und Stabsoffizieren in gerader
aufrechter, den Beamten und Offizieren untergeordneten Ranges in schiefer
Richtung. Die Zahl derselben, ihre Form, Gestalt und Farbe unterliegen ebenso
genauen Bestimmungen wie die Wappen, Flaggen und andern Würdezeichen, was alles
im Staatskalender angegeben und bildlich dargestellt wird.</x>





<cmd name="subsubsection" id="sssec-28"><arg>Vom Seitengewehre</arg></cmd>



<x>Nur bei solchen Völkern, welche bereits einige Fortschritte in ihrer
Gesittung gemacht haben, finden wir Schwerter, Säbel und ähnliche Seitengewehre
von Eisen oder anderem Metalle als eigenes Machwerk. Vor der Bekanntschaft mit
Metallen und deren Bearbeitung vertraten Keulen und Streitäxte von hartem Holz
oder Stein ihre Stelle. Die japanische Sagenkunde spricht zwar vom Schwerte
Tsurugi, womit der Gott Izanagi den Kakudsutsi (Trommelschläger) in Stücke hieb<ent:thinsp/>;
doch wir wollen diese Sage nicht weiter berücksichtigen. Nach geschichtlichen
Angaben hat Prinz Inisiki, der unter der Regierung des Mikado Suinin (29<ent:ndash/>71 n.
Chr.) lebte, die ersten Schwerter in Japan verfertigt. Nach den Abbildungen, die
sich in archäologischen <cmd name="beginpage" args="{320}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg319">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg320">320</xhtml:a><xhtml:a href="#pg321">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Originalwerken finden, ist das Tsurugi ein
gerades zweischneidiges Schwert, das nach der stumpfwinkeligen Spitze hin breit
zuläuft. Das Gefäß ist mit einem Stichblatte versehen, und der Knopf hat ein
Loch zur Befestigung der Degenquaste. Das Tsurugi, wovon wir in Fig. 46 <cmd name="emph"><arg>h</arg></cmd> eine Abbildung geben, gleicht ganz dem
chinesischen Kiën, Fig. 46 <cmd name="emph"><arg>r, q</arg></cmd>, das ihm ohne
Zweifel auch zum Muster gedient hatte. Auch mit dem Schwerte, welches bei den
Römern nach dem zweiten punischen Kriege eingeführt wurde, hat es eine nicht zu
verkennende Ähnlichkeit. &lt;Fig. 38. <cmd name="emph"><arg>Säbel, Schwerter und Dolche.</arg></cmd>&gt; Die
Chinesen führen den Ursprung ihres Kiën bis auf Hoangti zurück, und die ältesten
dieser Waffen sollen aus Metall gegossen gewesen sein. Ein Tsurugi gehört zu den
Throninsignien des Mikado, und es knüpft sich daran die wunderbare Sage, es habe
sich im Schweife des achtköpfigen Drachen, den einst der vergötterte Held
Susano-<ent:omacr/> erlegte, vorgefunden. Darum wird auch der Drache, Tatsu, das fünfte
Zeichen im Tierkreise, auf Malereien und in Bildhauerarbeiten mit einer dem
Tsurugi ähnlichen Schwanzspitze dargestellt. Dasselbe Schwert ward später dem
gefeierten Helden Jamatotake von der Priesterin Jamato hime als Talisman
gegeben, als er von seinem Zuge gegen die östlichen Wilden in den Tempelhallen
<cmd name="beginpage" args="{321}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg320">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg321">321</xhtml:a><xhtml:a href="#pg322">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> der Sonnengöttin zu Ise sein Gebet verrichtete. Auch in
buddhistischen Abbildungen kommt das Tsurugi als Emblem brahmanischer,
buddhistischer und lamaischer Gottheiten vor.</x>

<x>Die gegenwärtig in Japan gebräuchlichen Seitengewehre sind das Tatsi, auch
Jebuno tatsi, und das Zindatsi <ent:ndash/> große Staatssäbel<ent:thinsp/>; das Katana, ein langer
Säbel, und das Wakisasi, ein ähnlicher kürzerer<ent:thinsp/>; ferner das Sasizoje und das
Kwaiken <ent:ndash/> kleine dolchähnliche Waffen, erstere von Männern, letztere von
Edelfrauen getragen. Das Jebuno tatsi, Fig. 38 <cmd name="emph"><arg>a</arg></cmd>, und das Zindatsi, Fig. 38 <cmd name="emph"><arg>b</arg></cmd>, sind Prunksäbel, die als Würdezeichen am Hofe
des Mikado und von Oberpriestern des Kamidienstes, überhaupt vom Kugestande
getragen werden. In alten Zeiten, wo die weltliche Macht noch mit der
geistlichen vereinigt war, durfte bloß der Kriegsminister (Dai sj<ent:omacr/>) den Säbel
Tatsi tragen. Die genannten Prunksäbel unterscheiden sich von den übrigen
Seitengewehren besonders dadurch, daß sie mittels langer Riemen an einer Koppel,
womit man sich umgürtet, befestigt werden, während man alle anderen
Seitengewehre in den Leibgürtel zu stecken pflegt, und zwar mit aufwärts
gekehrter Schneide. In der Kunstsprache heißt ersteres haki, umgürten, letzteres
sasi, anstecken. Das Stecken der Säbel in den Gürtel soll die älteste Tragweise
derselben sein. Das Gefäß der Staatssäbel ist wie bei allen japanischen Säbeln
ohne Bügel, mit Rochenhaut (Same kawa) bekleidet und oft mit Seidenschnüren
überzogen. Es ist so lang, daß es mit beiden Händen gefaßt werden kann. Das
Stichblatt ist teils rund, teils viereckig oder herzförmig ausgeschweift, platt
und durchbrochen, von Eisen, mit Gold und Silber oder andern Metallen eingelegt<ent:thinsp/>;
ebenso sind Knopf, Zwinge und Koppelringe kunstvoll und prächtig gearbeitet. Die
Scheide ist gewöhnlich schwarz oder rot lackiert, zuweilen auch von Rochenhaut<ent:thinsp/>;
die Klinge, etwas gekrümmt, ist mit dem Griffe 1,213 Meter lang und von
vorzüglicher Güte. Das auf Fig. 38 <cmd name="emph"><arg>a</arg></cmd>
abgebildete Tatsi, dessen Zeichnung nach einem Modelle genommen ist, wurde vom
Mikado Go siragawa (reg. 1156<ent:ndash/>1159) getragen.</x>

<x>Die eigentlichen Soldatensäbel sind das Katana und das Wakisasi. Sie bilden
zusammen ein Säbelpaar, das man gemeinhin Daisj<ent:omacr/> nennt, und das nur der
Bukestand <ent:ndash/> Reichsadel und Soldaten <ent:ndash/> führt. Dieses Vorrecht ward beiden
Ständen durch eine Verordnung vom Jahre 1682 erteilt. Reichsadel und Soldaten
sind also zum Tragen dieser zwei Säbel verpflichtet, eine Sitte, welche im
Dienst sehr beschwerlich fällt, zumal den jungen, oft kaum zehnjährigen
Stellvertretern ihrer Väter, die sich mit ihren großen Seitengewehren, welche
ordonnanzmäßig nur bis zur Hälfte im Leibgurte stecken, ganz lächerlich
ausnehmen und einem unwillkürlich jene bekannte höhnische Frage entlocken<ent:thinsp/>:
&CMD.dlq;Quis te gladio alligavit<ent:thinsp/>?&CMD.drqsp; Das Katana Abb. <cmd name="emph"><arg>c</arg></cmd> ist gewöhnlich einen Meter lang, weniger gekrümmt
als das obenerwähnte Tatsi, übrigens von ähnlicher Anfertigung. Koppelringe
fehlen ihm. Das Wakisasi ist etwas kleiner und gerader als das Katana.</x>

<x>Bürger und Bauern, Beamte, Wächter und Bediente dürfen bloß einen kurzen,
mehr oder weniger gebogenen und mit einem kleineren Gefäße versehenen Säbel,
ähnlich dem Wakisasi Abb. <cmd name="emph"><arg>d</arg></cmd> tragen<ent:thinsp/>; die
kleineren, geraden nennt man gemeinlich Sasi zoje, Abb. <cmd name="emph"><arg>f</arg></cmd>. Edelfrauen und vornehme Herren führen zu Hause
das obenerwähnte Kwaiken zur Auszeichnung oder auch zur Notwehr. Einige
ausgezeichnete Formen des letzteren sind auf Fig. 38 <cmd name="emph"><arg>g,
i</arg></cmd> gegeben<ent:thinsp/>; erstere soll man von dem vergötterten Helden Hatsimantar<ent:omacr/>
Minamoto Josiije herstammen. Eine der Abb. <cmd name="emph"><arg>i</arg></cmd>
ähnliche <cmd name="beginpage" args="{322}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg321">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg322">322</xhtml:a><xhtml:a href="#pg323">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Waffe dient zum Leibaufschlitzen. Die zu diesem Zwecke
bestimmten Werkzeuge zeichnen sich durch Einfachheit aus und haben Griff und
Scheide von dem weißen unlackierten Holze des Lebensbaumes (Thuja Hinoki). Noch
ist ein eigentümliches Seitengewehr, das Hatsi wari, zu erwähnen, welches
Feldhüter und Straßenaufseher tragen. Es hat etwa die Größe des Sasi zoje und
eine viereckige, pfriemförmig zulaufende Klinge. (Abb. <cmd name="emph"><arg>k</arg></cmd> und <cmd name="emph"><arg>l</arg></cmd>).</x>

<x>In den nördlichen Landschaften Japans tragen Leute aus dem Bürger- und
Bauernstande häufig Seitengewehre, welche nach Art der Abb. <cmd name="emph"><arg>h</arg></cmd> und <cmd name="emph"><arg>k</arg></cmd> mit
künstlichem Schnitzwerk verziert sind. Sie erinnern uns an die Jagdmesser der
Aino, ihrer Nachbarn, deren Kunstsinn sich mit mannigfaltiger Verzierung dieser
Geräte beschäftigt.</x>

<x>Das Tragen der Seitengewehre ist demnach in Japan eine allgemeine Sitte, und
mit Ausnahme der Mönche, Krämer, Bettler und der verachteten Volksklasse Jeta
trägt jeder Mann, wenn auch nicht im täglichen Leben, doch an Festtagen, bei
Feierlichkeiten, Konvenienzbesuchen, im Dienste oder auf Reisen, einen
Säbel.</x>

<x>Der Japaner ist stolz auf sein Seitengewehr<ent:thinsp/>; er hält es hoch in Ehren.
Achtung für diese Waffe wird ihm in früher Jugend eingeprägt, und schon dem
Knaben, wenn er sein fünftes Jahr erreicht hat, wird der Säbel, unter
Beobachtung gewisser Feierlichkeiten, von seinen Eltern übergeben und erlaubt,
denselben zu tragen. Sein Seitengewehr behandelt jeder mit Achtsamkeit<ent:thinsp/>; führt er
es nicht bei sich, so ist es in seiner nächsten Umgebung. Bei Tage prunkt es auf
einem eigenen Gestelle (Katana kake), des Nachts liegt es zur Seite der
Schlafstätte. Der moralische Einfluß dieser Sitte ist unverkennbar<ent:thinsp/>; schon der
Knabe, der mit seinem Säbelpaare einherschreitet, zeigt den Ernst und die
Gesetztheit des Erwachsenen. Stand und Vermögen haben diese nationale Waffe zum
Gegenstande des Luxus erhoben. Die Güte der Arbeit, oft bloß der Name eines aus
alter Zeit berühmten Meisters oder Besitzers steigern den Wert eines Säbels oder
einer Klinge zu außerordentlichen Preisen. Man hat solche, die mehrere tausend
Gulden kosten.</x>

<x>Wie der japanische Schütze bei Pfeil und Bogen, so sieht der Soldat auch bei
seinem Säbel auf gewisse gute Eigenschaften. Die Klinge ist ihm das Wichtigste,
dann das Stichblatt, überhaupt das Beschläge des Gefäßes. Die Scheide, obwohl
kostbar lackiert und beschlagen, gilt als Nebensache. Auffallend genug mag es
sein, daß der japanische Ritter, durch den Einfluß eines hundertjährigen
Friedens verweichlicht, noch so hohen Wert auf die wesentlichen Vorzüge seiner
Waffen setzt. Aber seine Voreltern waren ein tapferes vaterlandliebendes Volk,
das die Thaten seiner Helden in seinen Geschichtsbüchern verherrlicht hat, und
das Andenken derselben hat sich so lebhaft erhalten, daß der Krieger noch
heutigen Tages nicht allein die von den berühmten Ahnen stammenden Waffen hoch
in Ehren hält, sondern auch fortwährend mit den tüchtigsten
Verteidigungswerkzeugen sich versieht, um, wenn ihn die Stimme des Vaterlandes
ruft, gleich große Heldenthaten, wie seine vergötterten Voreltern verrichten, zu
können.</x>

<x>Die japanischen Säbelklingen sind von vorzüglicher Güte, und die Japaner
behaupten, daß sich ihnen keine von auswärtigen Ländern an die Seite setzen
lassen. Sie sind nicht damasciert, sondern von Cement-Stahl verfertigt, daher
sehr hart und wenig elastisch. Das Verfahren des Cementierens ist äußerst
einfach, verdient aber unsere Aufmerksamkeit um so mehr, da daraus hervorgeht,
daß der gepriesene japanische Stahl, gleich wie der indische Wootzstahl, außer
dem Kohlenstoff auch mit <cmd name="beginpage" args="{323}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg322">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg323">323</xhtml:a><xhtml:a href="#pg324">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Aluminium und Silicium verbunden ist. Nach
der Mitteilung eines glaubwürdigen Mannes <ent:ndash/> Mogami Tokunai <ent:ndash/> geschieht die
Cementation auf folgende Weise<ent:thinsp/>: Die aus gutem Stabeisen geschmiedeten Klingen
werden mit einem Teig aus Pottasche, Thon- oder Porzellanerde und Kohlenpulver
überzogen und an der Sonne getrocknet, hierauf dem Feuer ausgesetzt und so lange
erhitzt, bis die Cementmasse eine weiße Farbe annimmt. &lt;Fig. 39.
<cmd name="emph"><arg>Waffenbeschläge und Ornamente.</arg></cmd>&gt; Die glühende Klinge wird nun in lauwarmes
Wasser, das aus <ent:frac35/> siedendem <cmd name="beginpage" args="{324}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg323">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg324">324</xhtml:a><xhtml:a href="#pg325">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> und <ent:frac23/> kaltem erhalten wird, getaucht
und allmählich abgekühlt. Oft erhitzt man bloß die Schneide der Klinge, und dann
geschieht die Abkühlung in kaltem Wasser. Daß man aus unverrosteten
Überbleibseln von Eisen auch auf Japan, wie bei den alten Celtiberiern, Klingen
von vorzüglicher Güte schmiedet, ist mir nicht bekannt. Übrigens lassen sich die
gepriesenen Vorzüge, welche Klingen aus ältester Zeit besitzen sollen, durch ein
ähnliches Verfahren, nämlich Umschmieden der alten Klinge erklären. Von den
berühmtesten Klingenschmieden (Kasi) und ihren Monogrammen bestehen gedruckte
Verzeichnisse.</x>

<x>Die Säbel sind durchgehends scharf geschliffen und werden sorgfältig in
diesem Zustande erhalten. Zum Schleifen bedient man sich einer Art
Schleifsteine, die den berühmten levantinischen ähnlich sind. Sie sind von
vorzüglicher Güte, und ihre Ausfuhr ist streng verboten.</x>

<x>Nächst der Klinge wird auf das Gefäß die meiste Sorgfalt verwendet. Die
Stücke, aus denen es besteht, sind luxuriös zusammengesetzt. Das Säbelgefäß
eines vornehmen oder wohlhabenden Japaners ist eine wahre Sammlung von
Kleinodien und Kunstsachen, mit Geschmack und Kenntnis zu einem Ganzen
vereinigt. Es lohnt sich der Mühe, einige solcher Gefäße zu zergliedern und
kritisch zu betrachten. Auf Fig. 39 haben wir ein ganzes Gefäß und mehrere
Stücke einzeln abgebildet. Die Gegenstände sind so gewählt, daß sie uns die
eigentümlichen Züge des japanischen Volkscharakters in bis jetzt unbeachteten
Zeichen und Bildern erkennen lassen. Die einzelnen Stücke gehören zur Garnitur
von Säbeln verschiedener Volksklassen. Abb. <cmd name="emph"><arg>s</arg></cmd>
zeigt ein vollständiges Gefäß eines Säbels, der von einem reichen Privatmanne
getragen wurde. Stichblatt (Tsuba), Knopf und Ring des Griffes, wie auch die
eingeflochtenen Verzierungen sind von Messing und vergoldet. Der Griff (Tsuka)
ist mit kostbarer Rochenhaut überzogen und mit einer seidenen Schnur zierlich
umwickelt. Auf dem durchbrochenen Stichblatte sind zwei Tiere der chinesischen
Mythologie, das Kirin und der Vogel H<ent:omacr/>, angebracht, deren Erscheinen auf Erden
Glück und Wohlsein verkündet. Der letztere wiederholt sich in dem am Griffe
eingeflochtenen Emblem. Diesem gegenüber befindet sich, auf die gleiche Weise
befestigt, das in Abb. h abgebildete Relief <ent:ndash/> ein gezäumtes, von einem Affen
geleitetes Pferd. Auch dieses ist ein Symbol und zwar des aus Landbau und Handel
entsprießenden Wohlstandes. Der ganze Säbel ist auf Fig. 38 <cmd name="emph"><arg>d</arg></cmd> abgebildet, und die Scheide eines kleinen Messers
daran enthält als Ornament eine Grille auf einem Grashalme <ent:ndash/> das Bild eines
stillen Abends des Lebens. So sprechen sich in den Emblemen seiner Waffe die
friedlichen Gesinnungen eines wohlhabenden Bürgers aus.</x>

<x>Das Stichblatt, Abb. <cmd name="emph"><arg>a</arg></cmd>, ist aus vier
Venusmuscheln zusammengesetzt. Die darauf erhaben in Silber und Gold
gearbeiteten Bilder spielen auf die vier Jahreszeiten an<ent:thinsp/>: der blühende
Pflaumenzweig bedeutet den Frühling, die Orchis den Sommer, die fruchttragende
Rebe den Herbst und der immergrüne Bambus den Winter. Auch die drei
Schriftzeichen, welche mit der altchinesischen Schrift Schang fang ta tschuen
Ähnlichkeit haben und deren Entzifferung uns nicht gelang, haben ohne Zweifel
eine allegorische Bedeutung.</x>

<x>Zu diesem Stichblatt passen die Vignetten Abb. <cmd name="emph"><arg>m</arg></cmd>, der Gott des Reichtums, Abb. <cmd name="emph"><arg>g</arg></cmd>, der Gott der Zeit und Abb. <cmd name="emph"><arg>p</arg></cmd>, Embleme des geselligen Lebens, Geräte zur
Bereitung des grünen Thees. Überlassen wir die Wahl derartiger Säbelgarnituren
dem glücklichen Mittelstande, der sich von Landbau und Gewerbe nährt. Noch
bleiben uns Verzierungen, welche, auf Heroen- und Heidenscenen anspielend, die
Säbel der <cmd name="beginpage" args="{325}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg324">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg325">325</xhtml:a><xhtml:a href="#pg326">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Ritter schmücken. Alle Bildchen haben Bedeutung<ent:thinsp/>; sie sind
der vaterländischen Geschichte entnommen. In den Umrissen auf dem Stichblatte,
Abb. <cmd name="emph"><arg>c</arg></cmd>, läßt sich eine Scene aus dem Gefechte
bei Kawasaki im Jahre 1057 erkennen, worin der jugendliche Held Josiije sich
unsterblichen Ruhm erwarb<ent:thinsp/>; auf dem Griff&GER.nolig;knopfe, Abb. <cmd name="emph"><arg>i</arg></cmd>, zeigt sich das Bild des Kriegsgottes W<ent:omacr/>zin, als
Hatsi man oder Kami der acht Flaggen usw. Abb. <cmd name="emph"><arg>f</arg></cmd> und <cmd name="emph"><arg>n</arg></cmd> sind
niedergelegte Waffen und Rüstungen und spielen auf Krieg und Frieden an.</x>

<x>Diese in Relief und durchbrochen gefertigten Arbeiten verdienen eine
besondere Aufmerksamkeit. Sie sind ein Mosaik aus verschiedenen Metallen, werden
im Lande selbst Sjakd<ent:omacr/> genannt. Man hat ausgezeichnete Kunstwerke dieser
Art.</x>

<x>Eine Erwähnung verdient noch das Abb. <cmd name="emph"><arg>d</arg></cmd> und
<cmd name="emph"><arg>q</arg></cmd> abgebildete Messer, welches sich gewöhnlich
an den Seitengewehren, die wir als Wakisasi und Sasizoje kennen gelernt haben,
befindet. Abb. <cmd name="emph"><arg>r</arg></cmd> ist der untere Teil einer
Scheide mit der Zwinge (Kosiri) und Abb. <cmd name="emph"><arg>l</arg></cmd> ein
Beschläge am oberen Teil der Scheide, woran ein Band zur Befestigung des Säbels
im Gürtel angebracht wird. Abb. <cmd name="emph"><arg>b</arg></cmd> ist ein
einfaches Stichblatt mit bedeutungslosen Verzierungen.</x>





<cmd name="subsubsection" id="sssec-29"><arg>Von der Streitaxt, dem Streithammer und anderen alten Hiebwaffen</arg></cmd>



<x>Die Streitaxt (Masakari, d.<ent:thinsp/>i. Schlachtbeil) gehört nunmehr unter die
veralteten Waffen. Sie wurde zu den Zeiten Zingus, zu Anfang des dritten
Jahrhunderts, in Japan bekannt und kam ohne Zweifel vom benachbarten Festlande
herüber. In China ist sie noch heutigen Tages als Insignie im Gebrauch, und in
einer chinesischen Bilderfibel finden wir Abbildungen solcher Beile, deren
einige viel Ähnlichkeit mit den römischen Fasces. Auch Dr. O. Dapper hat
Abbildungen solcher Beile mitgeteilt. Die merkwürdigsten Formen davon sind auf
Fig. 46 <cmd name="emph"><arg>g, a, i</arg></cmd> und <cmd name="emph"><arg>l</arg></cmd> abgebildet.</x>

<x>Auch von Streithämmern, Streitkolben und anderen derartige Waffen des
Altertums finden sich Spuren. Eiserne Streitkolben, ähnlich den sogenannten
Morgensternen, sieht man auf Votivbildern unter den Waffen der Heroen, und
einige sehr merkwürdige Schwerter mit kolbenartiger Verdickung an der Spitze
wurden im Gebirge Hikosan in der Landschaft Buzen auf Kiusiu ausgegraben. Diese
alten Waffen, deren Abbildung (Fig. 50 <cmd name="emph"><arg>b, c</arg></cmd>)
ich einem Freunde verdanke, sind von Eisen und samt dem Griffe 1,251 Meter lang.
Der Griff mißt 0,342 Meter, woraus sich schließen läßt, daß diese Hiebwaffe mit
beiden Händen geführt wurde. Sie scheint aus Indien zu stammen, und wir erkennen
dieselbe in der Hand des auf dem Titelblatte unseres Nippon dargestellten
Marisiten. Chinesen und Koreaner waren übrigens damit in frühester Zeit bekannt.
Bemerkenswert ist noch ein anderes Schwert, welches im Gebirge <ent:Omacr/>mijama in der
Landschaft Tanba auf Nippon ausgegraben wurde. Es ist 1,516 Meter lang und auf
dem Rücken 0,038 Meter dick. Der gleichfalls eiserne Griff ist zugerundet und
hat Einschnitte zum Einlegen der Finger. Die Klinge läuft nach vorne allmählich
breiter zu und hat eine beinahe rechtwinkelig abgestumpfte Spitze <ent:ndash/> ein
kolossales Schlachtschwert, dessen Form uns an das griechische und an das alte
römische Schwert erinnert (Fig. 50 <cmd name="emph"><arg>a</arg></cmd>).
<cmd name="beginpage" args="{326}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg325">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg326">326</xhtml:a><xhtml:a href="#pg327">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>





<cmd name="subsection" id="ssec-3"><arg>Von den Feuergewehren</arg></cmd>


<cmd name="subsubsection" id="sssec-31"><arg>Vom Schießpulver und der Einführung der Feuergewehre in China und Japan</arg></cmd>




<x>Die Europäer geben den Chinesen die Ehre, das Pulver erfunden und bereits im
dritten Jahrhundert christlicher Zeitrechnung gekannt zu haben. Selbst die
Deutschen sehen von dem Ruhme der Erfindung ab, welche die Sage ihrem
Landsmanne, dem Franziskanermönche Berthold Schwarz (1340) zuschreibt, und
vermuten, daß die Saracenen das Pulver zuerst aus Afrika nach Europa gebracht
haben, wo seine Fabrikation seit dem dreizehnten Jahrhundert in allen Ländern
bekannt und nach und nach sehr verbessert wurde. In den Jahrbüchern der Chinesen
und Japaner findet man vor dem dreizehnten Jahrhundert keine Angabe, woraus
hervorginge, daß diese Nationen die Zubereitung des Schießpulvers und dessen
Anwendung zu Feuergewehren gekannt hätten. Die beiden Marco Polo, welche der
Belagerung von Siang jang fu um das Jahr 1275 beiwohnten, melden nichts von
Feuergewehren, aber um diese Zeit wird der Gebrauch des Pulvers zum
Steinschießen in den Jahrbüchern der Chinesen erwähnt.</x>

<x>Nach japanischen Mitteilungen sollen zwar auf der Flotte, welche Kublai&GER.shy;khan
1281 zur Eroberung Japans ausgesandt hatte, die aber bei der Insel Iki durch
einen Orkan zertrümmert wurde, Feuergewehre gewesen sein<ent:thinsp/>; es ist dies aber nicht
mit Gewißheit anzunehmen, und umsichtigere japanische Schriftsteller erkennen
darin eine Art Raketen, die noch heutigen Tages unter dem Namen Daikok bija,
d.<ent:thinsp/>i. Feuergeschosse des großen Reiches (China) vorkommen. So bleibt also den
Europäern die Ehre, die ersten Feuergewehre nach China gebracht zu haben, und
die chinesischen und japanischen Quellen stimmen darin überein. &CMD.dlq;Das
Feuergewehr&CMD.drq;, heißt es im japanischen Werke Buj<ent:omacr/> ben rj<ent:omacr/> IV, 26, &CMD.dlq;wurde von
den westlichen Fremdlingen erfunden und dem ersten Kaiser der Dynastie Ming <ent:ndash/>
es war Thaitsu, der von 1368 bis 1399 regierte <ent:ndash/> von der Nation Mokitsu
dargebracht. Es war eine Art Isibija (Kanone). Da niemand ihm zu widerstehen
vermochte, nannte es der Kaiser ein Geisterwerkzeug (Schinkhi), und es galt als
ein wichtiger Schatz des Palastes.&CMD.drqsp; Eine Abbildung einer solchen Kanone ist in
Fig. 46 <cmd name="emph"><arg>w</arg></cmd> mitgeteilt und zwar entlehnt aus der
chinesischen Bilderfibel, Morogosi Kimo dsu-i, herausgegeben von Hirazumi Senan
in Kioto, 1719, 14 kiuen in 10 Büchern. Auch die mehrerwähnte japanische
Encyklopädie giebt die Abbildung einer alten Drehkanone, welche, laut der
hinzugefügten Angabe, aus Portugal stammt und von einem Schiffe, das im Jahre
1520 in Canton einlief, mitgebracht wurde. Wie bekannt, erschien in diesem Jahre
die erste Gesandtschaft der Portugiesen in Peking <ent:ndash/> der unglückliche Thomas
Pieres, der nach seiner vom Hofe zu Canton ausgeplündert, gefangen und allem
Anschein nach hingerichtet worden ist.</x>

<x>So viel ist uns aus zuverlässigen Quellen über den Gebrauch des Pulvers und
die Einführung der Feuergewehre in China bekannt. Wir müssen demnach den
Chinesen, ungeachtet neuerdings ein englischer Schriftsteller auf die Autorität
des gelehrten Visdelou hin nur ihnen die Ehre der Erfindung dieser Mordwerkzeuge
zuerkennt, sie ihnen nicht nur streitig machen, sondern geradezu absprechen, und
dies um so nachdrücklicher, wenn es sich bewährt, daß, wie man aus alten
Urkunden wissen will, schon im Jahre 1073 der ungarische König Salomon die
Mauern von Belgrad mit Kanonen beschossen hat. <cmd name="beginpage" args="{327}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg326">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg327">327</xhtml:a><xhtml:a href="#pg328">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>In Japan findet man die ersten Spuren von Feuergewehren zu Anfang des
sechzehnten Jahrhunderts unter der Regierung des Mikado Go Kasibara
(1501<ent:ndash/>1527). Allem Anscheine nach waren diese vom benachbarten Festlande
herübergekommen. Aber eine genaue Kenntnis davon erhielten die Japaner erst von
den Nanbanzin oder südlichen Fremdlingen, d.<ent:thinsp/>h. Europäern. Geschichtlich erwiesen
landete das erste schwarze Schiff (kuro fune, so heißen noch heutzutage die
europäischen Fahrzeuge) im Jahre 1530 an der japanischen Küste und zwar im Hafen
von Funai in der Provinz Bungo und brachte dem Fürsten Ohotomono Muneakira zwei
Feuergewehre zum Geschenke. Näher bekannt wurde man mit dem Feuergewehre und der
Bereitung des Schießpulvers erst im Jahre 1543, als Fernan Mendez Pinto nach
Tanegasima kam. Eine ausführliche Erzählung dieses Vorfalles, und zwar nach den
eigenen Angaben der japanischen Jahrbücher, findet sich in der
Entdeckungsgeschichte von Japan Mura Sjuksja und Krista M<ent:omacr/>ta<ent:thinsp/>; die Kapitäne des
Nanbanschiffes werden uns darin als diejenigen genannt, welche Feuergewehre
(Tepp<ent:omacr/>) mit sich führten und eines davon einem gewissen Tokitaka, Befehlshaber
der Insel Tanegasima, zum Geschenke gaben, ihn auch die Bereitung des
Schießpulvers lehrten. Diese Begebenheit findet in den abenteuerlichen Reisen
des portugiesischen Seefahrers Fernan Mendez Pinto ihre Bestätigung, was uns
somit berechtigt, in den obengenannten Fremdlingen Pintos beide Gefährten Diego
Zeimoto und Christoval Borallo zu erkennen. Beide sehen wir in dem japanischen
Originalwerke Mangwa Tom. VI abgebildet, ersteren mit einer Luntenbüchse,
letzteren mit einer Rolle Papier und Arzneikräutern. Sie hatten sich, der eine
als Schütze, der andere als Wundarzt, rühmlichst in Japan bekannt gemacht.</x>

<x>Sj<ent:omacr/>gun Tokijasu ließ hierauf durch einen Schmied, Namens Kunijasu, zehn Tepp<ent:omacr/>
anfertigen, und ein Kaufmann von Sakai, Tatsibanaja Jusanr<ent:omacr/>, begab sich zur
Erlernung der Schießkunst nach Tanegasima, wo er zwei Jahre darauf verwendete.
Man nannte diese neue Kunst Tepp<ent:omacr/>-ju, und ihre Verbreitung im Reiche erfolgte
raschen Schrittes. Man belegte das Tepp<ent:omacr/> auch mit dem Namen Tanegasima Tepp<ent:omacr/>,
d.<ent:thinsp/>i. eiserne Röhre von Tanegasima<ent:thinsp/>; ein neuer Beweis, daß es auf der genannten
Insel zuerst eingeführt worden.</x>

<x>Zu unterscheiden vom Tepp<ent:omacr/> ist das Isi bija, wörtlich Stein-Feuer-Pfeil,
worunter man Kanonen versteht. Von diesem Geschütze hatten die Japaner bereits
im Jahre 1528 durch den Verkehr mit China Kenntnis erlangt<ent:thinsp/>; doch erst im Jahre
1551 brachte ein Nanban-Schiff, das den Hafen zu Usuki in Bungo besuchte, dem
Fürsten <ent:Omacr/>tomono Muneakira eine Kanone zum Geschenke. Nach glaubwürdigen
Augenzeugen wird dieselbe noch zu Usuki auf&GER.nolig;bewahrt.</x>





<cmd name="subsubsection" id="sssec-32"><arg>Von den Handfeuergewehren, Gewehren mit Luntenschlössern, Vielgeschossen u. dgl.</arg></cmd>



<x>Die Handfeuergewehre (Tepp<ent:omacr/>), welche gegenwärtig im Gebrauche sind,
unterscheiden sich in ihrer Form und Einrichtung wenig von den Modellen, welche
die Portugiesen im sechzehnten Jahrhundert nach Japan gebracht haben. Es sind
noch ganz die alten Luntengewehre. Die Lunte, Hinawa, d.<ent:thinsp/>i. Feuerstrick, ist auf
dem Hahne, den man durch einen Druck auf das Zündloch niederlassen kann,
befestigt. Der Hahn ist zu diesem Zwecke mit einer Rinne versehen, in welche man
die Lunte, welche die Dicke eines kleinen Fingers hat, einzwängt (er heißt daher
nicht unpassend Hinawa hazami, Luntenzange). <cmd name="beginpage" args="{328}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg327">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg328">328</xhtml:a><xhtml:a href="#pg329">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Die Zündpfanne (Hisara,
Feuerschale) wird durch einen Sicherheitsdeckel (Hifuta, Feuerdeckel) vor
zufällig abfallenden Funken geschützt. Auf Fig. 40 Nr. 1 ist ein Jagdgewehr mit
der Lunte und geschlossener Pfanne und in Nr. 1 a das Schloß mit geöffnetem
Sicherheitsdeckel abgebildet. &lt;Fig. 40. <cmd name="emph"><arg>Schießgewehr und grobes Geschütz.</arg></cmd>&gt;
Bei Soldaten- und Jagdgewehren geht die Lunte durch ein am Anschlag befindliches
Loch (Hinawa towosi ana, Loch zum Durchgang des Feuerstrickes), und das
aufgerollte Ende derselben wird an den linken Arm gesteckt und bleibt beim
Schießen <cmd name="beginpage" args="{329}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg328">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg329">329</xhtml:a><xhtml:a href="#pg330">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> daran hängen. Man hat auch einen eigenen Gürtel, worin man
Luntenstücke zu Pistolen und Gewehren steckt (Fig. 40 Nr. 5) wie auch den Zunder
bewahrt. Mit dieser dürftigen Einrichtung behilft man sich bis auf den heutigen
Tag. Übrigens sind die Luntengewehre, wie der Soldat und Jäger sie trägt, ganz
geschäftet und mit einem kurzen Kolben versehen. Man faßt diesen beim Schießen
mit der Rechten, und führt den Ballen des Daumens gegen die rechte Wange. Das
Gewehr ruht so mit seinem vollen Gewichte auf beiden Armen und findet keine
Stütze auf der Schulter, gegen die sich Gewehre mit großen Kolben anstemmen. Der
kurze Kolben und die Weise des Anlegens erfordert, daß der Drucker (Hiki kane,
Zieheisen) um vieles weiter als bei unseren Gewehren nach hinten steht. Der Lauf
ist meistens achteckig, an der Mündung in einen umgekehrt kegelförmigen Wulst
auslaufend, ist sehr massiv aus Eisen, hat aber kleines Kaliber<ent:thinsp/>; der
Kugeldurchschnitt eines Jagdgewehres ist gewöhnlich 0,015 Meter. Man hat grade
und schneckenförmig gezogene Läufe. Sie sind durchgehends mit einem doppelten
Visier, einem oberen (sj<ent:omacr/>gi kata) und unteren (maimi ate), wie unsere
Kugelbüchsen versehen. Zum Scheiben- und Raketenschießen sind außerdem noch sehr
plumpe, schwere, aber verhältnismäßig kurze Büchsen im Gebrauche, welche selbst
der stärkste Mann nur mühsam aus freier Hand abzufeuern vermag. Manche wiegen an
hundert Pfund, schießen eine Kugel von 0,030 bis 0,040 Meter im Durchmesser und
sind mit Handhaubitzen und Raketenröhren zu vergleichen. Die Pistolen, deren man
von verschiedener Größe hat, haben dieselbe Einrichtung wie die Luntengewehre.
Auch haben die Chinesen und Japaner Versuche mit doppelten, dreifachen, selbst
fünffachen Gewehren gemacht. Auf Fig. 46 <cmd name="emph"><arg>o, p</arg></cmd>
sind solche nach Abbildungen aus der obenerwähnten chinesischen Bilderfibel
mitgeteilt. Die Läufe solcher Vielgeschosse sind derart zusammengelötet, daß sie
eine drei&GER.hhy;, vier- oder fünfeckige Stange bilden, an derem unteren Ende ein
langer eiserner, die Stelle eines Kolbens vertretender Handgriff mit einem
Luntenhahne angebracht ist. Die Läufe werden beim Abfeuern wie bei unseren
Drehbüchsen umgedreht. Allem Anscheine nach bediente man sich dieser
Vielgeschosse, welche sehr schwer und von plumpem Machwerke waren, nur zur
Vertheidigung von Schanzen und Festungen. Auch machte man Versuche, Spieße und
Hellebarten mit Feuerrohren zu versehen. Ich muß hier noch bemerken, daß man in
Japan keine Gewehre mit Bajonetten hat.</x>





<cmd name="subsubsection" id="sssec-33"><arg>Von Patronen, Patrontaschen, Pulverhörnern und Kugelbeuteln</arg></cmd>



<x>Der japanische Jäger lädt aus der Hand oder mit einer am Pulverhorn
befindlichen Ladung (Fig. 40 Nr. 8) und nimmt verhältnismäßig weniger Pulver und
Schrot als wir<ent:thinsp/>; namentlich ist er mit dem Schrot sehr sparsam. Der Soldat
dagegen führt seine Patronen (Hajag<ent:omacr/>, schnelle Ladung) in einer der unsrigen
ähnlichen Patrontasche (Hajag<ent:omacr/> ire, Nr. 6) mit sich. Die Patronen sind entweder,
wie die unseren, Papierhülsen, die Pulver und Kugel enthalten (Nr. 4), oder es
sind mit einem Stopfer versehene Büchschen von Holz oder Kupferblech, worin sich
ein Schuß Pulver mit der Kugel (Nr. 2), oder bloß Pulver (Nr. 3) befindet. In
letzterem Falle hat der Soldat einen eigenen Kugelbeutel. Der in Nr. 10
abgebildete verdient seines sinnreichen Mundstückes wegen beachtet zu werden<ent:thinsp/>; er
ist aus einem Gemshorn verfertigt und hat die Form eines Schnabels, der die
Kugel, wenn sie aus dem Beutel tritt, festhält, bis man sie mit dem Daumen und
Zeigefinger herauszieht. <cmd name="beginpage" args="{330}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg329">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg330">330</xhtml:a><xhtml:a href="#pg331">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Nicht unpassend wird er daher Rabenschnabel
(Karasu kutsi) genannt. Jäger und Soldaten führen als Zündkraut noch feines
Pulver in kleinen Büchschen (Nr. 7 u. 9) mit sich, ein Bedürfnis bei allen
Völkern, welche sich mit gemeinem Stückpulver behelfen müssen. Die Chinesen und
Japaner sind in der Bereitung des Pulvers noch zurück. Sie kennen zwar die
Mischungsverhältnisse<ent:thinsp/>; aber es fehlt ihnen an den mechanischen Vorrichtungen,
womit die Ingredienzien gestoßen und gehörig untereinander gemengt werden. Auch
ist man mit dem Körnen wenig und mit dem Glätten garnicht bekannt. Die
Verhältnisse des japanischen Pulvers sind gewöhnlich 75,7<ent:thinsp/><ent:percnt/> Salpeter, 14,4<ent:thinsp/><ent:percnt/>
Kohle und 9,9<ent:thinsp/><ent:percnt/> Schwefel.</x>





<cmd name="subsubsection" id="ssec-34"><arg>Vom groben Geschütze</arg></cmd>



<x>Das grobe Geschütz, welches ich zu sehen Gelegenheit hatte, bestand in
eisernen Kanonen, 12- und 24-Pfündern, auf schweren, unbehülf&GER.nolig;lichen Laffetten,
gleich denen der alten Schiffskanonen, die zu Modellen gedient haben. Sie heißen
bis heute noch Isi-bija, d.<ent:thinsp/>i. Stein-Feuer-Geschosse, und anfänglich schoß man
daraus Steine von 12 Pfund und darüber. Die erste Kunde von solchen
Feuerschlünden hat man in Japan, wie erwähnt, aus China erhalten<ent:thinsp/>; genauer lernte
man sie erst seit der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts kennen. Gegenwärtig hat
man Kanonen und Haubitzen nach europäischen Mustern des 17. und 18. Jahrhunderts
in Eisen und Metall gegossen, Fig. 40 Nr. 12 und 13. Es ist meistenteils
Festungsgeschütz. Unseren Bomben ähnliche Kammergeschütze sind mir in Japan
nicht bekannt geworden. Von Handgranaten ist auf Fig. 40 Nr. 14 eine Abbildung
gegeben. Mit unserem Feldgeschütz der neuesten Zeit ist man übrigens auch
genauer bekannt geworden, indem im Jahre 1825 das Niederländisch-Indische
Gouvernement zwei Feldstücke <ent:ndash/> Sechspfünder mit allem Zubehör <ent:ndash/> als Geschenke
für den Sj<ent:omacr/>gun nach Nagasaki sandte. Die Annahme dieser in jeder Hinsicht für
Japan wichtigen Kriegsgeräte wurde von seiten des Sj<ent:omacr/>gun offiziell abgelehnt,
während ein gewisser Takaki Mitsunoske, Oberkonstabler und Befehlshaber der
Wache von Nagasaki, sich dieselben unter der Hand zu verschaffen wußte. Es ist
dies wieder ein Pröbchen japanischen Nationalstolzes und der feinen Kunstgriffe,
womit man die niedrige Stufe, auf welcher Kriegswissenschaft und Kriegswesen
offenbar stehen, den Europäern zu verhüllen sucht. Unsere Waffen und
Kriegsgeräte erklärt man für unnötig, und untersagt bei Todesstrafe die Ausfuhr
japanischer Säbel, Luntengewehre, Bogen und Pfeile u. dgl. Die Ausländer dürfen
sich von den einheimischen Waffen nicht einmal Abbildungen fertigen lassen<ent:thinsp/>; ja,
man geht in der Auslegung des Gesetzes so weit, daß kein Bildchen, kein
Püppchen, woran sich Waffen erkennen ließen, auf öffentlichem Wege nach Dezima
gebracht und zum Kaufe angeboten werden darf. Auch die Einfuhr von Waffen jeder
Art ist streng verboten und sogar das Tragen von Degen und anderen Gewehren den
Niederländern an Bord der Schiffe und auf Dezima untersagt.<cmd name="fntextref" args="{4}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark4" href="#FNtext4">(4)</xhtml:a></arg></cmd> <cmd name="beginpage" args="{331}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg330">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg331">331</xhtml:a><xhtml:a href="#pg332">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>



<TeX>
%
%  subsection Schutzwaffen ?
%
</TeX>




<cmd name="subsection" id="ssec-4"><arg>Von der Rüstung</arg></cmd>



<x>Die älteste Schutzwaffe ist der Schild. Wir finden ihn bei allen Völkern der
Welt. Von den bereits untergegangenen sind uns in Denkmälern und Überresten
verschiedene Formen desselben bekannt geworden, und die wilden Stämme, die wir
von Zeit zu Zeit noch entdecken, treten uns häufig mit dieser Schutzwaffe
entgegen. &lt;Fig. 41. <cmd name="emph"><arg>Rüstungen, namentlich Schuppenpanzer und Helme.</arg></cmd>&gt;
<cmd name="beginpage" args="{332}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg331">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg332">332</xhtml:a><xhtml:a href="#pg333">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Mit der fortschreitenden Civilisation und unter einem Himmelstriche,
der eine dichtere Bekleidung des Leibes erlaubt, begnügte sich der Mensch nicht
mehr mit dem Schilde allein<ent:thinsp/>; er erfand bald, zur Beschützung der edelsten Teile
seines Körpers, eine Bekleidung, wie sie ihm am zweckmäßigsten schien, oder wie
die Verhältnisse, worin er lebte, es zuließen. Die Anfertigung solcher
Schutzkleider hielt gleichen Schritt mit dem Fortschritte der Künste und
Gewerbe, bis endlich der Zufall ein Mittel und der denkende Geist Werkzeuge
erfand, denen menschliche Kraft und Kunst kein widerstandsfähiges Schutzmittel
entgegenzustellen vermochten. So ist denn auch seit der Erfindung der
Feuergewehre in Europa und den übrigen von Europäern bevölkerten Ländern die
Schutzrüstung des Körpers bis auf den Küraß abgeschafft worden. Unter den
asiatischen Völkern haben indessen die gebildetsten <ent:ndash/> die Chinesen und Japaner
<ent:ndash/> den Harnisch beibehalten, und er gehört dort zur Bewaffnung eines
Soldaten.</x>

<x>Die Erfindung des Harnisches fällt bei den Japanern in das hohe Altertum.
Zinmu, der Eroberer, soll sich einen zu Mijasaki in Hiuga haben fertigen lassen
(661 vor Chr. Geb.), Jamatotake trug einen Harnisch, als er 110 nach Chr. Geb.
zur Bekämpfung der östlichen Wilden auszog, und von der gefeierten Heldin
Zingu-K<ent:omacr/>go und ihrem greisen Feldherrn Takeutsi wissen wir, daß sie bei der
ersten Expedition nach der koreanischen Halbinsel im Jahre 200 n. Chr. Geb.
Rüstungen getragen.</x>

<x>Von diesem Zeitpunkt an kamen die Rüstungen mehr und mehr in Gebrauch, und im
Jahre 790 wurden zu einer Expedition nach Osju auf Befehl des Mikado zweitausend
lederne Panzer und zweitausend neunhundert eiserne Pickelhauben angefertigt.</x>

<x>Die Rüstung, worin gegenwärtig der japanische Ritter erscheint, wenn er im
Dienste ist, und die er mit den Trophäen eines hundertjährigen Friedens mit den
Erzeugnissen der Kunst und den Erfindungen der Prachtliebe ausschmückt, besteht
aus einem Panzer mit Lenden&GER.hhy;, Schenkel&GER.hhy;, Bein&GER.hhy;, Arm- und Schulterschienen und
aus einem Helme mit Nackenschirm, Visier und Ringkragen. Dazu kommen ganz eigene
Schuhe und Unterkleider. Gewöhnlich ist Helm, Panzer und Zubehör aus Leder
verfertigt, mit Metall beschlagen und verziert und mit seidenen Schnüren
durchflochten und zusammengeheftet.</x>

<x>Seltner ist die Rüstung von Eisen oder sonstigem Metalle<ent:thinsp/>; nur Reiter tragen
derlei Kürasse und Pickelhauben. Häufig sind auch Wämser, aus Eisendraht
geflochten, im Gebrauch. Für Kinder und zum Prunke hat man Rüstungen von
Papiermaché, mit Messing und seidenen Schnüren und Quasten verziert. Die Farbe
der Rüstung, des lackierten Leders und der seidenen Schnüre nämlich, richtet
sich nach dem Stammhause, dem der Ritter angehört. Das Haus Minamoto trägt
schwarze Rüstung, das Haus Taira purpurne, das Haus Fudsiwara blaßgelbe, das
Haus Tatsibana hochgelbe. Die Vasallen eines jeden dieser vier Häuser führen
dieselben Farben. Bedient sich ein Ritter einer andern Farbe, so kann dies nur
infolge einer ehelichen Verbindung geschehen.</x>

<x>In ethnographischer Hinsicht verdienen die japanischen Rüstungen um so mehr
unsere Aufmerksamkeit, als sie eines der wesentlichsten Kriegsgeräte eines
Volkes bilden, das im Mittelalter auf dem Tummelplatze des nordöstlichen
Festlandes von Asien eine größere Rolle gespielt hat, als man von einem so
abgelegenen Inselvolke hätte erwarten sollen. Stammten doch wahrscheinlich die
Ahnen des Mongolenfürsten Kublai&GER.shy;khan, <cmd name="beginpage" args="{333}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg332">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg333">333</xhtml:a><xhtml:a href="#pg334">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> der den Thron von China
eroberte, aus dem japanischen Fürstenhause Minamoto.<cmd name="fntextref" args="{5}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark5" href="#FNtext5">(5)</xhtml:a></arg></cmd> &lt;Fig. 42. <cmd name="emph"><arg>Rüstungen
und Details derselben.</arg></cmd>&gt; <cmd name="beginpage" args="{334}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg333">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg334">334</xhtml:a><xhtml:a href="#pg335">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Aber auch in rein technischer Hinsicht erweckt diese Kriegskleidung unser
Interesse. Der japanische Kunstfleiß zeigt sich auch an ihr in vorteilhaftem
Lichte. Die feinlackierten ledernen Streifen, dachschindelartig durch zierlich
verknüpfte seidene Schnüre übereinander geschichtet<ent:thinsp/>; die gegossenen, gepreßten
oder gravierten metallenen Verzierungen, an Helm und Panzer geschmackvoll zu
einem Ganzen vereinigt, ziehen die Aufmerksamkeit des Kunstfreundes auf sich,
ohne daß die Umrisse das an griechische und römische Formen gewohnte Auge
beleidigen. Ihre Ähnlichkeit mit den altgriechischen Rüstungen ist unverkennbar.
Ja sie können uns selbst über das Machwerk jener ältesten Panzer, wovon uns
Pausanias die besten, aber immer noch unzureichenden Berichte mitgeteilt hat,
eine Auf&GER.nolig;klärung geben, die jeden Zweifel beseitigt. Wir wollen nun die einzelnen
Stücke, woraus die Rüstung unserer Japaner zusammengesetzt ist, näher
betrachten.</x>





<cmd name="subsubsection" id="sssec-41"><arg>Von dem Helme</arg></cmd>



<x>Auf Fig. 41 und 42 sind vollständige Rüstungen abgebildet. Zu Nr. 1 der Fig.
41 diente ein Modell, welches die Rüstung des ersten Kriegsministers (Daisj<ent:omacr/>) am
Hofe des Mikado vorstellt. Auf dem Helme (Kabuto) bemerken wir einen Drachenkopf
(Tatsu gasira), den nur der genannte hohe Staatsbeamte führen darf. Auch die
übrigen Verzierungen dieses Helmes sind Embleme, welche nur den Würdenträgern am
Hofe der Nachkömmlinge der Sonnengottheit zukommen. Wir erkennen darin eine
Sonnenscheibe (Nitsirin), einen Halbmond (Hangets) und zwei Hörner (Kuwagata).
In den letztern will man Bilder des Handpfluges (Kuwa) erkennen, und erklärt sie
nebst einem andern Zeichen, das die Form von Stierhörnern hat, für die ältesten
Helmverzierungen. Außer den eben berührten giebt es der Helmverzierungen noch
mancherlei, als Ochsen&GER.hhy;, Bocks- und Gemsenhörner, Hirschgeweihe, dem Ken
nachgebildete Schwerter, Dreizacken usw. Ihre allgemeine Benennung ist Tate
mono. Sie werden nur von Rittern von hoher Abkunft und distinguiertem Range
getragen. Die Hörner gelten als Sinnbild der männlichen Kraft und Stärke. An dem
Helm Nr. 2 und 3 haben wir ferner noch zu bemerken die beiden flügelförmigen
Seitenblätter (Fuki gajesi), worauf wir in Nr. 2 das Wappen des Sj<ent:omacr/>gun erkennen<ent:thinsp/>;
dann das Wetterdach (Mabi sasi), den bis auf die Schulter herabgehenden
Nackenschild (Sikoro) und ein an der Spitze des Helms befindliches Loch (Iki
dasi no ana, d.<ent:thinsp/>h. Loch, wodurch der Atem hinausgeht), welches der Aberglaube zum
Sitze der Geistereingebung (sch<ent:imacr/>n ling) macht.</x>

<x>Von dem Kegel an den Helmen bestehen vielerlei Formen. Es sind deren über
sechzig bekannt, wovon jede ihren besonderen Kunstnamen trägt. Man bemerkt
<cmd name="beginpage" args="{335}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg334">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg335">335</xhtml:a><xhtml:a href="#pg336">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> darunter Tiger- und Drachenköpfe und solche, welche Schlangen, Hähne
und Hasen vorstellen. Sie erinnern uns an die Zeichen des Tierkreises und
erhalten somit ihre Bedeutung.</x>

<x>Merkwürdig ist an den japanischen Helmen das Visier. Es besteht aus einer
Larve mit einer Adlernase, einem großen Munde voll silberner Zähne, einem
schwarzen, roten oder weißen Schnurr- und Knebelbart und tiefen Furchen in den
Wangen. Diese gräuliche Larve heißt Menb<ent:omacr/>, und wenn die Nase fehlt, Sarub<ent:omacr/>,
Affengesicht. Oben ist sie mit Riemen an dem Helme und unten an dem Ringkragen
befestigt, und wird noch durch ein über das hervorragende Kinn gehendes
Sturmband festgehalten. Die Augen bleiben frei und ohne Schutz. Der Ringkragen
(Notowa) ist dicht unter dem Kinn angebracht und besteht aus einem Stücke, nur
selten aus zwei oder drei Lappen. Auf Fig. 41 Nr. 3 findet man diese
Einzelheiten getreu abgebildet.</x>





<cmd name="subsubsection" id="sssec-42"><arg>Von dem Harnisch</arg></cmd>



<x>Der Harnisch, nicht weniger kompliziert als der Helm, besteht aus
verschiedenen Stücken, die wir einzeln näher betrachten wollen. Den vornehmsten
Teil bildet der Panzer (Zengo). Man begreift darunter einen Küraß mit
Lendenschienen und unterscheidet zwei Arten desselben<ent:thinsp/>: einen mit sieben (Fig. 41
Nr. 1) und einen mit acht Lendenschienen (Fig. 42 Nr. 1, 2). Ersterer wird von
vornehmen Rittern getragen. Der Küraß ist aus einem Brust- und Rückenstücke
zusammengesetzt, läßt sich an der rechten Seite öffnen und, wenn er angelegt
ist, zuschnüren. Brust- und Rückenstück werden durch Schulterspangen und Schnüre
aneinander befestigt und die Lendenschienen (Kusa zuri) mit beinernen Knöpfen
und seidenen Litzen am Kürasse angeheftet (Fig. 42 Nr. 1). Sie gleichen den am
Gurte der trojanischen Helden befestigten Blechstreifen, die nach den
Darstellungen auf Vasen als herabhängende Streifen erscheinen. Bei den meisten
Rüstungen ist auf dem Rücken des Panzers ein eigenes Futteral (Uke tsudsu)
angebracht, worin Fahnenjunker und Offiziere eine Standarte (Sifan) mit sich
tragen (Fig. 42 Nr. 2). Eine ähnliche Vorrichtung dient auch zur Befestigung des
Köchers. Die Schultern sind durch eigene Schienen (Sode), welche den ganzen
Oberarm decken, geschützt, und lederne Ärmel (Kode), künstlich mit Eisendraht
überflochten und mit metallenen Knöpfen und Verzierungen besetzt, decken die
Arme und Hände (Fig. 42 Nr. 5 und 8). Auch die Beinschienen (Sune ate) sind von
Leder und mit Metall beschlagen. In alten Zeiten trugen vornehme Ritter Schuhe
von Bärenfell, wie wir sie in Fig. 41 Nr. 4, 5 abgebildet sehen. Jetzt sind
solche nur bei Feierlichkeiten gebräuchlich, während im Felde die Fußbekleidung
des Soldaten aus Strümpfen (Tabi) und Strohschuhen oder vielmehr Strohsohlen
(Wara kudsu), welche mittels Strohseilen an die Füße gebunden werden,
besteht.</x>

<x>Die Beinharnische haben viel Ähnlichkeit mit den &lt;&gt; der Griechen und
Ocreae der Römer, werden ebenso befestigt, aber an beiden Beinen angelegt.</x>

<x>Noch sind ein paar Schienen zu berühren, welche wir auf Fig. 42 Nr. 1 unter
den Lendenschienen hervorragen sehen. Sie sollen zur Beschützung der Schenkel
und Kniescheiben dienen und heißen Waki ate. Zur vollständigen Rüstung gehören
auch Hosen, Sita bakama, kurze, aus einem schweren, oft sehr kostbaren, mit Gold
durchwirkten Seidenstoffe verfertigte Beinkleider, die so eingerichtet sind, daß
der geharnischte Mann durch kein natürliches Bedürfnis in Verlegenheit geraten
kann.</x>

<x>Dies wären nun die vorzüglichsten Stücke der Rüstung eines japanischen
Ritters. <cmd name="beginpage" args="{336}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg335">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg336">336</xhtml:a><xhtml:a href="#pg337">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Er nennt sie Kamigi, Oberkleider, im Gegensatze von Simogi,
Unterkleider, deren Beschreibung uns noch erübrigt. Liebhaber der Waffenkunde
und Freunde des Altertums werden mich entschuldigen, wenn ich in solche
Einzelheiten eingehe. Es hat für sie ein wesentliches Interesse, und meine
übrigen Leser muß ich bitten, jenen zu lieb noch mit anzusehen, wie der
japanische Ritter von Fuß bis Kopf sich ankleidet und Rüstung und Waffen
anlegt.</x>

<x>Das erste, was unser Kriegsmann auf den bloßen Leib anlegt, ist ein Brustlatz
(Fundosi), der sich als Schamschürzchen verlängert und mit einem Bande über dem
Nacken und um die Lenden befestigt wird. Das Bruststück ist mit Moksa wattiert,
welche den Leib vor Erkältung und Erhitzung bewahren soll. Hierauf zieht er ein
Unterkleid (Sitagi) oder nur ein gewöhnliches Hemde (Hadagi) an und bindet es
gleichfalls mit einem Bande (Hoso obi) um die Hüfte fest. Diese Hemden sind
vorne offen, von hellblauem, selten weißem Kattun, zur heißen Jahreszeit von
Nesseltuch oder Seidenzeug, im Winter wattiert. Nun greift der Ritter zu den
Strümpfen <ent:ndash/> kurze Socken, welche die große Zehe frei lassen <ent:ndash/> über welche er
Beinbinden (Ki jahan) von Kattun, Binsen oder Baumbast anlegt. Sie haben den
Zweck, das Schienbein vor Druck und Reibung der Beinharnische zu bewahren. Jetzt
werden die obenbeschriebenen Hosen und Beinschienen angezogen, und da sich unser
Ritter noch bequem bücken kann, so bindet er seine Strohschuhe fest. So weit
kleidet er sich auf seinem Rüstungskoffer sitzend an<ent:thinsp/>; Stück für Stück wird in
der angegebenen Ordnung und nach bestimmten Handgriffen angelegt. Alles geht in
bestimmten Tempos vor sich. Nun steht er auf, zieht den linken, dann den rechten
Panzerärmel an, fällt aufs rechte Knie, steckt den linken Arm durchs Armloch des
Kürasses, befestigt den rechten Achselriemen und schnürt den Panzer zu. Hierauf
umgürtet er sich mit einer Schärpe, steckt sein großes und sein kleines
Seitengewehr zu sich, legt ein Stirnband an, setzt seinen Helm auf und befestigt
mit dem Sturmband die Larve. Da steht nun unser Krieger in voller Rüstung und
hat nur noch nach Spieß oder Bogen und Köcher zu greifen, um zu Fuß oder zu
Pferde ins Feld zu ziehen. Es ist aber in Japan seit dem Jahre ein tausend sechs
hundert und vierzig <ent:ndash/> Friede<ent:thinsp/>!</x>




<cmd name="subsubsection" id="sssec-43"><arg>Von dem Schilde</arg></cmd>



<x>Die Schilde schreiben sich größtenteils aus alten Zeiten her, wo man noch
keine Feuergewehre hatte. Sie haben sich aber, trotz der Bekanntschaft mit
diesen, nicht bloß im Andenken erhalten, sondern sind hier und da auch im
Gebrauche geblieben. Am wenigsten gebräuchlich war der Handschild (Tetate)<ent:thinsp/>; denn
die tüchtigen Harnische machten dem japanischen Ritter ein Geräte entbehrlich,
das ihm, wollte er sein Schwert mit beiden Händen führen oder den Pfeil
abschießen, mehr hinderlich als nützlich war. Um so mehr dagegen bewährten sich
im offenen Felde wie im verschanzten Lager die sogenannten Katsi tate, d.<ent:thinsp/>i.
Fußgängerschilde, die das leichte Fußvolk trug und dem angreifenden Feinde wie
eine Brustwehr entgegenstellte. Bei dem Rückzuge trug man sie auf den Schultern
und deckte sich damit nach Art der testudo militaris. In alter Zeit waren sie
bemalt und auf der Mitte war ein Drachenkopf u. dgl. angebracht. Die Katsi tate
sind noch gegenwärtig im Gebrauche. Man hat sie 3<ent:ndash/>5 Fuß hoch, in Form eines
länglichen Vierecks, aus 3<ent:ndash/>5 Zoll dicken Brettern der asiatischen Celtis oder
des Kampferbaumes verfertigt. Auch aus Ochsenhäuten werden sie hergestellt. Auf
der inneren Seite ist ein beweglicher Stock angebracht, <cmd name="beginpage" args="{337}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg336">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg337">337</xhtml:a><xhtml:a href="#pg338">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> mittels
dessen der auf den Boden gestellte Schild in mehr oder weniger aufrechter
Stellung sich halten und einen ganzen Mann verbergen kann. Auf Fig. 43 Abb. <cmd name="emph"><arg>a</arg></cmd> ist ein solcher Schild abgebildet.</x>





<cmd name="subsubsection" id="sssec-44"><arg>Von dem Räderschilde und andern Verteidigungsmitteln gegen Wurfgeschosse</arg></cmd>



<x>Aus der Vereinigung mehrerer Schilde entstand der schwerfälligere Räderschild
(Kuruma tate). Er bildet eine Dielenwand mit Schießscharten und ruht auf einem
Gestelle mit vier niedrigen Rädern. &lt;Fig. 43. <cmd name="emph"><arg>Schilde, Leitern und anderes
Kriegsgerät.</arg></cmd>&gt; Fig. 43 Abb. <cmd name="emph"><arg>b</arg></cmd>. Später, etwa
in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, verfertigte man solche Räderschilde
aus aneinandergereihten Bambusbündeln. Sie vereinigen mit größerer Leichtigkeit
den Vorteil, daß sie auch eine Schutzwehr gegen Feuerwaffen bilden. Die auf
Rädern stehenden heißen Kuruma taketaba (Abb. <cmd name="emph"><arg>c</arg></cmd>), die ohne Räder Taketaba. Letztere sind tragbar.
Man hat auch mit Pfählen auf dem Grunde befestigte Hürden (Uje taketaba, d.<ent:thinsp/>i.
aufgepflanzte Bambusschilde), <cmd name="beginpage" args="{338}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg337">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg338">338</xhtml:a><xhtml:a href="#pg339">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> welche unsern Schanzkörben gleichen
und zur Deckung gegen grobes Geschütz errichtet werden.</x>





<cmd name="subsubsection" id="sssec-45"><arg>Von den Blendungen</arg></cmd>



<x>Eine große Rolle spielen in Japan von jeher und bis auf den heutigen Tag die
sogenannten Maku <ent:ndash/> eigene Vorhänge, deren man sich ursprünglich zur Abwehr von
Pfeilen, Steinen und anderen Wurfgeschossen bediente. &lt;Fig. 44. <cmd name="emph"><arg>Flaggen und
Standarten.</arg></cmd>&gt; Anfänglich umkleidete man damit nur Schanzen und Brustwehren der
Festungen, spannte sie bei Piketen auf, umhing damit Kriegsfahrzeuge und wendete
sie überall da an, wo man einer Schutzwehr gegen Wurfgeschosse bedurfte.
Gewöhnlich waren sie von Hanftuch oder starkem Kattun, weiß oder blau und mit
dem Wappen des Fürsten, des Feldherrn oder irgend eines kommandierenden
Offiziers verziert. Es waren Schanzkleider im eigentlichen Sinne des Wortes.
Später wurden sie auch bei militärischen und andern Feierlichkeiten, an
öffentlichen Plätzen und vor den Palästen der Großen als Blenden aufgehängt. Ihr
Gebrauch wurde immer allgemeiner, und bald gehörten sie zu den <cmd name="beginpage" args="{339}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg338">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg339">339</xhtml:a><xhtml:a href="#pg340">&gt;</xhtml:a></arg></cmd>
Macht- und Würdezeichen der Großen. Prachtliebe spannte sie allenthalben zum
Prunke aus. Jetzt flattern sie vor der Burg des Sj<ent:omacr/>gun, an Kamihallen und
Buddhatempeln, vor Kasernen und vor Schauspielhäusern. Blühende Kirschenhaine
sind damit umgeben und werden so zu Lustzelten umgeschaffen<ent:thinsp/>; auch die Gallerien
der Theehäuser der berüchtigten Josi wara-Straße in Jedo sind mit solchen
Schanzkleidern behangen. Weiß und hellblau sind noch immer die beliebtesten
Farben<ent:thinsp/>; man hat aber auch gelbe, purpurfarbige und grüne.</x>

<x>Als Kriegsgeräte sind die Schanzkleider noch gegenwärtig allgemein im
Gebrauche und bei Garnisonen, in Festungen und Wachthäusern vorhanden. Vor der
Einführung der Feuergewehre mögen sie gute Dienste geleistet haben<ent:thinsp/>; jetzt
dagegen sind sie eher für Kriegssignale und Feldzeichen als für Schutzschirme
anzusehen. Als erstere liegen sie auf den ersten Wink bereit, und kaum zeigt
sich ein fremdes Segel an der Küste, so werden alle Wachen und Batterien damit
behangen.</x>

<x>Von den zum Kriegsdienste bestimmten Schanzkleidern hat man zwei Arten, die
gewöhnlichen Maku und die Utsi maku oder inneren Vorhänge. Bei den ersteren ist
der Stoff, woraus sie bestehen, in wagrechter Richtung zusammengenäht, bei den
letzteren läuft die Naht der Streifen von oben nach unten. Beide sind oben mit
Schleifen (Tsi) besetzt, durch welche ein Seil (Tenawa) gezogen und, wenn man
sie im Felde braucht, an eisernen Pflöcken (Kusi) befestigt wird. Form und Maß
sind genau bestimmt, auch die Zahl der Streifen, Schleifen und Lugschlitze.
Astrologische Deutungen und Glück kündende Zahlenverhältnisse kommen auch
hierbei in Betracht. So setzt man die Zahl der Schleifen gerne auf 28 fest und
benennt sie nach den 28 Sternbildern, während man die 9 Lugschlitze (Monomi)
eines Maku mit den Namen von Sonne, Mond und den sieben Planeten belegt. Die
Maku haben gewöhnlich nur fünf Streifen, abwechselnd von blauer und weißer
Farbe. Die Utsi maku bestehen aus einem querlaufenden Streifen, woran 12 und
mehrere Streifen lotrecht herabhängen. Diese Art Blendungen sind gewöhnlich
einfarbig, jetzt weiß<ent:thinsp/>; in alten Zeiten waren sie auch hellgelb, violett oder
hellgrün. An den Höfen der Großen und bei Festen, wo sie zum Prunke dienen, hat
man sie von Damast und anderen kostbaren Seidenzeugen. Häufig werden sie mit
Wappen versehen, welche bei den Utsi maku auf dem oberen Querstreifen angebracht
sind, bei den Maku hingegen mehr oder weniger die fünf Felder bedecken oder auf
denselben zerstreut stehen und zwar in der Weise, daß man aus ihrer Stellung und
Größe nicht bloß Rang und Würde, sondern selbst Geburtsvorrechte vom Majorate
bis zum sechsten Sohne erkennen kann. So ist z.<ent:thinsp/>B. auf dem Maku des Mikado und
des Sj<ent:omacr/>gun das Wappen von solcher Größe angebracht, daß es bis ins fünfte und
unterste Feld reicht, während es bei den übrigen Fürsten (den K<ent:omacr/>ke und Daike,
d.<ent:thinsp/>i. hohen und großen Häusern) vom zweiten bis ins vierte Feld und bei
Offizieren (Sj<ent:omacr/> si) vom zweiten bis ins dritte geht. Die einzelnen Felder oder
querlaufenden Streifen haben ihre besonderen Namen<ent:thinsp/>; das oberste heißt Tsi tsuki
no no, d.<ent:thinsp/>i. Feld, woran die Schleifen sitzen<ent:thinsp/>; das zweite Monomi no no, das
Späherfeld, weil es die Lugschlitze enthält<ent:thinsp/>; das dritte Gun sj<ent:omacr/> no no oder
Siegesfeld<ent:thinsp/>; das vierte Feian no no, Feld des Friedens<ent:thinsp/>; das unterste Siba utsi no
no.</x>

<x>Die für den Kriegsdienst bestimmten Schanzkleider werden gegenwärtig nach den
auf Fig. 44 Abb. <cmd name="emph"><arg>i</arg></cmd> und Fig. 45 Abb. <cmd name="emph"><arg>k</arg></cmd> abgebildeten verfertigt. Die größeren sind 4 Zj<ent:omacr/>
2 Sjak (16,030 Meter) lang, die mittleren 3 Sj<ent:omacr/> 6 Zjak (12,728 Meter)
<cmd name="beginpage" args="{340}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg339">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg340">340</xhtml:a><xhtml:a href="#pg341">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> und die kleinen 3 Zj<ent:omacr/> (10,454 Meter). Die Höhe der Maku ist
durchgehends die gleiche, 6 Sjak (2,274 Meter), also der Größe eines Mannes
entsprechend<ent:thinsp/>; die Utsi maku hingegen sind bald niedriger, bald höher, je nachdem
sie zu Blendungen oder Zelten dienen. Im letzten Falle werden sie in Form eines
Vierecks aufgestellt, und ein ganzes Feldlager von solchen Zelten heißt Maku fu,
Blendenstadt. In alten Zeiten hatte man sehr einfaches, aus Bambusreifen
verfertigtes, mit Tuch oder geöltem Papiere überzogenes Gestelle <ent:ndash/> Kakunt<ent:omacr/>, das
einem Wiegenschirme, womit man Kinder gegen Fliegen schützt, glich. &lt;Fig. 45.
<cmd name="emph"><arg>Verschiedene Kriegsabzeichen.</arg></cmd>&gt; Unsere alten Japaner schützten sich damit vor
Moskiten und Regen. Bei Feldzügen in heißen Ländern wäre diese Vorrichtung einer
Beachtung würdig<ent:thinsp/>; man müßte sie derart anfertigen, daß sie leicht fortzuschaffen
wäre und den kampierenden Soldaten vor Regen und den unerträglichen Moskiten
schützte.</x>





<cmd name="subsubsection" id="sssec-46"><arg>Von den künstlichen Hindernissen</arg></cmd>



<x>So lange die Kriegskunde bei einem Volke noch auf einer niedrigen Stufe
steht, fällt es schwer, bei der Beschreibung seiner kriegerischen Werkzeuge
zwischen eigentlichen <cmd name="beginpage" args="{341}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg340">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg341">341</xhtml:a><xhtml:a href="#pg342">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Schutzwaffen und anderen Gegenständen, welche
man zu persönlichem Schutze, oder zur Verteidigung einer größeren oder kleineren
Anzahl Krieger anwendet, eine genaue Grenze zu ziehen. Zu den eigentlichen
Schutzwaffen gehören streng genommen nur solche Werkzeuge, die der Krieger trägt
oder leicht tragen kann, und welche dazu dienen, die Wirkung der feindlichen
Waffen zu verringern oder gänzlich aufzuheben, also Rüstung und Schild. Die
leicht beweglichen Räderschilde führten auf den Gedanken, tragbare Schanzkörbe
aus Bambus herzustellen. Wir haben diese Kriegswerkzeuge oben beschrieben, da
sie sich nicht leicht von den übrigen Schutzwaffen trennen lassen. Wir wollen
nun noch die Mittel anführen, wodurch man dem Feinde selbst den Zugang
erschwert, nämlich die sogenannten künstlichen Hindernisse. Hierher gehören die
Fallstricke und Verhaue, die spanischen Reiter, Fußangeln und Wolfsgruben. Diese
Otosi ana, Fallgruben genannt, sind gewöhnlich 5 Fuß lang und 3 Fuß breit, bei
einer Tiefe von 4 Fuß<ent:thinsp/>; der Boden ist mit spitzen Pflöcken besteckt, und eine
leichte Decke von Gesträuche, Laub und Gras verbirgt sie dem Auge des Feindes.
Sie werden auf den Wegen, die der Feind voraussichtlich zu begehen hat,
innerhalb und außerhalb der Festungsthore angebracht und zwar je drei in Form
eines gleichseitigen Dreiecks. Nebstdem wurden die Zugänge auch mit Fallstricken
versehen, die man an Pflöcken, welche in unregelmäßigen Abständen in den Boden
geschlagen worden, so befestigte, daß Mannschaft und Pferd darüber straucheln
mußten. Sie haben Ähnlichkeit mit unseren Verpfählungen und den sogenannten
Eggen. Die Stellung der Pflöcke und die Art und Weise, die Stricke zu legen, ist
nach dem Terrain verschieden. Man nennt diese Vorrichtung Rankugi,
Streitpflöcke. Das Dornengesträuche (Sakamogi) besteht aus hirschgeweihartig
zugespitzten Ästen, welche man im Boden befestigt und einige Fuß über die Erde
hervorragen läßt. Sie werden, gleich unserem Verhaue, vor Feldbefestigungen und
auf dem Glacis der Festungen angebracht, um der Reiterei den Zugang zu wehren.
Auch spanische Reiter werden in Japan gebraucht. Sie bestehen aus kreuzweis auf
einem eigenen Lattenwerke befestigten, zugespitzten Bambusstangen und werden auf
Brustwehren und Mauern angebracht. Sie heißen Takesakamogi. Unser
Staatsgefängnis Dezima ist damit befestigt<ent:thinsp/>; auch die russische Gesandtschaft hat
sie in Megasaki kennen gelernt. Fußangeln, ganz ähnlich den Fußeisen, deren sich
die Römer gegen Reiterei, Kamele und Sichelwägen bedienten, sind die Hisi-Hörner
der Japaner, die ihren Namen von einer Art Wassernuß (Trapo bicornis), Hisi
genannt, entlehnt haben. Sie sind aus gekrümmtem, zugespitztem Bambusrohre oder
aus Eisen verfertigt, stehen immer auf drei Spitzen und kehren die vierte in die
Höhe. Sie werden als offene und verborgene Schutzwehr, auf grasdedeckten Feldern
und in Wassergräben und Furten angewendet. Sie verwunden Menschen und Pferde und
machen sie untauglich.</x>

<x>Noch ist eine sinnreiche Vorrichtung zu erwähnen, um den in die
unterirdischen Gänge der Festungen eindringenden Feind zurückzutreiben. Es ist
ein Windrad, ganz ähnlich den Flügelrädern der Getreide-Fegemühlen, und man
treibt damit den Feinden Kalkstaub in die Augen. Man heißt diese Maschine
Fusenscha, d.<ent:thinsp/>i. Fächermühle. Ihre Größe richtet sich nach dem Raume des Ganges,
wo sie aufgestellt werden soll.</x>

<x>Zu den künstlichen Hindernissen kann man auch das Sperren von Häfen und
Flußmündungen mittels schwerer Ketten zählen. Eine solche liegt zu Nagasaki
bereit, <cmd name="beginpage" args="{342}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg341">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg342">342</xhtml:a><xhtml:a href="#pg343">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> um den Eingang des Hafens bei den sogenannten kaiserlichen
Wachen zu sperren, und wahrscheinlich hält man, zur Sicherheit der Residenzstadt
des Sj<ent:omacr/>gun, auch in der Bai von Jedo und bei den Forts an der Mündung des
Nakagawa ähnliche Vorrichtungen bereit. &lt;Fig. 46. <cmd name="emph"><arg>Ältere Kriegsmaschinen.</arg></cmd>&gt;
<cmd name="beginpage" args="{343}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg342">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg343">343</xhtml:a><xhtml:a href="#pg344">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>





<cmd name="subsection" args="[Von den Angriffs- und Verteidigungs-Waffen und Maschinen \dots]" id="ssec-5"><arg>Von den Angriffs- und Verteidigungs-Waffen und Maschinen bei Belagerungen</arg></cmd>




<x>Zum Schlusse des Kapitels von den Waffen muß ich meine Leser noch mit einigen
Werkzeugen und Vorrichtungen bekannt machen, welche man in Japan und China vor
der Einführung der Feuerwaffen beim Angriff und bei der Verteidigung befestigter
Lager und Festungen in Anwendung gebracht hat und zum Teile noch jetzt in
Zeughäusern für den Fall eines Krieges bereit hält.</x>

<x>Die Maschinen und Vorrichtungen, welche wir hier noch zu beschreiben haben,
gehören also größtenteils der Zeit vor Einführung der Feuerwaffen an und einige
davon scheinen selbst die Japaner bloß dem Namen nach und aus Abbildungen,
welche chinesische Bücher davon gaben, gekannt zu haben. Nur wenige davon sind
gegenwärtig noch gebräuchlich oder werden in Zeughäusern auf&GER.nolig;bewahrt.</x>

<x>Für die Taktik der Gegenwart werden unsere Mitteilungen über dergleichen
Werkzeuge, einige sinnreiche Verbesserungen an den Sturmleitern ausgenommen,
wenig Wert haben, aber um so wichtiger sind sie für Altertumskunde und
Geschichte<ent:thinsp/>; denn wir lernen Gegenstände kennen, welche, obgleich am äußersten
Ende der alten Welt aufgefunden, eine zu auffallende Ähnlichkeit mit den
Kriegswerkzeugen der alten Griechen und Römer haben, als daß man einen Verkehr
derselben mit dem weitentlegenen, aber in der Gesittung ihnen
vorausgeschrittenen China länger in Zweifel ziehen könnte. Doch nicht bloß
Ähnlichkeit werden wir zwischen Kriegsgeräten und denen der beiden klassischen
Völker finden, sondern auch Aufschluß und Belehrung über die Beschaffenheit und
Einrichtung mancher uns bloß dem Namen nach oder aus mangelhaften und zum Teil
fingierten Abbildungen bekannt gewordener Werkzeuge und Vorrichtungen. In dieser
Hinsicht sind die Mitteilungen, welche wir geben zu können glauben, gleich
wichtig und unterhaltend, und wir wollen also mit einer aus der klassischen
Literatur allgemein bekannten Belagerungsmaschine den Anfang machen. Der
Mauerbrecher, Tschoang tsche, d.<ent:thinsp/>i. Stoßwagen der Chinesen, der indessen längst
schon aus dem Gebrauche gekommen. Er ist dem sogenannten schwebenden oder
tyrischen Sturmbock (aries pensilis), dessen sich die Griechen und Römer
bedienten, ähnlich. Das Kopfstück war in Form einer Pfeilspitze, massiv von
Eisen oder Metall, und der Stoßbalken wurde in der Mitte mit einem Seile an
einer walzenförmigen Winde, welche quer auf zwei auf einem Gestelle mit vier
niedrigen Rädern errichteten Pfählen ruhte, aufgehängt. Mittels der Winde konnte
der Stoßbalken höher oder tiefer gehängt werden, wodurch er beim Stoßen gegen
die Mauer mehr oder weniger Spielraum und Kraft gewann. Das Nähere zeigt die
Abbildung, Fig. 46 Abb. <cmd name="emph"><arg>x</arg></cmd> die aus der
mehrerwähnten chinesischen Bilderfibel entlehnt ist. Abgesehen von dem Namen,
giebt die dort eingerückte Erklärung<ent:thinsp/>: &CMD.dlq;Kosiraje wa abura, simegino gotosi,
sirowo tsuku mono nari&CMD.drq;, &CMD.dlq;an Gestalt einer Ölpresse ähnlich, dient dies Geräte
zum Stoßen gegen Festungsmauern&CMD.drqsp; den Zweck dieser Maschine deutlich an.</x>

<x>Die Räderschilde haben wir bereits oben erwähnt und in Fig. 43 Abb. <cmd name="emph"><arg>b</arg></cmd> und <cmd name="emph"><arg>c</arg></cmd> die noch
gegenwärtig gebräuchlichen abgebildet. Vor Einführung der Feuerwaffen bedienten
sich auch die Chinesen bei Belagerungen einer der Nr. 2 ähnlichen Maschine. Sie
heißt M<ent:omacr/>k miu teu, d.<ent:thinsp/>i. hölzerner Mädchenkopf, war sehr massiv aus Dielen
verfertigt, 6 Fuß hoch und 5 breit und konnte auf vier Rädern fortbewegt werden.
<cmd name="beginpage" args="{344}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg343">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg344">344</xhtml:a><xhtml:a href="#pg345">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Die Chinesen hatten noch andere bewegliche Schutzdächer, welche, nach den
Abbildungen zu urteilen, mit dem Musculus und der Testudo fossaria der Römer
große Ähnlichkeit hatten und zu gleichem Zwecke gebraucht wurden. Eine Abbildung
eines solchen Schutzdaches teilen uns die französischen Missionäre zu Peking, im
VIII. Bande ihrer Memoires (Nr. 46) mit unter der Benennung<ent:thinsp/>: &CMD.dlq;Ane de bois a
tete pointue&CMD.drq;. Eigentlich war es eine mit ungegerbten Ochsenhäuten überspannte,
auf sechs Rädern bewegbare Hütte, 15 Fuß hoch und 8 lang und breit, worin zehn
Mann Platz hatten.Unter diesem Schutzdache näherte man sich den Mauern einer
belagerten Stadt, wenn man sie untergraben wollte. Auch bei der Herstellung
einer Mine kamen sinnreiche Vorrichtungen in Anwendung. Man bediente sich
während des Unterminierens eigentümlicher Stützen, viereckiger, aus Balken
verfertigter, tragbarer Gestelle, welche, in kurzen Zwischenräumen gesetzt, das
Einstürzen der Erde und Gesteine hinderten und einen Stollen bilden halfen, der
sodann mit Reisholz und anderen brennbaren Stoffen ausgefüllt und angezündet
wurde. Mit dem Verbrennen der hölzernen Stützen fiel der Stollen ein, und Wall
oder Mauer, welche auf diese Weise untergraben waren, stürzten zusammen. Die
Chinesen nennen eine solche Mine Ti tao, d.<ent:thinsp/>i. Erd- (unterirdischer) Gang.</x>

<x>Auch in der Kriegskunst der alten Römer finden sich die eben berührten
Vorrichtungen der Chinesen wieder. Die chinesische Räderhütte steht der Testudo
fossaria gegenüber, während die viereckigen Balkengerüste unverkennbar die von
Vegetius unter dem Namen Musculus beschriebenen kleineren Maschinen sind, deren
mehrere miteinander verbunden zum Untergraben der Mauern gebraucht wurden. Im Ti
tao selbst lassen sich jene verborgenen, unterirdischen Minen, welche die Römer
Cuniculi nannten, wiedererkennen.</x>

<x>In chinesischen und japanischen Büchern werden noch einige andere höchst
merkwürdige Maschinen, womit man sich, vor der Bekanntschaft mit den
Feuerwaffen, verteidigte, beschrieben und abgebildet. Auf den ersten Blick
erkennt man in ihnen Wurfmaschinen, ähnlich den Katapulten, Ballisten und
Onager<ent:thinsp/>; die Abbildungen der Chinesen und Japaner geben uns, was noch wichtiger
ist, von solchem groben Geschütze einen weit deutlicheren Begriff, als die
mangelhaften Beschreibungen griechischer und römischer Schriftsteller mit all
ihren Commentatoren.</x>

<x>Die Namen Catapultae und Ballistae werden bei den alten Schriftstellern
häufig miteinander verwechselt. Erstere kamen bei den Römern ganz außer
Gebrauch<ent:thinsp/>; ihr Name findet sich bei Vegetius, der unter Valentinian (370<ent:ndash/>378)
lebte, nicht mehr. Über die Einrichtung beider Maschinen ist uns nichts genau
bekannt geworden. Wahrscheinlich waren es große Bogen, welche man mit Stricken
und eigenen Vorrichtungen spannte und damit ungeheure Pfeile <ent:ndash/> oft 12 Fuß lange
Balken mit starken eisernen Spitzen <ent:ndash/> abschoß. Die Katapulten unterschieden
sich von den Ballisten dadurch, daß sie ihre Geschosse mehr horizontal warfen,
während die der letzteren eine bogenförmige Flugbahn hatten. Jene vertraten
unsere Kanonen, diese unsere Mörser. Die Onager (onagri) waren, allem Anscheine
nach, große Schleudern, womit man Steinmassen, getötete Soldaten, ja selbst tote
Pferde u. dgl. in die belagerten Städte schleuderte.</x>

<x>Eine den Katapulten und Ballisten der Griechen und Römer ähnliche
Wurfmaschine ist unstreitig der <ent:Omacr/>jumi der Japaner oder Nu der Chinesen <ent:ndash/> eine
kolossale, aus drei Bogen zusammengesetzte Armbrust, welche auf einem Gestelle
<cmd name="beginpage" args="{345}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg344">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg345">345</xhtml:a><xhtml:a href="#pg346">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> ruht. Wir haben von diesem merkwürdigen Kriegswerkzeuge auf Fig. 46
Abb. <cmd name="emph"><arg>s</arg></cmd> eine genaue Abbildung nach der mehrmals
citierten chinesischen Bilderfibel gegeben und bereits früher derselben erwähnt.
Daß diese Wurfmaschine aus China stammt, unterliegt keinem Zweifel. Die Japaner
haben sie übrigens, laut Aussage ihrer Geschichte, zuerst im Jahre 618 aus Korea
erhalten. Man schoß damit große Pfeile mitunter auch Feuerpfeile, welche mit
Werg und anderen brennbaren Stoffen umwunden und mit Harz und Schwefel
bestrichen waren und auf Häuser, Fahrzeuge und Kriegsmaschinen der Feinde
geschossen wurden, wo sie stecken blieben und zündeten. Sie erinnern uns an die
ignita tela oder falaricae, jene brennenden Pfeile des Altertums, welche eine
drei Fuß lange eiserne Spitze hatten, und deren 9 Fuß langer Schaft mit
brennbaren Stoffen umwickelt war. Der in Fig. 46 Abb. <cmd name="emph"><arg>n</arg></cmd> abgebildete japanische Feuerpfeil entspricht
dieser Beschreibung.</x>

<x>Ein anderes kolossales Wurfgeschoß war der Pao tsche oder Schleuderwagen der
Chinesen, womit man Steine aus den Festungen auf die Belagerer warf. Man hatte
mehrere Arten<ent:thinsp/>: solche, welche auf einem eigenen Gestelle mit Rädern standen, und
andere, welche auf bloßem Boden befestigt wurden. Die Einrichtung beider ist
eine und dieselbe und äußerst einfach. Ihre Wirkung beruht auf den Gesetzen
eines zweiarmigen, physischen Hebels. Eine auf einem Gestelle bewegliche Welle
dient zur Unterstützung eines Hebebaumes, an dessen langem Arme eine Schleuder
zur Aufnahme der Wurfgeschosse, und an dessen kurzem Arme dagegen 15 bis 20
Stricke befestigt sind. An diesen konnten eine Menge Leute ziehen, um das in der
Schleuder befindliche Wurfgeschoß emporzuschnellen. Die Welle ist in der Mitte
durchbohrt, und durch das Loch läuft der Hebebaum, der aus seinem Gleichgewichte
verschoben werden kann. Es versteht sich von selbst, daß in dem Verhältnisse,
als man den Hebelsarm der wegzuschleudernden Last verlängert und somit den
Hebelsarm der Kraft verkürzt, das Geschoß durch die Maschine um so weiter
fortgeschleudert, aber auch mehr Menschenkraft dazu erfordert wird. Zur
Berechnung des Abstandes <ent:ndash/> des größeren oder kleineren Bogens, den das Geschoß
zu beschreiben hat, um das vorgesteckte Ziel zu erreichen, ist der Hebebaum in
Grade geteilt. Das Gestelle, worauf die Welle ruht, kann nach allen Richtungen
gedreht werden, ohne daß der Wagen selbst gewendet werden muß. Auf Fig. 47 <cmd name="emph"><arg>n</arg></cmd> haben wir von einem solchen Schleuderwagen eine
Abbildung gegeben. Die Maschine ist in hohem Grade merkwürdig und hat, ihrer
Wirkung nach zu urteilen, viel Ähnlichkeit mit den Onagern der Römer.</x>

<x>Eine andere, noch einfachere Wurfmaschine der Chinesen war der Hi kiü, d.<ent:thinsp/>i.
fliegende Strohwisch. Sie bestand in einer Stange <ent:ndash/> einem Hebel, der, statt auf
einer Welle, bloß auf einem mit einer Gabel versehenen Pfahle ruhte. Am
Hebelsarm der Last war der wegzuschleudernde Gegenstand, ein brennender
Strohwisch oder Pechkranz, und am Hebelsarm der Kraft ein Strick befestigt.
Diese Maschine warf nicht weit infolge ihrer geringen Kraft (Fig. 47 <cmd name="emph"><arg>h</arg></cmd>). Sie gleicht in ihrem Mechanismus dem Tolleno
der Alten, der höchst wahrscheinlich auch nur als Hebelschleuder diente und
nicht, wie man glaubt, um Mannschaften auf die Türme und Mauern belagerter
Festungen zu setzen oder einen Mann in die Höhe zu heben zur Erspähung, was oben
in den Türmen oder innerhalb der Mauern vorging. Für diesen Zweck hatten die
Alten gewiß auch ihre Maschinen, gerade wie die Japaner und Chinesen.
<cmd name="beginpage" args="{346}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg345">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg346">346</xhtml:a><xhtml:a href="#pg347">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Bei den beiden letztgenannten Völkern trifft man Maschinen, welche sehr gut
die Stelle eines Wachturms vertreten, wenn es sich darum handelt, die
herannahenden Feinde zu erspähen, oder ihre Stellung zu beobachten, oder zu
erforschen, was in verschanzten Lagern oder belagerten Städten vorgehe. &lt;Abb.
47. <cmd name="emph"><arg>Streitwagen und Belagerungsmaschinen.</arg></cmd>&gt; Die Konstruktion dieser
Kriegsmaschinen ist von verschiedener Art. Am vollkommensten ist der sogenannte
Kuruma seir<ent:omacr/>, d.<ent:thinsp/>i. mit Rädern versehene Nestturm, den man auch Hiki seir<ent:omacr/>,
Nestturm <cmd name="beginpage" args="{347}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg346">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg347">347</xhtml:a><xhtml:a href="#pg348">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> zum Ziehen und Tsuri seir<ent:omacr/>, Angelnestturm nennt. Er besteht
aus zwei Masten, die auf einem mit vier Rollen versehenen Gestelle befestigt und
an ihrem oberen Ende durch eine eiserne Querstange verbunden sind. An dieser ist
ein Flaschenzug befestigt, mittelst dessen ein viereckiger Kasten, worin sich
ein oder mehrere Soldaten befinden, in die Höhe gezogen wird. Der Käfig, 15 Fuß
hoch und 4 Fuß breit, war ehemals mit Rindshaut überzogen<ent:thinsp/>; jetzt ist er
gewöhnlich mit Kupferplatten belegt und mit Lugschlitzen und Schießscharten
versehen. Die Abbildung, welche wir dem obenerwähnten Aufseher des Arsenals zu
Jedo verdanken, befindet sich auf Fig. 43 Abb. <cmd name="emph"><arg>h</arg></cmd>.</x>

<x>Mit einer ähnlichen Maschine der Chinesen haben uns die Missionäre zu Peking
bekannt gemacht. Sie nennen dieselbe<ent:thinsp/>: Echelle à étage, pour voir par dessus les
murailles d'une ville. Von dem Kuruma seir<ent:omacr/> der Japaner scheint sich diese
dadurch zu unterscheiden, daß der Kasten nicht aufgezogen wird, sondern auf
einem Maste befestigt ist, an dem ein Soldat hinauf&GER.nolig;klimmen muß. In unserer
chinesischen Bilderfibel findet sich eine bessere Abbildung dieser Maschine, die
da unter dem chinesischen Namen Wang k<ent:omacr/>, d.<ent:thinsp/>i. Lugturm, aufgeführt wird. Der
Wächter oben steckt bei Annäherung des Feindes eine Fahne aus.</x>

<x>Zu einem ähnlichen Zwecke brauchen die Japaner noch eine andere, einfachere,
aber sinnreich ausgedachte Maschine, den Kumi age seir<ent:omacr/> oder Nestturm, um
mehrere Leute in die Höhe zu bringen. Er ist ein massives, aus Balken in Form
einer dreieckigen Pyramide gezimmertes Gestelle, aus verschiedenen Stockwerken
zusammengesetzt, die wieder abgenommen und auf diese Weise leicht fortgeschafft
werden können. (Fig. 43 Abb. <cmd name="emph"><arg>g</arg></cmd>). Diese
turmartige Steige gehört auch zu den Sturmgeräten und ist noch im Gebrauch.</x>

<x>Zum Ersteigen der Mauern bedienen sich die Japaner, nach dem Vorbilde der
Chinesen, hölzerner Steigleitern, Strickleitern und Hakenstricke. Von den
Steigleitern sind uns zwei Formen bekannt geworden, wovon die eine leicht
tragbar ist und eine ungemein scharfsinnige Einrichtung hat. Sie besteht nämlich
aus 3 oder 4 etwa 3 Fuß langen Stücken, die je fünf Sproßen enthalten und durch
Scharniere verbunden und wieder auseinandergenommen werden können, so daß ein
Mann im Sturmmarsche sie leicht tragen kann. Da wieder mehrere solcher Leitern
durch künstliche Verbindungsbeschläge vereinigt und aufeinander gesetzt werden
können, so sind auf diese Weise drei tüchtige Soldaten imstande, eine an 36 Fuß
hohe Leiter eilends zum Sturme herbeizuschaffen. Gewöhnlich findet man die
Mauern der Festungen beim Ersteigen höher, als man sie vorher geschätzt hat, und
in den meisten Fällen sind die Sturmleitern zu kurz. Diesen Fehler verbessern
die japanischen Scharnierleitern, welche man durch Zusammensetzen beliebig
verlängern kann. Sie heißen Tsugi hasigo, d.<ent:thinsp/>i. Leitern zum Zusammenfügen (Fig.
43 Abb. <cmd name="emph"><arg>d</arg></cmd>).</x>

<x>Eine andere Art hölzerner Sturmleitern heißt Kaki hasigo, Hängleiter. Sie
sind niedrig, haben bloß sieben Sprossen und sind am oberen Ende mit eisernen
Haken und Stricken versehen, um sie leicht befestigen zu können (Abb. <cmd name="emph"><arg>f</arg></cmd>). Es scheint, daß man in gewissen Fällen beide
Arten von Leitern miteinander miteinander verbindet.</x>

<x>Die Chinesen und Japaner haben auch Sturmleitern, welche, gleich jenen der
Alten, am oberen Ende zwei Räder führen, um sie an den Mauern hinauf zu
rollen.</x>

<x>Die Strickleitern, Tsuna hasigo, weichen wenig von den unseren ab. Sie werden
meistens aus Hanf, auch aus dem Gewebe der Besenpalme (Chamaerops excelsa)
verfertigt. Abb. <cmd name="emph"><arg>e</arg></cmd>. <cmd name="beginpage" args="{348}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg347">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg348">348</xhtml:a><xhtml:a href="#pg349">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Der Hakenstrick ist ein starker Strick, am Ende mit einer eisernen Klaue
versehen. Auf dem Stricke sind längere oder kürzere Bambusstücke eingereiht,
welche einen festen Anhaltspunkt beim Auf&GER.nolig;klimmen gewähren. Sie heißen Kaki nava.
(Abb. <cmd name="emph"><arg>i</arg></cmd>).</x>

<x>Vor der Bekanntschaft mit den Feuerwaffen waren in China und wahrscheinlich
auch in Japan eigentümliche Sturmbrücken zum Ersteigen der Mauern in Gebrauch.
Man hatte deren von verschiedener Bauart und Größe. Die Missionäre haben uns
Abbildungen davon gegeben, welche mit jenen der großen japanischen Encyklopädie
und der mehrerwähnten Bilderfibel ganz übereinstimmen. Auch auf unserer Fig. 46
befindet sich eine aus letzterem Buche entlehnte Abbildung (Abb. <cmd name="emph"><arg>v</arg></cmd>), welche uns eine deutliche Vorstellung von einer
solchen Kriegsmaschine giebt. Sie ist dieselbe, welche die Missionäre unter Nr.
47 abgebildet und mit folgenden Worten beschrieben haben<ent:thinsp/>: &CMD.dlq;Echelle à monter aux
nues, c'est le nom d'une échelle qu'on emploie pour escalader les murailles. Le
bas forme une espèce de chambre ou sont les gens armés. Elle a six roues.
L'<ent:thinsp/>échelle est double, chaque partie est longue de vingt pieds. Ces deux parties
entrent l'une dans l'autre<ent:thinsp/>; et lorsqu'on les développe, elles forment une
échelle de quarante pieds. L'<ent:thinsp/>endroit ou sont les gens armés est couvert d'une
peau de boeuf non tannée.&CMD.drqsp; Das Auf- und Zurückschlagen der Brücke geschah
mittelst starker Seile von den unter dem Verdecke verborgenen Soldaten<ent:thinsp/>; am obern
Ende der Schlagbrücke befanden sich eiserne Haken, um beim Aufziehen die Mauern
zu fassen oder sich ins Gebälke einzuklammern. Diese Haken wurden, da sie auf
dem Originalbilde nicht deutlich genug zu sehen waren, auf unserer Abbildung
leider vergessen.</x>

<x>Ähnlich, nur einfacher, ist die von den Missionären unter Nr. 52 angeführte
Sturmbrücke<ent:thinsp/>; sie hat bloß vier Räder und kein Verdeck.</x>

<x>Diese Kriegsmaschinen verdienen noch jetzt unsere Aufmerksamkeit, insofern
sie uns vielleicht einigen Aufschluß über ähnliche Sturmgeräte der Griechen und
Römer geben, um so mehr, da wir von der Einrichtung der beweglichen Türme
(turres ligneae, quae rotarum et cylindrorum ope ad moenia pellebantur), der
Fall- und Schiebbrücken (sambucae et exostrae) der Alten nur sehr oberflächliche
Begriffe haben.</x>

<x>Aus den wiederholt angeführten japanischen und chinesischen Quellen fließen
uns noch einige andere Mitteilungen zu über Angriffs- und Verteidigungswaffen
und Belagerungsmaschinen, welche die alten Bewohner des Reiches der Mitte
gebrauchten. Wir müssen darüber noch einiges zur Sprache bringen, da die
Missionäre, die derselben in ihren Memoiren gedachten, nur oberflächliche und
zum Teil unrichtige Mitteilungen überliefert haben. Dahin gehören die
Räderbrücken, womit man über Gräben und Furten setzt, und einige Vorrichtungen
und Hülfsmittel gegen Wurfgeschosse und zur Verteidigung der Mauern oder
Breschen.</x>

<x>Die Räderbrücken waren entweder einfach, ein unsern Karren ähnliches, auf
zwei oder vier Rädern bewegliches Gerüst von verschiedener Größe (Mém. conc.,
a.<ent:thinsp/>a.<ent:thinsp/>O., Nr. 44), oder sie waren doppelt, und es konnte ein Teil, wie bei den
Fallbrücken, aufgezogen und herabgelassen werden (Mém. conc., Nr. 45). Man hatte
deren auch solche, welche mit einem Schutzdache versehen waren und gleich unsern
Fähren mittels über das Wasser gespannter Seile fortbewegt wurden. Der Seile
wurden je zwei gespannt und durch einen Windebaum straff angezogen. Auf Fig. 47
Abb. <cmd name="emph"><arg>m</arg></cmd> findet sich eine Abbildung davon, der
mehrerwähnten Bilderfibel entnommen.</x>

<x>Gegen Wurfgeschosse gebrauchte man außer den bereits oben beschriebenen
Räderschilden, Hürden und Blendungen noch massive Häng- und Steckschilde, die
mit <cmd name="beginpage" args="{349}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg348">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg349">349</xhtml:a><xhtml:a href="#pg350">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> rohen Ochsenhäuten überzogen, oder mit Metallplatten belegt und
in der Mitte mit einer Schießscharte oder einem Spähschlitze versehen waren
(Mém. conc., Fig. 59, 61, 66. <ent:ndash/> Fig. 47 Abb. <cmd name="emph"><arg>c</arg></cmd>). Ähnliche Schirme von größerem Umfang wurden zur
Verteidigung der Breschen oder zur Beschützung der mit Ausbesserung der Mauer
beschäftigten Arbeiter verwendet (Fig. 47 Abb. a<ent:thinsp/>; Mém. conc., Nr. 65 A und
B).</x>

<x>Mit eigenen Hängthoren schloß man die erbrochenen Thore aufs neue (Mém.
conc., Fig. 58) und schob im äußersten Notfalle eine auf zwei Rädern bewegliche
Bohlenwand, die mit eisernen Spießen besetzt war, dem eindringenden Feinde
entgegen (Fig. 47 Abb. <cmd name="emph"><arg>o</arg></cmd>). Dieser Schubkarren
hieß Tao tsche (jap.-chin. T<ent:omacr/> sja), d.<ent:thinsp/>i. Schwertwagen. Man darf damit nicht
einen ähnlichen, auch mit Lanzen bewaffneten Karren verwechseln, den die
Missionäre unter Fig. 137 als Machine en forme de char pour porter le feu dans
le camp ennemi beschrieben haben. Auch thun sie noch eines andern Feuerwagens
Erwähnung und teilen von ihm unter dem Namen Char à huile pour mettre le feu in
Fig. 138 eine Abbildung mit<ent:thinsp/>; ebenso von einem Char à garantir du vent (Fig. 135)
und einem Char volant (Fig. 139).</x>

<x>Von dem eigentlichen Sichelwagen der Alten (currus falcatus) finden wir bei
den Chinesen und Japanern keine deutliche Spur, wohl aber von den Streitwägen.
Diese kommen bereits unter der Dynastie Tscheu (1077 bis 255 v. Chr.) unter dem
Namen Juên schü, d.<ent:thinsp/>i. die ersten Soldaten, vor, waren zweiräderig und wurden mit
vier gepanzerten Pferden bespannt. Auf diesen Streitwägen fuhren drei
geharnischte Krieger<ent:thinsp/>; der zur Linken führte den Bogen, der zur Rechten den
Speer, und der mittlere lenkte die Pferde. Zehn solcher Streitwägen fuhren dem
Heere voraus (Fig. 47 Abb. <cmd name="emph"><arg>q</arg></cmd>). Unter der
Dynastie Tsin (237 bis 209 v. Chr.) kam der Siao schü, d.<ent:thinsp/>i. kleinere Soldat,
auf. Auch dieser Wagen, vom vorigen wenig verschieden, ward mit vier Pferden
bespannt, faßte aber nur einen einzigen Krieger (Fig. 47 Abb. <cmd name="emph"><arg>p</arg></cmd>). Zur Zeit des trojanischen Krieges fochten die
griechischen Heroen auf ähnlichen Streitwägen.</x>

<x>Zu den Verteidigungsmaschinen gehörten ferner noch der chinesische Mu lúi und
Jí tsch'a lui, mit eisernen Nägeln versehene Walzen von hartem Holze, welche man
den Anstürmenden entgegenrollte. Letztere hatten zwei Räder und waren an
Stricken befestigt, womit sie, nachdem sie losgelassen, wieder zurückgezogen
werden konnten (Fig. 47 Abb. <cmd name="emph"><arg>k</arg></cmd>).</x>

<x>Ein furchtbares Geräte war das sogenannte eiserne Feuerbett (Fu ho tsch'&GER.nohy;ong),
ein eiserner, vierräderiger Wagen, der, an einer Kette befestigt, glühend von
den Mauern auf die Feinde herabgerollt wurde (Fig. 47 Abb. <cmd name="emph"><arg>f</arg></cmd>). Ebenso warf man glühende eiserne Platten auf
die Belagerer (Abb. <cmd name="emph"><arg>d</arg></cmd>). Auf die den Mauern
nahenden Feinde wurde auch glühender Sand, siedendes Wasser oder Öl, das man in
eigenen Kesseln, Jen h<ent:omacr/> t'ie siang, d.<ent:thinsp/>i. wandernder eiserner Feuerkessel,
erhitzte, geschüttet (Abb. <cmd name="emph"><arg>d</arg></cmd>). Auch große, mit
dreieckigen Nägeln versehene Rahmen (Abb. <cmd name="emph"><arg>e</arg></cmd>),
glühende Kugeln und eiserne Sterne (Abb. <cmd name="emph"><arg>g</arg></cmd>)
und andere dergleichen Wurfwerkzeuge, an Stricken und Ketten befestigt,
schleuderte man von der Mauer aus den andringenden Belagerern entgegen.</x>

<x>Alle diese Geräte und Maschinen gehören halbgesitteten Völkern der
vorchristlichen Zeit, den alten Bewohnern des Reiches der Mitte an<ent:thinsp/>; ähnliche, wo
nicht dieselben, waren, wie wir nachgewiesen, bei den Griechen und Römern im
Gebrauche. Nationen, die uns als Muster der Gesittung gelten und die wir noch
heutigen Tages als Vorbilder der Kunst und als Überlieferer der Wissenschaft
verehren. <cmd name="beginpage" args="{350}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg349">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg350">350</xhtml:a><xhtml:a href="#pg351">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Wir wollen keinen Vergleich anstellen zwischen den alten Kriegsgeräten
asiatischer Nationen und den Waffen unserer Zeit, diesen verabscheuungswürdigen
Mitteln, die der Mensch noch fortwährend ersinnt, um sie zur Vernichtung seines
eigenen Geschlechtes anzuwenden. Solche furchtbare Bilder wollen wir nicht vor
unsere Seele bringen<ent:thinsp/>; sie würden uns nur zu traurigen Betrachtungen führen über
den Zustand der Jetztwelt, die sich einer so hohen Stufe der Gesittung und
Geistesbildung rühmt. Von allen diesen Emblemen des die Welt noch beherrschenden
kriegerischen Geistes das Auge wendend, wollen wir auf die Waffen und ähnliche
Werkzeuge der Urbewohner unserer Erde hinblicken, deren Ära wir nach den uns von
ihnen hinterlassenen Kunsterzeugnissen das Steinzeitalter nennen.</x>





<cmd name="subsection" id="ssec-6"><arg>Blick auf die Steinwaffen der Urbewohner der japanischen Inseln</arg></cmd>




<x>Die Waffen und andere schneidende Gerätschaften der Urbewohner, d.<ent:thinsp/>i. der
ersten rohen Bevölkerung aller bekannten Teile der Erde, waren von Stein,
Knochen, Konchylien oder hartem Holze. In den meisten, wohl in allen Ländern der
Welt findet man Überbleibsel solcher Geräte. Sie gehören den Urahnen teils noch
lebender, teils bereits vor Jahrtausenden untergegangener, gesitteter oder
halbgesitteter Völker an. Es waren Erzeugnisse des Kunstfleißes in jener
Periode, wo man die Metalle noch nicht kannte oder nicht zu bearbeiten wußte.
Mit Recht nennen daher die Altertumsforscher diese Periode in der Entwicklung
eines Volkes sein Stein-Zeitalter und steigen mit ihm aus diesem zum Bronze- und
Eisen-Zeitalter auf.</x>

<x>Jedes Volk, welches wir jetzt noch auf der Stufe der Halbgesittung erblicken
oder unserer europäischen Kultur zur Seite stehen sehen, durchlief in längeren
oder kürzeren Zeiträumen diese drei Perioden<ent:thinsp/>; und jene Völker, welche wir noch
in ihrem Urzustande, abgeschlossen in fernen Ländern entdecken, alle diese <ent:ndash/>
wir nennen sie Wilde <ent:ndash/> treffen wir noch im Steinzeitalter ihrer Kultur an. Bei
den alten Ägyptern, bei den Voreltern der Griechen, der Etrusker und der Römer,
bei den Germanen und den gotischen Nordbewohnern und bei jenen Völkerstämmen,
welche wir die wendisch-slavischen nennen, und deren Spuren sich vom fernsten
nordöstlichen Asien her verfolgen lassen, bei den Indern, den Urbewohnern
Mittelasiens, bei den alten Mexikanern <ent:ndash/> bei allen diesen Völkern gab es eine
Zeit, wo steinerne Waffen und andere Steingeräte in allgemeinem Gebrauche waren.
Noch heutigen Tages bedienen sich solcher einige nord- und südamerikanische
Völkerstämme, die noch nicht zur Kenntnis der Bearbeitung der Metalle gelangt
sind.</x>

<x>Die Urbewohner unter allen Himmelsstrichen haben also, wie erwähnt, ihr
Hausgeräte und Handwerkszeug, ihre Keulen und andern massiven Hiebwaffen aus
Stein gebildet. Auch zu Geschossen finden wir Steine verwendet, seltener zwar
und nur im höchsten Notfalle bei Völkern der heißen Zone, aber um so häufiger,
je mehr die Völker dem Norden sich nähern. Hartes Palmenholz und scharfes
Bambusrohr, im Feuer gestählt, sind stark genug, den unbekleideten Leib des
Feindes zu durchbohren oder das Wild zu töten und sich gegen mächtige, aber
dünnbehaarte Raubtiere der Tropenwelt zu verteidigen.</x>

<x>Nicht so in den mehr dem Norden zugekehrten Himmelsstrichen. Dort vertreten
weiche Nadelhölzer und zerbrechliches Schilfrohr die Stelle der Palmen und des
Bambus, und der rohe Naturmensch schützt sich durch Bekleidung mit Tierfellen
und Fischhäuten gegen das rauhe Klima. Ein wolliges <cmd name="beginpage" args="{351}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg350">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg351">351</xhtml:a><xhtml:a href="#pg352">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Fell oder
dichtes Gefieder bedeckt das Wild, und die zur Nahrung unentbehrlichen Seetiere
sind mit einer harten Haut bekleidet. Die Bewohner solcher Gegenden nahmen daher
zu scharfen Steinen und spitzigen Knochen ihre Zuflucht und benutzten sie zu
Jagd- und Fischergeräten, zu Verteidigungs- und Angriffswaffen.</x>

<x>Waren sie nur zum gewöhnlichen Gebrauche bestimmt, so wählte man zu Waffen
und andern Gerätschaften jene taugliche Steinart, welche am häufigsten an dem
Wohnorte eines Volkes selbst oder, wenn sie da fehlten, in dessen Nachbarschaft
vorkamen. Nach Umständen verfertigte man indessen auch aus seltenen, oft
kostbaren Gesteinen Gegenstände, und an ihnen versuchte sich die Kindheit der
Kunst. Der Wohlhabende, der Vornehmere strebte nach ihrem Besitze und bewahrte
sie sorgfältig als einen Schatz. Oft gab man sie dem Eigentümer mit in das Grab
oder hielt sie als dauerndes Andenken des Verstorbenen hoch in Ehren. Sagen und
religiöse Deutungen knüpften sich mit der Zeit daran, und spätere Generationen
achteten die aus der Vorzeit erhaltenen Steinwaffen und andere seltene Geräte
von Stein als Heiligtümer. Doch wie dauerhaft auch dergleichen heilige Reste
waren, sie gingen größtenteils mit der fortschreitenden Civilisation verloren.
Nur ein einziges Volk auf Erden, und zwar ein gesittetes, bewahrt noch aus rein
religiösem Gefühle seine altertümlichen Steinsachen. Während in allen andern
Ländern, welche von gesitteten Völkern bewohnt werden, diese Reste tief unter
dem Schutte, den die Menschheit bei ihrem Heraustritte aus der Barbarei aus
Unwissenheit oder Fanatismus darüber geworfen hat, begraben liegen, entzieht der
Japaner sie der Zerstörung. Auch zu ihm drang der Lichtstrahl der Kultur vom
benachbarten Festlande, aber mit sanfterem Tritte schritt er über die Überreste
seiner grauen Vorzeit. Obwohl auf einer hohen Stufe der Gesittung stehend,
blickt dieses Volk mit Ehrfurcht auf dergleichen Altertümer, nähert sich ihnen,
durchdrungen von heiligem Schauer, und macht deren Erhaltung zu einer religiösen
Pflicht <ent:ndash/> sind es doch Überbleibsel aus ihrer Geisterzeit, die Nachlassenschaft
ihrer Kamis <ent:ndash/> der himmlischen Abkömmlinge, von denen sie selbst ihre Abkunft
herleiten. So finden wir noch heutzutage in den Kapellen und Kamihallen Japans
Steinwaffen und sonstige Steingeräte neben andern hoch in Ehren gehaltenen
Reliquien auf&GER.nolig;bewahrt. Sie ruhen da unter dem Schutze des Kamidienstes und werden
den Pilgern und Reisenden von den Priestern vorgezeigt. Unauslöschliche Spuren
des Fetischdienstes bezeichnen ohnehin die religiöse Seite der gemeinen
Volksklasse<ent:thinsp/>: nicht zu verwundern also, wenn solche Gegenstände mit Ehrerbietung
betrachtet und angestaunt wurden<ent:thinsp/>; aber auch nicht zu verwundern, wenn die
schlauen Priester zu wunderbaren Sagen und Legenden der Vorzeit griffen und
dadurch die Aufmerksamkeit des herbeiströmenden Volkes noch mehr zu fesseln
suchten<ent:thinsp/>!</x>

<x>Wollen wir nun die Steinwaffen und andere Steinsachen, welche man in Japan
bewahrt und zuweilen noch ausgräbt, einer wissenschaftlichen Betrachtung
unterziehen und sie mit ähnlichen Gegenständen des Altertums, wie auch mit
solchen, welche man noch jetzt bei einigen Völkern im Gebrauche findet,
vergleichen. Vielleicht gelingt es uns, aus den gemeinschaftlichen Merkmalen
derselben die Verwandtschaft der Urbewohner der japanischen Inseln mit andern,
längst von ihnen getrennten Stämmen zu entdecken und ihre gemeinschaftliche
älteste Heimat aufzufinden.</x>

<x>Steinwaffen und anderes Steingeräte wurden in Japan und werden noch jetzt mit
anderen Überresten aus der sogenannten Kamizeit auf alten Begräbnisplätzen, in
Kamihöfen, in Höhlenwohnungen und an verschiedenen Stellen wilder
Gebirgsgegenden ausgegraben. <cmd name="beginpage" args="{352}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg351">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg352">352</xhtml:a><xhtml:a href="#pg353">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Auch am Meeresstrande, an den Ufern und
Mündungen der Flüsse und an Wildbächen will man sie, zu Tage liegend, gefunden
haben. Man behauptet es zumal von den Pfeilspitzen (Jasiri isi, d.<ent:thinsp/>i.
Pfeilspitzen-Stein), und Fabeln und Märchen knüpfen sich daran.</x>

<x>Steinerne Pfeilspitzen kommen in den archäologischen Sammlungen der Japaner
am zahlreichsten vor<ent:thinsp/>; in einigen Gegenden muß eine außerordentliche Menge
derselben gefunden worden sein. Unsere Sammlung, welche wir größtenteils dem
Leibarzte des Sj<ent:omacr/>gun Katsuragawa zu verdanken haben, zählt deren 102, und der
Verfasser der genannten japanischen Mineralogie spricht von tausend
verschiedenen Arten, welche er zu beobachten Gelegenheit hatte. Nach seiner
Angabe sind die vorzüglichsten Fundorte derselben<ent:thinsp/>: der Berg von Nisi Tanbaitsi,
3 Ri vom Tempel Ofu rjuzi in der Provinz Jamato<ent:thinsp/>; größere Exemplare kommen da
selten vor<ent:thinsp/>; Mifudsimura in Owari<ent:thinsp/>; der Strand von Kasima in Fidatsi<ent:thinsp/>; Sakamoto und
der Berg des Hirahige Mij<ent:omacr/>zin in der Provinz Omi<ent:thinsp/>; verschiedene Orte der
Landschaft Mino, wo sie besonders häufig vorkommen<ent:thinsp/>; die Provinzen Hida,
Simodsuke<ent:thinsp/>; ferner Tsugaru, Matsumaë, Sendai, Nanbu, namentlich Sawimura<ent:thinsp/>; die
Provinz Dewa, vorzüglich die Gegend von Akumi, Ihi mori dsuka, das Gebirge von
Akita, Honsj<ent:omacr/> und der Bezirk Dagava<ent:thinsp/>; in der Provinz Jetsigo die Orte Kurotori,
Kamo, Baze<ent:omacr/>men mura, ferner die Orte Wakinomatsi und Okinosiro des Bezirkes
Misima, und Josukura tani und der Berg des Tempels Kensj<ent:omacr/>zi im Bezirke Kuiki<ent:thinsp/>;
die Landschaften Noto, Sado, H<ent:omacr/>ki, Idsumo, Sanuki<ent:thinsp/>; der Oïdake bei <ent:Omacr/>mura in der
Provinz Hizen und einige Gegenden der Provinz Higo.</x>

<x>Aus dieser Aufzählung der Fundorte geht hervor, daß die Steinpfeilspitzen am
häufigsten im nördlichen Teile der großen Insel Nippon gefunden wurden, dort, in
dem sogenannten Jebisu no kuni oder Lande der Wilden, dessen rohe Bevölkerung
sich erst spät und nur nach hartnäckigen Kämpfen unter das Joch der
Mikadodynastie beugte. Daß dieser Völkerstamm derselbe war, welcher jetzt noch
die Insel Jezo und die südlichen Kurilen bewohnt, ist eine ausgemachte Sache.
Der nördliche Teil der Insel Nippon selbst führte bei den alten Geographen den
Namen Jezo, während sie die nunmehrige Insel Jezo mit dem Namen Watarisima no
Jezo, d.<ent:thinsp/>i. die Insel Jezo jenseits des Kanals bezeichneten. An den Bergbewohnern
der Provinzen Dewa und Mutsu (oder wie man letzteres sonst nennt, Mitsino-oku),
läßt sich Ähnlichkeit in Leibesbildung, Sitten und anderen Eigenschaften mit den
Aino-Stämmen auf Jezo nicht verkennen. Auch teilen aufgeklärte japanische
Gelehrte selbst unsere Meinung und halten die Steinpfeilspitzen für Geschosse
der sogenannten Jebisu, der Bewohner Jezos, welche noch in den ersten
Jahrhunderten unserer Zeit den Norden und nordöstlichen Teil der Insel Nippon
inne hatten.</x>

<x>Die Steinpfeilspitzen sind, was ihre Form, Größe, Steinart und Farbe anlangt,
sehr verschieden. Unser mehrerwähnter Verfasser der japanischen Mineralogie
unterscheidet 36 verschiedene Formen. Die ausgezeichnetesten, welche wir in
unserer Sammlung besitzen, sind auf Fig. 48 abgebildet.</x>

<x>Ihrer Form nach lassen sich die Stein-Pfeilspitzen in gestielte und
ungestielte und die gestielten wieder in dreieckige (Nr. 1, 2, 3, 4, 5, 8, 11),
rautenähnliche (Nr. 9, 10, 12, 13) und lanzettförmige (Nr. 6, 7)<ent:thinsp/>; die
ungestielten dagegen in dreieckig-herzförmige (Nr. 15, 16, 17, 18) und in
oval-herzförmige (Nr. 14, 19, 20) einteilen. Von diesen Grundformen giebt es
mannigfache Abweichungen<ent:thinsp/>; so macht z.<ent:thinsp/>B. Nr. 11 den Übergang von den gestielten
dreieckigen zu den lanzettförmigen und Nr. 9 den Übergang <cmd name="beginpage" args="{353}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg352">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg353">353</xhtml:a><xhtml:a href="#pg354">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> zu den
rautenähnlichen. Eine einfachere Einteilung, welche andere Altertumsforscher
machen, ist, die gestielten als spießblattförmige und die ungestielten als
herzförmige zu bezeichnen.</x>

<x>Die größten japanischen Steinpfeilspitzen in unserer Sammlung sind 0,06 Meter
lang, am breitesten Durchmesser 0,024 Meter breit und 0,006 Meter dick<ent:thinsp/>; die
kleinsten 0,02 Meter lang, 0,011 Meter breit und 0,003 Meter dick. Unser
japanischer Autor will dergleichen von 3 bis 5 Sun (0,0909 bis 0,1515 Meter) bis
zu einem Sjaka (0,303 Meter) Länge gesehen haben. &lt;Fig. 48. <cmd name="emph"><arg>Pfeilspitzen aus
der Steinzeit.</arg></cmd>&gt; Die größeren waren ohne Zweifel Lanzen- oder Harpunenspitzen.
Auch beschreibt er eine solche unter dem Namen Kamino jari, Kami- oder
Geister-Wurfspieß. Das Exemplar, wovon er eine Abbildung giebt, war von
glänzender Farbe, wie lackiert (von Obsidian<ent:thinsp/>?), 7 Sun 5 Bun (0,22725 Meter) lang
und ungefähr 4 Sun (0,1212 Meter) breit, am einen Ende zugespitzt, am andern
abgerundet, die Oberfläche hier und da beschädigt. Dergleichen Steinwaffen
werden laut seiner Aussage von Zeit zu Zeit am Fukurojama in Dewa gefunden und
sind im Volksmunde unter obigem Namen bekannt. <cmd name="beginpage" args="{354}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg353">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg354">354</xhtml:a><xhtml:a href="#pg355">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Von großer Wichtigkeit ist es, die Art des Gesteins zu kennen, woraus diese
Pfeilspitzen verfertigt sind. Die in unserer Sammlung befindlichen japanischen
sind von Obsidian, Hornstein, Feuerstein, Karneol, Opal, Eisenkiesel und
Kieselschiefer. Von den auf Fig. 48 abgebildeten bestehen Nr. 1 bis 3 aus
Hornstein<ent:thinsp/>; als seltenere Stücke finden sich darunter Exemplare von
Kieselschiefer und Eisenkiesel. Nr. 4 ist von Obsidian, Nr. 5 von
Kieselschiefer, Nr. 6 und 7 von Hornstein, Nr. 8 zeigt Exemplare von allen
obengenannten Gesteinen, auch eines von Karneol<ent:thinsp/>; Nr. 9 von Obsidian<ent:thinsp/>; Nr. 10 von
Opal<ent:thinsp/>; Nr. 11 von Hornstein, mitunter auch von Opal<ent:thinsp/>; Nr. 12 und 13 von Hornstein<ent:thinsp/>;
Nr. 14, 15, 16 von Obsidian, auch Exemplare von Opal und Hornstein<ent:thinsp/>; Nr. 17 von
Kieselschiefer<ent:thinsp/>; Nr. 18 von Hornstein<ent:thinsp/>; Nr. 19 und 20 von Feuerstein.</x>

<x>Wir haben bemerkt, daß gewisse Formen der Pfeil- und Lanzenspitzen aus ein
und derselben Steinart bestehen, und wir halten dafür, daß dies in irgend einem
Zusammenhang mit Lokalverhältnissen stehen müsse, eine Mutmaßung, die, wenn sie
sich bestätigt, zu wichtigen Folgerungen führen und über Verwandtschaft und
Heimat, über Verkehr und Kriege so mancher Völkerstämme in vorgeschichtlicher
Zeit Aufschluß geben und den Schleier lüften würde, der ihre frühere Geschichte
in undurchdringliches Dunkel hüllt. Ist es schon in hohem Grade auffallend, daß
man an Pfeilspitzen, welche in so weit voneinander entlegenen Landstrichen, wie
z.<ent:thinsp/>B. am Ohio und in Dänemark, in Holland (Geldern) und im Norden von Japan
aufgefunden worden, eine täuschende Ähnlichkeit in der Form entdeckt<ent:thinsp/>; wie wird
man um so mehr erstaunen, wenn man bei näherer Vergleichung sich überzeugt, daß
auch die Steinart, woraus sie verfertigt worden, ein und dieselbe ist. Solche
Untersuchungen ließen sich noch mehrere anstellen, da wir Steinpfeilspitzen aus
vielen anderen Ländern der alten und der neuen Welt besitzen. Doch vorerst
genüge der Nachweis, daß Pfeilspitzen aus Stein ein gemeinschaftliches Eigentum
der Urbevölkerung unserer ganzen Erden gewesen sind. Daß sie noch heutzutage
nebst anderen Steinwaffen und Steingerätschaften bei einigen Völkern im
Gebrauche sind, haben wir bereits oben gesagt und unterlassen eine Aufzählung
der wilden Stämme, die solche Geschosse führen, als zu weitläufig für unseren
gegenwärtigen Zweck.</x>

<x>Wir wenden uns zu den Pfeilen und Harpunen, wie wir sie noch gegenwärtig bei
den Koljuschen auf Sitcha und bei einigen anderen Stämmen auf den Aleuten und
auf der Nordküste von Amerika vorfinden und deren Anfertigung unsere besondere
Aufmerksamkeit verdient, weil die Weise, wie die Spitzen mittels eines
knöchernen Schaftes an dem Pfeile oder Stiele des Wurfspießes befestigt werden,
uns Aufschluß über die Befestigung der Steingeschosse im Altertume giebt. Der
knöcherne Schaft hat, je nachdem er zur Aufnahme gestielter oder ungestielter
Pfeilspitzen dienen muß, eine verschiedene Einrichtung. Zur Aufnahme einer
ungestielten, oval-herzförmigen, aus Thonschiefer verfertigten Pfeilspitze
befindet sich am oberen Ende des 0,28 Meter langen Schaftes eine Längenspalte,
worin die Pfeilspitze in aufrechter Stellung gleichsam eingezwängt und mit einem
Kitt von Pech befestigt wird. Der rundlich zusammengedrückte Schaft ist der
Länge nach gefurcht und an der einen Seite mit ein oder zwei scharfen
Einschnitten, welche Widerhaken bilden, versehen. Am unteren Ende hat der Schaft
eine Spitze, womit er in den hölzernen Pfeil eingelassen und befestigt wird (Nr.
23 und 25). Au ähnliche Weise müssen alle altertümlichen ungestielten
Pfeilspitzen auf den Pfeilen befestigt gewesen sein. <cmd name="beginpage" args="{355}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg354">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg355">355</xhtml:a><xhtml:a href="#pg356">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>Eine andere Einrichtung hat der knöcherne Schaft zur Aufnahme der gestielten
Pfeil- oder Wurfspießspitzen. Er ist nicht gespalten, sondern ausgehöhlt, so daß
der Stiel der Spitze gut hineinpaßt und mit Kitt befestigt und mit Darmsaiten
umwickelt werden kann. Man vergleiche hiermit unsere Abbildungen (Nr. 22 und
24), die so deutlich sind, daß sie uns einer weitläufigeren Beschreibung
überheben.</x>

<x>Die Nachweisung der Art und Weise, wie die steinernen Pfeil- und
Wurfspießspitzen befestigt wurden, kommt uns gut zu statten, da die
ursprünglichen Waffengeräte, woran sie befestigt waren, in Japan, wie überall,
mit ihren ehemaligen Besitzern längst zu Grunde gegangen sind. Ohne diesen
Nachweis würde es schwer gewesen sein, die eigentümliche Befestigungsart solcher
Geschosse darzuthun<ent:thinsp/>; ja, man könnte selbst ihre eigentliche Bestimmung <ent:ndash/> als
Waffen untergegangener Völker <ent:ndash/> in Zweifel ziehen, wenn wir nicht ähnliche
Waffen, Jagd- und Fischergeräte jetzt noch in den Händen lebender Stämme
angetroffen hätten. Es sind dieses die Polarvölker, dieselben, welche, allen
neueren Beobachtungen zufolge, durch Verwandtschaft der Sprache, Religion,
Sitten und Gebräuche nicht nur unter sich, sondern auch mit anderen, jetzt in
weit vom Norden entfernten Himmelsstrichen lebenden Völkern innig verbunden sind
und welche ihre weite Bahn mit diesen Überresten ihrer rohen Kunstprodukte
bezeichnet haben. Von diesem Gesichtspunkt aus müssen wir die ineinander
täuschend ähnlichen nordamerikanischen, nordjapanischen und skandinavischen
Steinpfeilspitzen betrachten und dabei erwägen, daß die ausgewanderten Stämme
der Polarbewohner nicht im Sturmmarsche gerade vorwärts, sondern in langsamen
Schwingungen sich fortzubewegen hatten, um nach Jahrtausenden tausend Meilen von
ihrem ersten Wohnplatz entfernte Himmelsstriche zu erreichen.</x>

<x>Nicht weniger allgemein als die Pfeilspitzen sind die sogenannten
Donnerkeile. Wir haben solche aus allen Erdteilen vor uns liegen. Die meisten
gehören dem Altertum an und dienten als Handwerkszeug oder Waffe, zu Keulen oder
Beilen, als Streihämmer und Streitäxte, als welche sie hier und da noch jetzt
bei lebenden Völkern vorkommen. Sie zeugen von dem Zustande des Kunstfleißes
untergegangener oder noch lebender Stämme. Manche sind von kostbarem Gesteine,
mit bewunderungswürdigem Fleiße gearbeitet, und solche aus späterer Zeit mit
edlen Metallen beschlagen. Aus ihrer Form läßt sich mit mehr oder weniger
Sicherheit auf ihren Zweck schließen. Einige wurden bloß mit der Hand gefaßt,
wie aus dem spindelförmig verlängerten Handgriff des rundlich zusammengedrückten
Keils hervorgeht<ent:thinsp/>; andere wurden in ein am oberen Ende einer Keule befindliches
Loch gesteckt, und die zu diesem Zwecke verwendeten Steine sind
zusammengedrückt, kürzer und plumper. Die Herren Macklot und Müller haben
Steinkeulen bei den rohen Bewohnern der Südwestküste von Neu-Guinea im Gebrauche
gefunden. Einige Steine waren ungebohrt und waren in einem am oberen Ende der
Keule befindlichen Loche befestigt. Ein Stein war gebohrt, vierstrahlig
sternförmig, von Hornstein und am oberen Ende einer mit Schnitzwerk verzierten
Keule angebracht. Am häufigsten kommen Steinkeile an hölzerne Stiele gebunden
und als Zimmer- und Schlachtbeile verwendet vor. Bei den Neuseeländern auf den
Gesellschafts- und Freundschaftsinseln hat sie Cook mit eigentümlichem
Schnitzwerke verziert angetroffen<ent:thinsp/>; Wilson fand ähnliche auf den Pelewinseln, von
Langsdorf auf Nukahiwa<ent:thinsp/>; und die meisten Seefahrer, welche die Inseln des stillen
Ozeans zuerst oder kurz nach deren Entdeckung besucht haben, erwähnen ihrer.
Jetzt gehören diese Werkzeuge schon unter die ethnographischen <cmd name="beginpage" args="{356}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg355">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg356">356</xhtml:a><xhtml:a href="#pg357">&gt;</xhtml:a></arg></cmd>
Seltenheiten, und bald werden sie, namentlich auf den Sandwich- und
Gesellschaftsinseln, von den Enkeln der früheren Besitzer als Überreste aus dem
Steinzeitalter ihrer Voreltern angestaunt werden. Im Altertum waren die
Steinkeile meistenteils bestimmt, in Holz eingesetzt zu werden und
wahrscheinlich von ähnlicher Herstellungsart, wie die noch lebenden Stämmen
angehörigen Werkzeuge<ent:thinsp/>; es sei, daß sie als Zimmer- und Streitäxte oder zu einem
gottesdienstlichen Gebrauche dienten. &lt;Fig. 49. <cmd name="emph"><arg>Verschiedene Formen von
Steinwaffen.</arg></cmd>&gt;</x>

<x>Das auf Fig. 49 Abb. <cmd name="emph"><arg>i</arg></cmd> in <ent:frac14/> natürlicher
Größe abgebildete Beil legen wir als Muster vor. Wir verdanken es nebst einem
ähnlichen unserem hohen Gönner und Freunde, dem Fürsten Soltykoff in Petersburg.
Beide sollen von den Washington-Inseln stammen. Auf eine von der ebenerwähnten
abweichende Weise an den Stiel befestigt sind die Steinkeile, welche Cook bei
den Neu-Caledoniern antraf. Hier ist der Steinkeil in die Spalte eines mit dem
kurzen Stiele einen spitzen Winkel bildenden Schnabels eingelassen und mit
Stricken befestigt. <cmd name="beginpage" args="{357}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg356">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg357">357</xhtml:a><xhtml:a href="#pg358">&gt;</xhtml:a></arg></cmd></x>

<x>In Japan findet man Steinkeile häufig in den Mineraliensammlungen dortiger
Liebhaber, und sie werden zuweilen jetzt noch mit anderen Steingeräten
ausgegraben. Auch hier nennen die Eingeborenen sie Donnerkeile, Raifu seki, oder
Tengu no masakari, Schlachtbeil des Tengu, Wächters des Himmels. Auf Fig. 49
<cmd name="emph"><arg>e, f</arg></cmd> und <cmd name="emph"><arg>h</arg></cmd>
sind die in unserer Sammlung befindlichen Donnerkeile von Japan abgebildet. Abb.
<cmd name="emph"><arg>e</arg></cmd> ist aus grauem Feldsteinporphyr, Abb. <cmd name="emph"><arg>f</arg></cmd> aus grünlich-gelbem dichten Feldstein, und Abb.
<cmd name="emph"><arg>h</arg></cmd> aus einem gelblich-grauen Hornsteinporphyr
verfertigt. Unsere japanischen Keile sind meistens kegelförmig zugespitzt, und
die beiden schmalen Seiten gewöhnlich abgerundet (s. Abbildungen <cmd name="emph"><arg>e</arg></cmd> und <cmd name="emph"><arg>f</arg></cmd>), selten
eckig (Abb. <cmd name="emph"><arg>g</arg></cmd>) und nie so scharf, wie man sie
bei den skandinavischen Keilen antrifft. Sie sind auf allen Seiten glatt
geschliffen und unterscheiden sich auch dadurch von den skandinavischen
Steinkeilen, welche gewöhnlich roh zugehauen sind. Aber auch unter diesen
nordischen Altertümern finden sich Keile von gleicher Form, wie die unseren. Bei
Pfalzdorf unweit Kleve gefundene Donnerkeile haben mit den japanischen eine
auffallende Ähnlichkeit. Den dortigen Landleuten gelten sie als ein Talisman
gegen Donnerschlag und Viehkrankheiten. Bemerkenswert ist es übrigens, daß man
auf Japan noch keine gebohrten Keile, welche man so häufig unter den
skandinavischen Steinsachen gefunden, entdeckt hat. Gebohrte Steine scheinen
überhaupt einer späteren Zeit anzugehören.</x>

<x>An die Donnerkeile reihen wir eine andere Art alter Steinwerkzeuge, die
sogenannten Fuchshobel (Kitsuneno kanna) und die Fuchsbeile (Kitsuneno nomi),
nach dem japanischen Volksglauben, Geräte des Teufels, für dessen Symbol der
Fuchs gilt. Unter der ersten Benennung besitzt der mehrerwähnte japanische Autor
ein Exemplar, welches er im Jahre 1773 aus der Provinz Noto erhalten, wo es zu
Iwa kuruma bei Nanawo gefunden worden. Seine Abbildung gleicht unserer Abb. <cmd name="emph"><arg>g</arg></cmd> auf Fig. 49<ent:thinsp/>; nur ist sein Stein kürzer als der
unsrige und auf einer Seite gewölbt. &CMD.dlq;Was die Form angeht&CMD.drq;, sagt unser Autor,
&CMD.dlq;unterscheiden sich diese altertümlichen Steine nicht von dem Schab- oder
Hobeleisen der Zimmerleute<ent:thinsp/>; sie sind schwarz und rot, glänzen wie polierte
Juwelen und sind sehr schön und selten. Aus demselben Lande habe ich später ein
Exemplar erhalten, das glänzend gelblich und rot ist. In jenen Gegenden nennt
sie der Volksmund Kitsuneno kanna. Es mögen indessen Altertümer aus der Kamizeit
sein. Meines Wissens bin ich allein im Besitze solcher Stücke.&CMD.drqsp; Unser Exemplar
ist von dunkelgrüner, glänzender Farbe, aus dichtem Feldsteine verfertigt. &CMD.dlq;Die
Kitsuneno nomi (Fuchsbeile)&CMD.drq;, fährt unser japanischer Autor fort, &CMD.dlq;stammen
gleichfalls aus der Provinz Noto und zwar von demselben Orte wie die
Teufelshobel<ent:thinsp/>; sind aber von einer andern sehr harten Steinart. Sie haben
holzartige Structur, sind glatt rund und vorne zugeschliffen. Auch sie gehören
wohl der vorgeschichtlichen Geisterzeit an.&CMD.drqsp; Der Verfasser, der im alleinigen
Besitze solcher Stücke zu sein glaubt, behauptet gleichfalls, daß sie in die
Klasse der Donnerkeile gehören, ob sie auch in Hinsicht auf Form und Steinart
davon verschieden sind.</x>

<x>Auch steinerne Messer und andere ähnliche schneidende Werkzeuge werden in
Japan gefunden. Einige davon aus unserer Sammlung haben wir auf Fig. 49 in
natürlicher Größe abgebildet. Abb. <cmd name="emph"><arg>a</arg></cmd> und <cmd name="emph"><arg>b</arg></cmd> zeigen uns zwei Messer und Abb. <cmd name="emph"><arg>c</arg></cmd> und <cmd name="emph"><arg>d</arg></cmd>
meißelförmige Werkezeuge. Die drei ersten sind von ockergelbem Holzsteine, das
vierte Stück von Feuerstein. Auch unser japanischer Archäolog beschreibt
Steinmesser unter der Benennung Seki t<ent:omacr/> (chin. Schi tao, d.<ent:thinsp/>i. steinerne Messer).
Die eine Art gleicht unserer Abb. <cmd name="emph"><arg>b</arg></cmd>, die
andere, deren Abbildung wir auf Fig. 50 Abb. <cmd name="emph"><arg>k</arg></cmd>
und <cmd name="emph"><arg>l</arg></cmd> <cmd name="beginpage" args="{358}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg357">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg358">358</xhtml:a><xhtml:a href="#pg359">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> wiedergeben, den Messern von
Thonschiefer, welche noch heutzutage die Koljuschen gebrauchen. &CMD.dlq;Es sind&CMD.drq;,
sagt unser Autor, &CMD.dlq;Geisterstücke des Altertums, und die Sammlung des Tempels
Fugenin bewahrt davon zwei Arten, welche beide in Jamato auf dem Berge Miwano
jama ausgegraben wurden.&CMD.drqsp; Unsere Abb. <cmd name="emph"><arg>k</arg></cmd>
gehört dahin. Eine andere Art stammt vom Berge Akiwasan in Sinano und befindet
sich in der Sammlung unseres japanischen Archäologen (Abb. <cmd name="emph"><arg>l</arg></cmd>), der außer diesen noch einige andere denkwürdige
Schneidewerkzeuge von Stein beobachtete, und dessen Mitteilung darüber wir hier
als einen wichtigen Beitrag aus seinem Werke aufnehmen wollen. &CMD.dlq;Das Seirj<ent:omacr/>
t<ent:omacr/>isi, d.<ent:thinsp/>i. Steinmesser des grünen Drachen&CMD.drqsp; (Fig. 50 Abb. <cmd name="emph"><arg>s</arg></cmd>), heißt es, &CMD.dlq;wurde von einem Altertumsfreunde
aus Matsumaë (auf Jezo) nach Mijako geschickt. Der Sender hat es am Kumaisi in
der Nähe von Jesasimura, Bezirk Matsumaë, ausgegraben.&CMD.drqsp; Zu näherem
Verständnisse des Namens erinnern wir den Leser, daß die japanische Mythe den
Drachen mit einem Schwerte als Schweifspitze bewaffnet. &CMD.dlq;Ein ähnliches (Abb.
<cmd name="emph"><arg>m</arg></cmd>) besteht aus einem aschfarbigen harten
Stein, ist 5 Bun (0,01515 Meter) dick und entspricht, was die Form anlangt, der
zur Seite stehenden Abbildung. Das Exemplar befindet sich nebst andern in einer
Sammlung des Tempels Kw<ent:omacr/>kokzizu Takada in Jetsigo.&CMD.drqsp; Ein anderes (Abb. <cmd name="emph"><arg>n</arg></cmd>) wurde auf dem Berge von Atano in Fida
ausgegraben und befindet sich in der Sammlung eines Liebhabers zu Takajama in
Hida. Die eine Seite ist scharf, die andere stumpf<ent:thinsp/>; das Messer ist 8 Sun (0,2424
Meter) lang, 1 Sun 3 Bun (0,03939 Meter) breit, 8 Bun (0,02424 Meter) dick und
besteht aus sehr hartem mausfarbigem Stein&CMD.drqsp; (wahrscheinlich auch aus
Schieferstein).</x>

<x>Ferner beschreibt unser japanischer Autor unter dem Namen Tenguno mesikui,
d.<ent:thinsp/>i. Reislöffel des Tengu, Steine, welche zwischen den Pfeilspitzen und
Steinmessern die Mitte halten und, wie uns dünkt, ursprünglich an hölzernen
Griffen befestigt, zu Messern dienten. In unserer Sammlung befinden sich auch
solche aus ockergelbem Holzsteine<ent:thinsp/>; aber wir hielten sie für nachgemacht und
gaben daher keine Abbildung davon. Unser Japaner hat 28 Arten abgebildet. &CMD.dlq;Sie
gehören&CMD.drq;, sagt er in seiner Erläuterung, &CMD.dlq;zur Klasse der steinernen
Pfeilspitzen und haben, was die Form im allgemeinen angeht, unter sich viel
Übereinstimmendes. In der Provinz Mino bei Akasaka in dem Dorfe Itsibasi mura am
Fuße des Berges Kinsj<ent:omacr/>zan, wo sich eine Sammlung steinerner Pfeilspitzen
befindet, bewahrt man auch 20 Exemplare dieser steinernen Löffel, die auf dem
genannten Berge gefunden worden. Sie sind nicht alle von ganz gleicher Form und
Farbe, sondern teils grün, teils schwarz, teils rot und selbst purpurfarbig,
durchgängig aber ganz platt. Sie kommen zwar an jenen Stellen, wo sich
Donnerkeile, steinerne Pfeilspitzen und Magatama finden, vor, aber äußerst
selten, weswegen sie auch schwer zu erhalten sind. Im Lande Mino nennt man sie
Tenguno mesikui, ebenso in den Provinzen Dewa, Jetsigo und Hida, wo sie
gleichfalls gefunden werden. Die Bewohner von Sado und Noto dagegen heißen sie
Kitsuneno kui (Fuchs-Löffel). Ich habe mir aus den genannten sechs Provinzen 10
Stücke verschafft und sie mit den in der (Sokusekitei) Pfeilspitzensammlung zu
Itsibasimura und im Tempel D<ent:omacr/>si des Landes Mino auf&GER.nolig;bewahrten Exemplaren
verglichen.&CMD.drq;</x>

<x>Auf Fig. 50 haben wir noch einige andere, uns sehr merkwürdig scheinende
Steinsachen, größtenteils aus dem öfters genannten Buche unseres japanischen
Archäologen entlehnt, abgebildet. Sie gehören alle dem mythologischen Alterthum,
der sogenannten <cmd name="beginpage" args="{359}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg358">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg359">359</xhtml:a><xhtml:a href="#pg360">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> Geisterzeit, an und waren allem Anscheine nach
Waffen oder Verzierungen von Waffen. Wir nennen zuerst die Seki kent<ent:omacr/>, d.<ent:thinsp/>i.
steinernen Säbelknöpfe, die halbmondförmig ausgeschnitten und mit Knöpfen
versehen sind. &CMD.dlq;Sie wurden&CMD.drq;, sagt unser Archäolog, &CMD.dlq;wiewohl selten, hie und
da in Jamato auf altem Boden von Kamikapellen ausgegraben, und Exemplare davon,
aus Jamato stammend, befinden sich in verschiedenen Sammlungen in Jamato, Ise
und <ent:Omacr/>saka. Der Inhaber der Kuriositätensammlung in Ise, Tanigava Udsi, erklärt
diese Stücke für Säbelknöpfe aus der Geisterzeit.&CMD.drqsp; &lt;Fig. 50. <cmd name="emph"><arg>Waffen aus der
ältesten Zeit.</arg></cmd>&gt; Das in Abb. <cmd name="emph"><arg>d</arg></cmd> in
natürlicher Größe abgebildete Stück fanden wir in einer Mineraliensammlung,
welche wir in <ent:Omacr/>saka gekauft. Es ist grünlich-grauer Speckstein. Wahrscheinlich
waren die Originale der im angeführten japanischen Werke befindlichen
Abbildungen von demselben Gesteine, was höchst merkwürdig wäre, da der
Speckstein nur selten in Japan, um so häufiger aber auf dem benachbarten
Festlande, in Korea und China, vorkommt. Das Original zu Abb. <cmd name="emph"><arg>e</arg></cmd> soll in einer Sammlung <cmd name="beginpage" args="{360}"><arg type="xml"><xhtml:a href="#pg359">&lt;</xhtml:a><xhtml:a id="pg360">360</xhtml:a><xhtml:a href="#pg361">&gt;</xhtml:a></arg></cmd> in Ise
auf&GER.nolig;bewahrt werden. Sein Fundort ist unbekannt. Abb. <cmd name="emph"><arg>f</arg></cmd> wurde zu Akitsu-kimura, Bezirk Nagusa der Provinz
Kii, gefunden und wird in einer Sammlung des Tempels Jekisj<ent:omacr/> zensi zu Karatsu in
Omi bewahrt. Abb. <cmd name="emph"><arg>g</arg></cmd> kommt vom Berge Miwajama
in Jamato<ent:thinsp/>; Abb. <cmd name="emph"><arg>h</arg></cmd> wurde in dem Weichbild der
Kamihalle Nitsizengu in Kii und Abb. <cmd name="emph"><arg>i</arg></cmd> auf dem
Territorium des Kamihofes des Dai mj<ent:omacr/> zin im Bezirke Kubiki der Provinz Jetsigo
ausgegraben<ent:thinsp/>; ersteres ist grün, letzteres mausefarbig. Diese Säbelknöpfe sind
meistenteils mit einem Loche versehen, und man trug sie mit Magatama und anderen
Kostbarkeiten an Schnüren angereiht, wie es jetzt noch die Ainos auf Jezo mit
japanischen Säbelstichblättern und anderen Seltenheiten tun.</x>

<x>Wir kommen zu den in Abb. <cmd name="emph"><arg>o, p</arg></cmd> und <cmd name="emph"><arg>q</arg></cmd> abgebildeten Steinschlägeln, deren Umrisse wir
aus dem mehrerwähnten Buche entlehnen. Von Abb. <cmd name="emph"><arg>p</arg></cmd> teilt der Japaner folgendes mit<ent:thinsp/>: &CMD.dlq;In der Provinz
Omi, im Bezirke Kurimoto, stand vor Alters ein Buddhatempel Namens Sint<ent:omacr/> (Tempel
der Wahrheit). Nach dessen Abbruch bildete sich da ein Dorf, das den Namen Sint<ent:omacr/>
mura führte. Im 6. Jahre Anjei (1777) fand man in dem Weichbilde dieses Dorfes
in einer Tiefe von 5 Fuß einen chinesischen Sarg von Stein, worin ein Stein von
sehr sonderbarer Form, 1 Fuß, 7 Sun, 5 Bun lang, in der Mitte mit einem Griffe
versehen und nach beiden Enden hin dünner zulaufend<ent:thinsp/>; er war sehr hart und von
grünem Edelstein. Was es sei, wusste niemand zu sagen. Allem Anscheine nach war
es ein Schatzstück des alten Tempels.&CMD.drqsp; Der Verfasser meint, es sei ein
Isitsutsutsui (steinerner Schlägel), dessen im alten Nipponki in der Biographie
Zinmus Erwähnung geschieht. Wie dem Verfasser ein Mann aus Jesasimura bei
Matsumae erzählte, hat man auch in der Nähe jenes Dorfes ein solches Stück
gefunden, und da dies gerade nach einem Ungewitter stattfand, es für den
Trommelschlägel des Donnergottes gehalten, und als man diesem eine Kapelle
baute, dasselbe darin verehrt. Das abgebildete Stück hat in der Mitte 5 Sun 8
Bun (0,17574 Meter) im Umfang<ent:thinsp/>; der Knopf am oberen Ende mißt 3 Sun 8 Bun
(0,11514 Meter), der am unteren 4 Sun 6 Bun (0,13938 Meter) im Umfang.</x>

<x>Unsere einfältigen Landleute, welche in den keilförmigen Steinwaffen der
Urbewohner ihrer Gaue die Donnerkeile aufzufinden glaubten, welche einst ihre
hundertjährigen Eichen zerschmetterten, würden mit der Benennung dieses
schlegelförmigen Steines in Verlegenheit gekommen sein. Die sinnigen
Eingeborenen der japanischen Inseln, welche schon der Bedeutung der Donnerkeile
näher auf der Spur sind und die keilförmigen Steine Schlachtbeile des
Himmelswächters nennen, erkannten sogleich den antiken Trommelschläger ihres
Zeus, des Raiden, d.<ent:thinsp/>i. Donner und Blitz, den die japanische Mythologie als einen
gehörnten, grimmigen, riesenstarken menschenähnlichen Himmelsgeist darstellt und
ihn, in schwarze Wolken gehüllt, auf sich um ihn im Kreise drehende Trommeln mit
schweren Schlägeln schlagen läßt.<cmd name="fntextref" args="{6}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNmark6" href="#FNtext6">(6)</xhtml:a></arg></cmd></x>





<cmd name="subsection*" id="ssec-ANM"><arg>Anmerkungen</arg></cmd>

<x/> <!-- for indentation of next/1st paragraph -->

<x><cmd name="indent"/><cmd name="fnmarkref" args="{1}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext1" href="#FNmark1">(1)</xhtml:a></arg></cmd>
Nipponki, IV, Blatt 2.</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{2}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext2" href="#FNmark2">(2)</xhtml:a></arg></cmd>
Rhus succedaneum (Hase). Salix Japonica (Ito-janagi). Bambusa Mataka und B. M<ent:omacr/>s<ent:omacr/>.</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{3}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext3" href="#FNmark3">(3)</xhtml:a></arg></cmd>
Calamus Rotang<ent:thinsp/>; ein Artikel der Einfuhr.</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{4}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext4" href="#FNmark4">(4)</xhtml:a></arg></cmd>
In früheren Jahren bis 1776 trugen sämtliche nach dem Hofe zu Jedo ziehenden
Niederländer ihre Degen. Jetzt ist es nur den Gesandten gestattet, und man weiß
nicht recht zu sagen, wie seine Begleiter des gleichen Rechts verlustig wurden.
Der russische Gesandte von Resanoff wußte es sehr gut zu erwirken, daß man
seinen Offizieren das Tragen ihrer militärischen Auszeichnungen erlaubte, und
eine russische Ehrenwache begleitete ihn zur Audienz bei dem Statthalter von
Nagasaki. Dagegen begnügen sich die Direktoren des niederländischen Handels mit
einem spanischen Rohre, womit sie auf Dezima einherschreiten, und lassen sich
bei offiziellen Besuchen, auch bei sonstigen Vergnügungsausflügen ihren Degen
als Würdezeichen mit Pantoffeln, Theemaschine und Laternen nachtragen. Es ist
dies angeblich japanische Sitte<ent:thinsp/>!</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{5}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext5" href="#FNmark5">(5)</xhtml:a></arg></cmd>
Meinem unvergeßlichen Freunde Tsjusiro, Dolmetscher am Hofe des Sj<ent:omacr/>gun
(1822<ent:ndash/>1826), verdanke ich die nachstehende, in historischer
Hinsicht höchst interessante Mitteilung. &CMD.dlq;Joritomo, der
sich im Jahre 1185 zum Oberfeldherrn des Reiches mit unumschränkter Gewalt
aufgeworfen hatte, verbannte seinen jüngsten Bruder Jositsune nach Osju, dem
nördlichen Teile von Nippon. Der Verwiesene fand da gute Aufnahme und zahlreiche
Anhänger seiner Partei. Da sandte Joritomo Truppen zu deren Vernichtung. Doch
Jositsune entwich mit seinen Getreuen nach Jezo, von wo aus er nach der Tatarei
übersetzte. Von diesem Jositsune stammt angeblich Pei-li-wang, König der Kiur
ki&CMD.drqsp; (Genghis). Diesem wichtigen Ereignis spricht zwar
die japanische Reichsgeschichte geradezu entgegen<ent:thinsp/>; denn laut dem
Wakan nenkei wurde Jositsune im 4. Monat 1189 vom General Jasuhira in Osju
geschlagen und nahm sich selbst das Leben<ent:thinsp/>; und, nach einer Angabe
des Nippon Wodai itsiran, sandte Jasuhira sogar das Haupt des Gefallenen an den
Sj<ent:omacr/>gun Joritomo<ent:thinsp/>: allein dieser Widerspruch läßt sich leicht
auf&GER.nolig;klären, wenn man dabei nur die Strenge der Gesetze im Auge hat, welche den
gegen Jositsune entsandten General, bei bekannt gewordener Flucht des Empörers,
unfehlbar mit dem Tode bestraft hätten, und wenn man die japanische Politik
näher kennt, der alles daran gelegen sein mußte, die Flucht eines der ersten
Reichsgroßen, der unberechenbaren Folgen wegen, als Staatsgeheimnis zu
bewahren.</x>

<x><cmd name="fnmarkref" args="{6}"><arg type="xml"><xhtml:a id="FNtext6" href="#FNmark6">(6)</xhtml:a></arg></cmd>
Siehe Pantheon, pag. 143, Tab. 36, Fig. 523. 1. Auf&GER.nolig;lage d. Nippon.</x>



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